Der jährliche Steuerausfall durch die derzeitige Regelung der Pendlerpauschale wird auf sechs Milliarden Euro geschätzt. Vor dem Hintergrund klammer Staatskassen ist es daher nicht verwunderlich, dass zumindest eine Kürzung der Pauschale immer wieder Thema steuerpolitischer Debatten ist. Aus diesem Anlass hat wohl auch die derzeitige Bundesregierung unlängst eine Beschränkung der Abzugsfähigkeit der Fahrtkosten für Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte beschlossen. Künftig werden Distanzen bis zu einer Entfernung von 20 Kilometern nicht mehr steuerlich berücksichtigt. Das Ausmaß der Beschränkung wird schnell ersichtlich, wenn man bedenkt, dass gut drei Viertel der Pendler zukünftig nicht mehr ihre Fahrtkosten steuerlich geltend machen können (Kloas und Kuhfeld (2003), Tab. 2). Befürworter der Pauschale argumentieren u.a. mit einer steigenden Mobilität der Arbeitnehmer, die zur Entspannung der aktuellen Arbeitsmarktsituation beitrage. Kritiker halten dagegen, dass die Pauschale eine überflüssige Subvention darstelle, die sich der Staat in seiner finanziellen Situation nicht mehr leisten könne. Zudem würde die Zersiedlung der Landschaft unterstützt und die Umweltbelastung durch ein höheres Verkehrsaufkommen gefördert. Ziel dieser Arbeit ist es, losgelöst von der politischen Debatte, die tatsächlichen Auswirkungen der Pendlerpauschale vor einem ökonomischen Hintergrund zu bewerten. Der Fokus der Arbeit richtet sich dabei vor allem auf wohlfahrtstheoretische Aspekte, behandelt werden jedoch auch Fragen der steuerlichen Gerechtigkeit. Im ersten Teil der Arbeit werden dazu Grundlagen der Thematik behandelt. Insbesondere der gesetzliche Hintergrund der Diskussion sowie aktuelle Streitpunkte der Pendlerpauschale sind Bestandteil dieses Kapitels. Im Anschluss erfolgt eine formale
Analyse der Berücksichtigung von Fahrtkosten auf der Basis eines wohlfahrtstheoretischen Modells. Darauf aufbauend werden unterschiedliche ökonomische Bewertungen der Pendlerpauschale diskutiert, wobei zwischen Wohlfahrts- und Gerechtigkeitsaspekten unterschieden wird. Im abschließenden Teil der Arbeit werden die Ergebnisse der Diskussion kritisch bewertet und konkrete Handlungsempfehlungen für die Politik abgeleitet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen – Status quo
2.1 Systematik der Einkommensbesteuerung
2.2 Die aktuelle Gesetzeslage
2.3 Streitpunkte im Zusammenhang mit der Pendlerpauschale
3 Modelltheoretische Analyse
3.1 Abgrenzung des Modells
3.2 Privat veranlasstes Pendeln
3.3 Beruflich veranlasstes Pendeln
4 Diskussion
4.1 Private vs. berufliche Veranlassung
4.2 Externe Effekte
4.3 Die Entfernungspauschale unter dem Gerechtigkeitsaspekt
5 Kritische Würdigung / Handlungsempfehlungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die ökonomischen Auswirkungen der Pendlerpauschale in Deutschland losgelöst von der tagespolitischen Debatte zu bewerten, wobei der Schwerpunkt auf wohlfahrtstheoretischen Aspekten und Fragen der steuerlichen Gerechtigkeit liegt.
- Wohlfahrtstheoretische Analyse der steuerlichen Berücksichtigung von Fahrtkosten
- Abgrenzung zwischen privat und beruflich veranlasstem Pendeln
- Bewertung externer Effekte wie Zersiedlung und Umweltbelastung
- Analyse der Gerechtigkeitsaspekte im Kontext der Einkommensteuerprogression
- Ableitung politikrelevanter Handlungsempfehlungen zur Reform der Pauschale
Auszug aus dem Buch
3.2 Privat veranlasstes Pendeln
Für den ersten Teil der Analyse wird grundsätzlich von einer privaten Veranlassung des Pendelns ausgegangen. Dies sei immer dann der Fall, wenn die Fahrt zur Arbeit nicht explizit vom Arbeitgeber entlohnt wird. Grundlage des Modells bildet das Nutzenmaximierungskalkül des pendelnden Arbeitnehmers:
Nutzenmaximierung des Arbeitnehmers
Im Rahmen seines Nutzenkalküls muss der Arbeitnehmer zunächst die Fahrkosten (cD) für die Wege zur Arbeit berücksichtigen. Diese stehen in einem proportionalen Verhältnis zur Entfernung. Neben den monetären Kosten entstehen dem Pendler durch den Zeitaufwand zusätzlich Opportunitätskosten. Eine zentrale Vereinfachung des Modells stellt die Annahme dar, dass die Entfernung (D) eins zu eins in Fahrtzeit umgerechnet werden kann.
