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Notker der Deutsche und seine Aufzeichnung des Althochdeutschen

Title: Notker der Deutsche und seine  Aufzeichnung des Althochdeutschen

Term Paper , 2005 , 15 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Toralf Schrader (Author)

German Studies - Linguistics
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Summary Excerpt Details

Der Mönch im Mittelalter ist ein gottesfürchtiger, arbeitsamer und leider auch anonymer Mensch, der weniger durch das Hervortreten seiner Persönlichkeit, als durch sein Schaffen in der Gemeinschaft seiner Brüder zu uns spricht. So ist es schwer, etwas über den einzelnen Gelehrten und magister zu erfahren, wenn er nie bis zum Abt aufgestiegen ist. So wird deutlich, wie erstaunlich das Wirken eines Mönchs aus dem Kloster St. Gallen, südlich des Bodensees, gewesen sein muss, dessen Leben und Werk mehr als 730 Aufsätze, Monographien, Artikel und Editionen zum Thema haben. Das Interesse für seine Leistung ist berechtigt, denn dieser Notker Teutonicus betrieb intensive Übersetzertätigkeit, die dank der Verbindung mit einer ungewöhnlich breiten Überlieferungslage seines Klosters bis heute zu großen Teilen erhalten ist. In einer vom Schrifttum in lateinischer Sprache geprägten Zeit, gehört er zu denjenigen literati, die bereits die Volkssprache mitbeachteten. Der Umfang seiner Übersetzungsleistung wird in seinem Beinamen Teutonicus ersichtlich. Doch betrieb er sie nicht als Selbstzweck, sondern stets, um das Verständnis der antiken und christlich Schriften zu erleichtern, die in lateinischer Sprache verfasst waren. Wie groß sein Bemühen um eine angemessene Wiedergabe der Volkssprache war, soll sich in der zweiten Hälfte der Arbeit zeigen. Dabei soll es nicht um seine Semantik gehen, die er in Anbetracht der vielfachen Übertragungsmöglichkeiten lateinischer Begriffe ins Althochdeutsche sehr vorsichtig betrieb, sondern um seine Versuche die Mundart seiner Umwelt in das Schriftsystem möglichst genau zu übertragen.
Mitunter taucht hinter Notkers Namen noch der Beiname Labeo , oder einfach die Ziffer drei auf, um ihn von seinen ebenfalls relativ berühmten Verwandten abzugrenzen, die ebenfalls in St. Gallen tätig waren (Notker I., balbulus oder poeta, Notker II., medicus oder piperisgranum, und dem Abt Notker). Von den Informationen aus erster Hand, existiert nur ein einziges persönliches Schriftstück von Notker III. selbst, in dem er über seine Tätigkeit als Leiter und Lehrer an der Klosterschule und seine Übersetzungstätigkeit schreibt, der Brief an den Bischof Hugo von Sitten. Es existieren keine Quellen über seine Herkunft, sein genaues
Geburtsdatum oder den Zeitpunkt seines Eintritts in das Kloster St. Gallen. Neben dem Brief
gibt es erst nach Notkers Tod weitere Zeugnisse über ihn, einmal aus dem Totenregister des Klosters und zum anderen von seinem Schüler Ekkehart IV., der ihn offenbar sehr verehrte. Gerade auch für die Frage welche Sprache Notker aufzeichnete und mit welcher Motivation er es in seiner möglichst exakten Art und Weise tat, ist eine Behandlung seines Lebens von großem Interesse. Dieses Thema soll neben der Entwicklung St. Gallens zu einem Hort für „Musterfälle volkssprachlicher Buchkultur“ im ersten Teil der Arbeit beleuchtet werden. Der Verdienst Notkers für die heutige Sprachwissenschaft bleibt, dass er eine sichere Insel für die Untersuchung der althochdeutschen Sprache und teilweise sogar der Aussprache seines alemannischen Heimatdialektes ist.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Notker der Deutsche und seine Heimat

2.1. Das Kloster St. Gallen und seine sprachgeschichtliche Rolle

2.2. Herkunft und Leben Notkers III., sein Schaffen und Wirken

3. Die Umsetzung der alemannischen Mundart in der Graphemik Notkers

3.1. Sein Akzentsystem

3.2. Das Notkersche Anlautgesetz

3.3. Weitere lautliche Merkmale in seinen Texten

4. Schlussbetrachtung

5. Literaturnachweis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Wirken von Notker dem Deutschen, insbesondere seine innovative Übersetzertätigkeit am Kloster St. Gallen. Dabei liegt der Fokus auf der Frage, wie Notker als Gelehrter und Lehrer die althochdeutsche Volkssprache durch ein präzises graphematisches System – inklusive Akzentsetzung und Anlautgesetz – in das Schriftsystem übertrug und damit eine neue Form der Buchsprache schuf.

