Die italienische Mafia


Seminararbeit, 2003
17 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition und Begriffsabgrenzung
2.1.Definition der Mafia
2.2.Sizilianische Organisationen mafiosen Typs
2.3.Abgrenzung zwischen gewöhnlichen Kriminellen und der Cosa Nostra

3. Die Struktur der Mafia
3.1.Aufnahmebedingungen und Regeln der Cosa Nostra
3.2.Die Hierarchie der Cosa Nostra

4. Verflechtungen der Mafia
4.1. Wirtschaft und Mafia
4.2. Politik und Mafia
4.3. Mafia und Gesellschaft

5. Schlussfolgerung

Einleitung

Mafia wird in Italien häufig klischeehaft verwendet, wenn es darum geht, allen sozialen Übel und vor allem das staatliche Versagen auf einen Punkt zu bringen. Jeden Tag erscheinen in der italienischen Presse Artikel zum Thema Mafia. Bis zum heutigen Tag hat es die sogenannte Mafia geschafft, in sozial wichtigen Lebensbereichen starken Einfluss auszuüben. Man kann sie sogar als das inoffizielle Bürgertum des Staates Italiens bezeichnen. Grund dafür könnte sein, dass die Mafia in Italien lange Zeit nur ein Thema war, wenn sie grad zugeschlagen haben. Der sogenannte Mythos Mafia wurde lange nicht ernst genommen, man verdrängte die Gefahr. Sie wurden zwar als kriminelle Vereinigung tituliert, doch die Gefahr dieser gut organisierten kriminellen Verbindung wurde dabei unterschätzt. Auch die politischen Verbindungen, welche die Mafia sich erarbeitet hatte und pflegte, wurden gänzlich außer Acht gelassen. Erst in den 60er Jahren brachte die erste Antimafia-Kommission des Parlaments Erkenntnisse über die Verbindungen zwischen Mafia und Politik ans Tageslicht. Doch man ging diesen Hinweisen nicht nach bzw. vertuschte sie und erst 30 Jahre später lässt sich dank italienischen Polizisten, Richtern und Mafiaaussteigern ein wissenschaftlich fundiertes Bild der Mafia zeichnen. Fest steht, dass die Mafia nicht nur im illegalen Bereich agiert, sondern durch ihre Verbindungen zu Politik und Verwaltung, auch großen Einfluss auf legale Sektoren nimmt. Gerade dies unterscheidet mafiose Formen von anderen Formen von Kriminalität und eben dieses macht die Mafia so außergewöhnlich gefährlich. Aufgrund mangelhafter Nachforschungen in den vergangenen Jahren kann sie sogar als Gefährdung der italienischen Demokratie bezeichnet werden. Insbesondere die Cosa Nostra, mit der sich die vorliegende Arbeit beschäftigt, hat sich mit ihrem Modell so bewährt, dass andere kriminelle Organisationen aus anderen Ländern dieses zu kopieren versuchen.

Wie hat die Mafia es also geschafft, nach ca. 150 jährigem Bestehen, den großen politischen Einfluss dieser kriminellen Organisation mit solcher Stärke, aufrechtzuerhalten? Inwieweit hat die spezifische Struktur der Mafia zu ihrer Machtbefestigung und Machterhaltung beigetragen? Ziel dieser Arbeit wird es sein, aufzuzeigen, wie und warum es die Mafia geschafft hat, bis zum heutigen Tage mit kriminellen Machenschaften eine so eklatante Wirkung auf die Gesellschaft und ihre politischen Institutionen Italiens zu nehmen. Dazu wird im 2.Kapitel eine Definition der Mafia und die Begriffsabgrenzung in Hinsicht der Regionen und der Qualität zu anderen kriminellen Organisationen notwendig. Weiterhin wird der Verfasser auf ihre Struktur eingehen und letztendlich die Bereiche analysieren, in denen die Mafia eingedrungen ist. Dazu gehören die Bereiche Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

2.Definition und Begriffsabgrenzung

2.1.Definition der Mafia

In der Öffentlichkeit wird die Bezeichnung Mafia für verschiedene Verbrechersyndikate und- banden verwendet und oft mit der Organisierten Kriminalität gleichgesetzt. Da sie historisch gewachsen ist und seit ca. 150 Jahren ein entscheidender Machtfaktor der sizilianischen Gesellschaft darstellt, ist sie mehr als nur Organisierte Kriminalität. Denn die Mafia ist eine Machtstruktur und den wesentlichsten Unterschied stellt die Tatsache dar, dass es nicht allein ihr Ziel ist, einen materiellen Gewinn zu erzielten, sondern auch nach Macht in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens zu streben. Bis ins 19. Jahrhundert hinein galt in Sizilien alles als mafios, was für Überlegenheit und Standhaftigkeit steht. Mafiosos waren Männer, die sich in ihrer sozialen Umgebung problemlos durchzusetzen vermochten. Die Anwendung von Gewalt war dabei ein erfolgreiches und für sie legitimes Mittel, welches die ihnen Ehre und Prestige zusätzlich garantierte. Mafioses Verhalten bedeutete in einer traditionellen und sizilianischen Gesellschaft, ehrwürdiges Verhalten zu zeigen, indem man die Tapferkeit und vor allem die Fähigkeit zur Anwendung von Gewalt ausstrahlt.[1]

