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Die italienische Mafia

Title: Die italienische Mafia

Seminar Paper , 2003 , 17 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Frank Kofi Schwarz (Author)

Politics - Region: Western Europe
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Mafia wird in Italien häufig klischeehaft verwendet, wenn es darum geht, allen sozialen Übel und vor allem das staatliche Versagen auf einen Punkt zu bringen. Jeden Tag erscheinen in der italienischen Presse Artikel zum Thema Mafia. Bis zum heutigen Tag hat es die sogenannte Mafia geschafft, in sozial wichtigen Lebensbereichen starken Einfluss auszuüben. Man kann sie sogar als das inoffizielle Bürgertum des Staates Italiens bezeichnen. Grund dafür könnte sein, dass die Mafia in Italien lange Zeit nur ein Thema war, wenn sie grad zugeschlagen haben. Der sogenannte Mythos Mafia wurde lange nicht ernst genommen, man verdrängte die Gefahr. Sie wurden zwar als kriminelle Vereinigung tituliert, doch die Gefahr dieser gut organisierten kriminellen Verbindung wurde dabei unterschätzt. Auch die politischen Verbindungen, welche die Mafia sich erarbeitet hatte und pflegte, wurden gänzlich außer Acht gelassen. Erst in den 60er Jahren brachte die erste Antimafia-Kommission des Parlaments Erkenntnisse über die Verbindungen zwischen Mafia und Politik ans Tageslicht. Doch man ging diesen Hinweisen nicht nach bzw. vertuschte sie und erst 30 Jahre später lässt sich dank italienischen Polizisten, Richtern und Mafiaaussteigern ein wissenschaftlich fundiertes Bild der Mafia zeichnen. Fest steht, dass die Mafia nicht nur im illegalen Bereich agiert, sondern durch ihre Verbindungen zu Politik und Verwaltung, auch großen Einfluss auf legale Sektoren nimmt. Gerade dies unterscheidet mafiose Formen von anderen Formen von Kriminalität und eben dieses macht die Mafia so außergewöhnlich gefährlich. Aufgrund mangelhafter Nachforschungen in den vergangenen Jahren kann sie sogar als Gefährdung der italienischen Demokratie bezeichnet werden. Insbesondere die Cosa Nostra, mit der sich die vorliegende Arbeit beschäftigt, hat sich mit ihrem Modell so bewährt, dass andere kriminelle Organisationen aus anderen Ländern dieses zu kopieren versuchen.
Wie hat die Mafia es also geschafft, nach ca. 150 jährigem Bestehen, den großen politischen Einfluss dieser kriminellen Organisation mit solcher Stärke, aufrechtzuerhalten? Inwieweit hat die spezifische Struktur der Mafia zu ihrer Machtbefestigung und Machterhaltung beigetragen? Ziel dieser Arbeit wird es sein, aufzuzeigen, wie und warum es die Mafia geschafft hat, bis zum heutigen Tage mit kriminellen Machenschaften eine so eklatante Wirkung auf die Gesellschaft und ihre politischen Institutionen Italiens zu nehmen. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition und Begriffsabgrenzung

2.1.Definition der Mafia

2.2.Sizilianische Organisationen mafiosen Typs

2.3.Abgrenzung zwischen gewöhnlichen Kriminellen und der Cosa Nostra

3. Die Struktur der Mafia

3.1.Aufnahmebedingungen und Regeln der Cosa Nostra

3.2.Die Hierarchie der Cosa Nostra

4. Verflechtungen der Mafia

4.1. Wirtschaft und Mafia

4.2. Politik und Mafia

4.3. Mafia und Gesellschaft

5. Schlussfolgerung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage, wie die italienische Mafia es geschafft hat, über 150 Jahre hinweg ihren Einfluss auf die italienische Gesellschaft und politische Institutionen aufrechtzuerhalten, und welche Rolle ihre spezifische interne Struktur dabei spielt.

  • Historische Entwicklung und Begriffsbestimmung der Mafia
  • Strukturelle Organisation und Initiationsriten der Cosa Nostra
  • Wechselwirkungen zwischen mafiosen Interessen und der legalen Wirtschaft
  • Verflechtung von Klientelismus, Politik und kriminellen Netzwerken
  • Soziale Integration und die Wahrnehmung der Mafia als inoffizielle Autorität

Auszug aus dem Buch

4.2. Mafia und Politik

Der Schlüsselbegriff zur Analyse der Beziehungen zwischen Mafia und der Politik ist der Klientelismus, der die Selbstorganisation in einem schwachen Staat beinhaltet. An der Spitze dieser Organisation steht der Patron. Er gewährt seinem Klientel Schutz und Hilfe und fordert dafür Ergebenheit und Unterstützung in der Masse. Je größer die Anzahl der Klientel, desto größer ist auch der Einfluss des Patrons. Das Mittel für den Klientelismus ist die politische Ämtervergabe des Staates durch die Democrazia Cristina und die Koalitionspartner. 50% der Wirtschaft werden vom öffentlichen Sektor bestimmt und halböffentliche Körperschaften werden nach dem klientelistischen Prinzip als nach Leistungskriterien mit Stellen begrenzt. Die zahlreichen Posten werden parteiintern nach der Stärke des einzelnen Parteiflügels vergeben, deren Stärke durch das System der Präferenzstimmen festgelegt. Durch die Präferenzstimmen konnten die Wähler innerhalb einer Parteiliste vier Kandidaten ihrer Präferenz auswählen und damit die Stärke des Parteiflügels bestimmen.

