Suchen wir in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts in der deutschen Literatur nach Artusromanen, so lassen sich relativ wenige Texte finden. Zwei davon sind Daniel von dem Blühenden Tal von dem Stricker und Garel von dem Blühenden Tal von dem Pleier. Mit diesen beiden Werken befasst sich folgende Arbeit.
Sowohl der Daniel als auch der Garel werden als nachklassische Artusromane bezeichnet, da sie sich von den klassischen Artusromanen in verschiedener Hinsicht unterscheiden.
Mit Hilfe von Forschungsergebnissen soll in der Arbeit untersucht werden, ob der Garel tatsächlich als ein Epos der Anspielung zu verstehen ist. Dazu werden einige Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Romanen durchleuchtet sowie Handlungen, die in beiden Werken parallel zu finden sind. Überdies wird der Protagonist jeweils genauer analysiert und auf sein Verhalten in dem Romangeschehen eingegangen.
Ein weiterer Schwerpunkt wird sein, die Rückbindung des Pleiers an den klassischen Artusroman nachzuvollziehen. Es wird erforscht, mit welchen Mitteln der Pleier versucht, seinen Roman wieder dem klassischen Vorbild anzunähern und sich so gegen Strickers Daniel wendet, der einige nicht gattungskonforme Elemente aufweist.
Überdies wird auf die Minne- und Heiratsproblematik in diesen Artusromanen eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Garel als ein Epos der Anspielung
2.1 Allgemeine Gemeinsamkeiten zwischen Daniel und Garel
2.2 Parallelhandlungen
2.3 Der Protagonist
3. Die Rückbindung des Pleiers an den klassischen Artusroman
3.1 Die Elimination magischer Elemente im Garel
3.2 Die Elimination der list im Garel
3.3 Ausrichtung und Zielsetzung der Romane
4. Die Minne im Daniel und im Garel
4.1 Die Minneproblematik im Daniel
4.2 Die minne im Garel
4.3 Die Heiratspolitik
5. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht den literarischen Zusammenhang zwischen Strickers „Daniel von dem Blühenden Tal“ und Pleiers „Garel von dem Blühenden Tal“. Im Zentrum steht die Analyse, ob der „Garel“ als gezielte literarische Anspielung und Korrektur des „Daniel“ zu verstehen ist, wobei insbesondere die Rückbindung an klassische Artusromane sowie der Umgang mit den Themen Minne, Ehe und ritterlichem Handeln im Vordergrund stehen.
- Vergleich der Handlungsstrukturen und Parallelmotive in beiden Werken.
- Untersuchung der ritterlichen Protagonisten und ihrer ethischen Voraussetzungen.
- Analyse der Transformation bzw. Elimination von magischen Elementen und der „list“ (Listigkeit).
- Beurteilung der veränderten Bedeutung von Minne und politisch motivierter Heiratspolitik im 13. Jahrhundert.
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Elimination magischer Elemente im Garel
Bei der Lektüre von Daniel und Garel fällt auf, dass der Pleier in seinem Roman das Phantastische weitgehend zurücknimmt. Die Gegner, mit denen es Garel aufnehmen muss, gleichen weitgehend Rittern. Im Gegensatz dazu denke man nur an den roten Mann im Daniel, der seine Widersacher durch die Wirkung des Sprechens tötet, seine Opfer hypnotisiert, schlachtet und anschließend in ihrem Blut badet, an den Zwerg mit seinem magischen Zauberschwert, der so sehr der Minne verfallen ist, dass er nicht mehr klar denken kann, oder an das merwunder.
Das merwunder taucht im Garel zwar auch auf, allerdings wird es in seiner Erscheinung wie ein Ritter geschildert: der het ein vestez harnach an,/Daz er zallen zîten truoc./ Sîn stange diu was grôz genouc,/ vierecke, staelîn unde sneit./ Sîn schilt was dicke unde breit./ Sîn swert was lanc, scharf und guot. Auch der Riesenvater, der seine beiden Söhne „geschaffen“ hat und im Gegensatz zu diesen kein Riese ist, wirkt wie aus einer Märchenwelt entschlüpft und findet im Garel keine Analogie. Der brüllende Tiermechanismus, der im Daniel auftaucht, trifft man auch im Garel an, er wird hingegen hier gleich vor Beginn der Schlacht von Eskilabôn zerstört, um als Mittel für eine Kampfentscheidung untauglich zu machen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die nachklassische Artusepik des 13. Jahrhunderts ein und umreißt die Forschungsstände zu den Romanen „Daniel“ und „Garel“.
2. Der Garel als ein Epos der Anspielung: Es werden die formalen Gemeinsamkeiten, Parallelhandlungen und die Charakterisierung der Helden untersucht, um eine literarische Anregung des „Garel“ durch den „Daniel“ zu belegen.
3. Die Rückbindung des Pleiers an den klassischen Artusroman: Dieses Kapitel analysiert, wie der Pleier durch den Verzicht auf Magie und die „list“ bewusst versucht, an klassische Gattungsnormen anzuknüpfen.
4. Die Minne im Daniel und im Garel: Hier wird der kritische Umgang der Autoren mit der Minne und deren Einordnung in eine zweckorientierte Heiratspolitik dargelegt.
5. Schlussbemerkungen: Zusammenfassendes Fazit, das den Wandel des Artusromans als „Mischform“ und den Bruch mit der klassischen Tradition hervorhebt.
Schlüsselwörter
Daniel von dem Blühenden Tal, Garel von dem Blühenden Tal, Stricker, Pleier, nachklassischer Artusroman, Minne, List, Heiratspolitik, Ritterideal, Aventiure, mittelalterliche Literatur, Gattungsnorm, Literaturvergleich, Literaturgeschichte, Artusepik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den literarischen Dialog zwischen zwei nachklassischen Artusromanen des 13. Jahrhunderts und analysiert, inwiefern der „Garel“ als Antwort auf den „Daniel“ konzipiert wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der ritterliche Kampf, die Bedeutung der „list“ (Klugheit), das Verständnis von Minne und die gesellschaftlich motivierte Heiratspolitik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist der Nachweis, dass Pleier mit seinem „Garel“ eine bewusste Korrektur des Strickerschen „Daniel“ vorgenommen hat, um sich wieder stärker an klassischen Idealen zu orientieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um einen literaturwissenschaftlichen Vergleich, der durch die Analyse von Parallelstellen, Textausschnitten und den Einbezug fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur gestützt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Aufbau, die Protagonisten, den Abbau magischer Elemente zugunsten ritterlicher Konventionen und den Umgang mit dem Konzept der Minne.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Typische Begriffe sind Artusepik, nachklassischer Artusroman, Minne, List, Heiratspolitik, Ritterideal und Gattungstransformation.
Warum spielt die Figur des „Zwerges Juran“ im Kontext der Minne eine wichtige Rolle?
Juran dient als negatives Lehrbeispiel, da bei ihm das Übermaß an Minne zum Verlust von Verstand und ritterlicher Stärke führt, was den Stricker nutzt, um seine kritische Sicht auf die Minne zu verdeutlichen.
Welche Rolle spielt die Heiratspolitik im Vergleich beider Romane?
In beiden Werken ist die Ehe weniger ein romantisches Liebesideal als vielmehr ein rationales Mittel zum Zweck, um Macht zu sichern, Gebiete zu festigen und dynastische Verbindungen zu stärken.
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- Marion Stephan (Author), 2007, Daniel und Garel, zwei Ritter von dem blühenden Tal, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120388