Vormittelalterliche Landnutzung und Landschaftwandel in Mitteleuropa

am Beispiel der Bandkeramiker und der Römer


Hausarbeit, 2008

22 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Räumliche Eingrenzung
1.2. Zeitliche Eingrenzung

2. Methodenüberblick zur Rekonstruktion vormittelalterlicher Landnutzung

3. Vormittelalterliche Kulturen in Mitteleuropa
3.1. Die Bandkeramiker
3.3. Die Römer im südlichen Mitteleuropa
3.3.1. Römische Siedlungen und ihre Auswirkung auf die Umgebung
3.3.2. Das römische Straßen- und Wasserleitungsnetz

4. Die anthropogenen Veränderungen der Landschaft Mitteleuropas

5. Zusammenfassung

6. Abbildungen

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Einen Bericht des Bundesamtes für Natur zufolge wurden in Deutschland zwischen 2003 und 2006 täglich im Schnitt 113 ha für Siedlungs- und Verkehrsprojekte neu in Anspruch genommen [1]. Der Mensch greift also enorm stark in seine Umwelt ein und verändert sie seinen vermeintlichen Bedürfnissen entsprechend. Aber nicht nur heutzutage verändert und wandelt die Menschheit ihre Umwelt. Schon weit vor unserer Zeitrechnung haben wir uns den Planeten Untertan gemacht und die natürlichen Gegebenheiten unseren Vorstellungen entsprechend verändert. Im Rahmen dieser Arbeit wird gezeigt, wie der Mensch in vormittelalterlicher Zeit die Landschaft Mitteleuropas genutzt und wie er sie gewandelt hat.

Um diesen Aspekt genauer zu betrachten, wird diese Arbeit zuerst den untersuchten Raum Mitteleuropa und die Zeitspanne der Untersuchung näher eingrenzen. Darauf folgend wird ein kurzer Methodenüberblick geliefert, wie wir heutzutage vormittelalterliche Landschaften und deren Nutzung durch den Menschen rekonstruieren können. Anschließend soll anhand von zwei in diesem Raum siedelnden Kulturen die Art der Landnutzung und damit verbunden des Landschaftswandels näher beleuchtet werden. Dabei handelt es sich im Einzelnen um die Bandkeramiker, die ersten Bauern Europas und um die Römer, sozusagen als vorläufigen Höhepunkt der Landschaftsveränderung in vormittelalterlicher Zeit. Der Fokus wird dabei vor allem auf die landwirtschaftlichen Fähigkeiten dieser Völker sowie auf die Art und Weise, wie sie in die Landschaft eingegriffen haben, gelegt werden. Danach werden die anthropogenen Veränderungen der Landschaft in Mitteleuropa in vormittelalterlicher Zeit als Ganzes betrachtet. Zum Schluss werden die Ergebnisse dieser Arbeit zusammengefasst.

Diese Arbeit folgt von ihrer Konzeption her einen interdisziplinären Ansatz. Die für diese Arbeit relevante Literatur trägt diesem Umstand Rechnung. Maßgeblich waren zum einen klassische geographische Arbeiten, so zum Beispiel von Bork und Küster. Darüber hinaus haben sich aber auch archäologische und geschichtliche Werke als überaus hilfreich erwiesen. Sehr anregend, aufgrund fehlender Belege aber auch nur in begrenztem Maße für eine wissenschaftliche Arbeit verwendbar, ist das Buch von Ponting, welches die Geschichte der Menschheit als eine Geschichte der Umweltveränderung und –zerstörung beschreibt.

1.1. Räumliche Eingrenzung

Um die Landnutzung und den Landschaftswandel Mitteleuropas beschreiben zu können, ist es unabdingbar, den betrachteten Raum näher einzugrenzen. Die Frage, was eigentlich Mitteleuropa ist, soll im Rahmen dieser Arbeit recht grobschlächtig mit den ungefähren heutigen Ländergrenzen von Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie von Teilen Polens umschrieben werden. Der Betrachtungsraum erstreckt sich also ungefähr zwischen dem 6. und dem 20. Längengrad sowie zwischen dem 54. und dem 46. Breitengrad.

