Der Begriff Inklusion ist in der pädagogischen Fachliteratur, insbesondere in der englischsprachigen, in aller Munde. Inklusion, Exklusion und Behinderung sind jedoch keine einheitlichen Kategorien. Ich werde in dieser Arbeit auch keine lineare Vorgehensweise zu einer bestimmten Sichtweise dieser Schlüsselwörter hin vornehmen.
In Kapitel 2 werde ich einige grundlegende Begriffe aus der englischen Fachliteratur erläutern und anschließend in Kapitel 3 den Begriff der Inclusion und dessen Aspekte erklären. Ich werde dort das Verständnis von Inklusion, welches als Grundlage für die späteren Kapitel verwendet wird, näher beschreiben. Kapitel 4 bietet dann ausgewählte Informationen über die Rahmenbedingungen des kanadischen Schulwesens sowie über die verschiedenen Schulsysteme der einzelnen Provinzen und Territorien. Weiterhin werde ich in diesem Kapitel auch die schulgeschichtliche Entwicklung Kanadas kurz anreißen. Im darauffolgenden Kapitel 5 wird dann der Blick auf das Abschneiden Kanadas bei internationalen Leistungstests gelegt. Außerdem wird die Bedeutung von Leistungsstanderhebungen in Hinblick auf eine inklusive Pädagogik näher dargestellt. In den Kapiteln 6 und 7 werden dann exemplarisch einige Aspekte der Schulsysteme von den Provinzen Alberta und New Brunswick vorgestellt. Im anschließenden Kapitel 8 werde ich dann kurz die momentanen Entwicklungen, Möglichkeiten und Probleme von Inklusion in Kanada darstellen. Als Abschluss werde ich im letzten Kapitel noch einmal die Möglichkeiten und Probleme der Verwirklichung von Inklusion zusammenfassen.
In der Arbeit werden an einigen Stellen Vergleiche zu sowie Auszüge aus der Praxis von anderen Ländern herangezogen. Dies findet unter der Berücksichtigung statt, dass man diese Daten nicht ohne weiteres übertragen kann. Diese Vergleiche dienen zur Veranschaulichung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlegende Definitionen
2.1 Learning Disabilities
2.2 Special Education
2.3 Special Educational Needs
2.3.1 Etikettierung und Stigmata
2.3.2 Auf der Suche nach neuer Terminologie
3. Inclusion oder Deconstructing Special Education
3.1 Phasen der Sonderpädagogik
3.2 Begriffsklärung Inclusion
3.2.1 Inclusive Education
3.2.2 Integration ist nicht Inklusion
3.2.3 Internationale Einflüsse
3.2.4 Salamanca-Statement
3.3 Schulische Inklusion
3.4 Inklusion ist für Alle Kinder
3.4.1 Vorteile von Inklusion für Kinder mit Behinderung
3.4.2 Vorteile von Inklusion für Kinder ohne Behinderung
3.4.3 Selbstwahrnehmung
3.5 Inklusion ist mehr als schulische Inklusion
4. Das kanadische Schulsystem
4.1 Kanada – Eine Einführung
4.2 Schulgeschichtliche Entwicklung Kanadas
4.2.1 Historische Entwicklung vor 1867
4.2.2 Constitution of Canada 1867
4.2.3 Die Jahre 1914-1967
4.2.4 1967 – Die Gründung des CMEC
4.2.5 Historische Entwicklung nach 1967
4.2.6 Die Entwicklung der Special Education in den letzten 50 Jahren
4.3 Aufbau des Schulsystems heute
4.3.1 Pre-Elementary Education
4.3.2 Elementary Education
4.3.3 Secondary Education
4.3.4 Post-Secondary Education
4.4 Das Schulsystem – Rahmenbedingungen
4.4.1 Angestellte im kanadischen Schulsystem
4.4.2 Multikulturalität und die Auswirkungen auf das Schulsystem
4.4.3 Aboriginal Education
4.4.4 Selektivität des Schulsystems
4.4.5 SchülerInnen mit Special Needs
4.4.6 Curricula
4.4.7 Partizipation der Eltern
4.5 Der Inklusionsbegriff im kanadischen Schulsystem
