Mit der Motivik und Symbolik in Theodor Fontanes Werk „Effi Briest“ haben sich bereits viele Wissenschaftler beschäftigt gerade auch, weil „Motive[n] und Symbole[n] in den Bereich jener erzähltechnischen Mittel“ zählen, „die mit dazu beitragen, dem Roman ästhetische Vielschichtigkeit und gleichzeitig innere Einheit zu verleihen“ . Drei Motive beziehungsweise Symbole aus dem 1894 erstmals abgedruckten Romans werden nun herausgegriffen und analysiert. Das Neue an dieser Arbeit soll sein, dass ein Versuch unternommen wird, ein reines Motiv und ein Symbol zu untersuchen, um im Anschluss eine Einheit aus den 36 Kapiteln zu filtern, die beides verknüpft.
Bei der Lektüre verschiedener Sekundärliteratur, fällt auf, dass kaum genaue Definitionen für die Begriffe „Motiv“ und „Symbol“ erläutert und so auch teilweise unterschiedliche Bedeutungen dieser verwendet werden. Infolgedessen wird in der vorliegenden Arbeit die Begrifflichkeit von Matias Martinez und Michael Scheffel als Grundstock verwendet.
Im ersten Teil wird das Rondell, welches fast immer in Verbindung mit der Sonnenuhr auftritt, als Motiv kenntlich gemacht. Dabei wird hauptsächlich auf die Interpretation Elsbeth Hamanns Bezug genommen, die diese literarische Figur sogar zum Leitmotiv steigert.
Danach wird das Inhaltsmoment des Spuks in „Effi Briest“ geprüft, um damit zu beweisen, dass es sich bei dem Bild des „Chinesen“ um ein Symbol handelt.
Im Dritten Analyseteil sollen dann verschiedene zur Einheit des Flugthemas gehörige Symbole, die die unterschiedliche Sekundärliteratur gleichwertig zentral ins Geschehen stellt und doch immer an ungleichen Beispielen und Textstellen aus dem Roman belegt, vorgestellt werden. An dieser Stelle soll dann vor allem die Schaukel und die Schlittenfahrt mit Effis Liebhaber Crampas, die vor allem Peter Demetz in seinen Ausführungen berücksichtigt, in den Fokus treten. Insbesondere aber wird hier präsentiert, dass es sich nach Martinez/Scheffel nicht eindeutig um ein Motiv oder um ein Symbol handelt, da Merkmale beider Kategorien erfüllt werden.
Auch die Vorausdeutungen in „Effi Briest“ sind ein in der Forschung viel diskutierter Problembereich. Das ist erwähnenswert, weil auch die Motive und Symbole inhaltlich nicht von diesen getrennt werden können. So bekommt zum Beispiel Kirstin Breitenfellner durch „das dichte symbolische Gefüge mit seinen Vorausdeutungen den Eindruck einer schicksalhaften Determination.“
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Rondells mit der Sonnenuhr
3. Der Spuk des Chinesen
4. Das Fliegen und Schaukeln
5. Schlussbetrachtung
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die erzähltechnischen Mittel in Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“, wobei der Fokus auf der Analyse ausgewählter Motive und Symbole liegt. Das primäre Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen diesen ästhetischen Elementen und der inneren Einheit des Romans aufzuzeigen sowie deren symbolische Bedeutung im Hinblick auf Effis Lebensweg und Schicksal zu interpretieren.
- Analyse des Rondells und der Sonnenuhr als Leitmotiv
- Symbolik des „Chinesen“ und dessen Funktion für die Eheproblematik
- Untersuchung des Flug- und Schaukelmotivs
- Einfluss der „disguised symbolism“-Technik auf die Romanstruktur
- Verbindung von Raumkomposition und psychologischem Innenleben
Auszug aus dem Buch
3. Der Spuk des Chinesen
„Es gehört zur symbolische Aussageweise Fontanes, dass sich das Unbehagen Effis in der Ehe und später das wechselseitige Misstrauen der Partner um den spukenden Chinesen kristallisiert, der das enigmatischste und bei weitem am intensivsten diskutierte Handlungselement des Romans darstellt.“ Sogar Fontane selbst sagt, dass „die Sache [der Spuk/der Chinese] … ein Drehpunkt für die ganze Geschichte“ sei.
