Emanzipation der Pädagogik in den 1960er Jahren – eine filmanalytische Betrachtung zum Film: „Der Club der toten Dichter“


Seminararbeit, 2008

28 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Themenstellung

2 Inhaltliche Aspekte des Films
2.1 Inhaltsbeschreibung
2.2 Zentrale Konflikte

3 Formale Aspekte des Films
3.1 Filmsprache und Sequenzprotokoll
3.2 Formale Besonderheiten des Films

4 Interpretation der Schlüsselsequenzen
4.1 Die „Schuldfrage“ zu Neils Tod und die pädagogische Verantwortung
4.2 Keatings Unterrichtsmethoden und das Lehrer-Schüler-Verhältnis

5 Bezüge zur Emanzipation der Pädagogik in den 1960er Jahren
5.1 Begrifflichkeiten und Parallelen zum Film
5.2 Die Bedeutung des Films heute

Literaturverzeichnis

Erklärung

Anhang

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit unternimmt den Versuch, mittels des Werkzeugs der Filmanalyse Bezüge zwischen dem Film „Der Club der toten Dichter“ und der Emanzipation der Pädagogik in den 1960er Jahren herzustellen. Ferner soll die Klärung der Frage nach der heutigen Bedeutung und Aktualität der Emanzipation der Pädagogik und folglich des Films die Arbeit abrunden. Ich möchte zunächst unter Punkt 1.1 den Leser genauer mit der Themenstellung vertraut machen. Danach widme ich mich, mit der Inhaltsbeschreibung und den zentralen Konflikten, den inhaltlichen Aspekten des Films. In Punkt 3 werde ich die formalen Aspekte, die Filmsprache und das Sequenzprotokoll sowie die formalen Besonderheiten des Films, näher herausarbeiten. Punkt 4 wird die Interpretation der Schlüsselsequenzen, insbesondere der „Schuldfrage“ an Neils Tod und der pädagogischen Verantwortung sowie Keatings Unterrichtsmethoden auch im Zusammenhang des Lehrer-Schüler-Verhältnisses beinhalten. In Punkt 5 erwartet den Leser die Herstellung der Bezüge zur Emanzipation der Pädagogik in den 1960er Jahren; Begrifflichkeiten und Parallelen zum Film sowie abschließend die Klärung der Frage, ob diese und somit der Film heute noch Bedeutung hat.

1.1 Themenstellung

Filme als Medium existieren bereits seit dem späten 19. Jahrhundert in Form von Stummfilmen und seit den 1920er Jahren auch als Tonfilm. Ihre Präsenz in der heutigen Mediengesellschaft ist gefestigt und ohne gar nicht mehr vorstellbar. Ihre sozialwissenschaftliche Bedeutung, besonders in der Pädagogik, erlangten sie allerdings erst spät (Faulstich, 1980). An dieser Stelle möchte ich einführend zum Untersuchungsgegenstand der Filmanalyse Albrecht (1964) zitieren:

“[…] die Filmanalyse untersucht den Film unter dem Aspekt der Frage, welche Bedeutung er durch Gestalt und Gehalt als Massenkommunikationsmittel für die Meinungsbildung innerhalb der Gesellschaft hat. Filmanalyse ist dementsprechend keine Beschäftigung filmbegeisterter Fans, auch keine allein der Filmkunst oder allein der Filmindustrie dienliche Feststellung über den rechten Gebrauch der filmkünstlerischen Mittel[…] Filmanalyse ist vielmehr eine Untersuchung der Frage, inwiefern die Filme in ihrem Inhalt, ihrer soziokulturellen Funktion und ihrer tatsächlichen Wirkung durch die jeweilige Gesellschaft ihrerseits zu beeinflussen vermögen. „ (Faulstich 1980: 39f.)

Ziel dieser Arbeit ist die filmanalytische Betrachtung des Films „Der Club der toten Dichter“ mit dessen Hilfe die sozialwissenschaftliche Bedeutung im Kontext der Zeit, in der der Film spielt, in den 1960er Jahren bis hin zur heutigen Zeit näher beleuchtet und herausgearbeitet werden soll. Präziser möchte ich versuchen, Bezüge zur Emanzipation der Pädagogik in den 1960er Jahren, insbesondere der Studentenbewegung 1968, herzustellen und abschließend die Fragestellung erörtern, ob der Film auch heute noch Aktualität besitzt. Bei der Realisierung orientiere ich mich stets im Rahmen des „Idealmodells von vier einander überschneidenden Untersuchungsbereichen: Filmrealität (Immanente Bestandsaufnahme. Inhalt, Form, Handlung.), Bedingungsrealität (Warum wird dieser Inhalt, in dieser historischen Situation, in dieser Form filmisch aktualisiert?), Bezugsrealität (In welchem Verhältnis steht die filmische Darstellung zur realen Bedeutung des Problems? und Wirkungsrealität (Dominante zeitgenössische Rezeption. Heutige Rezeption.)“ (Korte 2004: 23).

