Sowohl in Bezug auf Personalpronomen als auch auf Possessivpronomen hat das Portugiesische einen linguistischen Wandel vollzogen. Dieser Wandel betrifft hauptsächlich die Stellungsvarianten von Objektpronomen. Darüber hinaus gibt es auch einen Wandel im Gebrauch von Possessiva. Während im 13. Jahrhundert Possessiva normalerweise ohne Artikel verwendet werden, kommen sie im aktuellen europäischen Sprachgebrauch systematisch mit Artikeln vor. Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist es, den Pronominalgebrauch im Altportugiesischen zu analysieren. Als Basis für die Untersuchung dienen die Cantigas d´Amigo, die zwischen 1220 und 1350 verfasst wurden und zu den ältesten poetischen Texten des Portugiesischen bzw. Galego-Portugiesischen zählen. Als Quelle dienen hier Rip Cohens „500 cantigas d'amigo”.
In Anbetracht der Tatsache, dass es keine einheitliche und klare Periodisierung des Altportugiesischen gibt, werden zunächst die bis heute bestehenden Periodisierungsansätze kurz dargestellt. Dies wird lediglich in Bezug auf das Altportugiesische thematisiert. Die bestehende Problematik in Bezug auf das Portugiesische nach dem 16. Jahrhundert beispielsweise wird im Rahmen dieser Arbeit nicht berücksichtigt.
Vor dem Hintergrund des Pronominalgebrauchs im Altportugiesischen wird auch der Pronominalgebrauch im modernen Portugiesisch thematisiert, um so zum einen den aktuellen Stand zu zeigen und zum anderen eine Gegenüberstellung zum Pronominalgebrauch im Altportugiesischen zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang wird auch die brasilianische Variante thematisiert, da es gerade im Pronominalgebrauch große Unterschiede zum europäischen Portugiesisch gibt.
Den Hauptteil der vorliegenden Arbeit bildet die Untersuchung des Textkorpus. Es erfolgt eine quantitative Untersuchung der jeweiligen Pronomina, die sowohl morphologische als auch syntaktische Aspekte – vor allem im Vergleich zum heutigen Pronominalgebrauch – berücksichtigt. Die Detailanalyse der Personalpronomen konzentriert sich vor allem auf die vorhandene oder nicht vorhandene Markierung der Verbalperson durch die Subjektpronomen und auf die Stellung der unbetonten bzw. klitischen Objektpronomen, da es in diesem Bereich große Abweichungen zum modernen Portugiesisch gibt. In diesem Zusammenhang werden die proklitische, die enklitische und auch die mesoklitische Stellung thematisiert. Die Possessivpronomen werden vor allem hinsichtlich der Verwendung mit dem bestimmten Artikel als Determinant untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Altportugiesisch – Periodisierung und sprachliche Zeugnisse
2.1 Periodisierung
2.2 Erste schriftliche Zeugnisse
3 Pronominalgebrauch im modernen Portugiesisch
3.1 Personalpronomen
3.1.1 Subjektpronomen
3.1.2 Objektpronomen
3.2 Possessivpronomen
4 Methodik der Datenanalyse
5 Korpusanalyse
5.1 Personalpronomen im Altportugiesischen
5.1.1 Subjektpronomen
5.1.1.1 Markierung der Verbalpersonen
5.1.2 Objektpronomen
5.1.2.1 Stellungsvarianten
5.2 Possessivpronomen im Altportugiesischen
5.2.1 Verwendung mit Determinanten
6 Schlußwort
7 Bibliographie
7.1 Quellen
7.2 Sekundärliteratur
7.3 Nachschlagewerke
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist die linguistische Analyse des Pronominalgebrauchs im Altportugiesischen, basierend auf den „Cantigas d’Amigo“, um den sprachlichen Wandel durch einen diachronen Vergleich mit dem modernen Portugiesisch aufzuzeigen.
- Untersuchung der morphologischen und syntaktischen Merkmale von Personalpronomen im Altportugiesischen.
- Analyse der Stellungsvarianten von klitischen Objektpronomen (Proklise, Enklise, Mesoklise).
- Evaluation des Gebrauchs von Possessivpronomen und deren Kombination mit Artikeln.
- Vergleichende Betrachtung der europäischen und brasilianischen Norm des modernen Portugiesisch.
- Darstellung der Periodisierung des Altportugiesischen und dessen schriftlicher Zeugnisse.
