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Das Wesen des Sollens in Nicolai Hartmanns "Ethik"

Versuch einer Begriffsbestimmung

Title: Das Wesen des Sollens in Nicolai Hartmanns "Ethik"

Seminar Paper , 2005 , 19 Pages , Grade: Gut

Autor:in: Mag.phil. Paul Gragl (Author)

Philosophy - Philosophy of the 20th century
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Hartmanns Anliegen im Bereich der Ethik war es vor allem, auf die Herausforderungen des Relativismus zu antworten, der im besonderen durch die Theorien von Charles Darwin, Herbert Spencer und Friedrich Nietzsche und der Erklärung moralischer Haltungen aus natürlichen und sozialen Bedingungen starken Aufwind erhalten hatte. Er begegnet dieser Strömung in Anlehnung an Scheler mit einer materialen Wertethik: gemäß dieser haben auch Werte eine Art Sein, und sie können erschaut oder auch erfühlt werden. „Die Wertschau ist eine besondere Art der Idealerkenntnis (der Wesensschau), im Unterschied zu dieser aber kein rein theoretischer, sondern ein emotionaler Akt, der allerdings auch einen Erkenntnisgehalt hat: um wertend Stellung nehmen zu können, muss man dasjenige kennen, zu dem man Stellung nimmt, und man muss wissen, warum die Stellungnahme erfolgt.“ Dabei wird vor allem die emotionale Komponente betont, weil sie erst die Werte als Forderungen erfahren lässt, während rein theoretische Einblicke niemals einen Gebotscharakter haben.
Eines der zentralen Probleme, welche Hartmann in seiner Ethik behandelt, ist das Freiheitsproblem: wenn die Werte dem Menschen ein absolutes Sollen, gewissermaßen absoluten Gehorsam und Werterfüllung abverlangen, wie kann er da noch weiterhin als frei gelten? Die Frage führt dazu weiter, wie Freiheit denn überhaupt möglich sein kann, „wenn eine durchgängige seins- und sollensgesetzliche Determination besteht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Das „Sollen“ in Sprache, Recht und Philosophie

II. Das Verhältnis von Wert und Sollen

1. Die verschiedenen Arten des Seinsollens

2. Die reale Welt im Spannungsverhältnis zwischen Sein und Sollen

III. Die Rolle des autonomen Subjekts

1. Das Subjekt als Angelpunkt des Sollens im realen Sein

2. Das Prinzip der Freiheit und die Personwerdung des Subjekts

IV. Der Finalnexus

1. Primäre und sekundäre Determination

2. Das Verhältnis von Kausal- und Finalnexus

3. „Die Ethik gibt dem Menschen wieder, was er Gott beigelegt hat“

V. Vom Teleologismus zur sittlichen Vernichtung des Menschen

1. Das Elend des Teleologismus

2. Die Inversion des kategorialen Grundgesetzes

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, das Wesen des Sollens in der Ethik von Nicolai Hartmann näher zu bestimmen und dabei insbesondere das Spannungsverhältnis zwischen der seins- und sollensgesetzlichen Determination und der menschlichen Freiheit zu untersuchen.

  • Die begriffliche Differenzierung der verschiedenen Arten des Sollens
  • Die Rolle des Subjekts als vermittelnde Instanz zwischen idealen Werten und realer Welt
  • Das Verhältnis von Kausalnexus und Finalnexus in der ethischen Handlung
  • Die kritische Auseinandersetzung mit einem anthropomorphen Teleologismus

Auszug aus dem Buch

2. Das Verhältnis von Kausal- und Finalnexus

Das bestimmende Prinzip einer natürlichen Kausalreihe ist die Folge von Wirkung auf Ursache; mit anderen Worten ist Späteres durch Früheres bedingt. D.h., die Abhängigkeit der Sachverhalte folgt der Richtung des Zeitflusses, ist – in Hartmanns Worten - rechtläufig. Im Finalnexus jedoch kommt es zu einer Umkehrung der Kausalität: das Frühere ist durch das Spätere bestimmt, die Abhängigkeit ist rückläufig und damit das Ursache-Wirkungs-Prinzip vertauscht gegen das von Zweck von Mittel: „Die Dynamik der Finalreihe ist die vom Endgliede ausgehende Attraktion, das Gezogenwerden des Prozesses auf das Endziel hin.“

Natürlich drängt sich einem da die Frage auf, wie ein Zweck vor seiner Realisation überhaupt bestehen kann. Die Antwort fällt sehr verständlich aus: erstens durch die Zwecksetzung selbst und zweitens durch das Ablaufen des eigentlichen Prozesses des Zwecksetzens in der Zeit. Die Mittel als reale Ursachen, die peu à peu das Bezweckte bewirken, sind Teil einer Kausalkette – somit setzt der Finalnexus den Kausalnexus voraus; ersterer ist – wie bereits oben gesagt – „nur“ eine Determinationsform eines viel höheren Typs.

