In der vorliegenden Arbeit wird sich speziell mit dem Übergang von Care Leaver*innen aus der Heimerziehung in ein selbstständiges Leben beschäftigt. Als Care Leaver*innen werden junge Erwachsene bezeichnet, die sich im Übergang von der stationären Erziehungshilfe zum eigenständigen Leben befinden. Unter der stationären Erziehungshilfe werden Wohngruppen, Erziehungsstellen, Pflegefamilien oder andere Betreuungsformen gefasst. Care Leaver*innen haben es im Vergleich zu ihren Peers (Gleichaltrigen), die in ihrer Herkunftsfamilie aufgewachsen sind, deutlich schwerer, diesen Schritt des Übergangs zu gehen. Ihnen stehen nicht die gleichen familiären Beziehungen und Unterstützungsstrukturen zur Verfügung. Somit erfahren sie häufig eine Benachteiligung.
Eine weitere Herausforderung für Care Leaver*innen besteht darin, dass sie im Durchschnitt früher den Weg in ein selbstständiges Leben gehen als ihre Peers. Meist mit Erreichen der Volljährigkeit oder unmittelbar danach verlassen Care Leaver*innen das Setting der stationären Hilfe. Somit müssen sie in kurzer Zeit und mit geringen Unterstützungsressourcen ihr Leben selbstständig fortführen. Daher stehen die Anforderungen an Care Leaver*innen im Widerspruch zu den Anforderungen an andere junge Erwachsene in der Gesellschaft.
Im Rahmen dieser Bachelorarbeit sollen die genaue Situation und die Herausforderungen in der Bewältigung der jungen Erwachsenenphase der Care Leaver*innen in den Fokus rücken. Aufgrund ihrer erschwerten Ausgangslage liegt das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit darin, zu erfahren, mit welchen Maßnahmen und Unterstützungen den Care Leaver*innen ein guter Start in die Selbstständigkeit ermöglicht werden kann. Daher soll in dieser Bachelorarbeit der folgenden Forschungsfrage nachgegangen werden: "Wie kann der Übergang von Care Leaver*innen aus der Heimerziehung in ein selbstständiges Leben gelingen". Das Ziel ist es somit, Faktoren herauszuarbeiten, die sich positiv auf einen gelingenden Übergangsprozess auswirken.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Aktueller Forschungsstand
2.1 Zentrale Lebensphasen
2.1.1 Lebensphasen im gesellschaftlichen Wandlungsprozess
2.1.2 Jugend
2.1.3 Junges Erwachsenenalter
2.1.4 Entwicklungsaufgaben im jungen Erwachsenenalter
2.2 Kinder- und Jugendhilfe
2.2.1 Hilfen zur Erziehung
2.2.2 Heimerziehung als Hilfe zur Erziehung
2.2.3 Verschiedene Formen der Heimerziehung
2.2.4 Alltag in der Heimerziehung
2.3 Statuspassage Care Leaver*innen
2.3.1 Übergänge aus der Heimerziehung
2.3.2 Übergangsmanagement
2.3.3 Faktoren für einen gelingenden Übergangsprozess
2.3.4 Hildesheimer Übergangsmodell
2.3.5 Erwerben von Selbstständigkeit
2.3.6 Herausforderungen im Schritt der Verselbstständigung für Care Leaver*innen
2.3.7 Beispiele der Alltagsbewältigung der Care Leaver*innen im selbstständigen Leben
2.4 Gesetzliche Rahmenbedingungen der Nachbetreuung für Care Leaver*innen
2.4.1 Anforderungen für die Nachbetreuung
2.4.2 Mögliche Formen der Nachbetreuung
2.5 Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Situation der Care Leaver*innen
2.6 Ausblick in die Zukunft
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Herausforderungen und Gelingensfaktoren für Care Leaver*innen beim Übergang aus der stationären Heimerziehung in ein eigenständiges, selbstverantwortliches Leben. Ziel ist es, durch eine fundierte Literaturanalyse Ansätze und Maßnahmen zu identifizieren, die diesen kritischen Lebensübergang positiv beeinflussen können.
- Bewältigung des Übergangs von der Jugend- in die Erwachsenenphase
- Strukturelle Anforderungen und gesetzliche Rahmenbedingungen der Nachbetreuung
- Bedeutung von Übergangsmanagement und individueller Begleitung
- Einfluss sozioökonomischer Faktoren und der Corona-Pandemie auf Care Leaver*innen
Auszug aus dem Buch
2.3.6 Herausforderungen im Schritt der Verselbstständigung für Care Leaver*innen
Eine besondere Herausforderung für die Care Leaver*innen ist, dass mit dem Verlassen der stationären Hilfen zunächst ein Leben in Selbstständigkeit, also ohne Unterstützung der Kinder- und Jugendhilfe vorgesehen ist. Der Übergang in die Selbstständigkeit geschieht nicht schrittweise, sondern in einigen Fällen von einem auf den anderen Tag. Nach dem Verlassen der Heimerziehung ist es nicht mehr möglich diesen Schritt rückgängig zu machen. Care Leaver*innen werden in ein selbstständiges Leben entlassen, was häufig von Unsicherheiten und unbestimmten Zukunftsaussichten geprägt ist. Aufgrund der oftmals vorhanden niedrigen Bildungsabschlüsse rücken Angebote der Beschäftigungsförderungen in den Mittelpunkt (vgl. Strahl & Thomas, 2013, S. 4). Mit dem jungen Erwachsenenalter ab dem 18. Lebensjahr kommen neue Aufgaben auf die jungen Menschen zu. Besonders Menschen aus der Heimerziehung, welche hochbelastende Erfahrungen in ihrer Vergangenheit erlebten und brüchige soziale Kontakte aufweisen, können die neuen Entwicklungsaufgaben häufig nur schwer allein bewältigen. Care Leaver*innen fehlen informelle sozial helfende Netzwerke in ihrem Leben, welche vielen Peers in ihren Herkunftsfamilien zu stehen. Faltermeier beschreibt die Übergänge aus Heimen als „gefahrvoll“. Seiner Meinung nach geraten Care Leaver*innen nach dem Ende der Heimerziehung in eine Verunsicherung. Besonders Themen wie Wohnung, Finanzen, Rechtsgeschäfte, Partnerprobleme oder Alltagssicherung führen zu Problemen, da diese noch nie selbstständig bewältigt wurden. Dieser Zustand kann zu Krisen und Konflikten führen, woraus unter anderem Überschuldung, Drogenkonsum, Scheidung oder Kleinkriminalität resultieren. Betroffene verspüren nach der Heimerziehung häufig Gefühle von Ohnmacht, Frust oder Ausweglosigkeit (vgl. Faltermeier, 2017, S. 29).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz der Care-Leaver-Thematik ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage zum Gelingen des Übergangs in die Selbstständigkeit.
