Krieg ist nicht mehr das was er einmal war. Statt stehender Heere auf dem Schlachtfeld sind es heute Warlords, marodierende Söldnerbanden, Kindersoldaten und international agierende Terrornetzwerke die gegeneinander oder gegen Staatssysteme antreten.
Herfried Münkler, Professor für Politikwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin, beschreibt in seinem Buch "Die neuen Kriege" die strukturellen Veränderungen von dem klassischen Staatenkrieg des 18 - 20 Jahrhundert, zu den "neuen Kriegen" des 21.Jahrhunderts.
Er nähert sich dem Thema von verschiedenen Seiten, in insgesamt 6 Essays.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Was ist neu an den neuen Kriegen?
3 Kriegsführung, Staatsbildung und der Dreißigjährige Krieg
4 Die Verstaatlichung des Krieges und ihre Folgen
5 Die Ökonomie der Gewalt in den neuen Kriegen
6 Der internationale Terrorismus
7 Militärische Interventionen und das Dilemma des Westens
8 Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit Herfried Münklers Thesen zu den sogenannten „neuen Kriegen“ des 21. Jahrhunderts auseinander. Ziel ist es, die strukturellen Veränderungen der Kriegsführung im Vergleich zum klassischen Staatenkrieg sowie die ökonomischen und sicherheitspolitischen Implikationen dieser Entwicklung aufzuzeigen.
- Wandel von klassischen Staatenkriegen zu „neuen Kriegen“
- Rolle der Ökonomie und Privatisierung der Gewalt
- Phänomen des internationalen Terrorismus als asymmetrische Strategie
- Herausforderungen militärischer Interventionen für westliche Demokratien
- Bedeutung von Staatsbildung und Gewaltmonopol
Auszug aus dem Buch
Die Ökonomie der Gewalt in den neuen Kriegen
Die Kommerzialisierung der neuen Gewalt besitzt einen enorm wichtigen ökonomischen Hintergrund. Für Münkler ist er sogar bedeutender als ideologisch, ethnisch und religiöse Beweggründe.
Münkler beschreibt, wie symmetrische Kriege zwischen vergleichbaren Armeen, Flotten oder Luftflotten inzwischen unerschwinglich teurer geworden sind. Die „neuen Kriege“ sind hingegen enorm billige Kriege. Sie werden mit leichten Waffen geführt. An die Stelle von Söldner treten Jugendliche, die durch ihre relative Anspruchslosigkeit zu einem billigen und effektiven Instrument der Gewaltanwendung werden. Eine Besoldung der Kämpfer entfällt, weil diese sich durch Raub und Plünderung selbst versorgen.
So leicht wie es ist, diese Kriege zu beginnen, so schwieriger sind sie zu beenden, denn deren Teilnehmer profitieren mehr am Kriegszustand als am Frieden. Ein weiteres Problem sind die hohen Erwartungen an einen Friedensschluss. Der Frieden konnte nicht einlösen was der Krieg ihnen versprochen hat, resümiert Münkler.
Die Ökonomien der „neuen Kriege“ sind vielfältig. So wurde die Vergewaltigung auch zu einer Ökonomie des Krieges. Die Frauen sind nicht mehr nur Beute der Sieger, sondern wichtiges Angriffsziel. Vergewaltigung ist ein Druckmittel für Flucht. Durch diese ethnische Säuberung ohne Völkermord konnte die Neuziehung von Grenzen schneller durchgesetzt werden.
Zum weiteren festen Bestandteil der Kriegsökonomien wurden Flüchtlingslager. Die gut gemeinte karitative Hilfe hat verheerende Folgen, wenn sich die Kriegsparteien der gelieferten Nahrung und Medizin bedienen. Die Hilfslieferungen für die leidende Zivilbevölkerung wird zu einer Versorgungsstelle der Kämpfer. Der Krieg wird aufrecht erhalten damit, der Terror auch weiterhin von dieser Hilfe leben kann. Dies führt zwangsläufig zu einer Verbilligung und Verlängerung des Krieges.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Kurze Einführung in das Thema der neuen Kriege und Vorstellung der Kernthesen von Herfried Münkler.
