Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Filmwissenschaft

Richard Oswalds "Dreyfus" - ein Film als zeitgenössische Warnung vor Antisemitismus und Faschismus

Titel: Richard Oswalds "Dreyfus" - ein Film als zeitgenössische Warnung vor Antisemitismus und Faschismus

Seminararbeit , 2007 , 45 Seiten , Note: Sehr Gut

Autor:in: MMag. Silvia Kornberger (Autor:in)

Filmwissenschaft
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Wilhelm Herzog beschreibt Hauptmann Dreyfus als einen in den Anschauungen seiner Kaste völlig befangenen, ziemlich naiven Menschen: „Einer, den man plötzlich aus seiner blendenden Karriere und aus dem Glück seines Familienlebens herausgerissen hat. (…) Ein armer Kerl, der sich gegen den Justizmord natürlich aufbäumt (…), klagt und jammert, der aber von den Ursachen und Zusammenhängen seiner Affäre nicht das Geringste ahnt.“
Dreyfus scheint vielleicht nicht der geborene Haudegen und strahlende Held gewesen zu sein, dennoch kämpfte die Elite der französischen Intellektuellen – allen voran Emile Zola – leidenschaftlich um seine Freiheit.
Was steckt also hinter seiner Geschichte, die nicht nur in Frankreich, sondern auch jenseits seiner geographischen Grenzen die Gemüter erhitze? Warum haben sich so viele zeitgenössische, aber auch spätere Künstler mit der Affäre Dreyfus beschäftigt? Und – last, but not least – warum griff der gebürtige Österreicher, Richard Oswald dieses Thema zu Beginn der Dreißigerjahre wieder auf und wie setzte er den historischen Sachverhalt schließlich um?
Ausgehend vom Kernthema des Kurses, „Geschichte und Perspektivenwechsel: Judendarstellungen auf der Leinwand“, möchte ich mich im ersten Kapitel den Ursprüngen und dem Verlauf des realen Falles widmen, um anschließend nach zeitgenössischen filmischen Reflexionen zu fahnden. Im Hauptteil beschäftige ich mich einerseits mit der Rezeptionsgeschichte und zeitgenössischen Kritiken zum Film, versuche andererseits aber auch, eine praktische Filmanalyse anhand von Beispielkadern durchzuführen. Nicht zu vergessen ist in diesem Fall die grundsätzliche Frage, was eine Affäre nun eigentlich ausmacht.
Als Material für diese Arbeit dienen neben historischen Werken wie dem Tagebuch von Dreyfus auch deutsche und französische Publikationen zur Affäre Dreyfus sowie filmhistorische Nachschlagewerke wie die lose CineGraphensammlung, politisch-historische Literatur zur Zeit sowie ein Vergleich verschiedener Filmfassungen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Prolog

2. „Die Affäre Dreyfus“

2.1. Politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen

2.2. Vom Justizirrtum zur Affäre: Versuch einer Definition

2.3. Herkunft und beruflicher Werdegang von Alfred Dreyfus

2.4. Der Prozess

2.5. Die Rolle des Antisemitismus am Beispiel der Affäre Alfred Dreyfus

2.6. Die Rolle der Medienberichterstattung: Presse und Film

2.7. Die Geburt der Dreyfusards

Emile Zola

2.8. Die Revision

3. Die Affäre Dreyfus als filmische Reflexion

3.1. Georges Méliès – Impressionen eines Dreyfusard

3.2. Pathé und die Affäre Dreyfus

3.3. Die Dreyfus Affäre bleibt auch nach dem offiziellen Abschluss interessant:

4. Die politisch, gesellschaftlichen Auswirkungen der Affäre Dreyfus

5. Richard Oswalds „Dreyfus“ (1930): Die Gegenwart und Zukunft im Spiegel der Geschichte

5.1. Allgemeine Informationen zu Richard Oswalds Dreyfus

5.2. Richard Oswald – ein Meister auf der Klaviatur der Filmkunst: Macher leichtverdaulichen Publikumserfolge, „Provokateur“ in Sachen Sexualität und politischer Visionär

5.3. Der Ensemblefilm „Dreyfus“ : Schauspieler im Fokus der Politik

5.3.1. Die Metamorphose des „Emile Zola“ alias Heinrich George

5.3.2. Fritz Kortner

5.3.3. Grete Mosheim

5. 4. Die literarische Vorlage „L’Affaire Dreyfus“

5.5. Richard Oswalds „Dreyfus“: ein historischer Film als visualisierter und verbalisierter Spiegel aktueller politischer Gefahr

5.5.1. Die Opfer: Alfred Dreyfus und rechtsstaatliche Werte wie Gleichheit, Wahrheit und Gerechtigkeit

5.5.2. Die Täter

5.5.3. Symbolik

5.5.4. Die Rolle der Öffentlichkeit

5.6. Richard Oswalds Dreyfus in den Augen zeitgenössischer Kritik

6. Epilog

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen Fall Dreyfus und dessen filmische Verarbeitung durch den Regisseur Richard Oswald im Jahr 1930. Dabei wird analysiert, wie Oswald die historische Affäre als Spiegel für das politische Klima Deutschlands zu Beginn der 1930er-Jahre nutzte, um vor Antisemitismus und dem drohenden Faschismus zu warnen.

