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Eine Zensur findet nicht statt?

Ein kritischer Blick auf die Filmzensur in Deutschland

Title: Eine Zensur findet nicht statt?

Term Paper , 2005 , 27 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Christian Honeck (Author)

Film Science
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Summary Excerpt Details

In Artikel 5 des Grundgesetzes heißt es ‘Eine Zensur findet nicht statt’. Angesichts der Tatsache, daß “die BRD […] das einzige Land der Welt [ist], in dem Gewaltdarstellungen in Massenmedien durch allgemeine Strafgesetze verboten sind.“, scheint die Realität jedoch häufig anders.
Filme werden indiziert oder verboten. Genres, wie der Horrorfilm, die extreme Gewalt implizieren, sind davon besonders stark betroffen.
Trotz des bestehenden Zensurverbotes gibt es in Deutschland scheinbar ein Zensurproblem. Die im GG eingeräumte Freiheit wird durch andere Gesetze eingeschränkt, eine Reihe von Institutionen zensiert mit dem Argument, die Zuschauer ‘beschützen zu wollen’ Filme und andere Medien. Gestützt durch die Argumente von Jugendschützern, der Medienwirkungsforschung, besorgter Eltern und Interessengruppen, kontrolliert der Staat so systematisch den Medienbereich und legt die bestehende Gesetzgebung dabei oftmals weitest möglich aus.
Doch wie funktioniert dieser Mechanismus? Wie wird Zensur definiert und warum wird in Deutschland trotz eines gesetzlichen Zensurverbotes zensiert? Welche Gesetze schränken die Freiheiten in Artikel 5 GG ein und wann werden sie angewandt? Welche Institutionen spielen hierbei eine Rolle? Welche Auswirkungen hat Zensur auf den Medienbereich und den Film im Besonderen?
Die folgende Hausarbeit soll die Zensurproblematik in Deutschland einer kritischen Betrachtung unterziehen. Dabei soll zunächst der Begriff der Zensur definiert und eingegrenzt werden. Danach wird ein grober Überblick über die Zensurgeschichte gegeben, um dann die Gesetzeslage in Deutschland, sowie die kontrollierenden Institutionen im Bereich des Films näher zu betrachten.
Schließlich werden am konkreten Beispiel des Films Evil Dead die Anwendung des §131 und die damit verbundene Zensur, sowie einige Argumente von Zensurbefürwortern und -gegnern beschrieben, bevor mit Blick auf aktuelle Gesetzesänderungen und auf die Bedeutung von Zensur für das Genre des Horrorfilms ein (vorläufiges) Fazit gezogen wird.
Aufgrund der Komplexität der Thematik kann und soll nur ein kritischer Blick gewagt werden und die Frage nach einer Lösung des (Zensur-)Problems wird keiner endgültigen Beantwortung zugeführt werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Was ist Zensur? - Versuch einer Begriffserklärung

2. Die Geschichte der Zensur - ein Überblick

2.1 Zensur vom 15. bis zum 18. Jahrhundert

2.2 Zensur im 19. Jahrhundert

2.3 Kinoreformer, Lichtspielgesetze, Totalzensur – Zensur von den 10er Jahren des 20. Jahrhunderts bis zum Dritten Reich

2.4 Vom Ende des Dritten Reiches bis zur BRD

3. Jugendschutz und Strafrecht – Gesetzgebung in Deutschland

3.1 Jugendschutzgesetze

3.2 §184 StGB - Verbreitung pornographischer Schriften

3.3 §131 StGB - Gewaltdarstellung

4. FSK, BPjS, Staatsanwaltschaft – Kontrollierende (zensierende) Institutionen in Deutschland

4.1 Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK)

4.2 Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPjS)

4.3 Staatsanwaltschaft und Gerichte

5. Der konkrete Fall: Evil Dead, ein fast zehnjähriger Streit um die Auslegung von §131

6. Die Medienwirkungsforschung als Argument für Zensur

7. Die Forderung nach Medienfreiheit und Selbstbestimmung – Argumente gegen Zensur

8. Aktuelle Verschärfungen des Rechts

9. Fazit

10. Literaturverzeichnis

11. Anhang: Übersicht der Schnitte in der deutschen Fassung von Evil Dead

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Zensurproblematik in Deutschland kritisch, indem sie den Begriff der Zensur eingrenzt, die historische Entwicklung betrachtet und die rechtliche sowie institutionelle Lage analysiert. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie trotz des Zensurverbots in Artikel 5 des Grundgesetzes durch eine weite Auslegung von Gesetzen wie §131 StGB (Gewaltdarstellung) systematisch in den Medienbereich eingegriffen wird und welche Rolle dabei die Medienwirkungsforschung spielt.