1.2. Zeitliche Eingrenzung

In der Geschichtswissenschaft sind Epochengrenzen in der Regel fließend, das heißt es gibt nicht das eine Datum, welches den Übergang von der Antike zum Mittelalter oder vom Mittelalter zur Neuzeit darstellt. Meist ist es eine Reihe von Ereignissen, die Zusammengenommen das Ende einer Epoche ankündigt und eine neue einläutet. Da das Thema dieser Arbeit die vormittelalterliche Landnutzung ist, ist das Ende des Betrachtungszeitraumes im Ausklingen der Antike und am Beginn des Mittelalters zu suchen.

In der Regel wird das Ende der Antike in Mitteleuropa mit dem Untergang des weströmischen Reiches 476, der Zeit der sogenannten Völkerwanderung und schließlich mit dem Tod Theodorichs des Goten 526 in Verbindung gebracht. Der Betrachtungszeitraum dieser Arbeit endet somit im ausgehenden 5. und beginnenden 6. Jahrhundert. Schwieriger hingegen ist die Frage, wann der Betrachtungszeitraum beginnt. Anbieten würde sich zum Einen die Zeit, in der das römische Reich erstmals nach Mitteleuropa ausgriff, da wir seither schriftliche Quellen für diesen Raum zur Verfügung haben. Da es aber für die Rekonstruktion von Landnutzung und Landschaftswandel weit mehr Methoden als die Auswertung schriftlicher Quellen gibt, erscheint es mir sinnvoll, den Betrachtungszeitraum früher anzusetzen. Möglich wäre eine Betrachtung der Landnutzung seit dem Ende der vorerst letzten Eiszeit, der Würm- oder Weichseleiszeit vor ca. 18000 Jahren [2]. Da aber in dieser Zeit in Mitteleuropa vornehmlich Jäger und Sammlerkulturen vorherrschend waren, scheint mir eine Betrachtung sinnvoll, die mit der Ausbreitung der neolithischen Kultur und somit des frühesten nachgewiesenen Ackerbaus in Mitteleuropa von ca. 4500 v. Chr. beginnt [3]. Durch die Einführung des Ackerbaus trat der Mensch nämlich erstmals als die Landschaft formender Faktor in Erscheinung [4]. Somit erstreckt sich der Betrachtungszeitraum dieser Arbeit ungefähr von der Jungsteinzeit bis ca. 500 n. Chr.

2. Methodenüberblick zur Rekonstruktion vormittelalterlicher Landnutzung

Um die Landnutzung des Menschen in vormittelalterlicher Zeit genauer zu untersuchen, bieten sich dem Geographen grundsätzlich zwei verschiedenen Quellenarten an: zum Einen die Schriftquellen und zum Anderen die Sachquellen.

Unter Schriftquellen versteht man einerseits alle schriftlich verfassten Belege wie Urkunden, Akten, historische und geographische Abrisse, wie zum Beispiel das Werk von Tacitus über das Land und die Stämme Germaniens, sowie auch Bilder, Karten und Ähnliches. Bei den Schriftquellen stehen wir allerdings vor zwei großen Problemen. Zum Einen ist der Großteil des hier betrachteten Abschnitts ein schriftloser Zeitraum [5]. Schriftliche Überlieferungen sind uns bei den hier betrachteten Völkern nur von den Römern überliefert. Das leitet auch gleich zum nächsten Problem über, nämlich der Intention des Verfassers. Gerade die Abhandlungen aus römischer Zeit, die sich mit fremden Kulturen und Lebensräumen befassen, sind in der Regel von politischen Motiven geleitet. Sie sollten entweder dazu dienen, die Eroberung eines Gebietes ideologisch und aus rein praktischem Nutzen vorzubereiten oder aber, wie bei Tacitus´ Germania, auf die Sinnlosigkeit dieses Unterfangens hinweisen. Darüber hinaus scheint Tacitus die Beschreibung der germanischen Sitten und Gebräuche auch dazu genutzt zu haben, den seiner Meinung nach verfallenen Sitten der Römer ein Gegenbild eines noch nicht durch Dekadenz verdorbenen Volkes entgegenzuhalten [6]. Dies macht es für den Geographen, wie auch für den Historiker, nötig, solche Texte quellenkritisch zu betrachten. Beachtet man allerdings Intention und andere unter Umständen verfälschende Eigenschaften dieser Texte, so bieten sie einen wahren Schatz an Informationen.

