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Der Erwerb von Tempus in der „schwachen Sprache“ im unbalancierten 2L1-Erwerb

Title: Der Erwerb von Tempus in der „schwachen Sprache“ im unbalancierten 2L1-Erwerb

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 22 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Malte Sorgenfrei (Author)

French Studies - Linguistics
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Summary Excerpt Details

Im Rahmen des Hauptseminars zur kindlichen Mehrsprachigkeit untersuche ich die Hypothese u.a. von Schlyter (1993) und Schlyter & Håkansson (1994), nach der sich die „schwache“ Sprache im unbalancierten bilingualen Spracherwerb wie eine L2 entwickelt und sich damit fundamental von einer L1 unterscheidet.
Grundsätzlich besteht in der aktuellen Forschung Übereinstimmung, dass sich der Zweitspracherwerb (L2) vom Erstspracherwerb (L1) in vielen Punkten unterscheidet. Der Gegenstand aktueller Forschung geht der Frage nach, ab wann das kritische Alter einsetzt, ab dem dem Kind eine L1 verwehrt bleibt. Derzeit findet sich eine Alterspanne von etwa drei bis zehn Jahren. Interessant und weitgehend unerforscht sind bisweilen die Kinder, bei denen simultaner Erstspracherwerb, also unter drei Jahren, stattfindet, aber sich die Sprachen nicht simultan entwickeln, man spricht vom unbalancierten Erstspracherwerb.
Der Begriff „schwächere Sprache“ wird verwendet, wenn sich die grammatische Entwicklung der einen Sprache sehr viel langsamer vollzieht als die der anderen Sprache. Dies lässt sich laut Rieckborn (2006) anhand mehrerer Kriterien überprüfen: "Mean Length of Utterance (MLU), Qualitative Kriterien zur Bestimmung verschiedener Entwicklungsstadien in Anlehnung an Clahsen (1986), wie z.B. das Erscheinen von Modalverben, Sprechbereitschaft in der jeweiligen Sprache (bestimmbar durch die Anzahl an verständlichen Äußerungen), Sprachmischungen, Wortschatz (Anzahl an verschiedenen Worten pro Aufnahme) und Bevorzugte Sprache im Gespräch mit anderen bilingualen Personen."

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. The weaker language hypothesis

3. Untersuchung der Hypothese – I Basisdaten

4. Untersuchung der Hypothese – II MLU

5. Die grammatische Kategorie Tempus

6. Untersuchung der Hypothese – III Analyse der Basisdaten

7. Untersuchung der Hypothese – IV Entwicklung der grammatischen Struktur

7.1. Die funktionale Kategorie AGR1P

7.2. Weitere funktionale Kategorien

8. Fazit – Überprüfung der Hypothese

9. Literatur

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Hypothese, ob sich die „schwache Sprache“ bei unbalanciert bilingual aufwachsenden Kindern qualitativ fundamental wie eine L2 entwickelt oder ob lediglich eine verzögerte L1-Entwicklung vorliegt. Ziel ist es, anhand der Erwerbsreihenfolge von Tempusformen und der Aktivierung funktionaler Kategorien Argumente für oder gegen die Annahme eines L2-ähnlichen Erwerbs zu finden.

  • Analyse der „weaker language hypothesis“ im Kontext kindlicher Mehrsprachigkeit
  • Untersuchung des Spracherwerbs anhand von empirischen Basisdaten (DuFDE-Korpus)
  • Einsatz der Mean Length of Utterance (MLU) zur Bestimmung des Entwicklungsstandes
  • Vergleichende Analyse der Tempusentwicklung (le présent, l’imparfait, passé composé, etc.)
  • Evaluation der Entwicklung funktionaler Kategorien (z.B. AGR1P)

Auszug aus dem Buch

2. The weaker language hypothesis

“the stronger language exhibits all the characteristics of normal L1 development, as regards the central grammatical phenomena such as finiteness, word order, and placement of negation; whereas the weaker language exhibits great variation in these respects, from complete non-existence of the grammatical phenomena mentioned to a lower occurrence of them in a corresponding sample of the stronger language.”

Die Hypothese der schwachen Sprache im unbalancierten 2L1-Erwerb behauptet, dass sich die schwache Sprache in diesen Fällen qualitativ anders entwickelt als die starke Sprache bzw. als eine L1 im monolingualen Erwerb. Schlyter (1993) und Schlyter & Håkansson (1994) vertreten die These, dass die schwache Sprache nicht wie eine L1, sondern wie eine L2 erworben wird. Laut Meisel (2005) stellt diese Hypothese eine sehr wichtige Behauptung dar, da sie beinhaltet, dass eine Sprache nicht wie eine Muttersprache erworben wird, obwohl das Kind dieser Sprache von Geburt an ausgesetzt ist.

Die Ausgangshypothese beruht auf der Untersuchung von Schlyter (1993), bei der sechs bilinguale Französisch-Schwedische Kinder analysiert wurden. Von den sechs Kindern hatten drei Französisch und drei Schwedisch als schwache Sprache. Der Hauptunterschied zwischen Französisch und Schwedisch ist, dass Schwedisch (wie Deutsch) eine V2-Sprache ist. Das eingangs genannte Zitat resultiert aus diesen Untersuchungen und beinhaltet das Ergebnis, dass sich die starke Sprache bei diesen Kindern in jeder Hinsicht wie eine L1 entwickelt, während in der schwächeren Sprache eine große Variabilität zu beobachten ist. So findet Schlyter u.a. zahlreiche nicht-zielsprachliche Subjektauslassungen, Kongruenzfehler und Wortstellungsfehler in der jeweiligen schwachen Sprache der Kinder.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der kindlichen Mehrsprachigkeit und Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich der „schwachen Sprache“ im unbalancierten Spracherwerb.

