Über das Phänomen des Ressourcenfluchs existieren vielerlei Erkenntnisse, besonders über die Mechanismen, die zu diesem führen können. Was übereinstimmend als maßgeblich identifiziert wird, sind das Verhalten und die Kompetenz der jeweiligen Machthaber eines Landes. Es existiert ein Zusammenhang zwischen der der Qualität der Staatstätigkeit und der Auswirkungen der Renten. Wie bereits angedeutet ist Kasachstan ist ein Land mit reichhaltigen Rohstoffvorkommen. Wie in dieser Arbeit gezeigt wird, generiert vor allem der Erdölsektor bereits gegenwärtig externe Rentenzuflüsse, wird dies aber besonders in den kommenden Jahrzehnten in weiter wachsendem Umfang tun, so dass von einem regelrechten Öl-Boom die Rede sein kann. Gemäß den oben genannten Beispielen stellt sich auch hier die Frage, ob der Ressourcenreichtum Motor oder Hemmnis für Wachstum und Entwicklung sein wird. Ist der Öl-Boom in Kasachstan ein Fluch oder ein Segen für das Land?
Dieser Arbeit liegt hiermit zusammenhängend ebenso die Frage zu Grunde, ob sich Kasachstan mit seinen reichen Rohstoffvorkommen zu einem Rentierstaat entwickelt, oder ob sich bereits rentierstaatliche Strukturen finden lassen. Unter Berücksichtigung des transformationsgeschichtlichen Hintergrundes wird hierzu wird erstens die wirtschaftliche Situation des Landes dargestellt und die Bedeutung des Rohstoffsektors herausgearbeitet. Wie gezeigt wird, hat Kasachstan den Wandel von der Plan- zur Marktwirtschaft relativ erfolgreich vollzogen. Jedoch steht das Land noch am Anfang seiner ökonomischen Entwicklung und hat den Gipfel der Ölförderung und –produktion noch vor sich. Zweitens steht die politische Entwicklung des Landes im Vordergrund, anhand derer typisch rentierstaatliche Mechanismen verdeutlicht werden, die bereits ablesbar sind. Die Transformation des politischen Systems und der Wandel des Staatsaufbaus in Richtung einer Demokratie ist kaum festzustellen, liegt Kasachstan doch in aller Konsequenz ein autokratisches System zu Grunde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Fragestellung
2. Die wirtschaftliche Entwicklung Kasachstans
2.1. Der kasachische Öl-Boom
3. Die politische Entwicklung Kasachstans
3.1. Das Herrschaftsmonopol des Präsidenten
3.2. Strategien des Machterhalts
4. Kasachstan als angehender Rentierstaat
4.1. Renten: Umgang und Verteilungsmechanismen
4.2. Strategien zur Vermeidung des Ressourcenfluchs
5. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob sich Kasachstan aufgrund seines erheblichen Rohstoffreichtums zu einem Rentierstaat entwickelt oder ob bereits entsprechende Strukturen etabliert sind. Dabei wird analysiert, inwieweit die Abhängigkeit von externen Renten aus dem Ölsektor die politische und wirtschaftliche Entwicklung beeinflusst und ob das Land Mechanismen zur Vermeidung eines Ressourcenfluchs erfolgreich implementiert.
- Transformation Kasachstans nach der Unabhängigkeit 1991
- Analyse politischer Machtstrukturen und des autoritären Regimes
- Wirtschaftliche Bedeutung des kasachischen Öl-Booms
- Mechanismen des Rentierstaates wie Klientelismus und Korruption
- Effektivität staatlicher Strategien zur nachhaltigen Rentenverwendung
Auszug aus dem Buch
3.2. Strategien des Machterhalts
Um die oben aufgezeigten Strukturen aufrechterhalten zu können, bedient sich das Regime Nazarbaev verschiedener Mittel. Hierzu gehört die bereits erwähnte Unterdrückung politischer Gegner oder Andersdenkender. Unterdrückung und Repressionen sind jedoch keinesfalls nur in dem genannten Beispiel anzutreffen. Mitglieder oppositioneller Gruppen sind im Allgemeinen hiervon betroffen. So werden Wahlkampagnen systematisch sabotiert, unerwünschte Personen ebenso systematisch aus ihren Ämtern entfernt oder juristisch verfolgt. Einschüchterung, öffentliche Diskreditierung oder subtiler Terror durch den Geheimdienst sind weitere Mittel.
Folgend werden andere Strukturen aufgezeigt, die dem Regime zum Machterhalt dienen. Sie stellen jedoch keine spezifisch kasachischen Phänomene dar, sondern sind als solche, wie einleitend dargestellt, als typisch rentierstaatliche Mechanismen auch in anderen Ländern in ähnlicher Form anzutreffen.
