Nach Veröffentlichung der ersten PISA-Studie im Dezember 2001 stand Deutschland unter Schock. Das Schulwesen des „Lands der Dichter und Denker“ brachte Schüler hervor, die im Vergleich mit anderen OECD-Staaten in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften nicht mal durchschnittliche Kompetenzen aufweisen konnten. Entsprechend groß war der „PISA-Schock“ und Deutschland befand sich erneut in einer „Bildungskatastrophe“.
Das schlechte Abschneiden Deutschlands wurde ganz selbstverständlich mit einem Versagen der Bildungspolitik verknüpft – und zwar nicht nur von der Presse, sondern auch von den Politikern selbst. Zumindest kann die Tatsache, dass die Kultusministerkonferenz nur 2 Tage nach Veröffentlichung der PISA-Ergebnisse einen Maßnahmenkatalog vorlegte, gewissermaßen als Schuldeingeständnis für Versäumnisse aus der Vergangenheit und gleichzeitig zur Demonstration von Handlungsbereitschaft und –vermögen, verstanden werden.
Wenn man die Bildungspolitik für Erfolge oder Scheitern des Schulwesens verantwortlich macht, wie das im Zuge von PISA häufig geschehen ist, sollte eine Analyse der Politik vorangegangen sein, was aber zum Zeitpunkt der öffentlichen Debatte noch keiner getan hatte. Zentrale Fragen wären somit: Wie erkennt, reagiert und verarbeitet Politik Probleme? Wo und wieso könnten Schwierigkeiten innerhalb der Verarbeitung auftreten? Oder konkret auf die Bildungspolitik bezogen:
PISA deckte zentrale Probleme des deutschen Schulwesens auf, dass als „Steuerungswissen“ dienen sollte. Diese Ergebnisse können nach David Easton (1965) als „input“ in das politische System verstanden werden. Wie ging die Politik nun mit diesen „Inputs“ um? Was wurde auch von ihr als Problem definiert und somit auf die Agenda gesetzt und mit welchen Maßnahmen sollten welche Ziele erreicht werden? Von welchen anderen Akteuren wurden sie dabei beeinflusst? Das alles sind zentrale Fragen, die einer politikwissenschaftlichen Klärung bedürfen. Diese Arbeit stellt einen Versuch dar, genau das zu tun.
Inhaltsverzeichnis
1. Relevanz des Themas und Vorgehensweise
2. Die Entwicklungen des Bildungssystems und der Bildungspolitik von 1945 bis zur Veröffentlichung der PISA-Studie 2001
2.1 Die wichtigsten Entwicklungen im allgemein bildenden Schulwesen und der Bildungspolitik der BRD seit 1945
2.2 Strukturwandel des Bildungssystems und der Bildungspolitik nach der Wiedervereinigung
3. Akteure der Bildungspolitik im kooperativen Föderalismus
3.1 Staatliche bildungspolitische Akteure
3.2. Nichtstaatliche bildungspolitische Akteure
3.2.1 Parteien
3.2.2 Koordinationsgremien
3.3 Internationale bildungspolitische Akteure
4. Die Ergebnisse der PISA-Studien
4.1 Ausgewählte Ergebnisse aus der PISA-Studie 2000
4.2 Ausgewählte Ergebnisse aus der PISA-Studie 2003
4.3 Ausgewählte Ergebnisse aus der PISA-Studie 2006
4.4 Resümee aus drei PISA-Studien
5. Policy Making: Entscheidungsfindungsprozess nach PISA
5.1 Agendasetting und Politikformulierung
5.1.1 Einordnung des Maßnahmenkatalogs der KMK in die Erkenntnisse aus PISA
5.1.2 Zentrale aus PISA resultierende Handlungsfelder im Prozess des Agendasettings
5.1.2.1 Qualitätsentwicklung und –sicherung
5.1.2.2 Verringerung der Selektivität des Bildungssystems
5.2 Faktoren, die die politische Problembearbeitung beeinflussen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht in Form einer Politikfeldanalyse, wie die deutsche Bildungspolitik auf die Ergebnisse der PISA-Studien reagierte, welche Probleme dabei politisch Beachtung fanden und wie sich der Entscheidungsfindungsprozess innerhalb des föderalen Systems gestaltete.