Auszug aus dem Buch
5.1.2.1 Stellungsvarianten
Im Hinblick auf die pronomes clíticos hat das Portugiesische über die Jahrhunderte eine sprachliche Wandlung vollzogen. Während im modernen Portugiesisch die enklitische Stellung dem Regelfall entspricht, so wird im Altportugiesischen die proklitische Stellung bevorzugt. Zu diesem Ergebnis kommt auch die vorliegende Untersuchung, da insgesamt 59 Objektpronomen – über 80% aller Pronomen – in proklitischer Stellung kodiert wurden. Beispiel (26):
(a) „Macar m´el viu, sol […]“
In der (a) Enklise sind 12 und in (b) mesoklitischer Stellung ein Pronomen verschlüsselt worden. Beispiel (27):
(a) „Ai madre,[…], mentiu mh o meu amigo,“
(b) „perder m´ á, se o non souber“
Bei näherer Betrachtung und Gegenüberstellung mit dem heutigen Gebrauch fällt auf, dass sowohl die Pronomen in der Enklise als auch in der Mesoklise, bis auf das Fehlen der obligatorischen Bindestriche zwischen den einzelnen Elementen, dem heutigen Sprachgebrauch entsprechen. Die proklitische Stellung ist zwar bevorzugt, jedoch entspricht diese Stellungsvariante zu 75% (44 Kodierte Pronomen) der heutigen europäischen Norm. Verglichen mit dem Brasilianischen dürfte die Übereinstimmung noch größer sein, da das brasilianische Portugiesisch stärker zur Proklise tendiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Themas, der Zielsetzung sowie der verwendeten Primärquelle „Cantigas d’Amigo“ im Kontext des sprachlichen Wandels.
2 Altportugiesisch – Periodisierung und sprachliche Zeugnisse: Erörterung der schwierigen Periodisierung des Altportugiesischen und Übersicht der ältesten schriftlichen Dokumente.
3 Pronominalgebrauch im modernen Portugiesisch: Theoretische Darstellung der Personal- und Possessivpronomen im gegenwärtigen Portugiesisch unter Berücksichtigung regionaler Unterschiede.
4 Methodik der Datenanalyse: Beschreibung der Auswahl der 15 bis 20 untersuchten Gedichte und der Kriterien für die morphologische und syntaktische Kodierung.
5 Korpusanalyse: Detaillierte Untersuchung der Personal- und Possessivpronomen in den „Cantigas d’Amigo“ hinsichtlich Vorkommen, Markierung und Stellung.
6 Schlußwort: Zusammenfassung der Ergebnisse, die eine Präferenz für die Proklise im Altportugiesischen und Parallelen zum brasilianischen Pronominalgebrauch aufzeigt.
7 Bibliographie: Auflistung aller verwendeten Quellen, Sekundärliteratur und Nachschlagewerke.
Schlüsselwörter
Altportugiesisch, Pronominalgebrauch, Cantigas d’Amigo, Personalpronomen, Possessivpronomen, Sprachwandel, Proklise, Enklise, Mesoklise, morphologische Markierung, Diachronie, Klitika, brasilianisches Portugiesisch, europäisches Portugiesisch, Syntax.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den sprachlichen Wandel des Pronominalgebrauchs im Portugiesischen, speziell vom Altportugiesischen der „Cantigas d’Amigo“ bis zum modernen Sprachgebrauch.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Kategorien der Personalpronomen (Subjekt- und Objektpronomen) sowie die Possessivpronomen, insbesondere deren syntaktische Stellung und morphologische Markierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, durch eine quantitative Korpusanalyse des altportugiesischen Materials eine fundierte Gegenüberstellung zum heutigen Pronominalgebrauch zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quantitative Korpusanalyse angewandt, bei der grammatikalische Formen in den „Cantigas d’Amigo“ extrahiert, kodiert und mit modernen Standards verglichen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Markierung von Verbalpersonen durch Subjektpronomen, die verschiedenen Stellungsvarianten der Objektpronomen und die Verwendung von Artikeln bei Possessiva.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Altportugiesisch, Sprachwandel, Klitika, Proklise, Enklise sowie der spezifische Vergleich zwischen europäischer und brasilianischer Norm.
Warum spielt das brasilianische Portugiesisch in dieser Arbeit eine Rolle?
Das Brasilianische dient als Vergleichsobjekt, da es im Bereich der Pronomina (z. B. Tendenz zur Proklise) teilweise stärkere Parallelen zum Altportugiesischen aufweist als das europäische Portugiesisch.
Wie gehen die Autorin bei der Analyse der Objektpronomen vor?
Die Objektpronomen wurden hinsichtlich ihrer morphologischen Funktion und ihrer syntaktischen Stellung (Proklise, Enklise, Mesoklise) kodiert, um die Abweichungen zum modernen Standard zu quantifizieren.
Welche Bedeutung haben die „Cantigas d’Amigo“ für die Analyse?
Sie dienen als primäre Textbasis, da sie zu den ältesten poetischen Zeugnissen des Portugiesischen bzw. Galego-Portugiesischen gehören und wertvolle Daten für den diachronen Vergleich liefern.
Was ist das Ergebnis in Bezug auf die Stellung der Objektpronomen?
Die Untersuchung zeigt, dass im Altportugiesischen die proklitische Stellung bevorzugt wurde, während im modernen europäischen Portugiesisch die Enklise den Regelfall darstellt.
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- Cecilia Timoteo (Author), 2007, Der Pronominalgebrauch im Altportugiesischen am Beispiel der „Cantigas d’Amigo“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120405