Ausgehend von einem kurzen Rückblick auf die Entwicklungsgeschichte des CV, stellt sich die Frage, wie stark in der Tradition verankerte Studentenverbindungen den Übertritt in eine neue Republik fanden, die sich deutlich von der „guten alten Zeit“ des Habsburgerreichs unterschied.
Wie sahen nun der Studienalltag und das gemeinschaftliche Vereinsleben eines Studenten einer katholischen Verbindung aus? Mit welchen praktischen Problemen hatten alle Studierenden nach Kriegsende zu kämpfen, und welche dunklen Schatten der Vergangenheit gewannen wieder zunehmend Einfluss am universitären Parkett? Welche Rolle spielte politisches Engagement im CV, und wie gestaltete es sich in der turbulenten Zwischenkriegszeit bis zum Anschluss an das Deutsche Reich?
Last, but not least stellt sich die Frage, welche Anreize der CV seinen Mitgliedern während einer sowohl politisch als auch wirtschaftlich schweren Zeit bieten konnte.
Der Versuch, Antworten zu finden, beginnt mit einer kleinen Rückschau in die Geschichte des CV, um sowohl dessen grundlegende Prinzipien als auch die historisch gewachsenen Probleme gegenüber Studenten anderer Auffassung darzulegen. Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit dem Studienalltag nach Kriegsende: Es handelt von der schwierigen sozialen Lage vieler Studenten und beschreibt, durch welche Maßnahmen man innerhalb des CV darauf reagierte. Es sollen hier aber auch dunkle Seiten des CV, wie das Verhältnis zum Antisemitismus, behandelt werden. Im vorletzten Kapitel gehe ich der Rolle des CV im Ständestaat nach, bevor ich mit den Geschehnissen rund um die Universität unmittelbar vor bzw. nach dem Anschluss an Hitler-Deutschland schließe.
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Inhaltsverzeichnis
1. Prolog
2. Kurzer Abriss der Entwicklungsgeschichte des CV bis zur Ersten Republik
2.1. Entstehungsgeschichte konfessionell-katholischer Verbindungen
2.2. Widerstände und Konflikte
2.2.1. Religiöse Gefühle versus Freiheit der Wissenschaft
2.2.2. Verbot von Mensur und Duell
2.3. Der CV in der Ersten Republik – Umstellung auf neue Zeiten
3. Wiener katholisch korporierte Studenten der Zwischenkriegszeit:
Studentischer Alltag, Vereinsleben und politische Perspektiven
3.1. Studentischer Alltag in der Zwischenkriegszeit
3.1.1. Entwicklung der Universität Wien nach Kriegsende
3.1.2. Versuch einer vereinsmäßigen Organisation
3.1.3. Antisemitische Strömungen innerhalb der Wiener Studentenschaft
3.2. CV: Soziales und politisches Engagement im Spiegel der Zeit
3.2.1. Geschichte des sozialen Engagements
3.2.2. Tätigkeitsbereiche während der Zwischenkriegszeit
3.2.3. Engagement von Seiten der Studenten
3.2.4. Studentisches Vereinsleben in der Praxis
4. Die Rolle des CV im Ständestaat
4.1. Der CV und sein politisches Engagement im Ständestaat
4.2. Verhältnis zwischen CV und Heimwehr
4.3. Universitätspolitik zu Gunsten des CV
4.3.1. Hochschulerziehungsgesetz
4.3.2. Neue Regierungslinie gegenüber Links und Rechts
5. Aktivitäten des Wiener CV kurz vor bzw. nach dem Anschluss
5.1. CV-Mitglieder im Sturmkorps der Vaterländischen Front im Kampf gegen die Nationalsozialisten
5.2. CV im Widerstand
5.3. Universität und CV nach dem Anschluss
5.3.1. Auswirkungen auf CV-Mitglieder auf universitärem Boden
5.3.2. Verhaftungswelle im CV
6. Epilog
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle, das soziale Umfeld und das politische Engagement der katholisch korporierten Studenten (CV) an der Universität Wien während der turbulenten Zwischenkriegszeit. Dabei steht insbesondere die Frage im Mittelpunkt, wie sich diese traditionsbewussten Studentenverbindungen in der neuen Republik positionierten, welchen Einfluss sie auf den Ständestaat ausübten und wie sie auf die politischen Umbrüche bis zum Anschluss an das Deutsche Reich reagierten.