  • Historische Analyse der Dreyfus-Affäre und ihrer gesellschaftlichen Hintergründe
  • Untersuchung filmischer Reflexionen der Affäre von den Anfängen bis 1930
  • Analyse der Regiearbeit und Inszenierung von Richard Oswald
  • Untersuchung der Bedeutung von Schauspielerleistungen und deren politischer Dimension
  • Auseinandersetzung mit den Themen Zivilcourage, Rechtsstaatlichkeit und Antisemitismus

Auszug aus dem Buch

5.5.1. Die Opfer: Alfred Dreyfus und rechtsstaatliche Werte wie Gleichheit, Wahrheit und Gerechtigkeit

Alfred Dreyfus wird dem Rezipienten erst vorgestellt, als er von hohen Militärs bereits als vermeintlicher Täter gesehen wird. Das zukünftige Opfer antirechtsstaatlichen Denkens wird in einem außergewöhnlich harmonischen Umfeld präsentiert: Im gutbürgerlichen Ambiente des Salons seiner Wohnung beschäftigt sich das Ehepaar Dreyfus liebevoll mit seinen zwei Kindern. Die Mutter spielt mit der Tochter Ball und der Vater kümmert sich aufmerksam um den kleinen Sohn, der schon jetzt – wie sein Vater – eine Uniform trägt. Stilecht ausgestattet mit Säbel und Schaukelpferdchen, meint der Kleine schließlich auch noch: „Wenn ich groß bin, möchte ich gerne Soldat werden“, was die stolzen Eltern zum Schmunzeln bringt.

Im Gegensatz zur rauen „Welt da draußen“ geht auch das Ehepaar besonders liebevoll und zärtlich miteinander um. Alfred Dreyfus wird dem Zuschauer als netter sympathischer Familienmensch jenseits patriarchaler Machoattitüden präsentiert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Prolog: Einführung in die Thematik und den Fokus der Arbeit auf den historischen Fall sowie dessen filmische Interpretation durch Richard Oswald.

2. „Die Affäre Dreyfus“: Umfassende Darstellung der historischen Hintergründe, des Prozesses und der Rolle des Antisemitismus in der französischen Gesellschaft.

3. Die Affäre Dreyfus als filmische Reflexion: Betrachtung der frühen filmischen Auseinandersetzungen mit der Affäre, unter anderem durch Georges Méliès.

4. Die politisch, gesellschaftlichen Auswirkungen der Affäre Dreyfus: Analyse der langfristigen Spuren der Affäre im französischen Demokratieverständnis.

5. Richard Oswalds „Dreyfus“ (1930): Die Gegenwart und Zukunft im Spiegel der Geschichte: Zentrale Untersuchung von Oswalds Film, seiner Machart, des Ensembles und der Symbolik als Warnung vor dem NS-Regime.

6. Epilog: Zusammenfassende Betrachtung der Aktualität der Dreyfus-Affäre und ihres symbolischen Gehalts für den Widerstand gegen politische Barbarei.

Schlüsselwörter

Dreyfus-Affäre, Richard Oswald, Antisemitismus, Filmgeschichte, Weimarer Republik, Heinrich George, Fritz Kortner, Rechtstaatlichkeit, Zivilcourage, Propaganda, NS-Film, historischer Film, Dreyfusards, Faschismus, Emile Zola

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die historische Dreyfus-Affäre und untersucht, wie diese durch den Film „Dreyfus“ von Richard Oswald (1930) aufgegriffen wurde, um zeitgenössische politische Gefahren in Deutschland zu thematisieren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Fokus stehen die historische Einordnung der Affäre, die mediale Rezeption, die filmästhetische Umsetzung durch Oswald sowie die politische Funktion des Films als Mahnung gegen aufkommenden Antisemitismus und Faschismus.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Es wird erforscht, wie Richard Oswald den historischen Stoff nutzte, um als „Provokateur“ und politischer Visionär vor den antidemokratischen Strömungen seiner Zeit zu warnen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?

Die Autorin kombiniert historische Dokumentenanalyse (Tagebücher, historische Literatur) mit einer praktischen Filmanalyse sowie der Untersuchung von Kritiken und zeitgenössischem medialen Echo.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich detailliert der filmischen Umsetzung, dem Schauspieler-Ensemble (z.B. Heinrich George, Fritz Kortner), der symbolischen Bildsprache und der Bedeutung der Kameraführung in Oswalds Werk.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen gehören Dreyfus-Affäre, Richard Oswald, Antisemitismus, Filmgeschichte, Zivilcourage und die Auseinandersetzung mit Rechtstaatlichkeit im Spiegel des Films.

Wie unterscheidet sich Oswalds Darstellung von Dreyfus von anderen Filmen?

Oswald fokussiert stark auf das harmonische, bürgerliche Leben und stilisierte Dreyfus zum „idealen Opfer“, um den Kontrast zur brutalen politischen Wirklichkeit und den aufkommenden Vorurteilen in Deutschland zu verschärfen.

Welche Rolle spielt die Besetzung für die Wirkung des Films?

Die Arbeit hebt hervor, dass Oswald ein „Prominenten-Ensemble“ wählte, wobei insbesondere Heinrich Georges Darstellung des Emile Zola als Mahner für eine gerechtere Welt besonders gelobt wurde.

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Richard Oswalds "Dreyfus" - ein Film als zeitgenössische Warnung vor Antisemitismus und Faschismus
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Zeitgeschichte)
Veranstaltung
Geschichte und Perspektivenwechsel: Judendarstellung auf der Leinwand
Note
Sehr Gut
Autor
MMag. Silvia Kornberger (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
45
Katalognummer
V120457
ISBN (eBook)
9783640242009
ISBN (Buch)
9783640245529
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Richard Oswalds Dreyfus Film Warnung Antisemitismus Faschismus Geschichte Perspektivenwechsel Judendarstellung Leinwand
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
MMag. Silvia Kornberger (Autor:in), 2007, Richard Oswalds "Dreyfus" - ein Film als zeitgenössische Warnung vor Antisemitismus und Faschismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120457
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  45  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum