Das Unterrichtspraktikum an der Schule für Geistigbehinderte ist aus verschiedenen Gründen als außerordentlich wertvoll und wegweisend zu bewerten. Zunächst bietet es die im Studienverlauf seltene Möglichkeit, seine pädagogischen Fähigkeiten in der Praxis zu erproben. Der häufig sehr theorielastigen universitären Ausbildung wird dadurch ein notwendiges Gegengewicht gesetzt. Die Erfahrungen langjähriger Sonderpädagogen sind für die eigenen Berufsvorstellungen und –ideale eine optimale Ergänzung. Der Einblick in ihren Berufsalltag schärft den Blick für das eigene Berufsverständnis. Nur durch diese praktischen Erfahrungen ist es möglich, die an der Universität erworbenen theoretischen Kenntnisse um den notwendigen Realitätsbezug zu erweitern.
Die besonderen Bedürfnisse von Schülern mit geistiger Behinderung sind während dieses Praktikums für mich erstmals plastisch sichtbar geworden. Die Möglichkeiten und Grenzen meines eigenen pädagogischen Handelns konnte ich in dieser Zeit austesten und überprüfen und meine Vorstellungen davon wurden durch die Unterrichtsversuche vielfach korrigiert.
Über die direkte Begegnung mit Schülern und Lehrern hinaus konnte ich auch wertvolle Einblicke in die organisatorischen und administrativen Abläufe der Institution Schule für Geistigbehinderte gewinnen. Zusammenfassend ist das Unterrichtspraktikum in meinen Augen der wesentlichste Bestandteil der Ausbildung von Sonderpädagogen innerhalb der ersten Ausbildungsphase, da es den möglichen späteren Berufsalltag mit seinen Herausforderungen unmittelbar erfahrbar macht.
Inhaltsverzeichnis
1. Allgemeine Gesamtreflexion des Unterrichtspraktikums
2. Begriffsklärung: Was versteht man unter einem didaktischen Modell und wozu dient es?
3. Klassifikation didaktischer Modelle
3.1 Bildung
3.2 Lernen
3.3 Interaktion
4. Das lehrtheoretische didaktische Modell von SCHULZ
4.1 Das Planungsmodell
5. Didaktische Theorien und ihre Bedeutung für die Unterrichtsplanung: Erfahrungen
6. Kritik am Lehrtheoretischen Modell
7. Abschließende Bewertung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit reflektiert die Bedeutung didaktischer Modelle für die praktische Unterrichtsplanung im Kontext der Geistigbehindertenpädagogik. Der Autor setzt sich kritisch mit seinem eigenen unterrichtspraktischen Handeln auseinander und prüft, inwieweit theoretische Planungsmodelle, exemplarisch dargestellt am lehrtheoretischen Modell von Wolfgang Schulz, eine Hilfestellung für den schulischen Alltag bieten können.
- Reflexion des schulpraktischen Handelns in der Geistigbehindertenpädagogik
- Terminologische Einordnung und Klassifikation didaktischer Modelle
- Analyse des lehrtheoretischen Planungsmodells nach Wolfgang Schulz
- Kritische Auseinandersetzung mit der Anwendbarkeit didaktischer Theorien
- Bedeutung der Unterrichtsplanung und deren Strukturelemente
Auszug aus dem Buch
Das lehrtheoretische didaktische Modell von SCHULZ
An dieser Stelle wird exemplarisch für die Fülle vorhandener didaktischer Theorien das lehrtheoretische didaktische Modell von Wolfgang SCHULZ in Ansätzen vorgestellt. Im erziehungswissenschaftlichen Fachdiskurs hat sich auch die Bezeichnung „Hamburger Modell“ etabliert. Das Hamburger Modell wurde von SCHULZ als eine Weiterentwicklung des Berliner Modells (oder lerntheoretischen Modells) erarbeitet und 1980 erstmals publiziert.
Es beinhaltet eine Fülle von Schemata und Begriffsgruppen, von dem ich aber nur das Planungsmodell als Auszug in diesem Kapitel erläutere, da die meisten anderen Komponenten des Modells zum einen nur veränderte Darstellungen aus dem Berliner Modell und damit nicht wirklich innovativ sind und zum anderen keine besondere Relevanz für diese Reflexion haben.
Das Planungsmodell: Schulz unterscheidet vier verschiedene Planungsebenen, die er nach der zeitlichen Abfolge, in der Lehrer sie bei der Unterrichtsplanung durchlaufen sollen, ordnet: In der Perspektivplanung wird der Unterricht für einen längeren Zeitraum - etwa ein Jahr oder ein Halbjahr - zu Lehrgängen und Unterrichtseinheiten geordnet. In der Umrissplanung werden die ausgewählten Unterrichtseinheiten zu Sinneinheiten geordnet und didaktisch-methodisch vorstrukturiert. Die Prozessplanung klärt, wie der konkrete Unterricht einzelner Stunden auf der Grundlage der Umrissplanung aussehen könnte. Die Planungskorrektur während der Umsetzung der Prozessplanung antwortet auf nicht vorhergesehene neue Faktoren.