Fahrtzeit (D) und Arbeitszeit (L) mindern den Nutzen des Arbeitnehmers und gehen in Form von Arbeitsleid (V=V(L+D)) in die Nutzenfunktion ein. Das Arbeitsleid steigt mit zunehmender Entfernung überproportional an (V’, V’’ > 0).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel erläutert den Hintergrund der aktuellen Debatte um die Pendlerpauschale und formuliert das Ziel der Arbeit, die ökonomischen Konsequenzen der Regelung systematisch zu bewerten.
2 Grundlagen – Status quo: Hier werden die gesetzliche Systematik der deutschen Einkommensbesteuerung sowie die aktuelle Gesetzeslage und zentrale Streitpunkte rund um die Pendlerpauschale dargestellt.
3 Modelltheoretische Analyse: In diesem Teil erfolgt eine formale wohlfahrtstheoretische Untersuchung des Pendelns, wobei zwischen privat und beruflich veranlassten Fahrtkosten differenziert wird.
4 Diskussion: Dieses Kapitel diskutiert die Ergebnisse der Analyse unter Berücksichtigung von externen Effekten wie Umweltbelastung sowie Aspekten der steuerlichen Gerechtigkeit.
5 Kritische Würdigung / Handlungsempfehlungen: Abschließend werden die Erkenntnisse zusammengeführt und konkrete Empfehlungen für eine zukünftige steuerpolitische Ausgestaltung der Pendlerpauschale abgeleitet.
Schlüsselwörter
Pendlerpauschale, Entfernungspauschale, Einkommensteuer, Wohlfahrtstheorie, Arbeitsleid, steuerliche Gerechtigkeit, Mobilität, Externalitäten, Werbungskosten, Nettoprinzip, Produktionseffizienz, Pendleraufkommen, Steuerprogression, Arbeitsmarkt, Standortwahl.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die ökonomische Sinnhaftigkeit der steuerlichen Absetzbarkeit von Pendlerkosten in Deutschland unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Modelle.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die wohlfahrtstheoretische Bewertung des Pendelns, steuerrechtliche Gerechtigkeitsfragen sowie umwelt- und strukturpolitische Konsequenzen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, eine objektive ökonomische Bewertung der Pendlerpauschale zu liefern, um daraus fundierte Handlungsempfehlungen für die Politik abzuleiten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine modelltheoretische Analyse (insbesondere nach Richter) sowie auf eine Diskussion der steuerlichen Gerechtigkeitsprinzipien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine formal-theoretische Herleitung der optimalen Fahrtkostenberücksichtigung und eine anschließende diskursive Einordnung der Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Pendlerpauschale, wohlfahrtstheoretische Effizienz, steuerliche Gerechtigkeit, Arbeitsleid und externe Effekte.
Warum wird zwischen privater und beruflicher Veranlassung unterschieden?
Diese Unterscheidung ist essenziell, da aus wohlfahrtstheoretischer Sicht die steuerliche Behandlung von privat motivierten Entscheidungen anders zu beurteilen ist als die Absetzbarkeit notwendiger beruflicher Aufwendungen.
Welches Fazit zieht der Autor zur Pendlerpauschale?
Der Autor empfiehlt, die Pauschale nicht komplett abzuschaffen, spricht sich aber für eine Begrenzung der Abzugsfähigkeit aus, da eine vollständige steuerliche Anerkennung gesamtwirtschaftlich ineffizient sein kann.
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- Malte Dirks (Author), 2006, Sollte die Pendlerpauschale in Deutschland abgeschafft werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119913