Des weiteren ergibt sich eine dreifache Bindung zwischen Ausgangs- und Endpunkt dieses Zweckrealisationsprozesses:

(1) Es besteht eine Voraussetzung des Zwecks durch das Subjekt, was einem Überspringen des Zeitlaufs entspricht.

(2) Die rückläufige finale Bestimmung der Mittel durch den Zweck kann als Kette von Endzweck – Mittel – Mittel – Subjekt gelesen werden, wobei jedes Mittel der Zweck des vorhergehenden Mittels ist.

(3) Die Realisation des Zweckes schließlich ist sein reales Bewirktwerden durch die Mittelreihe, wobei sich das Verhältnis von Mittel und Zweck in eine Ursache-Wirkung-Relation umsetzt.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung stellt Nicolai Hartmann als bedeutenden Systemdenker vor und führt in das zentrale Freiheitsproblem innerhalb seiner materialen Wertethik ein.

I. Das „Sollen“ in Sprache, Recht und Philosophie: Dieses Kapitel erörtert die sprachhistorischen und rechtlichen Dimensionen des Sollen-Begriffs und leitet zu dessen philosophischer Relevanz über.

II. Das Verhältnis von Wert und Sollen: Es werden die verschiedenen Arten des Seinsollens, insbesondere das ideale und das aktuale Seinsollen, sowie deren stete Richtungsweisung auf Werte analysiert.

III. Die Rolle des autonomen Subjekts: Das Subjekt wird als unverzichtbarer Angelpunkt identifiziert, der als „Seinsenergie“ die Umsetzung idealer Werte in die reale Welt ermöglicht.

IV. Der Finalnexus: Hier wird untersucht, wie durch das Subjekt eine finale Determination in den kausalen Weltlauf eingebracht wird, was Hartmann als Analogon zu göttlichen Attributen deutet.

V. Vom Teleologismus zur sittlichen Vernichtung des Menschen: Dieses Kapitel warnt vor einer teleologischen Metaphysik, die den Menschen in einem vorbestimmten Weltprozess seiner Freiheit und moralischen Verantwortung berauben würde.

Schlüsselwörter

Nicolai Hartmann, materiale Wertethik, Sollen, Freiheit, Subjekt, Finalnexus, Kausalnexus, Wertschau, Seinsollen, Teleologismus, Determination, Personwerdung, Ethik, Philosophie, Ontologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Wesen des Sollens in der Ethik von Nicolai Hartmann und untersucht, wie dieses die Handlungen sittlicher Subjekte bestimmt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den Schwerpunkten zählen die Arten des Seinsollens, die Vermittlungsrolle des Subjekts, der Finalnexus sowie die Gefahr eines deterministischen Teleologismus.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Ziel ist es zu klären, wie das Sollen als Forderung der Werte im Spannungsverhältnis zur menschlichen Freiheit sinnvoll bestehen kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine philosophische Untersuchung, die sich in Auseinandersetzung mit der Sekundärliteratur auf die phänomenologische Wertethik von Hartmann stützt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Bestimmung des Sollens, die Rolle des Subjekts bei der Werterfüllung und die kritische Abgrenzung der finalen zur kausalen Determination.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Nicolai Hartmann, materiale Wertethik, Sollen, Freiheit, Subjekt, Finalnexus, Kausalnexus und Personwerdung.

Wie unterscheidet Hartmann zwischen dem idealen und dem aktualen Seinsollen?

Das ideale Seinsollen haftet den Werten selbst an, während das aktuale Seinsollen dort entsteht, wo Werte in der Realität noch nicht verwirklicht sind und eine Spannung zum Sein erzeugen.

Warum ist das Subjekt laut Hartmann für das Sollen unersetzlich?

Das Subjekt fungiert als „Seinsenergie“, da Werte ohne ein wertvernehmendes, praktisches Medium im Realen keine Wirkung entfalten können.

Was versteht die Arbeit unter der „sittlichen Vernichtung des Menschen“?

Damit ist die Gefahr einer Weltteleologie gemeint, die den Menschen als vollkommen determiniertes Wesen betrachtet und ihm somit jegliche moralische Freiheit und Verantwortung abspricht.

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Details

Title
Das Wesen des Sollens in Nicolai Hartmanns "Ethik"
Subtitle
Versuch einer Begriffsbestimmung
College
University of Graz  (Institut für Philosophie)
Course
Nicolai Hartmanns materiale Wertethik
Grade
Gut
Author
Mag.phil. Paul Gragl (Author)
Publication Year
2005
Pages
19
Catalog Number
V120059
ISBN (eBook)
9783640240456
ISBN (Book)
9783640244591
Language
German
Tags
Wesen Sollens Nicolai Hartmanns Ethik Nicolai Hartmanns Wertethik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mag.phil. Paul Gragl (Author), 2005, Das Wesen des Sollens in Nicolai Hartmanns "Ethik", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120059
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