Umberto Boccioni - Urformen der Bewegung im Raum


Hausarbeit, 2008

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Gliederung

A. Einleitende Worte

B. Hauptteil
I. Futurismus
II. Leben Umberto Boccionis
III. Werk Urformen der Bewegung im Raum

C. Schlussbetrachtung

Literatur- und Bildverzeichnis

Abbildungen

A. Einleitende Worte

„So etwas“, sagte er, „müsse es auch für die Malerei geben.“1 Dieser Ausspruch stammte von Umberto Boccioni im Zusammenhang mit einer am 15. Februar 1910 stattgefundenen Soirée der jungen Dichtergruppen der „Futuristen“ im Mailänder Teatro Lirico. Der Vortrag wurde zwar polizeilich beendet, da der Wortführer Filippo Tommaso Marinetti, ein späterer Weggefährte Boccionis, „Nieder mit Österreich!“ gerufen hatte, Boccionis Wunsch ließ sich jedoch verwirklichen. Nach Vorbild der literarischen Revolte entspross auch ein Futurismus der bildenden Kunst.2 Neben Malerei wurden von Boccioni ab 1912 auch futuristische Skulpturen geschaffen. Zu den Paradebeispielen dieser Kunstrichtung zählt seine Bronzeplastik „Urformen der Bewegung im Raum“ aus dem Jahre 1913. Diese Figur, Einblicke in die Kunstbewegung des Futurismus und in das Leben Umberto Boccionis sollen im nun Folgenden erläutert werden.

B. Hauptteil

I. Futurismus

Um 1910 setzte der Futurismus in Italien ein. Er „bezeichnete eine frühe Strömung innerhalb des europäischen Avantgardismus, die vor allem in der italienischen und russischen Literatur sowie Bildenden Kunst […] zu finden war.“3 Junge Künstler wollten gegen den Niedergang der zeitgenössischen Kunst in ihrem Land ankämpfen. Von Anfang an Vertreter der Strömung waren u.a. Giacoma Balla, Carlo Carrà, Gino Severini und Umberto Boccioni.4

Die Kunstrichtung des Futurismus war keine rein bildkünstlerische Stilrichtung, sie hatte auch Auswirkungen auf Architektur, Musik und nicht zuletzt auf den literarischen Bereich. Man kann sogar sagen, dass der Futurismus seine Wurzeln in der Literatur hat.5 Denn am 20. Februar 1909 veröffentlichte der Schriftsteller Filippo Tommaso Marinetti (1876-1944, vgl. Abbildung 2, Seite 13) im Pariser „Le Figaro“ das erste Manifest des Futurismus, das „zum Teil nur auf Literatur [einging].“6 In dieser Bekanntmachung wird erklärt, dass „la splendeur du monde s’est enrichie d’une beauté nouvelle: la beauté de la vitesse.“7 Desweiteren wird herausgestellt, dass „le temps et l’espace sont morts hier“8. Es wird also betont, dass die vergangenen Ideale in der Kunst gegenüber der Schönheit von Geschwindigkeit und Bewegung minderwertig seien. Man will sich von allen überlieferten Formen lösen und sich neue Maßstäbe, gemäß dem zukunftsvisierten Denken, setzen. Diese Maßstäbe fand man in der Technik, die zur damaligen Zeit durch die vorausgegangene Industrielle Revolution rasante Fortschritte machte. Technische Neuerungen wie die Erfindung des Autos (1886: Karl Benz meldet „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ an), der erste Motorflug (1903, USA), die Fotografie (ab ca. 1850) und auch die Eröffnung der ersten Kinos (1896, Cinématograph der Gebrüder Lumière erstmals im Einsatz) inspirierten die Futuristen. So rief Umberto Boccioni dazu auf: Mit dem Dynamismus steigt die Kunst also auf eine höhere Stufe, schafft einen Stil und wird zum Ausdruck unserer Epoche der Geschwindigkeit und Simultaneität.9