2. The weaker language hypothesis: Erläuterung der Hypothese, dass sich die schwächere Sprache im bilingualen Erwerb eher wie eine L2 als eine L1 verhält, basierend auf Literatur von Schlyter und anderen.

3. Untersuchung der Hypothese – I Basisdaten: Vorstellung des untersuchten Datensatzes aus dem DuFDE-Korpus, insbesondere der Kinder Christophe und François sowie Vergleichskindern.

4. Untersuchung der Hypothese – II MLU: Anwendung der MLU-Messung zur Dokumentation des sprachlichen Entwicklungsstandes und der verlangsamten Entwicklung des Französischen.

5. Die grammatische Kategorie Tempus: Theoretische Einordnung des Tempusbegriffs und dessen zeitliche Relationierung nach Reichenbach und Comrie.

6. Untersuchung der Hypothese – III Analyse der Basisdaten: Untersuchung der Erwerbsreihenfolge von Tempusformen bei den untersuchten Kindern im Vergleich zu ausgeglichen bilingualen Kindern.

7. Untersuchung der Hypothese – IV Entwicklung der grammatischen Struktur: Analyse der Aktivierung funktionaler Kategorien wie AGR1P und deren Rolle im Spracherwerbsprozess.

8. Fazit – Überprüfung der Hypothese: Zusammenfassende Beurteilung, dass die Daten eine verzögerte L1-Entwicklung, aber keinen L2-Erwerb belegen.

9. Literatur: Verzeichnis der in der Arbeit zitierten wissenschaftlichen Quellen.

Schlüsselwörter

Kindliche Mehrsprachigkeit, unbalancierter 2L1-Erwerb, schwache Sprache, Spracherwerb, Tempuserwerb, DuFDE-Korpus, MLU, funktionale Kategorien, Zweitspracherwerb, Erstspracherwerb, Grammatikentwicklung, Finitheit, Passé Composé, Modalverbkonstruktionen, Bilingualismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, ob die schwächere Sprache eines unbalanciert bilingual aufwachsenden Kindes qualitativ so erworben wird wie eine Erstsprache (L1) oder ob Anzeichen für einen Erwerbsprozess wie bei einer Zweitsprache (L2) vorliegen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Felder umfassen die „Weaker Language Hypothesis“, die quantitative Messung sprachlicher Entwicklung mittels MLU, die linguistische Analyse der Tempusformen sowie die Entwicklung funktionaler grammatischer Kategorien.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, durch die Analyse von Längsschnittdaten zu prüfen, ob die schwächere Sprache fundamentale Unterschiede in der Erwerbsreihenfolge und -struktur aufweist, die eine Klassifizierung als L2-Erwerb rechtfertigen würden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt einen korpusbasierten Ansatz (DuFDE-Korpus), vergleicht die MLU-Werte (Mean Length of Utterance) der Kinder und analysiert die produktive Verwendung verschiedener Tempusformen sowie die theoretische Ableitung funktionaler Kategorien.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Basisdaten, die empirische Analyse der MLU-Werte, eine theoretische Abhandlung zur Kategorie Tempus und die anschließende detaillierte Untersuchung der Erwerbsreihenfolge sowie der funktionalen Struktur bei den untersuchten Kindern.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind unbalancierter 2L1-Erwerb, schwache Sprache, Tempuserwerb, MLU, funktionale Kategorien, Sprachvergleich und der Kontrast zwischen L1- und L2-Erwerbseigenschaften.

Warum wird speziell der Erwerb von Tempus zur Untersuchung herangezogen?

Tempusformen erlauben eine präzise Beobachtung der zeitlichen Dimension und Komplexität im Spracherwerb, da sie sich in definierbaren Entwicklungsphasen manifestieren, die sowohl für den Vergleich zwischen Sprachen als auch für den Vergleich zwischen Kindern gut geeignet sind.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor aus den Daten?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die These eines L2-Erwerbs der schwachen Sprache widerlegt ist. Stattdessen zeigen die Daten lediglich eine verzögerte Entwicklung, die jedoch innerhalb der Mechanismen des L1-Erwerbs verläuft.

Was bedeutet die "schwache Sprache" im Kontext dieser Arbeit?

„Schwache Sprache“ bezeichnet diejenige der beiden Sprachen eines bilingualen Kindes, die eine langsamere grammatische Entwicklung aufweist, was oft durch eine reduzierte Nutzung oder variierende Sprachumgebungen bedingt ist.

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Details

Title
Der Erwerb von Tempus in der „schwachen Sprache“ im unbalancierten 2L1-Erwerb
College
University of Hamburg  (Institut für Romanistik)
Course
Simultaner und sukzessiver Erwerb des Französischen: Kindliche Mehrsprachigkeit
Grade
1,3
Author
Malte Sorgenfrei (Author)
Publication Year
2008
Pages
22
Catalog Number
V120019
ISBN (eBook)
9783640240227
Language
German
Tags
Erwerb Tempus Spracherwerb Erstspracherwerb
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Malte Sorgenfrei (Author), 2008, Der Erwerb von Tempus in der „schwachen Sprache“ im unbalancierten 2L1-Erwerb, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120019
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