  • Historische Entwicklung der Zensur in Deutschland vom 15. Jahrhundert bis heute.
  • Analyse der gesetzlichen Grundlagen und der Rolle kontrollierender Institutionen wie FSK und BPjS.
  • Fallstudie zum Film Evil Dead als Präzedenzfall für ästhetische Zensur.
  • Kritische Auseinandersetzung mit der Medienwirkungsforschung und deren Verwendung als Zensurargument.
  • Gegenüberstellung von staatlichem Schutzgedanken und der Forderung nach Medienfreiheit.

Auszug aus dem Buch

2.1 Zensur vom 15. bis zum 18. Jahrhundert

Seit der Entstehung des Buchdrucks wollten Institutionen diese neue Form der Kommunikation kontrollieren. Tortarolo schreibt von der ersten päpstlichen Regelung zur Zensur, welche bereits 1479 von Papst Sixtus IV erlassen wurde und der Universität zu Köln, die für die Druckerei in der Stadt verantwortlich war, überlassen wurde. Bereits 1559 entstand der erste kirchliche, geheime Index, welcher eine Liste der ‘gefährlichen’ Bücher enthielt. Ausgehend von diesem Index, dem ‘Index librorum prohibitorum’ führt, so Seim, eine logische Entwicklungsline zum ‘Gesamtverzeichnis der indizierten Schriften’ der BPjS. Der erste offizielle Index wurde 1596 herausgegeben, die Institutionalisierung der kirchlichen Zensur hatte sich bis zu diesem Zeitpunkt stetig weiterentwickelt und “machte […] deutliche Fortschritte“.

Vorrangiges Ziel der Kirche war es, “das Monopol des Klerus als Interpreten der Heiligen Schrift zu verteidigen“. Aus diesem Grunde wurden in Italien beispielsweise bevorzugt Bibeln in italienischer Sprache vernichtet, aber auch für das einfache Volk bestimmte Schriften, wie Populärliteratur über Hexen und Zauberei wurden stark eingegrenzt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert den scheinbaren Widerspruch zwischen dem Zensurverbot im Grundgesetz und der Realität der Filmzensur, wobei die Zielsetzung der Arbeit, eine kritische Untersuchung dieser Problematik zu sein, dargelegt wird.

1.1 Was ist Zensur? - Versuch einer Begriffserklärung: Dieses Kapitel definiert Zensur unter Einbeziehung von Vor-, Nach- und Selbstzensur und betrachtet diese als Instrument der Machtausübung und sozialen Kontrolle.

2. Die Geschichte der Zensur - ein Überblick: Ein historischer Abriss zeigt die Institutionalisierung der Zensur in Europa, insbesondere nach der Erfindung des Buchdrucks, auf.

2.1 Zensur vom 15. bis zum 18. Jahrhundert: Der Fokus liegt auf der kirchlichen Zensur, den Indizierungen und dem Übergang der Kontrolle an den Staat gegen Ende des 18. Jahrhunderts.

2.2 Zensur im 19. Jahrhundert: Das Kapitel behandelt den Aufstieg einer ästhetischen Zensur, bedingt durch Sorgen vor Sittenverfall und der Entstehung von Pornografie im Zuge der technologischen Entwicklung.

2.3 Kinoreformer, Lichtspielgesetze, Totalzensur – Zensur von den 10er Jahren des 20. Jahrhunderts bis zum Dritten Reich: Hier wird der Einfluss von Kinoreformern und die Entwicklung hin zur Totalzensur im Nationalsozialismus diskutiert.

2.4 Vom Ende des Dritten Reiches bis zur BRD: Die Entwicklung nach 1945, die Entnazifizierung und die Verankerung der Kunstfreiheit im Grundgesetz werden erläutert.

3. Jugendschutz und Strafrecht – Gesetzgebung in Deutschland: Es wird analysiert, wie Jugendschutz und Strafrecht die durch das Grundgesetz garantierte Freiheit einschränken.

3.1 Jugendschutzgesetze: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die rechtlichen Möglichkeiten zur Indizierung jugendgefährdender Medien.

3.2 §184 StGB - Verbreitung pornographischer Schriften: Die Anwendung des Paragrafen gegen pornografische Inhalte im Kontext des Jugendschutzes wird beschrieben.

3.3 §131 StGB - Gewaltdarstellung: Der Fokus liegt auf dem hoch umstrittenen Paragrafen gegen Gewaltdarstellungen und dessen Auslegung in der Rechtsprechung.

4. FSK, BPjS, Staatsanwaltschaft – Kontrollierende (zensierende) Institutionen in Deutschland: Die verschiedenen Kontrollinstanzen und ihr Zusammenspiel bei der Medienbewertung werden vorgestellt.

4.1 Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK): Das Kapitel beleuchtet die Rolle der FSK als quasi-staatliche Zensurinstanz und ihre Prüfpraxis.

