Dank des technologischen Fortschritts und der neoliberalen Politik ist die Welt immer offener aber gleichzeitig auch „kleiner“ geworden. Sowohl die großen Unternehmen als auch die mittleren und kleinen Unternehmen werden von der Globalisierung direkt oder indirekt beeinflusst. In globalen Wertketten ist der Kontakt mit ausländischen Firmen und Managern unvermeidlich geworden und in Zukunft wird dieser Kontakt sicherlich noch weiterhin intensiviert. Durch eine jahrtausende Entwicklung der Menschheit ist die Kultur der unterschiedlichen Länder jedoch sehr verschieden geworden. Um das Verhalten der Konkurrenten, der eigenen Mitarbeitern und auch das der ausländischen Partner verstehen zu können, müssen vor allem vorerst die unterschiedlichen Kulturen verstanden werden. Deshalb wird in dieser Arbeit zuerst danach gefragt, welche Einflüsse die Kultur auf das Verhalten von Managern hat und welche Unterschiede zwischen den Kulturen existieren. Der niederländische Experte für Kulturwissenschaften, Prof. Hofstede, erklärt die Kulturunterschiede anhand von fünf Kulturdimensionen. Durch diese fünf Dimensionen werden die hauptsächlichen Unterschiede zwischen den verschiedenen Kulturen kategorisiert. Allerdings hat er bei seinen Untersuchungen den Einfluss der fremden Kulturen bei steigender Kontakthäufigkeit mit ausländischen Kulturen vernachlässigt. Sowohl durch die Medien, das Internet als auch durch persönliche Kontakte kann man sich heutzutage immer einfacher über fremde Kulturen informieren. Obwohl es je nach Mensch unterschiedlich ist, sind die Einflüsse von fremden Kulturen deutlich spürbar. Sie sind auch eine wichtige Determinante des Verhaltens. Deswegen wird unter Berücksichtigung dieser Einflüsse und der fünf Dimensionen von Hofstede nach einer Erklärung für die Beziehung zwischen der Kultur und das Verhalten gesucht. Die Frage, die durch diese Arbeit beantwortet werden soll, ist, wie eine fremde Kultur das Verhalten von Menschen, insbesondere von Managern beeinflusst?[...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen
2.1 Entwicklung der globalen Wertkette
2.2 Abgrenzung der nationalen Kultur
2.3 Globalisierung, Kultur und das Verhalten des Managers
3 Systematisierung von Kulturunterschieden durch Hofstede’s Studien
3.1 Grundkonzept
3.2 Kulturdimensionen von Hofstede
3.2.1 Machtdistanz
3.2.2 Individualismus vs. Kollektivismus
3.2.3 Maskulinität vs. Femininität
3.2.4 Unsicherheit
3.2.5 Langfristige vs. Kurzfristige Orientierung
3.3 Hofstede’s Modell in der Kritik
4 Interkulturelle Lernprozesse
4.1 Allgemeine Lernprozesse
4.1.1 Lernen
4.1.2 Individuelle Lerntheorien
4.1.3 Soziale Lerntheorien
4.2 Einflussfaktoren vom interkulturellen Lernen
4.2.1 Grundlage
4.2.2 Anreize und Ziele
4.2.3 Erfahrungen
4.2.4 Fähigkeit und Persönlichkeit
4.2.5 Zugängigkeit der fremden Kulturen
4.2.6 Dauer der Kontakte
4.3 Entwicklung der interkulturellen Sensitivität
4.3.1 Grundlage
4.3.2 Ethnozentrische Phasen
4.3.3 Ethnorelativistische Phasen
4.4 Interkulturelle Interaktion
5 Zwischenfazit
6 Beispiel
6.1 Kulturunterschiede zwischen deutschen und chinesischen Manager
6.1.1 Historische Ursprünge des chinesischen Charakters
6.1.2 Kulturunterschiede zwischen deutschen und chinesischen Managern nach Hofstede’s Modell
6.1.3 Kulturelle Unterschiede im deutsch-chinesischen Geschäftsleben
6.2 Der Prozess des Kennenlernens einer fremden Kultur
6.2.1 Chinesen in den Augen von Deutschen
6.2.2 Deutsche in den Augen von Chinesen
6.2.3 Einfluss der fremden Kultur
7 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie nationale Kulturen das Entscheidungsverhalten von Managern in globalen Wertketten beeinflussen. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, auf welche Weise ein Individuum durch Lernprozesse kulturelle Unterschiede wahrnimmt, verarbeitet und in sein Handeln integriert, wobei insbesondere der Vergleich zwischen deutschen und chinesischen Führungskräften herangezogen wird.
