Die Klage einer leidenden Frau - Interpretation zweier Gedichte von Karoline von Günderrode


Seminararbeit, 2005

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt:

1. Einleitung

2. Die Lyrik der Karoline von Günderrode
2.1 Einführung
2. 2 „Der Kuss im Traume“
2.3 „Die eine Klage“
2.4 Gedichtvergleich am Leitmotiv

3. Resümee

4. Bibliographie

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit soll es primär um eine textimmanente Gedichtinterpretation gehen. Weniger im Vordergrund steht die Darstellung eines Lebenslaufes der Karoline von Günderrode. Die biographischen Bezüge werden zwar dargestellt, aber nur in dem Maße, wie sie sich auf die Gemütswelt der Dichterin niedergeschlagen und die Intension ihrer Lyrik beeinflusst haben.

Förderlich für einen Gedichtvergleich wird es sein, vorerst die zwei ausgewählten lyrischen Werke in ihrem eigenen Kontext zu erörtern und wesentliche Schwerpunkte darzustellen. Anhand eines ausgewählten Motivs wird dann der Vergleich erfolgen, aus dem man ein abschließendes Resümee zu den Gedichten und Lebenseinstellung der Lyrikerin der Romantik ziehen kann.

Zu Anfang nahm ich mir eine Monographie der Karoline von Günderrode, erschienen im Rowolth -Taschenbuch-Verlag, zur Hand. Diese Lektüre sollte den Einblick in ihr Leben und den Einfluss von Erfahrungen in ihrer Dichtung erleichtern.

Des Weiteren besorgte ich mir die umfangreichste Monographie, die es über sie gibt: „Portrait einer Fremden“ von Margarete Lazarowicz. In ihr werden persönliche Beziehungen, literarisches Schaffen und das Leben dieser Dichterin durchleuchtet.

Dies soll nur als Basis dienen, auf die sich dann die Interpretation der zwei Gedichte baut.

Die Gedichte „Der Kuss im Traume“ und „Die eine Klage“ sind prädestiniert für Rückschlüsse auf die innere Gedanken- und Gefühlswelt Günderrodes.

Auch steht hier vor allem die Liebes- und Trennungsproblematik im Vordergrund, welches das Leitthema dieser Arbeit sein soll. Deshalb stehen diese Beiden im Mittelpunkt der Betrachtung.

2. Die Lyrik der Karoline von Günderrode

2.1 Einführung

Man wird es nicht vollständig vermeiden können, dass bei einer Betrachtung des literarischen Schaffens der Günderrode auch eine Betrachtung ihrer Lebensumstände erfolgen muss. Besonders in ihrer Lyrik reflektierte sie ihre innere und äußere Welt und setzte sich mit dieser aktiv auseinander.

Im Winter 1780 in Karlsruhe geboren, wuchs die Tochter der Kammerherren Hektor Wilhelm von Günderrode und Louise Sophie von Günderrode in Hanau auf.

Mit 17 Jahren bezog sie das evangelisch-lutherische Damenstift in Frankfurt. Dort konnte sich Karoline von Günderrode ihren naturwissenschaftlichen und philosophischen Studien widmen.

Wenig später erwies sich das Stift jedoch als eine Art „Klosterzelle“, sie konnte kaum ein freies Leben genießen, da sie am Abend immer wieder in ihr Zimmer zurückkehren musste. Schon in diesen frühen Jahren benutzte sie die Poesie als eine Art Ventil.

Bei einem Besuch ihrer Freundin Karoline von Barkhaus im Jahr 1799 verliebte sie sich in den Jurastudenten Karl von Savigny, den sie dort kennen gelernt hat.

Doch dieser heiratet einige Jahre später Gunda Brentano, Bettinas ältere Schwester.

In den Gedichten von Karoline wird die Liebe sehr oft thematisiert; persönliche Erfahrungen werden hierfür wohl Antrieb gewesen sein.

Denn kurz vor der Vermählung von Gunda und Karl von Savigny im Jahr 1784 schickte Karoline ihm das Gedicht „Der Kuss im Träume“, als eine Art Abschiedsgruß.