Der Ursprung des Wortes „Mafia“ ist bis heute ungeklärt und hat verschiedenste Spekulationen hervorgerufen. Manche behaupten, dass der Ursprung dadurch entstand, dass im Verlauf eines spontanen Aufstands in Palermo gegen die herrschenden Franzosen, der Schlachtruf dieser rebellierenden Bevölkerung soviel wie“ Morte alla Francia, Italia anela“ hieß. Dieses bedeutet „Tod dem Frankreich, keucht Italien.“[2] Eine andere Behauptung war, dass das Wort „Mafia“ in der alten sizilianischen Sprache für „besonders“, „erfolgreich“ und „überlegen“ stand, womit nur ein Mann mit Stolz und Ehre bezeichnet wurde. Im Verlauf des 19. Jahrhundert wandelte sich der Begriff „Mafia“ zu „anmaßend“, „überheblich und „gewalttätig“, womit nur Männer bezeichnet wurden, die ihren sozialen Aufstieg mit diesen Werteinschätzungen vollbracht hatten.[3] Eine andere Legende besagt, dass ein Franzose zu der Zeit, wo Frankreich die herrschende Macht in Italien war, eine einheimische Braut vor der Hochzeit vergewaltigt hatte. Die Mutter des Opfers soll dann ängstlich ausgerufen haben „Ma fia, ma fia“, was wörtlich „Meine Tochter, meine Tochter“ bedeutet hatte. Die folgenden Herkunftserklärungen des Wortes Mafia entstammen Ableitungen aus dem Arabischen, wie z.B. „Mahjás“, welches die Bedeutung des Angebers widerspiegelte oder von dem Begriff „Mafal“, eine Versammlung vieler Personen.[4] Mafiosos bezeichnen sich meist nicht als solche und sprechen sich auch untereinander nicht so an, da sich dieser Begriff zu einem Schimpfwort entwickelt hat, um jemanden schlecht darzustellen. Der Mafiaaussteiger Antoino Calderono berichtet, dass die Mafiosos ihre Organisation „Cosa Nostra“ nennen.[5]

2.2.Sizilianische Organisationen mafiosen Typs

In Süditalien existieren drei kriminelle Organisationen von relevanter Bedeutung, die Organisationen mafiosen Typs sind, da sie mit typischen Methoden der Mafia, wie Anwendung von Gewalt und Einschüchterung arbeiteten, mit der sie Unterwürfigkeit und Verschwiegenheit in der Bevölkerung provoziert. Eine der drei großen Organisationen mafiosen Typs stellt die Camorra dar, welche ihren Umsatz hauptsächlich durch Casino, Prostitution, Rauschgifthandel und Erpressungen erzielten. Ihre Organisation ist meist in Banden aufgeteilt. In den 80er Jahren drangen sie auch in den legalen Sektor ein, wodurch sie Kontakte mit Politikern knüpfen konnten. Ihr Ziel war es, die Kontrolle über die illegalen Machenschaften in Kampanien inne zu haben. Da sie aber aus einzelnen, lokalen und mitunter häufig zerstrittenen Strukturen besteht, wurde der Versuch von Rafaele Cuotolo, sie zu einer Einheit zusammenzuschweißen, in einem „Blutbad ertränkt“.[6] Trotz allem weist sie nicht die typischen Charakteristika einer Mafia auf, da sie nicht darauf Wert legen, sich in der Gesellschaft zu integrieren, um sich hinter dem Schein des Bürgerlichen zu verstecken.

[...]


[1] vgl. Müller, Peter, Die politische Macht der Mafia, 1991, S.309

[2] vgl. Müller, Peter, Die politische Macht der Mafia, 1991, S.128

[3] vgl. Müller, Peter, Die Mafia in der Politik, 1990, S.37

[4] vgl. Müller, Peter, Die politische Macht der Mafia, 1991, S.133

[5] vgl. Arlacchi, Pino, Die Mafia von innen , 1993, S.15

[6] vgl. Falcone, Giovanni, Mafia Intern , 1993, S.103

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die italienische Mafia
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Otto-Suhr-Institut)
Veranstaltung
Die dunkle Seite politischer Netzwerke
Note
2,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
17
Katalognummer
V12008
ISBN (eBook)
9783638180238
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mafia, Seite, Netzwerke
Arbeit zitieren
Frank Kofi Schwarz (Autor), 2003, Die italienische Mafia, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12008

Kommentare

  • Gast am 21.7.2013

    Mich würde Ihre Arbeit über die italienische Mafia interessieren, jedoch wäre meine Frage, weshalb die Arbeit mit 2,3 bewertet wurde?!

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