- Analyse des PISA-Schocks als Ausgangspunkt für bildungspolitische Reformen
- Untersuchung der Akteure und Interessen im kooperativen Föderalismus
- Bewertung des Maßnahmenkatalogs der Kultusministerkonferenz (KMK)
- Vergleich der Ergebnisse der PISA-Studien 2000, 2003 und 2006
- Evaluation der politischen Problemverarbeitung und Konsensbildung
Auszug aus dem Buch
1. Relevanz des Themas und Vorgehensweise
Nach Veröffentlichung der ersten PISA-Studie im Dezember 2001 stand Deutschland unter Schock. Das Schulwesen des „Lands der Dichter und Denker“ brachte Schüler hervor, die im Vergleich mit anderen OECD-Staaten in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften nicht mal durchschnittliche Kompetenzen aufweisen konnten. Entsprechend groß war der „PISA-Schock“ und Deutschland befand sich erneut in einer „Bildungskatastrophe“.
Dieses Zitat hätte als Vorwurf an die deutsche Bildungspolitik ebenso gut in einer Zeitung von 2001 stehen können. Denn das schlechte Abschneiden Deutschlands wurde ganz selbstverständlich mit einem Versagen der Bildungspolitik verknüpft – und zwar nicht nur von der Presse, sondern auch von den Politikern selbst. Zumindest kann die Tatsache, dass die Kultusministerkonferenz nur 2 Tage nach Veröffentlichung der PISA Ergebnisse einen Maßnahmenkatalog vorlegte, gewissermaßen als Schuldeingeständnis für Versäumnisse aus der Vergangenheit und gleichzeitig zur Demonstration von Handlungsbereitschaft und –vermögen, verstanden werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Relevanz des Themas und Vorgehensweise: Einleitung in die bildungspolitische Situation nach dem PISA-Schock sowie Erläuterung der methodischen Vorgehensweise.
2. Die Entwicklungen des Bildungssystems und der Bildungspolitik von 1945 bis zur Veröffentlichung der PISA-Studie 2001: Historischer Rückblick auf die Entwicklung des bundesdeutschen Schulsystems und die bildungspolitischen Rahmenbedingungen bis zur ersten PISA-Studie.
3. Akteure der Bildungspolitik im kooperativen Föderalismus: Identifikation und Analyse der staatlichen, nichtstaatlichen und internationalen Akteure, die das Bildungssystem beeinflussen.
4. Die Ergebnisse der PISA-Studien: Zusammenfassung und kritische Betrachtung der zentralen Ergebnisse der PISA-Studien von 2000 bis 2006.
5. Policy Making: Entscheidungsfindungsprozess nach PISA: Detaillierte Untersuchung des politischen Entscheidungsprozesses und der Reaktion auf die PISA-Ergebnisse durch Maßnahmen der KMK.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Wirksamkeit der bildungspolitischen Reaktionen und des Steuerungswissens der KMK.
Schlüsselwörter
PISA-Studie, Bildungspolitik, Kultusministerkonferenz, Qualitätsentwicklung, Qualitätssicherung, Schulstruktur, kooperativer Föderalismus, Politikfeldanalyse, Agendasetting, Leistungsstandards, Bildungskatastrophe, Selektivität, OECD, Bildungsreform, Input-Steuerung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Reaktionen der deutschen Bildungspolitik auf die Ergebnisse der internationalen PISA-Leistungsvergleichsstudien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Entwicklung des Bildungssystems nach 1945, die Rolle der politischen Akteure, die Ergebnisse der PISA-Studien und die darauf basierenden bildungspolitischen Entscheidungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es herauszuarbeiten, wie Politik Probleme erkennt, auf die Agenda setzt und durch welche Mechanismen sie im kooperativen Föderalismus darauf reagiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der Politikfeldanalyse, insbesondere unter Anwendung von Phasenmodellen wie dem „Policy-Cycle“.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der historischen Entwicklung des Bildungssystems, der Akteurslandschaft, den spezifischen Ergebnissen der PISA-Studien 2000 bis 2006 sowie dem konkreten Maßnahmenkatalog der Kultusministerkonferenz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
PISA-Studie, Bildungspolitik, Kultusministerkonferenz, Qualitätsentwicklung, Föderalismus und Politikfeldanalyse.
Warum wird der Begriff „Bildungskatastrophe“ in der Arbeit verwendet?
Der Begriff dient als historischer Referenzpunkt, um den massiven gesellschaftlichen und politischen Schock über das schlechte Abschneiden deutscher Schüler zu verdeutlichen.
Wie bewertet die Autorin die Reaktion der KMK auf PISA?
Die Autorin stellt fest, dass die KMK sehr schnell reagierte, um Handlungsfähigkeit zu demonstrieren, wobei viele Maßnahmen jedoch bereits im Vorfeld in der Planung waren oder als legitimierendes Instrument dienten.
- Arbeit zitieren
- Melina Pütz (Autor:in), 2008, PISA und die Reaktionen der Bildungspolitik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119977