Wenn ein Mafiaboss als Patron fungiert, werden dabei natürlich auch illegale Methoden in hohem Maße zur Durchsetzung ihrer Ziele angewendet. Im politischen Systems Italiens konnte die Mafia sich leicht einen Zugang verschaffen, da es weitgehend von Klientelismus durchdrungen ist. „Kein Politiker konnte und kann es sich leisten, die lokalen Clientele zu ignorieren, auch nicht die mafiosen Einschlags.“ In Sizilien geben Mafiabosse ihrer Klientel Vorgaben über die zu wählenden Politiker und durch eine bestimmte Reihenfolge der Präferenzstimmen konnten diese Stimmen nach der Wahl relativ eindeutig dem Mafioso zugeordnet werden, worauf diese natürlich Gegenleistungen einforderten. Dabei ging es der Mafia vorrangig um die Neutralisierung der Justiz, eine Lockerung der Devisenbeschränkungen und Kapitalexportvorschriften sowie die Verhinderung von Transparenz bei Bankgeschäften und bei der Vergabe öffentlicher Aufträge.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die langjährige Verdrängung der Mafia-Gefahr in Italien und definiert das Ziel der Arbeit, die Machtstrukturen und den Einfluss auf die Gesellschaft zu analysieren.

2. Definition und Begriffsabgrenzung: Dieses Kapitel erläutert den Ursprung des Begriffs „Mafia“ und grenzt die Cosa Nostra von anderen kriminellen Organisationen wie der Camorra oder der N’drangheta ab.

3. Die Struktur der Mafia: Hier werden die Aufnahmekriterien, der Initiationsritus und die hierarchische Organisation innerhalb der Cosa Nostra detailliert beschrieben.

4. Verflechtungen der Mafia: Dieses Kapitel analysiert die Infiltration der Mafia in Wirtschaft, Politik und die tief verwurzelte Integration in das gesellschaftliche Leben Siziliens.

5. Schlussfolgerung: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, dass die Mafia aufgrund ihrer engen Verflechtung mit staatlichen Institutionen und ihrem opportunistischen Handeln eine ständige Gefahr für die Demokratie bleibt.

Schlüsselwörter

Mafia, Cosa Nostra, Italien, Klientelismus, Organisierte Kriminalität, Machtstruktur, sizilianische Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Gewaltmonopol, Initiationsritus, Ehrenmann, Korruption, Infiltration, Patronat.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Phänomen der italienischen Mafia, insbesondere der Cosa Nostra, und untersucht deren langanhaltenden politischen und gesellschaftlichen Einfluss.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten gehören die Definition mafioser Strukturen, die interne Organisation der Cosa Nostra, sowie die Verbindungen zu Wirtschaft, Politik und der sozialen Bevölkerungsschicht.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie und warum die Mafia durch ihre spezifische Struktur und ihre kriminellen Machenschaften eine derart eklatante Wirkung auf die Gesellschaft und ihre Institutionen entfalten konnte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse sowie der Auswertung von Fachliteratur, Berichten von Mafia-Aussteigern und Erkenntnissen der Anti-Mafia-Kommissionen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil wird die hierarchische Struktur der Familie, das Prinzip des Klientelismus in der Politik und die Art der sozialen Dienstleistungen als Machtinstrument analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Cosa Nostra, Klientelismus, Machtstruktur, Infiltration, Mafia und gesellschaftliche Integration.

Warum wird die Mafia als „inoffizielles Bürgertum“ bezeichnet?

Der Begriff spiegelt den tiefen Einfluss wider, den die Mafia in wichtigen Lebensbereichen ausübt, indem sie Aufgaben übernimmt, die eigentlich dem Staat obliegen, und als Autorität im Alltag fungiert.

Welche Rolle spielt die „Familie“ innerhalb der Cosa Nostra?

Die Familie ist das fundamentale Machtinstrument, das ein bestimmtes Territorium kontrolliert und durch die Koordination von Mitgliedern („Soldati“ und „Capos“) strategische Entscheidungen trifft.

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Details

Title
Die italienische Mafia
College
Free University of Berlin  (Otto-Suhr-Institut)
Course
Die dunkle Seite politischer Netzwerke
Grade
2,3
Author
Frank Kofi Schwarz (Author)
Publication Year
2003
Pages
17
Catalog Number
V12008
ISBN (eBook)
9783638180238
Language
German
Tags
Mafia Seite Netzwerke
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Frank Kofi Schwarz (Author), 2003, Die italienische Mafia, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12008
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