So verhält es sich auch mit Kooptierung: Politisch ambitionierte Gegner des Regimes werden in die Kreise der Machtelite aufgenommen. Für die Kooptierten kann dies eine Möglichkeit von Einfluss bedeuten, den sie sonst mit einem Verbleiben in Opposition zum Präsidenten und seiner Familie nicht hätten ausüben können. Jedoch ist feststellbar, dass sowohl Loyalität „nach oben“ als auch Kompromissbereitschaft nötig sind, um jegliche Form tatsächlichen Einflusses geltend zu machen, oder um eine weitere Karriere in der Politik oder im Staatsapparat zu verfolgen. Der offensichtliche Nutzen von Kooptation für den Präsidenten ist wiederum zum einen die Kontrolle der Gegner, zum anderen kann er so verhindern, dass diese tatsächlich an Einfluss gewinnen könnten. Jedoch werden nicht nur Personen durch Kooptation in die Machtelite integriert, auch werden ganze Themen und Anliegen oppositioneller Gruppen adaptiert. Jedoch geschieht dies nur dann, wenn diese Themen dem Machtmonopol der Elite nicht schaden können, und andererseits gewährleistet ist, dass diese Vorhaben dann als die eigenen vermarktet werden können. Auch dieses dient als Mittel, Forderungen der Opposition scheinbar nachzukommen, um diese politisch in Schach zu halten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Fragestellung: Das Kapitel führt in die historische Entwicklung Kasachstans seit 1991 ein und erläutert die Relevanz des Rohstoffreichtums sowie die daraus resultierende Problematik der Rentierstaatlichkeit.
2. Die wirtschaftliche Entwicklung Kasachstans: Hier wird der ökonomische Wandel zur Marktwirtschaft sowie die zentrale Rolle des kasachischen Öl-Booms für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes dargestellt.
3. Die politische Entwicklung Kasachstans: Dieses Kapitel analysiert das autokratische Herrschaftssystem unter Präsident Nazarbaev, einschließlich der Mechanismen zur Machtkonzentration und Sicherung der politischen Führung.
4. Kasachstan als angehender Rentierstaat: Es wird untersucht, wie Renteneinnahmen im Land verteilt werden und ob bestehende wirtschaftspolitische Strategien ausreichen, um den gefürchteten Ressourcenfluch abzuwenden.
5. Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit zieht Bilanz über die Ambivalenz der kasachischen Transformation und bewertet die Chancen auf eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung unter autoritären Vorzeichen.
Schlüsselwörter
Kasachstan, Rentierstaat, Ressourcenfluch, Nursultan Nazarbaev, Erdölsektor, Transformation, Autoritäres Regime, Wirtschaftswachstum, Rent-seeking, Klientelismus, Korruption, Politische Elite, Diversifizierung, Öl-Boom, Institutionen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die politische und wirtschaftliche Transformation Kasachstans seit der Unabhängigkeit im Kontext seines wachsenden Rohstoffreichtums.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung des Energiesektors, der Herausbildung autoritärer Machtstrukturen und der Frage der nachhaltigen Verwendung staatlicher Renteneinnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob Kasachstan einen Rentierstaat darstellt und ob der Ressourcenreichtum langfristig zu nachhaltigem Wachstum führen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine politikwissenschaftliche Analyse auf Basis vorhandener Fachliteratur, Wirtschaftsdaten und Dokumente internationaler Organisationen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Öl-Booms, der machtpolitischen Strategien Nazarbaevs, der Verteilungsmechanismen von Renten und der Strategien zur Vermeidung des Ressourcenfluchs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Rentierstaat, Ressourcenfluch, Öl-Boom, Transformation, Klientelismus und wirtschaftliche Diversifizierung.
Wie sicher ist die politische Macht des Präsidenten?
Die Macht des Präsidenten ist durch ein umfassendes Patronage-Client-System, die Kontrolle über staatliche Ressourcen und die Unterdrückung oppositioneller Kräfte de facto unbeschränkt.
Was versteht die Autorin unter dem Phänomen des "Ressourcenfluchs"?
Damit ist die Gefahr gemeint, dass ein Land trotz großer Rohstoffvorkommen wirtschaftlich stagniert, korrupte Strukturen fördert und keine breitenwirksame Entwicklung erreicht.
Hat der "National Fund" die Transparenz erhöht?
Nein, der Fonds wird zwar als zukunftsorientiertes Projekt dargestellt, agiert jedoch mangels unabhängiger Kontrolle und durch die direkte Beeinflussung des Präsidenten intransparent.
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- Nina Paulsen (Author), 2007, Kasachstan am Scheideweg: Rentierstaat von morgen oder Chance auf nachhaltiges Wachstum?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120395