5. Die Performanz des kanadischen Schulsystems im internationalen Vergleich
5.1 Tests auf nationaler Ebene
5.1.1 SAIP - School Achievement Indicators Program
5.1.2 Ergebnisse von SAIP
5.1.3 PCAP –Eine Weiterentwicklung von SAIP
5.2 Internationale Tests
5.2.1 Kanada und PISA
5.2.2 PISA aus sonderpädagogischer bzw. inklusionspädagogischer Sicht
5.2.3 YITS – Canadian Youth in Transition Survey
5.2.4 Das Abschneiden Kanadas im internationalen Vergleich
5.2.5 Innerkanadische Ergebnisse von PISA und YITS
5.3 Chancengleichheit
5.4 Bedeutung von PISA für die Inklusionspädagogik
5.5 Schulentwicklung / Evaluation
6. Ein Blick auf die Provinz Alberta und deren Special Needs Education
6.1 Rahmenbedingungen
6.1.1 Gesetzgebung
6.1.2 Organisation
6.1.3 SchülerInnen
6.1.4 Schulpersonal
6.1.5 Finanzierung
6.2 Inclusion in Alberta
6.3 Aktuelle Entwicklungen und Probleme
7. New Brunswick
7.1 Rahmenbedingungen
7.1.1 Gesetzgebung
7.1.2 Organisation
7.1.3 SchülerInnen
7.1.4 Schulpersonal
7.1.5 Finanzierung
7.2 Inclusion in New Brunswick
7.3 Aktuelle Entwicklungen und Probleme
8. Möglichkeiten und Probleme der Verwirklichung von Inclusion in Kanada
8.1 Generelle Probleme der Verwirklichung von Inklusion
8.2 Möglichkeiten und Probleme der Verwirklichung von Inklusion in Kanada
8.3 Neue Reformen – Neue Probleme
9. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Herausforderungen bei der Implementierung inklusiver Bildungskonzepte im kanadischen Schulsystem. Dabei wird analysiert, wie sich der Inklusionsbegriff historisch und international entwickelt hat und wie die spezifischen Rahmenbedingungen der kanadischen Provinzen – exemplarisch dargestellt an Alberta und New Brunswick – die schulische Praxis beeinflussen, wobei auch die Performanz des Systems im internationalen Vergleich kritisch betrachtet wird.
- Grundlagendefinitionen von Inklusion und Sonderpädagogik
- Strukturelle Entwicklung des kanadischen Schulwesens
- Einfluss internationaler Leistungsstudien (z. B. PISA) auf die Inklusionspädagogik
- Vergleichende Analyse der Inklusionspraxis in Alberta und New Brunswick
- Herausforderungen bei der Umsetzung inklusiver Reformen in der Schulpraxis
Auszug aus dem Buch
3.4.1 Vorteile von Inklusion für Kinder mit Behinderung:
Wenn Kinder mit Behinderung sich inklusiv in einer altersentsprechenden Gruppe und in ihrer natürlichen Proportion befinden, zeigen sie eine gesteigertere Interaktion und Kommunikation mit nicht-behinderten Peers, gegenüber Kindern mit Behinderung in einer segregierten Einrichtung. Diese Interaktionen und Kommunikationen erhöhen sich besonders unter der ermutigenden Anleitung von Erwachsenen.
Sozialkompetenz und Kommunikationsfähigkeiten von Kindern mit Behinderung werden in inklusiver Umgebung im Allgemeinen verbessert. Die Literatur sagt, dass nicht behinderte Kinder als Vorbilder für die Kinder mit Behinderung dienen und ihnen mehr Möglichkeiten bieten, altersentsprechende Sozial- und Kommunikationskompetenzen zu entwickeln (vgl. McGregor und Vogelsberg 1998 in: Loreman, Deppeler, Harvey 2005).
Kinder in inklusiven Klassen nehmen mehr an akademischem Unterricht teil als in Sonderschulen und zeigen auch bessere Ergebnisse in Tests (vgl. Hallahan und Kauffman 2003).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, dass Inklusion, Exklusion und Behinderung keine einheitlichen Kategorien sind, und gibt einen Überblick über den strukturellen Aufbau der Arbeit.