Sachquellen sind hingegen alle dreidimensionalen, mobilen und immobilen Gegenstände und Strukturen. Dazu gehören zum Beispiel bauliche Überreste von Straßen, Wällen, Gräbern und Städten wie auch das durch Landwirtschaft veränderte Mikrorelief der Landschaft. Problematisch ist hierbei häufig die zeitliche Zuordnung der Gegenstände und Strukturen, da oft zeitlich unterschiedlich entstandene Überreste neben- und übereinander liegen [7].

Diese Befunde zu sichten, zu bergen und sie anschließend zu interpretieren hat sich die geographische Teildisziplin der Geoarchäologie zur Aufgabe gemacht. Sie befasst sich mit den Wechselbeziehungen von Mensch und Umwelt und geht einerseits der Frage nach, vor welchem naturräumlichen Hintergrund sich die menschliche Kulturentwicklung abgespielt hat und andererseits, welchen Einfluss diese wiederrum auf den Naturraum ausgeübt hat [8].

Die Archäobotanik, ebenfalls eine interdisziplinäre Wissenschaft, erkundet Mensch-Umwelt-Beziehungen anhand der Untersuchung pflanzlicher Überreste, die beispielsweise bei archäologischen Ausgrabungen gefunden werden [9]. Darüber hinaus gibt es noch eine ganze Reihe anderer Teilwissenschaften, die sich diesem Thema widmen, die aber im Rahmen dieser Arbeit nicht näher behandelt werden.

3. Vormittelalterliche Kulturen in Mitteleuropa

Um etwas über die Landnutzung und den Landschaftswandel in Mitteleuropa herauszufinden, sollte vorher geklärt werden, welche Völker und Gruppen in dem betreffenden Gebiet gesiedelt haben. Da aber Migration, besonders in der vormittelalterlichen Zeit, ein essentieller Bestandteil der menschlichen Kultur ist, kann sich die Betrachtung im Rahmen dieser Arbeit nur punktuell mit einzelnen Völkern, die in dem hier betrachteten Zeitraum in Mitteleuropa gesiedelt haben, auseinander setzen. Im Folgenden sollen daher exemplarisch die Bandkeramiker als wohl erste Ackerbauern Mitteleuropas, sowie die Römer, deren ausgeprägte Kultur stark auf mitteleuropäisches Terrain abgefärbt hat, auch wenn sie selbst nur einen kleinen Teil des hier betrachteten Raumes besiedelt haben und die als der vorläufige Höhepunkt der Landschaftveränderung gesehen werden können, vorgestellt werden.

