Immer komplexer werdende Telekommunikationsnetzwerke bedürfen eines effizienten und effektiven Transfers von Wissen, um wettbewerbsfähig auf dem österreichischen Telekommarkt zu agieren. Diese Diplomarbeit untersucht daher den Wissenstransfer bei österreichischen Telekomunternehmen vom Hersteller über die Netzplanung bis zum Netzbetrieb. Es werden dabei die Forschungsfragen: Gibt es bei österreichischen Telekomunternehmen einen institutionalisierten Prozess des Wissenstransfers im Bereich der Technikabteilungen?, Wie kommt dieses externe Wissen in das Unternehmen und wie wird es ausgetauscht und verteilt?, Wie wird kollektives Wissen in diesem Prozess in der Organisation aufgebaut? und Wie erfolgt die Verteilung des in der Netzplanung erworbenen Wissens hin zum Netzbetrieb? näher betrachtet und beantwortet. Die empirische Forschung beantwortet die Forschungsfragen durch qualitative Datenerhebung mittels problemzentrierter Interviews und anschließender qualitativer Inhaltsanalyse. Im Vergleich findet Wissenstransfer, bei österreichischen Telekomunternehmen, mit unterschiedlicher Prozessausprägung statt. Bei zwei Telekomunternehmen sind bereits institutionalisierte Prozesse integriert die sich um den Informationsaustausch bemühen. Die beiden anderen Unternehmen betreiben Wissenstransfer mittels inoffizieller Prozesse. Dabei hat Wissenstransfer über persönliche Gespräche und Meeting höhere Priorität als Wissenstransfer mittels unpersönlichen Informationssystemen wie z.B. E-Mail. Allen ist gemein, dass die offiziellen wie auch inoffiziellen Prozesse nicht explizit für den Wissenstransfer erstellt worden sind. In den untersuchten Telekomunternehmen existiert in den Technikabteilungen eine Vielzahl von rudimentären Prozessen, die jeder für sich eigenständig und gut funktionieren, doch in der Gesamtsicht nicht effizient sind. Diese Prozesse weisen dennoch parallelen zu Prozessen aus dem eTOM© Modell auf. Ein abgeleiteter idealtypischer Prozess des Wissenstransfers gibt daher einen Anreiz zur Optimierung bestehender institutionalisierter Wissenstransferprozesse.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Motivation
1.2 Problemstellung
1.3 Wissenschaftliche Relevanz
1.4 Ziele und Abgrenzung der Arbeit
1.5 Methodisches Vorgehen
1.6 Aufbau der Arbeit
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Daten, Information und Wissen
2.1.1 Wissensarten
2.1.1.1 Individuelles versus kollektives Wissen
2.1.1.2 Implizites versus explizites Wissen
2.1.1.3 Prozedurales versus deklaratives Wissen
2.1.1.4 Abstraktes versus konkretes Wissen
2.1.1.5 Organisationales Wissen
2.2 Wissensarbeit
2.3 Vier Formen der Wissensumwandlung
2.3.1 Sozialisation
2.3.2 Externalisierung
2.3.3 Kombination
2.3.4 Internalisierung
2.4 Wissenstransfer
2.5 Wissensträger und -rollen
2.6 Wissensmanagement
2.7 Prozess
2.7.1 Wissensintensiver Prozess
2.7.2 Wissensintensiver Geschäftsprozess
2.7.3 Wissensprozess
2.7.4 Wissensmanagement-Prozess
3 Modelle des Wissensmanagements
3.1 Abgrenzung zu den Modellen
3.2 Bausteine des Wissensmanagements nach Probst
3.2.1 Normatives Wissensmanagement
3.2.2 Strategisches Wissensmanagement
3.2.3 Operatives Wissensmanagement
3.2.3.1 Wissensidentifizierung
3.2.3.2 Wissenserwerb
3.2.3.3 Wissensentwicklung
3.2.3.4 Wissens(ver-)teilung
3.2.3.5 Wissensnutzung
3.2.3.6 Wissensbewahrung