2. Grundlegende Definitionen: In diesem Kapitel werden wesentliche englischsprachige Fachbegriffe wie Learning Disabilities und Special Education erläutert, um ein Verständnis für die terminologische Debatte zu schaffen.
3. Inclusion oder Deconstructing Special Education: Dieses Kapitel widmet sich der theoretischen Abgrenzung von Integration und Inklusion sowie der historischen Entwicklung von Bildungskonzepten und internationalen Leitlinien.
4. Das kanadische Schulsystem: Hier werden die demographischen Daten, die schulgeschichtliche Entwicklung und die Rahmenbedingungen des föderal organisierten kanadischen Schulwesens dargestellt.
5. Die Performanz des kanadischen Schulsystems im internationalen Vergleich: Das Kapitel analysiert die Bedeutung nationaler und internationaler Leistungstests (wie PISA) für die Inklusionspädagogik und den kanadischen Kontext.
6. Ein Blick auf die Provinz Alberta und deren Special Needs Education: Eine vertiefende Untersuchung der Gesetzgebung, Organisation und aktuellen Problemstellungen der Inklusion in der Provinz Alberta.
7. New Brunswick: Detaillierte Betrachtung des Inklusionsmodells in New Brunswick, seiner spezifischen Gesetzeslage und den Herausforderungen für die Beteiligten.
8. Möglichkeiten und Probleme der Verwirklichung von Inclusion in Kanada: Synthese der generellen Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Inklusion und kritische Reflexion zukünftiger Reformbestrebungen.
9. Resümee: Zusammenfassende Bewertung der Effizienzdiskussion und der Zukunftsperspektiven für eine inklusive Schulentwicklung unter Berücksichtigung empirischer Erkenntnisse.
Schlüsselwörter
Inklusion, Sonderpädagogik, Kanada, Integration, Special Educational Needs, PISA, Schulentwicklung, Alberta, New Brunswick, Bildungsreform, Diversität, Schulleistung, Exklusion, Schulforschung, Bildungsgerechtigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht die Möglichkeiten und Hindernisse bei der Umsetzung von Inklusion im kanadischen Schulsystem, wobei sowohl die theoretischen Grundlagen als auch praktische Beispiele aus verschiedenen Provinzen beleuchtet werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind der Unterschied zwischen Inklusion und Integration, die historische und aktuelle Entwicklung des kanadischen Schulwesens sowie die Auswirkungen von Leistungstests auf inklusive Bestrebungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen inklusiven Leitbildern und der schulpraktischen Umsetzung in Kanada aufzuzeigen und zu analysieren, welche Faktoren eine erfolgreiche Inklusion fördern oder behindern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, bei der aktuelle Fachliteratur und internationale Berichte zur Sonderpädagogik und zum kanadischen Schulwesen systemisch ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst Definitionen, die Geschichte der kanadischen Sonderpädagogik, den internationalen Vergleich der Leistungsfähigkeit des Schulsystems sowie Fallstudien zu Alberta und New Brunswick.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Inklusion, Sonderpädagogik, Kanada, Integration, Special Educational Needs und Bildungsreform charakterisiert.
Warum spielt die Provinz New Brunswick eine besondere Rolle?
New Brunswick gilt als Vorreiter bei der gesetzlichen Verankerung der Inklusion, was es zu einem zentralen Referenzpunkt für die Analyse der praktischen Umsetzung und der damit verbundenen Herausforderungen macht.
Welche Rolle spielen Leistungstests in der inklusiven Pädagogik?
Die Arbeit kritisiert, dass standardisierte Leistungstests oft eine "Fiktion des Mindestkindes" schaffen und Schulen dazu verleiten können, leistungsschwache Schüler zu selektieren, was den inklusiven Zielen widerspricht.
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- Thomas Zigahn (Author), 2007, Möglichkeiten und Probleme der Verwirklichung von Inklusion im kanadischen Schulsystem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120289