3.1. Die Bandkeramiker

Der Beginn der Jungsteinzeit, des Neolithikums, wird durch die Einführung des Ackerbaus und der Viehhaltung definiert. Diese verlief zeitlich sehr unterschiedlich in den verschiedenen Regionen der Erde. Während sich der Ackerbau im Nahen Osten schon vor ca. 10.000 Jahren durchsetzte [10], begann die sogenannte neolithische Revolution in Mitteleuropa um ca. 4500 v. Chr. [11]. Der Ackerbau veränderte zum Einen das Leben der ihn adaptierenden Völker, zum Anderen bewirkte er, dass sich Flora, Fauna und die Umwelt im Allgemeinen stark veränderten. Für die Menschen bedeutet er, dass sie sesshaft werden und die Vorratswirtschaft etablieren mussten. Die Domestikation von Tieren und Pflanzen bedeutete eine erste, gezielte genetische Veränderung der Lebewesen [12]. Es begann die Umwandlung der Naturlandschaft zur Kulturlandschaft [13]. Die sesshafte Lebensweise verlangte nach festen und stabilen Behausungen. Für das dazu nötige Baumaterial konnten die in Mitteleuropa weit verbreiteten Wälder genutzt werden. Der Wald diente darüber hinaus auch als Weideplatz für die Tiere und sein Holz wurde auch zum Kochen und Heizen benutzt [14]. Die Bandkeramiker, deren Namen sich von den Verzierungen ihrer Keramik her ableitet [15], siedelten vornehmlich in den klimatischen Gunsträumen der mit Löss bedeckten Beckenlandschaften entlang der Donau, am mittleren Neckar, im südlichen Oberrheingraben, sowie im Alpenvorland. An diesen Standorten gediehen die von den Bandkeramikern angebauten Getreidesorten, vor allem Emmer und Gerste, besonders gut [16]. Darüber hinaus bauten die Bandkeramiker Hülsenfrüchte wie Erbsen und Linsen sowie Mohn an [17]. Die Folgen der Landnutzung durch die erste Landwirtschaft betreibende Kultur Europas waren enorm. Zum Einen schleppten die Bandkeramiker ihr Saatgut in die Region Mitteleuropa ein, was zu einer Veränderung der Vegetationsstruktur führte. Die Rodung der landwirtschaftlich genutzten Flächen hatte zum Anderen zur Folge, dass diese Areale ihren Vegetationsschutz verloren und es somit zur Abtragung der Humusschichten kam. Dadurch entstanden die ersten holozänen Auensedimente in Mitteleuropa [18]. Aufgrund von Nährstoffmangel in den Böden wurden die Flächen nur relativ kurz benutzt und konnten daher schnell wiederbewalden [19]. Weit größere Auswirkung als die relativ kleinflächige Rodung der Waldgebiete auf die Landschaft hatte dann auch die Waldweide. Die Bandkeramiker haben ihr Vieh nämlich vornehmlich in die Wälder zum Weiden getrieben. Dies hatte eine Vernichtung des Jungwuchses im Wald zur Folge und führte letztendlich zur Überalterung der genutzten Wälder [20].

[...]


[1] Vgl. BfN: Daten, S. 5.

[2] Vgl. Küster: Geschichte, S. 49.

[3] Vgl. ebd., S. 73. Siehe dazu auch Abbildung 1 dieser Arbeit.

[4] Vgl. Eberle: Süden, S. 149.

[5] Vgl. Dix und Schenk: Geographie, S. 818.

[6] Vgl. Wolfram, Germanen, S. 9.

[7] Vgl. Dix und Schenk: Geographie, S. 818.

[8] Vgl. Brückner und Gerlach: Geoarchäologie, S. 513.

[9] Vgl. Zerl: Landwirtschaft, S. 41.

[10] Vgl. Bork: Landschaften, S. 162. Zur Ausbreitung der Landwirtschaft in den verschiedenen Regionen der Erde und die Auswirkungen auf die Menschheit sehr detailiert: Ponting: Green History, S. 36 – 66.

[11] Vgl. Bork: Landschaften, S. 163. Es kann hier nicht der Ort sein, an dem über den Begriff der neolithischen Revolution diskutiert wird. Ich verweise hier jedoch auf Ponting: Green History, S. 36f. Dagegen Küster: Geschichte, S. 72f. Zur Ausbreitung der Landwirtschaft in Europa siehe auch Abbildung 1 dieser Arbeit.

[12] Vgl. Bork: Landschaften, S. 162.

[13] Vgl. Friedmann, Umwandlung, S. 432.

[14] Vgl. Bork: Landschaften, S. 162.

[15] Vgl. Bick, Steinzeit, S. 34.

[16] Vgl. Eberle: Süden, S. 153.

[17] Vgl. Zerl: Landwirtschaft, S. 37.

[18] Vgl. Bork: Landschaftsentwicklung, S. 217.

[19] Vgl. ebd., S. 219.

[20] Vgl. Zerl: Landwirtschaft, S. 38.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Vormittelalterliche Landnutzung und Landschaftwandel in Mitteleuropa
Untertitel
am Beispiel der Bandkeramiker und der Römer
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Landschaftsgeschichte von Mitteleuropa
Note
1,5
Autor
Jahr
2008
Seiten
22
Katalognummer
V120281
ISBN (eBook)
9783640241354
ISBN (Buch)
9783640245093
Dateigröße
3639 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vormittelalterliche, Landnutzung, Landschaftwandel, Mitteleuropa, Landschaftsgeschichte, Mitteleuropa, Römer, Bandkeramiker
Arbeit zitieren
Toni Börner (Autor), 2008, Vormittelalterliche Landnutzung und Landschaftwandel in Mitteleuropa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120281

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