- Kulturelle Prägung und Entscheidungsverhalten von Managern
- Anwendung des Kulturmodells von Hofstede auf deutsch-chinesische Kontexte
- Interkulturelle Lernprozesse und die Entwicklung interkultureller Sensitivität
- Einflussfaktoren der kulturellen Anpassung im Management
Auszug aus dem Buch
6.2.1 Chinesen in den Augen von Deutschen
Vor 100 Jahren wurden die herrschenden Meinungsstereotypen über China durch Wörter von Karl Kraus so beschrieben: „Osten und Westen sich einander den Teufel vorstellen und sich die Nase zu halten“ (Loh-Jong 1982, S. 37). Damals war die Meinung über Chinesen noch überwiegend negativ. Aber wie stellen sich heute die Deutschen die Chinesen vor? In der heutigen Zeit dominieren die Massenmedien. Sie tragen den größten Anteil zu der Weitergabe und Ausbildung des Chinabildes der Deutschen bei, weil sie den größten Teil der Bevölkerung erreichen können und gleichzeitig von ihnen genutzt werden. Dadurch beeinflussen oder bestimmen sie die Meinung in der Gesellschaft, die sich wiederum mehr oder weniger an eine vorhandene Grundstimmung der Bevölkerung anpasst und sie bedient.138
Nach der Rückgabe Hongkongs an China 1997 und dem Eintritt in die WTO im Jahr 2001 prägen der chinesische Wirtschaftsboom und die deutsche Hoffnung auf einer Teilnahme an dessen Aufschwung die Grundtöne der Chinaberichte aller deutschen Medien. So hieß es beispielsweise, dass China spätestens bis Mitte dieses Jahrhunderts zu der größten Wirtschaftsmacht der Welt aufgestiegen sein wird und dass der wirtschaftliche Aufschwung unaufhaltsam sei. Die Wörter wie erstaunlich oder atemberaubend ist bei fast jedem Bericht über das Wirtschaftwunder China zu finden. So ist China mit 293 Mrd. US-Dollar gesamter ausländischer Direktinvestition und einem Außenhandelsüberschuss von ca. 262 Mrd. US-Dollar bis Ende 2006 139 zum beliebtesten Standort der Unternehmen, dem größten Exportland und gleichzeitig auch zum stärksten Konkurrenten Europas geworden. China ist der aggressive Wirtschaftskonkurrent der Zukunft, der die Arbeitstellen in Europa und so auch in Deutschland bedroht, der die deutschen Produkte kopiert und deren Marktanteil wegnimmt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die zunehmende Relevanz kultureller Unterschiede in globalen Wertketten ein und definiert das Ziel der Arbeit, den Einfluss fremder Kulturen auf das Management mittels Lernprozessen zu analysieren.
2 Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die Entwicklung globaler Wertketten und grenzt den Begriff der nationalen Kultur sowie die Wechselwirkungen zwischen Globalisierung, Kultur und Managerverhalten ab.
3 Systematisierung von Kulturunterschieden durch Hofstede’s Studien: Es werden die fünf Kulturdimensionen von Hofstede vorgestellt und kritisch auf ihre Anwendbarkeit und Validität zur Charakterisierung von Kulturunterschieden geprüft.
4 Interkulturelle Lernprozesse: Der Hauptteil untersucht allgemeine und soziale Lerntheorien sowie Einflussfaktoren und Entwicklungsphasen interkultureller Sensitivität, um das Verhalten in interkulturellen Kontexten erklärbar zu machen.
5 Zwischenfazit: Dieses Kapitel fasst zusammen, wie individuelle Lernprozesse und verschiedene Einflussfaktoren die Beziehung eines Managers zu einer fremden Kultur prägen.
6 Beispiel: Anhand deutsch-chinesischer Fallbeispiele werden kulturelle Unterschiede, Kommunikationsstile, Planung und Entscheidungsprozesse konkretisiert und analysiert.
7 Fazit und Ausblick: Das abschließende Kapitel resümiert die theoretischen und empirischen Erkenntnisse und ordnet die Bedeutung des interkulturellen Managements für die Zukunft ein.
Schlüsselwörter
Kulturunterschiede, Globalisierung, Management, Hofstede, interkulturelles Lernen, soziale Lerntheorien, interkulturelle Kompetenz, China, Deutschland, Wirtschaftsbeziehungen, Entscheidungsverhalten, Wertketten, Ethnozentrismus, Ethnorelativismus, Organisationskultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit untersucht den Einfluss nationaler kultureller Unterschiede auf das Entscheidungsverhalten von Managern in globalen Wertketten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind interkulturelles Management, die Anwendung von Hofstedes Kulturdimensionen, Lerntheorien zur kulturellen Anpassung und der Vergleich zwischen Deutschland und China.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuklären, wie ein Manager durch spezifische Lernprozesse und unter verschiedenen Einflussfaktoren Kompetenzen entwickelt, um in einer fremden Kultur erfolgreich Entscheidungen zu treffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert theoretische Grundlagen und Modelle (Hofstede, Bandura, Bennett) mit einer qualitativen Analyse durch Experteninterviews mit deutschen und chinesischen Managern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie Menschen lernen (behavioristische vs. kognitive Theorien), welche Einflussfaktoren (z. B. Erfahrung, Offenheit, Anreize) das interkulturelle Lernen steuern und welche Entwicklungsphasen zur interkulturellen Sensitivität führen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Interkulturelles Management, Kulturelle Relativität, Entscheidungsverhalten, Hofstede-Dimensionen und interkulturelle Lernprozesse.
Wie unterscheiden sich deutsche und chinesische Manager laut der Analyse?
Unterschiede zeigen sich insbesondere in der Machtdistanz (Zentralismus in China vs. Partizipation in Deutschland), der Orientierung (langfristig in China vs. kurzfristig/gewinnorientiert in Deutschland) sowie der Beziehungsmoral im Vergleich zur Gesetzesmoral.
Was bedeutet das "Black Box"-Phänomen im chinesischen Entscheidungsprozess?
Der Begriff beschreibt für Außenstehende schwer nachvollziehbare chinesische Entscheidungsprozesse, die stark durch ein ganzheitliches Weltbild, Sensibilität für das soziale Umfeld und komplexe persönliche Beziehungsnetzwerke ("Guanxi") geprägt sind.
Was spielt bei der kulturellen Anpassung eine entscheidende Rolle?
Neben der persönlichen Lernfähigkeit spielen externe Anreize, die Offenheit gegenüber der fremden Kultur, die Dauer der Kontakte sowie die vorherigen Erfahrungen des Individuums eine zentrale Rolle.
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- Yuan Wang (Author), 2008, Kultur und Entscheidungsverhalten in globalen Wertketten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120026