Desertifikation und Dürre treten im Unterschied zu anderen Naturkatastrophen nur langsam aber lang anhaltend auf. Ein relativ gutes Anpassen und Ausweichen möglicherweise auch mit ursprünglichen Verhaltens-/ Lebensweisen, die sich langfristig herausgebildet und bewährt haben, wie z.B. Nomadismus und Halbnomadismus ist daher möglich.
Mehrjährige Dürren können in Abhängigkeit von der Bevölkerungsdichte, dem Migrationsverhalten der betroffenen Bevölkerung, dem System der Landnutzung und der Wasserversorgung betrachtet werden (LAMPING, 1995: 190ff.). Desertifikation ist ein Aspekt ökologischer Degradation, der die Fähigkeit der Welt, sich selbst zu ernähren, untergräbt. Davon sind ca. 20% de Weltbevölkerung direkt bedroht (TOLBA, 1986). Auswirkungen davon sind: Degradation der Pflanzendecke und der Böden, Absenkung des Grundwasserspiegels, Verschiebung des Mikroklimas und Intensivierung der Erosion (STÜBEN & THURN, 1991). Eine Selektive Veränderung der Artenzusammensetzung hin zu für Tiere ungenießbaren Pflanzen, was die Beweidung immer größerer Flächen zur Folge hat, kommt hinzu (MENSCHING, 1981). Die Interaktion von klimatischer Aridifizierung und Übernutzung der natürlichen Ressourcen beschleunigt natürliche Erosionsprozesse extrem bis hin zur Bildung von Dünen und Badlands (MENSCHING, 1993). Direkte Ursachen dafür sind: intensive, nicht angepasste Landwirtschaft, das Anlegen von Tiefbrunnen, Überweidung, Versalzung der Böden durch eine falsche Bewässerungswirtschaft und Brennholzeinschlag (KASSAS, 1995; STÜBEN & THURN, 1991). Dahinter steht eine exzessive anthropogene Übernutzung der natürlichen Tragekapazität der Naturressourcen angetrieben von zunehmendem Bevölkerungs- und damit auch Nutzungsdruck (KASSAS; 1995). Insgesamt sieht MENSCHING, (1991) das entscheidende Problem darin, dass sich das Ökologische Potential solcher Regionen, wie dem Sahel, nicht annähernd im Gleichgewicht zur Bevölkerungszahl und damit zum Nutzungsdruck befindet!
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was bedeutet Dürre?
3. Was bedeutet Desertifikation?
4. Dürre und Desertifikation im Wechselspiel
5. Das Beispiel Sahelzone
5.1 Geographische Einordnung des Sahel
5.2 Das Klima im Sahel
5.3 Die Vegetation im Sahel
5.4 Ursachen und Folgen von Dürre und Desertifikation im Sahel
5.4.1 Ursachen
5.4.1.1 Klimatisch/Natürlich bedingte Ursachen
5.4.1.2 Ackerbaulich bedingte Ursachen
5.4.1.3 Viehhaltungsbedingte Ursachen
5.4.1.4 Siedlungs-/ Bevölkerungsbedingte Ursachen
5.4.2 Folgen
6. Rückkopplungsprozesse
7. Mögliche Gegenmaßnahmen
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den komplexen Zusammenhang zwischen Dürreereignissen und Desertifikationsprozessen am Beispiel der Sahelzone, um die Ursachen ökologischer Degradation in dieser ariden Region zu analysieren.
- Definition und Abgrenzung der Begriffe Dürre und Desertifikation
- Analyse klimatischer Rahmenbedingungen und Ursachen für den Wandel im Sahel
- Untersuchung anthropogener Einflussfaktoren wie Landnutzung und Überweidung
- Bewertung von Rückkopplungsmechanismen zwischen Vegetation und Atmosphäre
- Diskussion möglicher Gegenmaßnahmen und Strategien zur Ressourcenschonung
Auszug aus dem Buch
3. Was bedeutet Desertifikation?
Auch dieser Begriff ist nur selten eindeutig definiert und scharf abgegrenzt, so dass die Erläuterung einer gewissen Auswahl sinnvoll erscheint. MIDDLETON (1991: 7) gebraucht eine sehr vorsichtige Definition von Desertifikation, nach der diese in ihrer am wenigsten vieldeutigen Form die Vorstellung ist, dass die Ausdehnung von Wüsten - trockenen Gebieten mit wenigen Pflanzen - zunimmt, für gewöhnlich in semiariden Bereichen. Wesentlich klarere Worte finden STÜBEN & THURN (1991), wonach Desertifikation eine schwerwiegende ökologische Degradation in semiariden und subhumiden Klimazonen durch menschliche Tätigkeiten ist.
