Die größte Ungleichheit zwischen Männern und Frauen in Rumänien macht sich auf der politischen Bühne bemerkbar. Laut einer Statistik der Interparlamentarischen Union Rumäniens zu Frauen in der Politik belegt Rumänien von 191 Staaten den 75. Platz. Auch wenn Rumänien sich im globalen Kontext in der Mitte befindet, ist für EU-Verhältnisse diesen Rang deutlich zu niedrig. Woher kommt diese Ungleichheit auf politischer Ebene? Kann die Europäische Union die patriarchalen politischen Strukturen durchbrechen und eine aktive Präsenz der Frauen in der Politik fördern?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einflussfaktoren der politischen Partizipation der Frauen in Rumänien
2.1. Die Repräsentation der Frau auf lokaler Ebene
2.2. Frauen als Parteimitglieder
2.3. Die Repräsentation von Frauen auf der Parlaments- und Regierungsebene
3. Rumänische Gleichstellungspolitik nach dem EU Muster
3.1. Übernahme des gender-aquis
3.2. Programme zur Frauenförderung und Gender Mainstreaming
3.3. Partizipation von Frauen in Nichtregierungsorganisationen (NROs)
4. Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss der Europäischen Union auf die politische Partizipation von Frauen in Rumänien unter Berücksichtigung institutioneller Faktoren, der nationalen Gleichstellungspolitik sowie der Rolle von Nichtregierungsorganisationen (NROs).
- Analyse der politischen Partizipation von Frauen auf lokaler, Parlaments- und Regierungsebene.
- Untersuchung der rumänischen Gleichstellungspolitik im Kontext des EU-Beitrittsprozesses und des „gender-aquis“.
- Evaluation der Rolle von Nichtregierungsorganisationen (NROs) als Teil der Zivilgesellschaft.
- Identifikation der Ursachen für die geringe politische Präsenz von Frauen (patriarchale Strukturen, Transformationspatriarchat).
- Bewertung der Wirksamkeit von EU-Programmen und nationalen Implementierungsstrategien in Rumänien.
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Repräsentation der Frau auf lokaler Ebene
In Rumänien gilt der Bürgermeister sprichwörtlich als „cel mai gospodar dintre gospodari“(der Fleißigste unter den Fleißigsten). Er/sie stellt sich zur Wahl und wird von einer Partei oder von einer Gruppe im Wahlkampf unterstützt. Die Amtszeit beträgt vier Jahre und die Bedingungen, die für die Wahl erfüllt werden müssen, sind im Gesetz für die öffentliche Verwaltung 215/2001 festgelegt.16
Die Statistiken des Zentralen Wahlbüros zeigten, dass im Wahljahr 1996 nur 81 Frauen als Bürgermeisterinnen (das entspricht 3% der Ämter), 2434 als Mitglieder des Stadtrates (6%) und nur 94 als Kreisratmitglieder gewählt wurden.17 Wir können einen Trichtereffekt beobachten: je höher wir auf der Skala der lokalen und regionalen Administration steigen, desto geringer wird die Zahl der Frauen. In Führungspositionen, wie die der Bürgermeisterin, stellvertretenden Bürgermeisterin oder Stadtberaterin von größeren Städten, die mehr als 10.000 Einwohner haben, sind die Frauen in der Amtszeit von 1996-2000 gar nicht präsent. In dem Wahljahr 2000 zeigen die Statistiken eine leicht steigende Tendenz: es wurden in den
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der politischen Unterrepräsentation von Frauen in Rumänien ein und skizziert die Relevanz des EU-Beitritts für die Geschlechterpolitik.
2. Einflussfaktoren der politischen Partizipation der Frauen in Rumänien: In diesem Kapitel werden die strukturellen und institutionellen Hürden untersucht, die eine aktive Teilnahme von Frauen am politischen Geschehen in Rumänien verhindern.
2.1. Die Repräsentation der Frau auf lokaler Ebene: Dieser Abschnitt analysiert den sogenannten Trichtereffekt in der Kommunalverwaltung, der dazu führt, dass Frauen in Führungspositionen auf lokaler Ebene kaum vertreten sind.
