Der Unterrichtsentwurf enthielt ursprünglich im Anhang Abbildungen von optischen Täuschungen, die hier aus urheberrechtlichen Gründen nicht mitgeliefert werden können. Beispiele können ganz einfach über Google (Suchbegriff "Optische Täuschung") gefunden werden. In der folgenden Unterrichtssequenz, die in etwa vier Doppelstunden umfassen sollte, wird der griechische Philosoph Platon im Zentrum stehen. Die Unterrichtsreihe ist auf die Klassenstufe 11 zugeschnitten, wie es auch der Thüringer Lehrplan für Gymnasien vorsieht. Die Unterrichtseinheit soll sich vorwiegend, allerdings nicht unbedingt ausschließlich mit der Ideenlehre und damit verbunden mit der Erkenntnistheorie Platons beschäftigen.
Im Vorfeld wird die Auseinandersetzung mit Platons Lehrer Sokrates vorausgesetzt. Auch sollten einige Worte zur Person und Biographie des Platons einführend angebracht werden, was an dieser Stelle allerdings vernachlässigt, weil Voraussetzung, werden soll. Der hier vorgestellte Stundenentwurf knüpft ebenso an Platons Leib-Seele-Dualismus an, der in einer Unterrichtssequenz vorher eventuell besprochen werden sollte. Genau von diesem Dualismus kann ausgegangen werden, um zum Dualismus der beiden Welten bei Platon überzuleiten.
Im Anschluss an folgende Unterrichtsinhalte könnte gegebenenfalls Platons Tugendlehre sein, die dann wiederum die Grundlage zur Überleitung der gleichen bei Aristoteles bilden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sachanalyse
3. Didaktisch-Methodische Vorüberlegungen
4. Didaktische Umsetzung
5. Fazit
6. Anhang
6.1. Höhlenbildnis
6.2. Höhlengleichnis
6.3. Sonnengleichnis
6.4. Liniengleichnis
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist die Erstellung eines praxisorientierten Stundenentwurfs für den Ethikunterricht der 11. Klassenstufe, der Platons Ideenlehre und Erkenntnistheorie anhand seiner zentralen Gleichnisse vermittelt und Schüler zur Reflexion über ihre Wahrnehmung und ihr Wissen anregt.
- Platons Zwei-Welten-Lehre und das Reich der Ideen
- Analyse der drei platonischen Gleichnisse (Höhlen-, Sonnen- und Liniengleichnis)
- Kompetenzorientierte Didaktik im Philosophieunterricht
- Didaktische Umsetzung durch problemorientierte Arbeitsphasen
- Aktualisierung philosophischer Erkenntnisse im Kontext heutiger Medien
Auszug aus dem Buch
Platon: Das Höhlengleichnis
SOKRATES: Und nun vergleiche Bildung und Unbildung in unserer Natur mit folgendem Zustand. Stelle dir Menschen vor in einer unterirdischen, höhlenartigen Wohnstätte mit lang nach aufwärts gestrecktem Eingang, entsprechend der Ausdehnung der Höhle. Von Kind auf sind sie in dieser Höhle festgehalten mit Fesseln an Schenkeln und Hals; sie bleiben also immer an der nämlichen Stelle und sehen nur geradeaus vor sich hin, denn durch die Fesseln werden sie gehindert, ihren Kopf herumzubewegen. Von oben her aber aus der Ferne leuchtet hinter ihnen das Licht eines Feuers. Zwischen dem Feuer aber und den Gefesselten läuft oben ein Weg hin, entlang eine niedrige Mauer errichtet ist ähnlich der Schranke, die die Puppenspieler vor den Zuschauern errichten, um über sie weg ihre Kunststücke zu zeigen.
GLAUKON: Das steht mir alles vor Augen.
SOKRATES: Längs dieser Mauer – so mußt du es dir nun weiter vorstellen – tragen Menschen allerlei [Bildwerke] vorbei, die über die Mauer hinausragen, [unter anderem] Statuen verschiedenster Art aus Stein und Holz von Menschen und anderen Lebewesen, wobei, wie begreiflich, die Vorübertragenden teils reden, teils schweigen.