„Desertifikation ist die Degradierung des Landes in ariden, semiariden und trockenen subhumiden Gebieten aufgrund verschiedener Faktoren unter Einschluss von Klimaänderungen und menschlicher Aktivität (BRECKLE ET.AL., 2006).“ Das heißt Desertifikation führt in klimatisch trockeneren Gebieten der Erde persistent zur substantiellen Abnahme der biologischen sowie edaphischen Produktivität des Systems, also einer verminderten oder eingeschränkten Funktionalität (AGNEW (2002) & BRECKLE ET.AL., 2006). Dabei können anthropogene und klimatische Faktoren immer nur schwer voneinander getrennt werden (BRECKLE ET.AL., 2006). HAMMER (2001) hingegen benennt ein Missmanagement in der Ressourcennutzung, so Fehlnutzung von Wasser, Boden oder der Vegetation als auslösenden Faktor dafür. Mit sich verschlechternden Bedingungen wächst der menschliche Druck auf die Ressourcen. Zum Überleben unter solch schwierigen Bedingungen werden fragile Ressourcen und marginale Gebiete zur Nutzung herangezogen und damit einer Degradation ausgesetzt. Somit ist die Desertifikation ein Selbstverstärkungsprozess (HAMMER, 2001).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Relevanz von Dürreperioden und stellt den Sahel als ein durch ökologische Fragilität und menschlichen Nutzungsdruck besonders betroffenes Gebiet dar.
2. Was bedeutet Dürre?: Dieses Kapitel differenziert zwischen verschiedenen Dürrearten wie meteorologischer und agrarischer Dürre und erörtert die Problematik ihrer wissenschaftlichen Definition.
3. Was bedeutet Desertifikation?: Hier wird der Begriff Desertifikation als ökologische Degradation definiert und als ein oft durch anthropogene Fehlentscheidungen beschleunigter Selbstverstärkungsprozess beschrieben.
4. Dürre und Desertifikation im Wechselspiel: Dieses Kapitel verdeutlicht die enge Interdependenz zwischen klimatischen Anomalien und menschlicher Landnutzung, welche sich in einem komplexen Wirkgefüge gegenseitig verstärken.
5. Das Beispiel Sahelzone: Die Sahelzone dient als Fallstudie, um geographische, klimatische und anthropogene Faktoren sowie deren spezifische Auswirkungen auf die Degradation der Region im Detail zu betrachten.
6. Rückkopplungsprozesse: Der Autor erläutert biophysikalische Rückkopplungen, wie die Albedo-Erhöhung infolge von Vegetationsverlust, die lokale klimatische Bedingungen negativ beeinflussen können.
7. Mögliche Gegenmaßnahmen: Es werden verschiedene Strategien wie der UN-Plan, angepasste Landnutzung und Wasserschutzmaßnahmen diskutiert, um die Desertifikation einzudämmen.
8. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die anthropogene Übernutzung der natürlichen Ressourcen das Kernproblem darstellt und ein integriertes Monitoring sowie nachhaltige Landnutzungssysteme dringend erforderlich sind.
Schlüsselwörter
Desertifikation, Dürre, Sahelzone, ökologische Degradation, Überweidung, Landnutzung, Bodenfruchtbarkeit, Klimawandel, Wasserhaushalt, anthropogene Ursachen, Vegetationsdegradation, Bodenkunde, Ressourcenmanagement, Nachhaltigkeit, Anpassungsstrategien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit dem Phänomen der Desertifikation und Dürrekatastrophen am Südrand der Sahara (Sahelzone) und untersucht die Ursachen sowie die ökologischen Folgen dieser Prozesse.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die meteorologischen Grundlagen von Dürren, die Definition von Desertifikation als menschgemachter Prozess sowie die Analyse von Landnutzungspraktiken im Sahel.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Wechselwirkungsmechanismus zwischen natürlichen Klimaschwankungen und menschlicher Übernutzung zu verdeutlichen, um die Entstehung von Desertifikation besser nachvollziehbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der Auswertung geographischer Modelle und Fachpublikationen, um die komplexen ökologischen Zusammenhänge darzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Begriffsklärung, die detaillierte Analyse der Sahelzone (Klima, Vegetation, Ursachen der Degradation) und eine theoretische Untersuchung von Rückkopplungsprozessen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Desertifikation, Sahelzone, anthropogene Übernutzung, Boden-Degradation und nachhaltiges Ressourcenmanagement.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Dürre und Desertifikation so wichtig?
Während Dürre ein oft temporäres meteorologisches Ereignis ist, beschreibt Desertifikation einen schleichenden, oft irreversiblen Prozess der Landdegradierung, der durch menschliche Fehlplanungen massiv verschärft wird.
Welche Rolle spielt der Mensch bei der Ausbreitung der Wüsten?
Der Mensch fungiert als Katalysator: Durch Überweidung, Rodung und ineffiziente Bewässerungsmethoden wird das ökologische Gleichgewicht gestört, wodurch natürliche Erosionsprozesse erheblich beschleunigt werden.
Können sich degradierte Flächen im Sahel wieder regenerieren?
Laut den Ausführungen des Autors sind viele Gebiete bei rechtzeitigem Eingreifen durch ein organisiertes Flächennutzungssystem noch reversibel, während bei weit fortgeschrittener Degradation eine natürliche Regeneration oft nicht mehr möglich ist.
- Quote paper
- Marco Herrmann (Author), 2007, Desertifikation und Dürrekatastrophen am Südrand der Sahara, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120218