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Ich werde mich in meiner Arbeit auf den Tanz in den Filmen des so genannten „Bollywood-Kinos“ konzentrieren. Das „Bollywood-Kino“ (B- wie Bombay und angelehnt an Hollywood) hat gegenüber den zahlreichen anderen indischen Produktionsstätten den Vorteil, die medial größte Aufmerksamkeit zu genießen und den Geschmack aller Inder zu treffen. Die Bollywood Produktionen sind im übrigen nicht nur auf dem Subkontinent am erfolgreichsten, sondern in weiten Teilen Asiens und Afrikas beliebter als ihr us-amerikanisches Pendant aus Hollywood.
Zunächst werden mich die kulturhistorischen Wurzeln des Tanzes im indischen Kino beschäftigen, darauf folgt die grundsätzliche Frage was „Tanz“, bzw. Tanz im Film überhaupt ist, um dann im analytischen Teil meiner Arbeit den Tanz als besondere Narrationsform im Bollywoodkino zu untersuchen
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Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Das Genre Bollywood-Film
Die Wurzeln des Tanzes im Bollywoodfilm
Die historische Entwicklung der „song and dance scenes“ im indischen Film
Der Begriff „Tanz“
Der Tanz in seiner narrativen Funktion im Bollywood-Kino
Filmbeispiel
Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht die narrative Funktion und die kulturellen Hintergründe der für das Bollywood-Kino charakteristischen „song and dance scenes“. Ziel ist es, dem westlichen Zuschauer das Verständnis für diese aus der indischen Tradition stammende, nicht-lineare Erzählform zu erleichtern und aufzuzeigen, wie Tanz im indischen Film als zentrales Ausdrucksmittel für Emotionen und soziale Dynamiken dient.
- Kulturhistorische Wurzeln des Tanzes im indischen Kino.
- Analyse des Begriffs „Genre“ im Kontext indischer Mainstream-Produktionen.
- Historische Entwicklung der „song and dance scenes“ seit dem Aufkommen des Tonfilms.
- Die narrative Funktion des Tanzes als „Scharnier“ oder emotionale Ausdrucksform.
- Fallbeispielanalyse: Untersuchung der Tanzsequenzen im Film „Lagaan“.
Auszug aus dem Buch
Die historische Entwicklung der „song and dance scenes“ im indischen Film
Als der Tonfilm 1931 nach Indien kam war das nach D. Wenner die große Chance des indischen Films, sich vom ausländischen Kino abzugrenzen und eine eigene Kinokultur zu schaffen. Die Filme aus dem Ausland waren untertitelt, das Analphabetentum zu der Zeit in Indien jedoch groß. „Zum anderen bot der Ton den indischen Filmschaffenden die Möglichkeit, auch formal eine spezifisch indische Kinematografie zu entwickeln. Insbesondere Musik und Gesang, die in der indischen Theatertradition und im Ritus immer als Einheit mit der Sprache verstanden werden, spielen dabei eine herausragende Rolle.“ Von Anfang an war die Integration von Gesang und Tanz in den Film von entscheidender Bedeutung: „(…) innerhalb der ersten beiden Jahre des indischen Tonfilms setzte sich der „all singing, all dancing, all music“- Film als konkurenzloses Standardgenre durch.“ Nach dem ersten „talkie“ (so nannte man die neuen Tonfilme) vergingen nur 10 Jahre, danach hatte sich das Verhältnis von zuvor 85% in Indien gezeigten ausländischen Filmen zu 15% einheimischen Produktionen umgedreht.
Wobei für Madhavlal Master, Pionier der indischen Filmmusik, „talkie“ ohnehin das falsche Wort für die indischen Tonfilmproduktionen gewesen war: „Man hätte die Filme gar nie „talkies“ nennen dürfen- das war ein Irrtum: Singies ist der richtige Ausdruck dafür! Schon immer wurde mehr gesungen als gesprochen und die Musik beherrschte die Tonspur.“
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Der Autor thematisiert die Irritation westlicher Zuschauer angesichts von Tanzszenen im Bollywood-Kino und stellt den Kontext zur indischen Filmkultur her.
Das Genre Bollywood-Film: Es wird diskutiert, inwiefern der Begriff „Genre“ auf Bollywood anwendbar ist und welche Rolle intertextuelle Strukturen dabei spielen.
Die Wurzeln des Tanzes im Bollywoodfilm: Dieses Kapitel beleuchtet den Einfluss vedischer Epen wie Mahabharata und Ramayana sowie der Rasa-Theorie auf die indische Ästhetik.
Die historische Entwicklung der „song and dance scenes“ im indischen Film: Der Fokus liegt auf dem Einfluss des Tonfilms, des Starsystems und dem Wandel vom frühen Musikfilm hin zum modernen Blockbuster.
Der Begriff „Tanz“: Eine philosophische Betrachtung über das Wesen des Tanzes als „symbolische“ Geste im Gegensatz zum rein theatralen Ausdruck.
Der Tanz in seiner narrativen Funktion im Bollywood-Kino: Hier werden die verschiedenen Funktionen von Tanzszenen analysiert, wie die Etablierung von Beziehungen oder die Sublimierung von Erotik.
Filmbeispiel: Eine konkrete Analyse der Tanzsequenz aus dem Film „Lagaan“ zur Überprüfung der theoretischen Annahmen.
Schlusswort: Ein Fazit über die steigende Popularität von Bollywood-Tanzformen in der deutschen Medienlandschaft.
Schlüsselwörter
Bollywood, Indischer Film, Song and Dance Scenes, Tanz, Narrationsform, Filmgenre, Rasa-Theorie, Mahabharata, Ramayana, Lagaan, Musikfilm, Interkulturelle Filmanalyse, Tanzchoreographie, Indische Ästhetik, Popkultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung, Funktion und Geschichte der Tanz- und Gesangseinlagen im populären indischen Bollywood-Kino.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die kulturellen Wurzeln (Epen), die Genre-Bestimmung, die Entwicklung seit der Tonfilmära sowie die narrative Funktion der Tanzsequenzen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die für westliche Zuschauer oft befremdlich wirkenden „song and dance scenes“ durch ihre kulturelle Einbettung in die indische Tradition verständlich zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine filmwissenschaftliche Analyse, die theoretische Grundlagen mit einer praktischen Filmanalyse (am Beispiel von „Lagaan“) kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, eine philosophische Definition von Tanz sowie eine detaillierte Funktionsanalyse der Tanzszenen im Erzählverlauf.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Bollywood, Tanz, narrative Funktion, Rasa-Theorie, Indische Filmkultur, Lagaan, Genre, intertextuelle Reihen.
Warum spielt das Epos Mahabharata eine wichtige Rolle in der Arbeit?
Der Autor führt die strukturelle Vielfalt und die Art der narrativen Einschübe im Bollywood-Kino auf die Tradition der indischen Epen zurück, die eine nicht-lineare Erzählweise prägen.
Inwiefern unterscheidet sich der Tanz im „Lagaan“-Beispiel von westlichen Produktionen?
Im Gegensatz zu westlichen Filmen, in denen Eifersucht oft unverstellt geäußert wird, dient der Tanz in „Lagaan“ als Sublimierung, bei der der Konflikt durch mythologische Referenzen (Radha/Krishna) indirekt und spielerisch verarbeitet wird.
- Arbeit zitieren
- Jonas Lobgesang (Autor:in), 2007, Tanz im Bollywood-Kino, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119941