Im Folgenden widme ich mich der Darstellung der inhaltlichen Aspekte des Films, wobei ich diese, nur der Erinnerung dienlich, nach Lenz (1997) anreißen werde. Ich gehe davon aus, dass der Leser den Film bereits gesehen hat. Des Weiteren bietet sich dem Leser im Anhang ein ausführliches Sequenzprotokoll, welches die Handlung des Films in zeitlicher Reihenfolge ‚Szenenfolgen’ darstellt.

2 Inhaltliche Aspekte des Films

2.1 Inhaltsbeschreibung

Der Film spielt in den 1950er Anfang 1960er Jahren in der Welton - Akademie, einem erzkonservativen Jungeninternat in der Nähe der Ostküste der Vereinigten Staaten. Sie dient der Vorbereitung für Elite-Universitäten und folgt mit einem einhundertjährigen Credo den vier Grundprinzipien: Tradition, Ehre, Disziplin und Leistung, welche jedoch heimlich von den pubertären Jungs ironisierend umgewandelt werden in: Travestie, Ekel, Dekadenz und Lethargie. („Willkommen in Höllton“)

Mit Beginn des neuen Schuljahres werden zwei neue Figuren eingeführt: der Englisch- und Sportlehrer John Keating, ehemaliger Absolvent der Akademie und der neue Schüler Todd Anderson, der mit hohem Erwartungsdruck seiner Eltern das Erbe seines Bruders Jeffrey Anderson antreten soll, der zuvor ein überragender Absolvent der Akademie und Jahrgangsbester war.

Die konservative und pädagogische Sichtweise der Einrichtung zeigt sich im Schulalltag und in den Unterrichtsmethoden: reines Faktenlernen, klassischer Frontalunterricht und wenig ‚Profanes’. Im Vordergrund der Schüler steht ein guter Abschluss, um die hohen Erwartungen ihrer Eltern zu erfüllen. Der schüchterne Todd Anderson wird durch seinen Zimmerkameraden Neil Perry ermuntert, dem bereits bestehenden Arbeits- und Freundeskreis beizutreten, wozu neben Neil auch noch weitere recht unterschiedliche Charaktere wie Charles Dalton (Charlie), Knox Overstreet, Gerard Pitts, Steven Meeks und James Cameron gehören.

Mit dem neuen Lehrer Keating halten auch neue Perspektiven und Unterrichtsmethoden, im Unterschied zu seinen traditionsbewussten Kollegen, Einzug in den Klassenzimmern der Akademie. So lässt er sich zum Beispiel von mutigen Schülern als „Oh Captain, mein Captain!“ ansprechen, rezitiert fortlaufend Gedichte im Sinne der Romantik und bringt die Schüler dazu, das von Pritchard entwickelte wissenschaftliche Beurteilungssystem zur Lyrik, nach dem sich der Wert von Gedichten mittels eines Koordinatensystems ermitteln lässt, aus ihren Büchern herauszureißen. Ferner ermutigt er sie zu selbstständigem Denken und hält ihnen in der ersten Unterrichtsstunde in der Eingangshalle vor den Bildern ehemaliger Absolventen Vorträge über seine Lebensphilosophie: „Carpe diem! Nutze den Tag! Macht etwas Außergewöhnliches aus eurem Leben!“. Er lässt sie einzeln auf das Pult des Lehrers steigen, um ihnen einen andere Perspektive zu zeigen und die ‚Welt’ mit anderen Augen zu betrachten. Neil ist von Keating stark beeindruckt und findet über ein altes Jahrbuch heraus, dass Keating zu seiner Schulzeit Mitglied im „Club der toten Dichter“ war, einer geheimen Vereinigung von Schülern, die sich in nächtlichen Sitzungen in einer versteckten Indianerhöhle fremde oder eigene Gedichte vorlasen. Sie verstanden sich als Romantiker mit dem Ziel, „das Mark des Lebens in sich aufzusaugen“. Von Keating dazu animiert, beruft Neil mit seinen Freunden den Club wieder ein. Sie treffen sich in der besagten Höhle, zitieren Gedichte und geben sich Ausschweifungen wie Zigaretten und Alkohol hin und laden sogar Mädchen zu ihren Treffen ein. Mit Hilfe von Keatings unkonventionellen Unterrichtsmethoden, gelingt es dem schüchternen Todd seine tiefverwurzelte Angst und Schüchternheit zu überwinden.