- Soziale Lage und Alltag der Wiener Studenten nach 1918
- Politisches Engagement und Rolle des CV im Ständestaat
- Umgang mit Antisemitismus und nationalsozialistischen Tendenzen
- Die Funktion der Studentenverbindungen als soziale Unterstützungssysteme
- Widerstand und Verfolgung von CV-Mitgliedern nach dem Anschluss 1938
Auszug aus dem Buch
3.1.2.2. „Ausstieg“ des CV aus der Deutschen Studentenschaft
Anfang Dezember 1932 versuchte der CV, aus der DSt auszutreten. Diesem Schritt gingen die wahrscheinlich schwersten Studentenkrawalle auf dem Boden der Wiener Universität voraus. Als der Wiener Philosophieprofessor Hans Eibl anlässlich der Eröffnungskundgebung des Kreistages am 2. Dezember 1932 im Wiener Sophiensaal eine Festrede zum Thema „Der Sinn des deutschen Schicksals“ hielt, kam es zum Eklat. Die Stimmung war schon während des Einzuges, als die jeweils gegnerischen Chargierten beim Einzug der anderen jede Ehrenbezeugung vermieden und einfach auf ihren Plätzen sitzen blieben, äußerst angespannt, was in der Folge zu Handgreiflichkeiten führte.57 Als zur Mittagszeit des folgenden Tages ein Bummel in der Universität stattfand, kam es zu schweren Studentenkrawallen. Im Zuge der Ausschreitungen, die auch mit Stahlruten, Gummiknüppeln und metallbeschlagenen Lederriemen geführt wurden, gab es besonders auf Seiten des CV viele Mitglieder, die speziell im Kopfbereich Verletzungen davontrugen.58 Einige von ihnen, darunter auch der Sohn von Bundespräsident Miklas sowie der spätere Bundeskanzler Josef Klaus, wurden dabei verletzt.59 Noch am selben Tag fasste man im KDHÖ den Beschluss, aus der DSt auszutreten, was aber formal nicht möglich war.60
Zusammenfassung der Kapitel
1. Prolog: Die Einleitung erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die studentische Situation in der Zwischenkriegszeit zu beleuchten und den Einfluss katholischer Studentenverbindungen im universitären und politischen Kontext darzustellen.
2. Kurzer Abriss der Entwicklungsgeschichte des CV bis zur Ersten Republik: Dieses Kapitel skizziert die Gründung und Ausbreitung katholischer Studentenverbindungen sowie die frühen Konflikte um Wissenschaftsfreiheit und studentische Traditionen im Vielvölkerstaat.
3. Wiener katholisch korporierte Studenten der Zwischenkriegszeit:: Hier wird der studentische Alltag, die soziale Not nach dem Ersten Weltkrieg, das Vereinsleben und das ambivalente Verhältnis zu Antisemitismus und nationalen Strömungen detailliert analysiert.
4. Die Rolle des CV im Ständestaat: Das Kapitel beleuchtet das enge politische Bündnis zwischen dem CV und dem Ständestaat, die Rolle katholischer Funktionäre und die Repressalien gegen oppositionelle Gruppen.
5. Aktivitäten des Wiener CV kurz vor bzw. nach dem Anschluss: Dieser Abschnitt beschreibt das Engagement der Studenten im Widerstand gegen den Nationalsozialismus sowie die dramatischen Folgen der Machtübernahme für CV-Mitglieder an der Universität.
6. Epilog: Das Schlusswort resümiert die widersprüchliche Rolle der Studentenverbindungen als soziale Akteure und politisch einflussreiche Gruppen in einem demokratiepolitisch belasteten Umfeld.
Schlüsselwörter
CV, Cartellverband, Studentenverbindungen, Zwischenkriegszeit, Universität Wien, Ständestaat, Studentischer Alltag, Antisemitismus, Nationalsozialismus, Widerstand, ÖCV, Katholische Korporierte, Hochschulpolitik, Österreich, Dollfuß.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die soziopolitische Rolle und den Alltag der katholisch korporierten Studentenverbindungen (CV) in Wien zwischen 1918 und 1938.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf dem studentischen Alltag, dem Einfluss des CV in der Politik des Ständestaates, dem Verhalten gegenüber dem wachsenden Nationalsozialismus und der Rolle der Verbindungen als soziale Unterstützungsnetzwerke.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, wie sich der CV als konservative Kraft im politischen Wandel der Zwischenkriegszeit positionierte und welche Auswirkungen dies auf seine Mitglieder und das universitäre Leben hatte.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Untersuchung basiert auf der Auswertung von Sekundärliteratur, Zeitungsartikeln, Festschriften und Zeitzeugeninterviews.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Entwicklung der Universität nach dem Ersten Weltkrieg, der Organisation der Studenten, dem Antisemitismus an der Universität, der Verflechtung des CV mit dem Ständestaat und dem Verhalten der Verbindungen bis zum Anschluss 1938.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind CV, Studentenverbindungen, Zwischenkriegszeit, Universität Wien, Ständestaat, Antisemitismus und Widerstand.
Welche Rolle spielte der CV im Ständestaat konkret?
Viele CV-Mitglieder besetzten führende politische Ämter im Ständestaat, da der Verband als Eliteorganisation galt, die den christlich-vaterländischen Kurs der Regierung aktiv unterstützte.
Was passierte mit den Verbindungen nach dem Anschluss 1938?
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde der CV als Verein aufgelöst, sein Vermögen eingezogen und viele Mitglieder wurden verfolgt, inhaftiert oder ins Exil gezwungen.
- Quote paper
- MMag. Silvia Kornberger (Author), 2006, Studenten der Universität Wien in der Zwischenkriegszeit: Soziale Lage, Verbindungen und Politik - Rolle und Bedeutung des christlichen Verbindungswesens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120421