'Gemeinschaft und Identität in der Literatur australischer Aboriginals' ist eine historische Analyse von Sally Morgans Autobiographie 'My Place'. In elf europäische Sprachen übersetzt und mit einer Auflagenstärke von mittlerweile weit über einer halben Million Exemplaren zählt 'My Place' zu den bekanntesten Werken australischer Literatur. Die deutsche Übersetzung erschien unter dem Titel 'Ich hörte den Vogel rufen'. Was das Rezeptionsausmaß anlangt, kann die westaustralische Autorin durchwegs zur literarischen Elite ihres Landes gerechnet werden—zu Patrick White, Arthur Upfield und Catherine Gaskin, um nur einige wenige zu nennen. Zugleich ist 'My Place' auch das bislang auflagenstärkste Buch, das je von einer australischen Ureinwohnerin geschrieben wurde einer Frau, die erst nach und nach herausfindet, dass sie und ihre Vorfahren Aboriginals sind. Die vorliegende Studie analysiert die Herstellung indigener Gemeinschaft in 'My Place': Wie werden Aboriginals beschrieben? Welche Rolle spielt Geschlecht? Welche Bedeutung kommt der Familie zu? Zusätzlich zu diesen Fragen wird eine Bibliographie der australischen Sekundärliteratur zu 'My Place' präsentiert.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. ’My Place’ – Autobiographie, Familiengeschichte, Roman?
2. Zur Vorstellung von Gemeinschaft(en) in ’My Place’
2.1 Die Konstruktion von Gemeinschaft(en) über die aufsteigende Genealogie
2.2 Die Konstruktion von Gemeinschaft(en) über die absteigende Genealogie
Zusammenfassung
Bibliographie
Zielsetzung & Themen der Forschungsarbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielschichtigen Gemeinschaftsvorstellungen in Sally Morgans Werk 'My Place'. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Gemeinschaften im Kontext von Identitätsverlust und der Geschichte der 'Stolen Generations' hergestellt, legitimiert und ausdifferenziert werden, insbesondere unter Berücksichtigung der Rolle von Geschlecht und Genealogie.
- Die Herstellung und Legitimation von Gemeinschaften in 'My Place'
- Die Bedeutung von Geschlecht und Genealogie bei der Identitätskonstruktion
- Die kritische Auseinandersetzung mit essentialistischen Gemeinschaftsbildern
- Der Einfluss von 'Passing' und kultureller Entwurzelung auf die indigene Identität
- Die Analyse der Familiengeschichte als Mittel zur Re-Definition indigener Identität
Auszug aus dem Buch
Die Konstruktion von Gemeinschaft(en) über die aufsteigende Genealogie
Die Identitätssuche der Autorin nimmt in der 358 Seiten umfassenden Autobiographie das zentrale Thema ein, das sich grob gesprochen in zwei Phasen unterteilen lässt: Im ersten Drittel erstreckt sich die Suche auf eine nach der ethnischen Herkunft, im Rest auf eine nach deren Bedeutungen. Als Zäsur dafür kann die auf Seite 135 durch Sally Morgans Mutter definitiv ausgesprochene Bestätigung der aboriginellen Herkunft interpretiert werden. Damit erlangt die familiäre Vergangenheit zwar erstmals ein Stadium von Gewissheit, zugleich aber werfen sich für die Autorin und ihre Familie im Umgang mit diesem neu erlangten Teil ihrer Identitäten zahlreiche Fragen auf. Wohl nicht zufällig tituliert das darauf anschließende Kapitel 'A Beginning'. Darüber hinaus ist dieser Einschnitt für Sally Morgans Entwurf indigener Gemeinschaft auf zwei Ebenen von zentralem Belang, da die Autorin ihren persönlichen Bezug zur indigenen Gemeinschaft einerseits über die aufsteigende und andererseits über die absteigende familiäre Genealogie herstellt. In diesem Sinne verbindet die Autorin die Gemeinschaft ihrer Familie mit derjenigen der Indigenen und gewinnt durch die Genealogie einen Teil an ihrer Identität als Indigene.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in das Werk 'My Place' ein und umreißt die Forschungsfrage bezüglich der Konstruktion von Gemeinschaftsvorstellungen und indigener Identität.