Das heißt, dass von Hektik und Dynamik erfüllte Stadtleben stellt das durchgängige Motiv im Futurismus dar. Es wurde nach einer „bildhaften Synthese von Zeit, Ort, Form und Farbe“10 gestrebt. Im Anschluss an Marinettis Manifest wurden weitere Programme veröffentlicht, unter den Verfassern muss auch Umberto Boccioni hervorgehoben werden. Als bedeutender Theoretiker des Futurismus fasste er diverse Konzepte ab. So schrieb er am 11. April 1912 das Manifest der futuristischen Skulptur nieder. In seinen Schlussfolgerungen stellt er elf „Gebote“ auf, welche bei der futuristischen Bildhauerkunst zu beachten sind. Unter anderem fordert er auf das „traditionell Erhabene der Sujets abzuschaffen“11, er will also weg von den althergebrachten Regeln und mit ihnen sogar brechen, um eine „episodenhafte, naturalistische Konstruktion“12 zu erzeugen. Statt von idealisierten Darstellungen römischer Gottheiten lässt er sich vom Banalen und Gewöhnlichen inspirieren. Gemäß dem Motto „Ein Rennwagen ist schöner als die Nike von Samothrake“13 wird die Sichtweise der Futuristen auf Kunst deutlich. Die Kunst sollte sich in ihrem Ausdruck der motorisierten Welt anpassen. Traditionelle ]Sujets, die zwar zur damaligen Zeit noch fortwährten, wollten die Futuristen nicht mehr umsetzen. Aktuelle Themen sollten im Oeuvre verarbeitet, die traditionellen Grundgedanken und Entwürfe abgelegt werden, um die nötige Atomsphäre zu erreichen.14 Nach dem ersten Weltkrieg ist bereits das Ende jener Kunstrichtung zu verzeichnen. Viele Künstler widmeten sich anderen Kunstformen, einige Künstler, darunter auch Umberto Boccioni, wurden Opfer des Krieges. Neben der Begeisterung für alles Technische, wurde von den Futuristen nämlich auch Kampf und Auseinandersetzung bejaht. Daher rührte ihre Leidenschaft für den Krieg, den die Vertreter des Futurismus befürworteten, indem sie sich auch selbst einer Kompanie anschlossen.

„Die Verherrlichung alles Kämpferischen und Heroischen […] führten den Futurismus in gefährliche Nähe zum italienischen Faschismus.“15 Der Schriftsteller Marinetti bekannte sich ganz offen zu den Parolen Mussolinis und betrachtete den Futurismus als faschistische Kunst.16

[...]


1 Schmerz einer Birne. In: Der Spiegel 14/1974 (01.04.1974), S. 144.

2 Vgl. ebda., S. 144.

3 Anja Seifert: Körper, Maschine, Tod: Zur symbolischen Artikulation in Kunst und Jugendkultur des

20. Jahrhunderts. Wiesbaden 2004. S. 106.

4 Vgl. Klaus Richter: Prestel Taschenlexikon, Kunst der Moderne vom Impressionismus bis heute. München 2000. S. 60.

5 Vgl. Art. „Futurismus“. In: Harald Olbrich (Hrsg.): LdK. Bd. 2. Leipzig 1989, Sp. 620.

6 Art. „Futurismus“. In: Harald Olbrich (Hrsg.): LdK. Bd. 2. Leipzig 1989, Sp. 620.

7 Filippo Tommaso Marinetti: Le Futurisme. In: Le Figaro (20.02.1909, Nr. 61), S. 1.

8 Ebd., S. 1.

9 Drahtlose Phantasie, Auf- und Ausrufe des Futurismus, Hamburg 1985. S. 31.

10 Wieland Schmied (Hrsg.): Prestel Lexikon Kunst und Künstler im 20. Jahrhundert. München 1999. S. 129.

11 Hansgeorg Schmidt-Bergmann: Futurismus: Geschichte, Ästhetik, Dokumente. Reinbek bei Hamburg 1993. S. 322.

12 Ebda., S. 322.

13 Herrmann Lübbe: Modernisierungsgewinner: Religion, Geschichtssinn, direkte Demokratie und Moral. München 2004. S. 101.

14 Vgl. Hansgeorg Schmidt-Bergmann: Futurismus: Geschichte, Ästhetik, Dokumente. Reinbek bei Hamburg 1993. S. 322.

15 Wieland Schmied (Hrsg.): Prestel Lexikon Kunst und Künstler im 20. Jahrhundert. München 1999. S. 129.

16 Vgl. Art. „Futurismus“. In: Harald Olbrich (Hrsg.): LdK Bd. 2. Leipzig 1989, Sp. 621.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Umberto Boccioni - Urformen der Bewegung im Raum
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Kunstgeschichte)
Veranstaltung
Übung zur Bildenden Kunst II
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V120227
ISBN (eBook)
9783640236015
Dateigröße
3609 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Umberto, Boccioni, Bildenden, Kunst
Arbeit zitieren
Karina Fuchs (Autor), 2008, Umberto Boccioni - Urformen der Bewegung im Raum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120227

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