Ein Symbol ist im Gegensatz zum Motiv auf einen einzelnen Handlungsgegenstand reduziert und weniger umfassend. Der Begriff des Symbols lässt sich dem des Bildes unterordnen. Es ist ein „Zeichen, Sinnbild“, ein „’Bild für’“ etwas; und wird „[i]m gegenwärtigen literaturwissenschaftl[ichen] Begriffsgebrauch“ von Harald Weinrich „’unter dem Begriff der Metapher’“ zusammengefasst.
Das Symbol ist meist durch eine Tradition überliefert und hat als Ziel eine Gefühlswirkung beim Leser zu evozieren. Schon Rudolf Helmstetter schreibt im Zusammenhang mit „Effi Briests“ „Chinesen“, dass der „chinesische[...] Haus-Spuk[...] … übrigens als solches nicht unbedingt schon ein unrealistisches Element“ sei, sondern eher einem zu dieser Zeit allgemeinem Aberblauben oder „Angstklischee“ gleichkäme Er symbolisiere das „’dämonische China’ gegenüber dem ‚aufgeklärt’-modernen Europa“ als etwas Minderwertigeres.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung ein und erläutert die methodische Herangehensweise an die Begriffe Motiv und Symbol auf Basis von Martinez und Scheffel.
2. Das Rondells mit der Sonnenuhr: Dieses Kapitel analysiert das Rondell als ein für den Handlungsverlauf notwendiges verknüpftes Motiv, das Effis glückliche Kindheit und ihr späteres tragisches Ende symbolisiert.
3. Der Spuk des Chinesen: Hier wird der chinesische Haus-Spuk als zentrales Symbol für die Eheproblematik, Verunsicherung und den preußischen Herrschaftsapparat untersucht.
4. Das Fliegen und Schaukeln: Das Kapitel befasst sich mit dem Flugthema und der Schaukel als Sinnbild für Effis Freiheitsdrang, ihre labile Natur und ihr streben nach einem befreiten Leben.
5. Schlussbetrachtung: Die abschließende Betrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und ordnet Fontanes Technik in den Kontext des „disguised symbolism“ ein.
6. Literaturverzeichnis: Dies ist das Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Effi Briest, Theodor Fontane, Motivik, Symbolik, Literaturwissenschaft, Rondell, Sonnenuhr, Chinesen-Spuk, Flugmotiv, Schaukel, disguised symbolism, Erzähltheorie, Ehetragödie, Realismus, Interpretation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von erzähltechnischen Mitteln in Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“, speziell mit der Rolle von ausgewählten Motiven und Symbolen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die Raumgestaltung (Rondell), die psychologische Bedeutung des Haus-Spuks (Chinese) sowie die Symbolik der Bewegung (Schaukeln/Fliegen).
Was ist die zentrale Forschungsfrage der Untersuchung?
Die Arbeit fragt danach, wie durch die Verknüpfung von Motiven und Symbolen ästhetische Vielschichtigkeit und eine innere Einheit des Romans erzielt werden.
Welche wissenschaftliche Methodik liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit stützt sich auf die erzähltheoretischen Definitionen von Matias Martinez und Michael Scheffel sowie auf die Interpretationstechnik des „disguised symbolism“ nach Erwin Panowsky.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Rondells als Leitmotiv, des Spuks als Symbol für Eheprobleme und der Schaukel-Thematik als Ausdruck von Effis Wesen.
Welche Keywords kennzeichnen die Publikation am besten?
Wichtige Schlagworte sind Effi Briest, Motivik, Symbolik, Spuk, Schaukeln und disguised symbolism.
Warum spielt die Sonnenuhr im Roman eine so wesentliche Rolle?
Die Sonnenuhr markiert Effis unbeschwerte Kindheit in Hohen-Cremmen und steht in Kontrast zu ihrem späteren Schicksal, da sie nach ihrem Tod durch eine Marmorplatte ersetzt wird.
Welche Bedeutung hat das Schaukeln für den Charakter von Effi?
Das Schaukeln symbolisiert Effis Bedürfnis nach Abenteuer, ihre „ausgesprochene Labilität“ und ihren Wunsch nach einem schwerelosen Glück fernab gesellschaftlicher Zwänge.
Wie wird der „Chinese“ im Roman interpretiert?
Er fungiert als Symbol für die tiefsitzende Verunsicherung in der Ehe, dient Instetten als „Erziehungsmittel“ und verkörpert eine Bedrohung, die weit über den individuellen Spuk hinausgeht.
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- Josephine Ernst (Author), 2007, Motivik und Symbolik in Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120409