3.3 Wissensspirale nach Nonaka und Takeuchi
3.4 Prozessorientiertes Wissensmanagement
3.4.1 Modellbasiertes Wissensmanagement (Allweyer)
3.4.2 Geschäftsprozessorientiertes Wissensmanagement (Heisig)
3.4.3 Prozessorientiertes Wissensmanagement (Remus)
3.4.4 eTOM enhanced Telecom Operations Map®
3.4.5 Synthese
4 Empirische Untersuchung
4.1 Untersuchungsumfeld
4.2 Forschungsdesign
4.3 Befragung
4.3.1 Problemzentriertes Interview
4.3.2 Aufbau des Interviews
4.4 Auswertung der Interviews
4.4.1 Festlegung des Materials
4.4.2 Analyse der Entstehungsgeschichte
4.4.3 Formale Charakteristika des Materials
4.4.4 Richtung der Analyse
4.4.5 Theoretische Differenzierung der Fragestellung
4.4.6 Bestimmung der Analysetechnik und Festlegung des konkreten Ablaufmodells
4.4.7 Definition der Analyseeinheiten
4.4.8 Analyseschritte mittels Kategoriensystem
4.4.9 Rücküberprüfung des Kategoriesystems an Theorie und Material
4.4.10 Interpretation der Ergebnisse in Richtung der Hauptfragestellung
4.4.11 Anwendung der inhaltsanalytischen Gütekriterien
4.5 Ergebnisse der Studie
4.5.1 Externes Wissen
4.5.2 Wissensverteilung innerhalb des Unternehmens
4.5.3 Wissenstransfer-Prozess
4.5.4 Kollektives Wissen
4.5.5 Ausprägung der Wissensmanagement-Bausteine
4.5.6 Wissenstransfer
4.5.7 Wissensarten
4.5.8 Wissensträger
4.5.9 Abwehrreaktion und Risiko
4.5.10 Idealtypischer Prozess
4.5.11 enhanced Telecom Operations Map®
4.5.12 Vergleich IT-Unternehmen und Telekomunternehmen
4.6 Schlussfolgerung
5 Zusammenfassung und Ausblick
5.1 Zusammenfassung
5.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel der vorliegenden Diplomarbeit ist die Untersuchung und der Vergleich von institutionalisierten Wissenstransfer-Prozessen innerhalb der technischen Abteilungen (Netzplanung und Netzbetrieb) bei vier österreichischen Telekommunikationsunternehmen. Hierbei soll insbesondere analysiert werden, wie externes Wissen akquiriert, intern verteilt und kollektives Wissen aufgebaut wird, um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu sichern.
- Analyse und Vergleich von Wissenstransfer-Prozessen in österreichischen Telekommunikationsunternehmen.
- Untersuchung der Rolle von Wissensmanagement-Modellen (u.a. nach Probst sowie Nonaka und Takeuchi) im betrieblichen Umfeld.
- Operationalisierung der Wissensverteilung und der Wissensentwicklung in technischen Abteilungen.
- Ableitung eines idealtypischen Wissenstransfer-Prozesses auf Basis empirischer qualitativer Interviews.
- Einordnung der Ergebnisse in bestehende Frameworks wie die eTOM (enhanced Telecom Operations Map).
Auszug aus dem Buch
2.7.3 Wissensprozess
Wissensprozesse befassen sich mit Wissensmanagement-Aktivitäten, die im direkten Zusammenhang mit der Verarbeitung, Steuerung und Verwaltung von Wissen stehen. Sie organisieren die Wissensbasis des Unternehmens und stellen z. B. auf die Wissensmanagement-Bausteine nach Probst (siehe Abbildung 9, innerer Kasten) ab. Seinfeld sieht relevante Wissensprozesse in der Einbringung von Wissen in den Wissensbestand, Verbreitung von Wissen, Wartung von Wissen im laufenden Betrieb und im Vergessen von Wissen. Im Wissensprozess werden demnach Wissensmanagement-Aktivitäten realisiert. Die eigentliche Wissensverarbeitung findet in den Einzel- oder Gruppenkonversationen innerhalb der Unternehmen statt.
In diesem Zusammenhang ist bei der Wissensverarbeitung die Externalisierung und Sozialisation aus dem Wissensmanagement-Modell von Nonaka/Takeuchi besonders zu berücksichtigen.
Für diese Arbeit definiert sich der Terminus Wissensprozess als die Aktivitäten der einzelnen Bausteine nach Probst. Die einzelnen hier zur Anwendung kommenden Bausteine Wissensidentifizierung, -erwerb, -entwickelung und -(ver-)teilung (siehe Kapitel 3.2.3) stellen den eigentlichen Wissensprozess in einzelnen Teilschritten dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Motivation, Problemstellung sowie die Zielsetzung der Arbeit und steckt den wissenschaftlichen Rahmen ab.
2 Theoretische Grundlagen: Hier werden die zentralen Begrifflichkeiten wie Daten, Information und Wissen sowie deren Umwandlungsprozesse und die Rolle der Wissensarbeit definiert.
3 Modelle des Wissensmanagements: Dieses Kapitel stellt etablierte Modelle von Probst, Nonaka/Takeuchi sowie prozessorientierte Ansätze wie eTOM vor.
4 Empirische Untersuchung: Dieser Abschnitt widmet sich der qualitativen Analyse der Wissenstransfer-Prozesse in ausgewählten Telekommunikationsunternehmen.
5 Zusammenfassung und Ausblick: Hier werden die Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst und Ansätze für weiterführende Fragestellungen aufgezeigt.
Schlüsselwörter
Wissenstransfer, Wissensmanagement, Telekommunikation, Wissensprozess, Wissensträger, Wissensentwicklung, Organisationswissen, Wissensidentifizierung, Wissensverteilung, Prozessorientierung, eTOM, empirische Sozialforschung, qualitative Inhaltsanalyse, Netzplanung, Netzbetrieb.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Wissenstransfer in den technischen Abteilungen österreichischer Telekommunikationsunternehmen und untersucht, wie Wissen zwischen Netzplanung und Netzbetrieb effizient übertragen werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Wissensmanagement-Bausteinen, die Analyse prozessorientierter Wissensflüsse sowie die Anwendung theoretischer Wissensmodelle auf die Praxis der Telekommunikationsbranche.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit zielt darauf ab, zu klären, ob es institutionalisierte Prozesse des Wissenstransfers gibt und wie externes technisches Wissen in den betrieblichen Alltag integriert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine qualitative empirische Studie durch, die auf problemzentrierten Interviews und einer anschließenden qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen des Wissensmanagements, die Vorstellung relevanter Modelle (Probst, Nonaka/Takeuchi, eTOM) und eine detaillierte empirische Auswertung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Wissenstransfer, Wissensmanagement, Telekommunikationsnetzwerke, Prozessorientierung und die Abgrenzung von implizitem und explizitem Wissen.
Wie spielt das eTOM-Modell eine Rolle in dieser Arbeit?
eTOM dient als industrielles Referenzmodell für Geschäftsprozesse in der Telekommunikation, um die identifizierten Wissensaktivitäten in einen strukturierten Prozessrahmen einzuordnen.
Was ergab die Analyse bezüglich des "idealtypischen Prozesses"?
Der Autor entwickelte auf Basis der Interviews ein Modell, das durch Webinterfaces, Dokumentenmanagement und periodische, persönliche Workshops den Wissenstransfer zwischen Herstellern und Netzbetreibern optimieren soll.
- Quote paper
- Mag. (FH) Markus Hager (Author), 2008, Wissenstransfer bei österreichischen Telekomunternehmen im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120229