4.2 Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPjS): Es wird die Arbeitsweise der BPjS und deren Funktion als Wächter über den Jugendschutz erläutert.

4.3 Staatsanwaltschaft und Gerichte: Die Rolle der Justiz bei Verboten, Beschlagnahmungen und in Revisionsverfahren wird analysiert.

5. Der konkrete Fall: Evil Dead, ein fast zehnjähriger Streit um die Auslegung von §131: Der Rechtsstreit um den Film wird als Beispiel für die komplexe Anwendung des §131 StGB aufgearbeitet.

6. Die Medienwirkungsforschung als Argument für Zensur: Es wird kritisch diskutiert, wie die (umstrittene) Wirkungsforschung zur Rechtfertigung von Zensurmaßnahmen instrumentalisiert wird.

7. Die Forderung nach Medienfreiheit und Selbstbestimmung – Argumente gegen Zensur: Dieses Kapitel präsentiert Gegenargumente, die auf der Eigenverantwortung der Bürger und der Medienfreiheit basieren.

8. Aktuelle Verschärfungen des Rechts: Die Auswirkungen von Gesetzesverschärfungen und der Umgang des Gesetzgebers mit Gerichtsurteilen werden betrachtet.

9. Fazit: Das Fazit zieht ein kritisches Resümee über die Ausweitung der Nachzensur und hinterfragt den Schutzgedanken gegenüber der Bevormundung des Zuschauers.

10. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen.

11. Anhang: Übersicht der Schnitte in der deutschen Fassung von Evil Dead: Dokumentation der konkreten Zensurschnitte des untersuchten Falls.

Schlüsselwörter

Filmzensur, Deutschland, §131 StGB, Jugendschutz, FSK, BPjS, Evil Dead, Medienwirkungsforschung, Kunstfreiheit, Grundgesetz, Gewaltdarstellung, Nachzensur, Selbstzensur, Indizierung, Medienrecht

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit untersucht die Mechanismen und die Geschichte der Filmzensur in Deutschland unter Berücksichtigung des Spannungsfeldes zwischen verfassungsrechtlich garantierter Freiheit und staatlichem Jugendschutz.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Themen sind die rechtliche Lage (StGB), die Rolle von Institutionen wie der FSK und BPjS, die Kritik an der Medienwirkungsforschung und die Bedeutung des Horrorgenres in diesem Kontext.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den "Schutzgedanken" der Zensurbefürworter kritisch zu hinterfragen und aufzuzeigen, wie weitgehende Gesetzesauslegungen faktisch zu Zensurmaßnahmen führen.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Es handelt sich um eine Literaturanalyse und eine Fallstudie, die juristische, mediensoziologische und historische Ansätze kombiniert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einordnung, die detaillierte Darstellung der Gesetzeslage (§184, §131), die Analyse der Kontrollinstitutionen und eine ausführliche Fallstudie zum Film Evil Dead.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Filmzensur, Medienfreiheit, §131 StGB, Jugendschutz, Evil Dead, Medienwirkungsforschung.

Warum wird der Film Evil Dead als Fallbeispiel gewählt?

Der Film dient als Präzedenzfall für die ästhetische Zensur und zeigt exemplarisch den über zehnjährigen Rechtsstreit um die Auslegung von Gewaltdarstellungen in fiktiven Medien auf.

Wie bewertet der Autor den Einfluss der Medienwirkungsforschung?

Der Autor stellt kritisch fest, dass die Forschungsergebnisse oft bruchstückhaft und methodisch umstritten sind, dennoch aber häufig als vermeintliche wissenschaftliche Begründung für Zensurmaßnahmen genutzt werden.

Wie verändert die Gesetzeslage die Situation für Horrorfilme?

Die stetige Verschärfung von Paragrafen wie §131 StGB bedroht das Horrorgenre zunehmend und zwingt Filmemacher und Verleihe zur (Selbst-)Zensur, um Verbote zu vermeiden.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Zensur im Film?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Zensur im Bereich fiktiver Gewalt oft nicht zum Schutz dient, sondern eine Bevormundung des erwachsenen Zuschauers darstellt, wenngleich das Genre gerade durch diesen Kampf gegen Tabus eine besondere Lebendigkeit bewahrt.

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Details

Title
Eine Zensur findet nicht statt?
Subtitle
Ein kritischer Blick auf die Filmzensur in Deutschland
College
University of Cologne  (Institut für Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft)
Course
Proseminar III, Einführung in den Horrorfilm
Grade
1,7
Author
Christian Honeck (Author)
Publication Year
2005
Pages
27
Catalog Number
V120215
ISBN (eBook)
9783640241040
ISBN (Book)
9783640247967
Language
German
Tags
Eine Zensur Proseminar Einführung Horrorfilm
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Honeck (Author), 2005, Eine Zensur findet nicht statt?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120215
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