2. Aktueller Forschungsstand: Dieser Abschnitt gibt einen Überblick über die bisherige Forschungslage und beleuchtet zentrale Lebensphasen sowie das System der Kinder- und Jugendhilfe.
2.1 Zentrale Lebensphasen: Es werden die theoretischen Grundlagen der Sozialisation und die spezifischen Entwicklungsaufgaben im jungen Erwachsenenalter dargelegt.
2.2 Kinder- und Jugendhilfe: Dieses Kapitel erläutert die Strukturen, Ziele und gesetzlichen Grundlagen der Hilfen zur Erziehung sowie die Besonderheiten der Heimerziehung.
2.3 Statuspassage Care Leaver*innen: Das Herzstück der Arbeit analysiert den Übergangsprozess, Anforderungen an die Selbstständigkeit und Herausforderungen im Alltag der Betroffenen.
2.4 Gesetzliche Rahmenbedingungen der Nachbetreuung für Care Leaver*innen: Hier werden die gesetzlichen Möglichkeiten für Unterstützung über das 18. Lebensjahr hinaus sowie Ansätze für eine gelingende Nachbetreuung diskutiert.
2.5 Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Situation der Care Leaver*innen: Dieser Teil beleuchtet die spezifischen Belastungen durch die Pandemie und entstandene Unterstützungsangebote.
2.6 Ausblick in die Zukunft: Das Kapitel vergleicht internationale Ansätze und formuliert Empfehlungen für eine flexiblere und bedarfsgerechtere Gestaltung des Übergangssystems in Deutschland.
3. Fazit: Die Arbeit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit einer nachhaltigen, professionellen Übergangsbegleitung für Care Leaver*innen.
Schlüsselwörter
Care Leaver, Übergangsmanagement, Heimerziehung, Verselbstständigung, Jugendhilfe, SGB VIII, Lebensphasen, Nachbetreuung, soziale Benachteiligung, Übergangsbegleitung, Corona-Pandemie, Selbstständigkeit, stationäre Erziehungshilfe, Hilfen zur Erziehung, Sozialisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Situation von Care Leaver*innen, also jungen Erwachsenen, die nach einer Zeit in der stationären Heimerziehung den Schritt in ein eigenständiges Leben wagen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind der Prozess der Verselbstständigung, die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Jugendhilfe, das Konzept des Übergangsmanagements sowie die spezifischen Herausforderungen, denen sich Betroffene gegenübersehen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Hauptziel besteht darin zu klären, wie der Übergang von Care Leaver*innen aus der Heimerziehung in ein selbstständiges Leben gelingen kann und welche Faktoren diesen Prozess positiv unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für diese Arbeit verwendet?
Bei der Arbeit handelt es sich um eine Literaturarbeit, in der relevante fachwissenschaftliche Quellen gesammelt, analysiert und kritisch miteinander in Beziehung gesetzt werden.
Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Lebensphase des jungen Erwachsenenalters, die Institution Heimerziehung, die Statuspassage "Leaving Care", das Hildesheimer Übergangsmodell sowie die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Zielgruppe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Care Leaver, Übergangsmanagement, Selbstständigkeit, Nachbetreuung und Kinder- und Jugendhilfe geprägt.
Was macht das Hildesheimer Übergangsmodell besonders?
Das Modell bietet eine fundierte Arbeitsgrundlage für Kommunen und Fachkräfte, um Übergänge mittels vier klar definierter Bausteine rechtskreisübergreifend und flexibler zu gestalten.
Warum ist der Auszug aus der Heimerziehung für viele junge Menschen so schwierig?
Da der Übergang häufig abrupt stattfindet und viele Betroffene über keine ausreichenden privaten Unterstützungsressourcen verfügen, führt der Schritt in die volle Selbstständigkeit oft zu Krisen, Unsicherheit und Überforderung.
Welche Rolle spielt die Corona-Pandemie für Care Leaver*innen?
Die Pandemie hat die ohnehin prekäre Situation verschärft, da Kontakte eingeschränkt wurden, Arbeitsplätze verloren gingen und die bewährten Beratungsstrukturen teilweise schwerer zugänglich waren.
Warum wird eine "Nachbetreuung" als Schlüsselfunktion bezeichnet?
Die Nachbetreuung ist essenziell, um nach Ende der stationären Hilfe einen Bruch in der Entwicklung zu vermeiden und eine kontinuierliche Unterstützung bei der Bewältigung des Alltags sicherzustellen.
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- Anonym (Author), 2021, Leaving Care. Der Übergang von der Heimerziehung in ein selbstständiges Leben, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1204054