1. ’My Place’ – Autobiographie, Familiengeschichte, Roman?: Dieses Kapitel analysiert die verschiedenen Genre-Zuordnungen des Werkes in der Sekundärliteratur und deren Relevanz für das Verständnis des Textes.
2. Zur Vorstellung von Gemeinschaft(en) in ’My Place’: Hier werden die theoretischen Grundlagen zur Definition von Gemeinschaft dargelegt, insbesondere unter Einbezug von Vorstellungen über indigene Identität und Zugehörigkeit.
2.1 Die Konstruktion von Gemeinschaft(en) über die aufsteigende Genealogie: Dieses Unterkapitel untersucht, wie Sally Morgan ihre Familie und ihre eigene Identität durch die Verbindung zur aufsteigenden Familiengeschichte verortet.
2.2 Die Konstruktion von Gemeinschaft(en) über die absteigende Genealogie: Hier wird der Fokus auf die absteigende Genealogie gelegt, wobei die Rolle der Großmutter und die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit als zentraler Kern der Identitätsfindung analysiert werden.
Zusammenfassung: Die Zusammenfassung bündelt die Ergebnisse zur Bedeutung von Genealogie, Identitätspolitik und dem komplexen Verhältnis der Familie zur indigenen Gemeinschaft.
Bibliographie: Das Literaturverzeichnis listet alle in der Arbeit verwendeten Quellen auf.
Schlüsselwörter
My Place, Sally Morgan, indigene Identität, Gemeinschaftsvorstellungen, Genealogie, Stolen Generations, Aboriginality, Familie, Identitätskonstruktion, Rassismus,Passing, kulturelle Entwurzelung, Autobiographie, Literaturwissenschaft, indigene Geschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Forschungsarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Konstruktion und Imagination von Gemeinschaften in Sally Morgans Autobiographie 'My Place' und hinterfragt, wie Identität im Kontext indigener Abstammung und Familiengeschichte verhandelt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf den Konzepten der aufsteigenden und absteigenden Genealogie, der Bedeutung von Familie als Schutzraum sowie der kritischen Auseinandersetzung mit Essentialismus und dem Phänomen des 'Passing'.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu analysieren, wie die Autorin indigene Gemeinschaften im Text herstellt, legitimiert und wie diese Gemeinschaftsentwürfe für eine positive Identifikation als Indigene fungieren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit nutzt einen literatur- und kulturwissenschaftlichen Ansatz, der durch Elemente der Ethnopsychoanalyse ergänzt wird, um die Konstruktionsprozesse von Identität und Gemeinschaft zu dekonstruieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Genealogien, den Vergleich von Identitätsentwürfen zwischen verschiedenen Generationen der Familie und die Reflexion über die Rezeption des Werkes durch indigene Intellektuelle.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind 'My Place', indigene Identität, Genealogie, 'Stolen Generations', 'Passing', Aboriginality sowie die kritische Reflexion des Begriffs 'Gemeinschaft'.
Wie bewertet die Arbeit das 'Happy End' in 'My Place'?
Die Arbeit hinterfragt das im Buch suggerierte Ende als trügerisch, da die tatsächliche Anbindung an eine lokale indigene Gemeinschaft im Text offen bleibt und die Zerrissenheit der 'Stolen Generations' fortbesteht.
Warum spielt das 'Passing' der Familie eine so zentrale Rolle in der Kritik?
Das 'Passing' – das jahrzehntelange Durchgehen als Nicht-Indigene – wird von vielen indigenen Kritikern als problematisch angesehen, da es im Widerspruch zum späteren, dezidiert indigenen Narrativ der Autorin steht.
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- Oliver Haag (Author), 2005, Gemeinschaft und Identität in der Literatur australischer Aboriginals, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120077