Dennoch nimmt der Film einen tragischen Verlauf, als Neil seine Liebe zum Theater verwirklichen und gegen den Willen seines Vaters die Rolle des ‚Puck’ in Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ spielen will. Knox verliebt sich in Chris, als diese ihm die Tür bei den Danburrys öffnet, wo er zum Dinner eingeladen war. Diese ist jedoch bereits mit dem Sohn der Hausherren, Chat Danburry, verlobt. Charlie benennt sich bei einem Clubtreffen in „Nuwanda“ um und provoziert die Schulleitung mit einem im Namen des Clubs in der Schülerzeitung veröffentlichten Artikel. Darin fordert er, dass in Welton auch Mädchen aufgenommen werden sollten. Dies spitzt sich zu, als Rektor Nolan die Schüler in der Kapelle zusammenruft, um den für den Artikel Verantwortlichen zu finden. Charlie gibt sich als Verfasser mit einem ‚ Anruf von Gott’ zu erkennen und wird von Nolan dafür körperlich bestraft. Als Neils Vater erfährt, dass Neil für die Aufführung von Shakespeares „Sommernachtstraum“ heimlich probt, verbietet er ihm das Theaterstück ein für alle Mal. Als Neil trotzdem bei der Premiere auftritt, holt ihn sein Vater nach Hause und teilt ihm seinen Plan, ihn auf eine Militärakademie zu schicken, mit. Der dramaturgische Höhepunkt des Films ist erreicht, als Neil in seiner Verzweifelung Selbstmord begeht. Die Schulleitung führt daraufhin eine genaue Untersuchung durch und macht im Sinne eines zu findenden ‚Sündenbocks’ Keating für all das verantwortlich. Todd, Charlie, Cameron, Meeks, Pitts und Knox müssen ein Keating belastendes Dokument unterzeichnen. Charlie erhält aufgrund seiner Weigerung einen Schulverweis, die anderen unterzeichnen unter dem Druck der Eltern, nachdem Cameron die Namen aller (Clubmitglieder) verraten hat. In der berühmten Schlussszene:

„[…] betritt der von der Schulleitung entlassene Keating noch einmal das Klassenzimmer, um seine persönlichen Sachen zu holen. Rektor Nolan selbst hat den Unterricht in Englisch übernommen und lobt gerade das von Keating verhasste Beurteilungskapitel zur Lyrik. Die Schüler sitzen ratlos und verlegen an ihren Tischen. Kurz bevor Keating den Raum verlässt, nimmt Todd all seinen Mut zusammen, steht auf und ruft Keating nach, man habe ihn zur Unterschrift gezwungen. Nach heftigen Einschüchterungsversuchen durch Rektor Nolan steht Todd auf, steigt auf sein Pult und grüßt Keating mit der inhaltsschweren Anrede „O Captain, mein Captain!“. Trotz der Verwarnungen durch Rektor Nolan folgt fast die ganze Klasse Todds Beispiel. Der Film endet damit, dass sich Keating – zu Tränen gerührt - für diesen Vertrauensbeweis bedankt.“ (Lenz 1997: 13)

2.3 Zentrale Konflikte

Im Film selbst werden mehrere zentrale Konflikte in Form von Beziehungen angesprochen, die sich mehr oder weniger problematisch steigern und auch teilweise dramatisch enden:

1. Das problembehaftete Verhältnis zwischen Neil und seinem Vater und letztlich die „Schuldfrage“ zum Selbstmord von Neil.
2. Keatings unkonventionelle Unterrichtsmethoden und das Verhältnis zwischen Mr. Keating und anderen Lehrern, das in konträrer Sichtweise zu Unterrichtsmethoden und allgemein zu Erziehung und Pädagogik steht.
3. Das Lehrer – Schüler – Verhältnis: Todd und Mr. Keating, die „YAWP-Stunde“
4. Die Beziehung zwischen Knox und Chris, weil Chris bereits mit Chat Danburry verlobt ist. und 5. die Erwartungen an Todd aufgrund seines erfolgreichen Bruders, der Jahrgangsbester war.

In Punkt 4 werde ich die drei oberen zentralen Konflikte, die für mich die wichtigsten Schlüsselsequenzen des Films darstellen, eingehender interpretatorisch betrachten. Vorerst möchte ich noch die formalen Aspekte des Films besprechen.

3 Formale Aspekte des Films

„Wenn uns Bilderfolgen nichts sagen würden, gäbe es weder Film noch Fernsehen. Jedermann weiß, daß mit Filmen ‚Aussagen’ gemacht werden, daß sie einen ‚Inhalt’ haben, daß mit ihnen etwas ‚gemeint’ ist, daß sie etwas ‚bedeuten’ – kurz: daß man Filme wie sprachliche Äußerungen ‚verstehen’ kann (oder auch nicht)„ (Schanz 1974, zitiert nach Faulstich 1980: 44)

[...]

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Emanzipation der Pädagogik in den 1960er Jahren – eine filmanalytische Betrachtung zum Film: „Der Club der toten Dichter“
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Mediendidaktik)
Veranstaltung
Film und Bildung
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
28
Katalognummer
V120097
ISBN (eBook)
9783640240630
ISBN (Buch)
9783640244713
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Emanzipation, Pädagogik, Jahren, Betrachtung, Film, CLUB, TOTEN, DICHTER“, Bildung, Filmanalyse
Arbeit zitieren
Nicole Rohr (Autor), 2008, Emanzipation der Pädagogik in den 1960er Jahren – eine filmanalytische Betrachtung zum Film: „Der Club der toten Dichter“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120097

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