Auch wenn es hier nahe liegt, die Gedichte von Karoline von Günderrode der Erlebnislyrik zuzuordnen, argumentiert Helga Dormann gegen diese Auffassung:

„…Günderrode [gestaltet] das Thema Liebe in einer breit angelegten Facettierung; alle denkbaren Formen kommen zur Sprache: Gattenliebe, Freundesliebe, Gottesliebe und Naturliebe. Unendliche Sehnsucht, Vergeblichkeit, aber auch Erfüllung – in erotischer Variante- werden gestaltet. …[Es liegt] ein sehr fein kalkuliertes Durchspielen möglicher Nuancen der Thematik [vor]. …Die Liebe [wird] –im romantischen Verständnis- als die alles hervorbringende Lebenskraft aufgefaßt…“[1]

Das lyrische Ich erfasst sich in den Werken Günderrodes selbst im Zwiespalt und erlebt den Menschen in seiner Ganzheit ebenfalls als zwiespältiges Wesen.

Eine weitere Begebenheit beeinflusst das Fühlen und Schreiben Karolines: Die Bekanntschaft mit Georg Friedrich Creuzer im Jahr 1804. Es entwickelte sich ein leidenschaftliches und auch literarisch produktives Liebesverhältnis. Doch da Creuzer sich nie von seiner Frau Sophie trennen wollte, erlebte Karoline eine Zeit voller Nähe und Trennung zugleich.

Auch diese Trennungserfahrung wird in dem poetischen Schaffen von der Günderrode, auf das Ich im Zweispalt mit sich, der Welt und Gott, projiziert.

Im Juli 1806 verabredeten sich Karoline von Günderrode und Friedrich Creuzer in Winkel am Rhein, doch Creuzer kam nie.

Brieflich beendete er das Verhältnis zu Karoline und löste eine so starke Welle von Trauer und Schmerz aus, welche wohl ausschlaggebend dafür war, dass Karoline sich am 26. Juli am Rhein einen Dolch in ihr leidendes Herz stieß.

Ihr Gedichtband „Melete“ ist eines ihrer letzten lyrischen Werke, welches Anfang 1806 entstand. In diesem findet man auch „Die eine Klage“, welches man fast als Abschied der Günderrode von dem irdischen Leben und der Unerfüllbarkeit ihrer Sehnsüchte ansehen kann.

Margarete Lazarowicz artikuliert in ihrer Monographie die Dichtung von Karoline von Günderrode als „…Gratwanderung zwischen subjektiv erfahrenem eigenen Gefühl einerseits und Gestaltungsvorgang des vorgenommenen literarischen Stoffes andererseits…“[2]

Auch hier wird die Auffassung, dass es sich bei ihrer Lyrik um bloße Erlebnisdichtung handelt, negiert.

Besonders in ihren lyrischen Werken konnte Günderrode ihre schriftstellerische Subjektivität in den zu bearbeitenden Stoff adäquat umsetzen.

2. 2 „Der Kuss im Traume“

Das erste literarische Werk der Günderrode, „Gedichte und Phantasien“, erschien im Jahr 1804 unter dem Pseudonym Tian. Es war die Erfüllung ihrer Vorstellung, persönliche Gedichte und Ansichten unter ein öffentliches Publikum zu bringen.

Das wohl zarteste und persönlichste Gedicht ist „Der Kuss im Traume“ und trägt den Untertitel „aus einem ungedruckten Roman“.

Fraglich ist hier, ob Karoline von Günderrode wirklich die Absicht hatte, ihre Gefühlswelt in einen Roman fließen zu lassen oder ob sie das Gedicht nur vor zu hoher Bewertung auf ihr eigenes Leben von den Lesern schützen wollte.

Wie in der Einführung schon erwähnt, entstand dieses lyrische Werk für Savigny, Günderrode schenkte es ihm kurz vor seiner Vermählung, „…als wolle sie ihn noch einmal mit ihrer Liebe konfrontieren.“[3]

[...]


[1] Dormann, Helga: Die Kunst des inneren Sinns. Mythisierung der inneren und äußeren Natur im Werk Karoline von Günderrode. Würzburg : Königshausen & Neumann, 2004. S. 203

[2] Lazarowicz, Margarete: Karoline von Günderrode. Portrait einer Fremden. Frankfurt am Main: Peter Lang, 1986. S.77

[3] Lazarowicz, Margarete: Karoline von Günderrode. S.148

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Klage einer leidenden Frau - Interpretation zweier Gedichte von Karoline von Günderrode
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Lyrik der Romantik
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
16
Katalognummer
V120389
ISBN (eBook)
9783640241781
ISBN (Buch)
9783640245383
Dateigröße
405 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Klage, Frau, Lyrik, Romantik
Arbeit zitieren
Ulrike Pilz (Autor), 2005, Die Klage einer leidenden Frau - Interpretation zweier Gedichte von Karoline von Günderrode , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120389

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