2.2. Frauen als Parteimitglieder: Das Kapitel betrachtet die Rolle von Frauen innerhalb der Parteistrukturen, den Einfluss von Frauenorganisationen und die verschiedenen Karrieremuster politisch aktiver Frauen.
2.3. Die Repräsentation von Frauen auf der Parlaments- und Regierungsebene: Hier wird die geringe Präsenz von Frauen in hohen Staatsämtern und Regierungsfunktionen sowie der Einfluss des Verhältniswahlsystems auf die Frauenquote thematisiert.
3. Rumänische Gleichstellungspolitik nach dem EU Muster: Dieses Kapitel bewertet, inwieweit Rumänien europäische Standards der Gleichstellungspolitik in nationales Recht umgesetzt hat.
3.1. Übernahme des gender-aquis: Es werden die juristischen Herausforderungen und die Verzögerungen bei der Implementierung der europäischen Richtlinien zur Gleichstellung (gender-aquis) erörtert.
3.2. Programme zur Frauenförderung und Gender Mainstreaming: Dieser Teil befasst sich mit der Wirksamkeit von EU-Aktionsprogrammen und der Anwendung des Gender-Mainstreaming-Ansatzes in der rumänischen Praxis.
3.3. Partizipation von Frauen in Nichtregierungsorganisationen (NROs): Das Kapitel beleuchtet die Rolle von NROs als "Stimme der Gesellschaft" und die Schwierigkeiten in der Kooperation mit staatlichen Akteuren.
4. Schlussfolgerungen: Die Arbeit resümiert, dass Rumänien trotz der formalen Erfüllung von Beitrittskriterien eine ineffektive Gleichstellungspolitik betreibt und Frauen weiterhin unterrepräsentiert bleiben.
Schlüsselwörter
Rumänien, politische Partizipation, Frauen, Europäische Union, Gleichstellungspolitik, Gender Mainstreaming, NROs, Patriarchat, Transformationspatriarchat, Demokratie, Wahlrecht, Geschlechtergerechtigkeit, EU-Beitritt, politische Repräsentation, Zivilgesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss der Europäischen Union auf die politische Teilhabe von Frauen in Rumänien vor dem Hintergrund des EU-Beitrittsprozesses.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind politische Institutionen, die Rolle von Parteien und Frauenorganisationen, die rechtliche Umsetzung der EU-Gleichstellungsrichtlinien sowie der Einfluss patriarchaler gesellschaftlicher Strukturen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Gründe für die geringe politische Partizipation von Frauen in Rumänien zu analysieren und zu bewerten, ob die EU-Anforderungen hier zu einem Wandel beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt politikwissenschaftliche Analysen, wertet Statistiken aus und stützt sich auf vorhandene Forschungsarbeiten sowie rechtliche Berichte im Bereich der Geschlechterpolitik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Analyse der politischen Ebenen (lokal bis staatlich), die Implementierung des europäischen "gender-aquis" und die Rolle der NROs in der rumänischen Zivilgesellschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Politische Partizipation, Rumänien, EU-Gleichstellungspolitik, Gender Mainstreaming und Transformationspatriarchat.
Was beschreibt der "Trichtereffekt" im Kontext der rumänischen Politik?
Der Trichtereffekt beschreibt das Phänomen, dass der Anteil von Frauen an politischen Positionen abnimmt, je höher man auf der Skala der lokalen oder regionalen Administration aufsteigt.
Warum sind NROs in Rumänien laut der Autorin in einer schwierigen Lage?
Die NROs leiden unter dem "Don-Quijote-Effekt", bei dem sie von der EU überfordert werden, während ihre Arbeit von der nationalen Politik weitgehend ignoriert oder belächelt wird.
Welche Auswirkung hatte die Wende auf das Verständnis von NROs in Rumänien?
Durch das kommunistische Erbe wird das Konzept der Zivilgesellschaft oft missverstanden und NROs werden fälschlicherweise als Gegengewicht zum Staat oder rein ökonomische Einheiten gesehen.
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- Dipl. Anca Comaniciu (Author), 2006, Frauen und rumänische Politik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119927