  • Die Rolle des Klosters St. Gallen für die althochdeutsche Sprachkultur
  • Biographische Einordnung und das Selbstverständnis Notkers als Übersetzer
  • Analyse des Akzentsystems zur Fixierung der alemannischen Mundart
  • Das Notkersche Anlautgesetz als linguistische Besonderheit
  • Die Bedeutung von Synkopen und weiteren lautlichen Merkmalen in Notkers Werken

Auszug aus dem Buch

3.2. Das Notkersche Anlautgesetz

Auch mit dem sogenannten Anlautgesetz verfolgte Notker eine auf genauer Beobachtung gründende Aufzeichnung seines alemannischen Heimatdialektes. Es handelt sich also um ein von ihm begründetes System, zumindest in dieser Kontinuität der Nutzung. In groben Zügen formuliert, handelt es sich dabei um den regelmäßigen Wechsel von b und p, d und t, g und k im Anlaut eines Wortes (daher der Name). Teilweise lässt sich auch ein v – f – Wechsel feststellen. Wenn das unmittelbar vorherige Wort stimmhaft endet, mit einem Vokal, einem Nasal (m oder n) oder einem Liquid (l oder r), so ist im Anlaut des folgenden Wortes ein weicher Laut (also b, d oder g) zu finden. Folgende Beispiele mögen zur Anschauung dienen: Ter brûoder, únde des prûoder; tes kóldes, únde demo gólde; éin bílde, mísseliches píldes; ih fáhe, tu váhest. Wie hier bereits erkennbar, stehen die harten Laute (p, t und k) nach Worten, die mit einem der übrigen Konsonanten (m, n, l und r demnach ausgeschlossen) enden, ebenso stehen sie bei Notker am Satzanfang und nach Pausen, die in seinen Texten durch Punkte gekennzeichnet sind. Natürlich gibt es Grenzen in der Form der Darstellung von sprachlicher Variation auf dem Papier, er musste verallgemeinern, das zeigt sich allein schon in der Regelmäßigkeit des Anlautwechsels. Verstöße gegen diesen Wechsel sind folglich sehr selten, so dass auch hier mögliche Unregelmäßigkeiten vermutlich auf die Verfehlung der Schreiber zurückgehen. Ein Beispiel hierfür ist die Stelle íh méino zuíualat hóhôr. dáz uuír dánne hóhôr ánafáhen nemúgen, da hier das stimmlose t nach der Pause folgen müsste, wie in únde áber éines toni níderôr ypodorius. Táz íst ter níderosto.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Person Notkers III., seine Bedeutung als Gelehrter im Kloster St. Gallen und die methodische Herangehensweise der Arbeit.

2. Notker der Deutsche und seine Heimat: Beleuchtung der historischen Rolle des Klosters St. Gallen und des Lebensweges von Notker III. als Lehrer und Übersetzer.

3. Die Umsetzung der alemannischen Mundart in der Graphemik Notkers: Detaillierte Analyse seiner linguistischen Neuerungen, insbesondere des Akzentsystems, des Anlautgesetzes und weiterer phonetisch-graphematischer Besonderheiten.

4. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Würdigung der Übersetzungsleistung Notkers und seiner Rolle als Wendepunkt in der althochdeutschen Sprachgeschichte.

5. Literaturnachweis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur zur Arbeit.

Schlüsselwörter

Notker der Deutsche, Althochdeutsch, St. Gallen, Übersetzertätigkeit, alemannische Mundart, Graphemik, Akzentsystem, Anlautgesetz, Buchsprache, Synkope, Sprachgeschichte, Mittelalter, Klosterschule, Sprachwissenschaft, Notker Teutonicus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit behandelt das Werk und das linguistische Wirken von Notker dem Deutschen (Notker III.) im Kontext des mittelalterlichen Klosters St. Gallen.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?

Thematisiert werden insbesondere seine Rolle als Gelehrter, seine Übersetzungsmethode lateinischer Texte in die Volkssprache sowie seine innovativen Versuche, den alemannischen Dialekt graphematisch zu fixieren.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, die Leistungen Notkers bei der Entwicklung einer "lateinisch-althochdeutschen Buchsprache" und seine systematischen Ansätze zur schriftlichen Wiedergabe der gesprochenen Sprache aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Es handelt sich um eine philologische und sprachhistorische Analyse, die Notkers Schriften und deren graphematische Besonderheiten (Akzente, Anlautgesetz) untersucht.

Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die biographische Einordnung Notkers, die Darstellung des Klosterlebens sowie eine detaillierte linguistische Untersuchung seiner orthographischen und lautlichen Regelungen.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt zusammenfassen?

Wichtige Begriffe sind Notker der Deutsche, Althochdeutsch, alemannische Mundart, Graphemik, Anlautgesetz und Akzentsystem.

Welche Rolle spielt das Kloster St. Gallen für Notkers Arbeit?

St. Gallen bildete als bedeutendes Skriptorium und Zentrum der Gelehrsamkeit den notwendigen Kontext, der es Notker ermöglichte, seine umfangreiche Übersetzungs- und Lehrtätigkeit auszuüben.

Was besagt das Notkersche Anlautgesetz konkret?

Es beschreibt den regelmäßigen Wechsel zwischen den stimmlosen Verschlusslauten (p, t, k) und ihren stimmhaften Entsprechungen (b, d, g) im Anlaut, abhängig vom vorherigen Laut.

Warum wird Notker auch als "Teutonicus" bezeichnet?

Der Beiname unterstreicht seine besondere Bedeutung für die althochdeutsche Sprachkultur und seine intensive, zielgerichtete Übersetzungsleistung aus dem Lateinischen ins Deutsche.

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Details

Title
Notker der Deutsche und seine Aufzeichnung des Althochdeutschen
College
Dresden Technical University  (Fakultät Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften - Lehrstuhl für Germanistische Linguistik und Sprachgeschichte )
Course
Seminar III: Althochdeutsch
Grade
1,3
Author
Toralf Schrader (Author)
Publication Year
2005
Pages
15
Catalog Number
V119802
ISBN (eBook)
9783640232499
ISBN (Book)
9783640232666
Language
German
Tags
Notker Deutsche Aufzeichnung Althochdeutschen Seminar Althochdeutsch
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Toralf Schrader (Author), 2005, Notker der Deutsche und seine Aufzeichnung des Althochdeutschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119802
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