2 Was ist neu an den neuen Kriegen?: Analyse der Entgrenzung der Gewalt und der Ablösung des klassischen Staatenkriegs durch asymmetrische Konfliktformen.
3 Kriegsführung, Staatsbildung und der Dreißigjährige Krieg: Vergleich der aktuellen Konfliktsituation mit historischen Mustern, insbesondere dem Dreißigjährigen Krieg, zur Verdeutlichung des Prozesses der Staatsbildung.
4 Die Verstaatlichung des Krieges und ihre Folgen: Untersuchung des historischen Weges zum staatlichen Gewaltmonopol und der damit verbundenen Regeln der Kriegsführung.
5 Die Ökonomie der Gewalt in den neuen Kriegen: Darstellung der ökonomischen Logik und der Kommerzialisierung moderner Kriege, in denen Gewalt zur Selbsterhaltung dient.
6 Der internationale Terrorismus: Betrachtung des Terrorismus als eine Form asymmetrischer Kriegführung, die auf psychologische Zerstörung und mediale Aufmerksamkeit abzielt.
7 Militärische Interventionen und das Dilemma des Westens: Diskussion der Risiken und ethischen wie militärischen Probleme westlicher Interventionspolitik.
8 Fazit: Kritische Würdigung der Prognosen zur globalen Friedenspolitik und Zusammenfassung der Bedeutung der ökonomischen Dimension im Krieg.
Schlüsselwörter
Neue Kriege, Herfried Münkler, Gewaltmonopol, Asymmetrische Kriegführung, Kriegsökonomie, Terrorismus, Staatsbildung, Söldner, Kindersoldaten, Militärintervention, Geopolitik, Gewaltanwendung, Konfliktforschung, Internationale Sicherheit, Postheroische Gesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den strukturellen Veränderungen moderner Konflikte, die Herfried Münkler unter dem Begriff der „neuen Kriege“ zusammenfasst.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Die zentralen Felder umfassen die ökonomischen Grundlagen von Kriegen, den Wandel vom Staatenkrieg zum Terrorismus und die moralischen sowie politischen Herausforderungen militärischer Interventionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erläuterung der Mechanismen, die den klassischen Staatenkrieg abgelöst haben, und die Analyse der damit verbundenen neuen Gewaltformen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit dem Werk „Die neuen Kriege“ von Herfried Münkler, wobei historische Vergleiche und politikwissenschaftliche Analysen zur Anwendung kommen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Staatsbildung, die Untersuchung von Kriegsökonomien, die Rolle des Terrorismus sowie eine kritische Betrachtung westlicher Interventionsstrategien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Text?
Die wichtigsten Schlagworte sind neue Kriege, Gewaltmonopol, Kriegsökonomie, Asymmetrie und Terrorismus.
Warum spielt die Ökonomie eine so große Rolle in den „neuen Kriegen“?
Laut dem Text ist die ökonomische Dimension in den neuen Kriegen oft wichtiger als ideologische Motive, da sich die Kriegsparteien durch Plünderungen und die Ausbeutung der Zivilbevölkerung selbst finanzieren müssen.
Wie bewertet der Autor die humanitäre Hilfe in Kriegsgebieten?
Der Autor weist darauf hin, dass karitative Hilfe oft unbeabsichtigt dazu beiträgt, den Krieg zu verlängern, da Hilfsgüter von Kriegsparteien als Versorgungsquelle für Kämpfer zweckentfremdet werden.
Was ist das „Dilemma des Westens“ bei Interventionen?
Das Dilemma besteht darin, dass einerseits der Wunsch nach Durchsetzung der Menschenrechte besteht, dies aber mit hohen Kosten, moralischen Risiken und der Gefahr von Kollateralschäden verbunden ist, was eine „postheroische“ Gesellschaft kaum akzeptieren kann.
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- Conrad Philipp (Author), 2003, Zu: Die neuen Kriege von Herfried Münkler, 2002, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11992