GLAUKON: Ein sonderbares Bild, das du da vorführst, und sonderbare Gefangene.
SOKRATES: [Und doch sind sie uns ganz ähnlich.] Können denn zunächst solche Gefesselte von sich selbst und voneinander etwas anderes gesehen haben als die Schatten, die von dem Feuer auf die ihnen gegenüberliegende Wand der Höhle geworfen werden?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Unterrichtssequenz führt in die Ideenlehre und Erkenntnistheorie Platons für die Klassenstufe 11 ein und setzt die Kenntnis von Sokrates voraus.
2. Sachanalyse: Dieses Kapitel erläutert die platonische Zwei-Welten-Lehre, das Konzept der Anamnesis sowie die Funktion der drei zentralen Gleichnisse.
3. Didaktisch-Methodische Vorüberlegungen: Hier werden die Vorgaben des Thüringer Lehrplans mit dem Kompetenzmodell verknüpft, wobei Sach-, Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenz im Fokus stehen.
4. Didaktische Umsetzung: Dieser Teil konkretisiert den Unterrichtsverlauf durch schülerzentrierte Methoden wie optische Täuschungen, Textarbeit und Diskussionen zur Erarbeitung der platonischen Philosophie.
5. Fazit: Das Fazit bewertet den Entwurf als theoretisches Modell und diskutiert die Übertragbarkeit auf schulische Praxis sowie die Relevanz moderner Medienvergleiche.
6. Anhang: Der Anhang bietet die Quellentexte zu den drei Gleichnissen von Platon.
Schlüsselwörter
Platon, Ideenlehre, Erkenntnistheorie, Höhlengleichnis, Sonnengleichnis, Liniengleichnis, Ethikunterricht, Didaktik, Wissenserwerb, Wirklichkeit, Wahrheit, Kompetenzorientierung, Philosophie, Urbilder, Anamnesis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit präsentiert einen unterrichtspraktischen Entwurf zur Vermittlung von Platons Ideenlehre und Erkenntnistheorie im Ethikunterricht der gymnasialen Oberstufe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das platonische Weltbild, die Unterscheidung zwischen Sinnenwelt und Ideenreich sowie die erkenntnistheoretische Bedeutung der drei großen Gleichnisse.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Befähigung der Schülerinnen und Schüler, Platons Deutung von Wirklichkeit zu verstehen und diese kritisch auf ihr eigenes Welt- und Selbstverständnis zu beziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um einen didaktisch-methodischen Stundenentwurf, der auf einer sachanalytischen Aufarbeitung philosophischer Primärtexte basiert und schülerorientierte Lernprozesse strukturiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fachwissenschaftliche Sachanalyse, eine didaktische Einordnung in den Lehrplan sowie die detaillierte Planung der Unterrichtssequenz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Ideenlehre, Höhlengleichnis, Erkenntnistheorie, Kompetenzorientierung und didaktische Umsetzung charakterisiert.
Warum beginnt der Entwurf mit optischen Täuschungen?
Der Einstieg mit optischen Täuschungen dient dazu, die Schüler direkt mit den Grenzen der sinnlichen Wahrnehmung zu konfrontieren, um so die Notwendigkeit philosophischen Nachdenkens zu motivieren.
Welche Rolle spielt der Film "Matrix" im Fazit?
Der Film dient als modernes Beispiel, um das Höhlengleichnis zu aktualisieren und die Relevanz platonischer Gedanken in der heutigen Medienwelt zu verdeutlichen.
Wie soll das Höhlengleichnis im Unterricht erarbeitet werden?
Durch eine Kombination aus Hören des Textes, grafischer Umsetzung auf Folien, gemeinsamer Diskussion und anschließender Analyse der verschiedenen Aufstiegsphasen des Philosophen.
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- Josephine Ernst (Author), 2007, Unterrichtsstunde: Platons Ideenlehre und Erkenntnistheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120410