Zusammenfassung der Kapitel
Allgemeine Gesamtreflexion des Unterrichtspraktikums: Der Autor bewertet das Praktikum an der Schule für Geistigbehinderte als wesentlichen und wertvollen Bestandteil seiner sonderpädagogischen Ausbildung, der die notwendige Verbindung zwischen universitärem Wissen und praktischem Berufsalltag schafft.
Begriffsklärung: Was versteht man unter einem didaktischen Modell und wozu dient es?: Es wird eine theoretische Definition erarbeitet, die didaktische Modelle als Theoriegebäude zur Analyse und Planung von Lehr- und Lernsituationen begreift, welche helfen sollen, didaktische Normen bewusst zu machen.
Klassifikation didaktischer Modelle: Basierend auf der Klassifikation von Kron werden didaktische Ansätze in die drei Leitbegriffe Bildung, Lernen und Interaktion unterteilt und kurz skizziert.
Das lehrtheoretische didaktische Modell von SCHULZ: Dieses Kapitel stellt exemplarisch das „Hamburger Modell“ vor und fokussiert dabei insbesondere auf die vier Planungsebenen der Perspektiv-, Umriss-, Prozessplanung und Planungskorrektur.
Didaktische Theorien und ihre Bedeutung für die Unterrichtsplanung: Erfahrungen: Der Autor reflektiert seine praktischen Erfahrungen und kommt zu dem Schluss, dass didaktische Modelle zwar für die strukturierte Planung hilfreich sein können, die praktische Umsetzung aber oft intuitiv erfolgt.
Kritik am Lehrtheoretischen Modell: Es wird kritisiert, dass das Modell von Schulz teilweise schwer auf den konkreten Alltagsunterricht übertragbar ist und der Lehrkraft nur wenig direkte strategische Handlungsanweisungen bietet.
Abschließende Bewertung: Der Autor fasst zusammen, dass didaktische Modelle für das direkte Unterrichtsgeschehen zwar eher unbedeutend sind, für eine strukturierte und sicher geplante Unterrichtsgestaltung jedoch einen hohen Stellenwert einnehmen.
Schlüsselwörter
Geistigbehindertenpädagogik, Unterrichtspraktikum, Didaktische Modelle, Unterrichtsplanung, Wolfgang Schulz, Hamburger Modell, Lehrtheoretische Didaktik, Bildungstheoretische Didaktik, Prozessplanung, Schulpraxis, Sonderpädagogik, Didaktische Theorie, Interdependenz, Unterrichtsreflexion, Lehrerbildung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit reflektiert die Erfahrungen aus einem Unterrichtspraktikum an einer Schule für Geistigbehinderte und untersucht die Bedeutung theoretischer didaktischer Modelle für die praktische Unterrichtsplanung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die Rolle von Didaktik in der Sonderpädagogik, die Funktionsweise didaktischer Modelle und die praktische Anwendung von Planungsstrukturen im Schulalltag.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Nutzen didaktischer Theorie für angehende Sonderpädagogen kritisch zu hinterfragen und zu prüfen, ob und wie diese Modelle das konkrete unterrichtliche Handeln unterstützen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich primär um eine theoretische Reflexion, die durch den Rückgriff auf Fachliteratur und den Abgleich mit eigenen praktischen Erfahrungen (Fallbeispiele aus dem Praktikum) gekennzeichnet ist.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Definition und Klassifikation didaktischer Modelle, der detaillierten Vorstellung des lehrtheoretischen Modells von Wolfgang Schulz sowie einer kritischen Auseinandersetzung mit der Relevanz dieser Theorien für die Unterrichtspraxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Geistigbehindertenpädagogik, Unterrichtsplanung, didaktische Modelle, Hamburger Modell und Lehrerbildung charakterisiert.
Warum hält der Autor didaktische Modelle für den Unterrichtsalltag für wenig hilfreich?
Der Autor argumentiert, dass das Unterrichtsgeschehen meist intuitiv abläuft und die Modelle zu abstrakt sind, um als unmittelbare Hilfe während der tatsächlichen Interaktion mit Schülern zu dienen.
Welchen Stellenwert räumt der Autor didaktischen Modellen bei der Vorbereitung ein?
Bei der Unterrichtsplanung vorab räumt der Autor den Modellen einen hohen Stellenwert ein, da sie helfen, alle relevanten Aspekte zu berücksichtigen und Sicherheit in der Strukturierung zu gewinnen.
- Quote paper
- Sebastian Baltes (Author), 2006, Didaktische Modelle und ihre Bedeutung für die Unterrichtsplanung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119888