Sprachen und Dialekte in Frankreich


Hausarbeit, 2008

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung

1. Vorbemerkungen

2. Zur Geschichte der französischen Sprache
2.1 Die Romanisierung Galliens
2.2 Entstehung zweier romanischer Sprachen auf französischem Boden

3. Sprachsituation in Frankreich
3.1 Begriffserklärung Dialekt
3.2 Dialekte in Frankreich
3.2.1 Nördliche Dialekte
3.2.2 Westliche Dialekte
3.2.3 Zentrale Dialekte
3.2.4 Östliche Dialekte
3.2.5 Frankoprovenzalisch

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Vorbemerkungen

Die Meinungen über die Sprachsituation innerhalb der französischen Grenzen gehen weit auseinander. Während der französische Staat selbst lange Zeit behauptete, in Frankreich gäbe es keine Minderheiten und somit auch keine Minderheitensprachen, zählt Bernard Cerquiglini, Leiter des Institut national de la Langue française, 31 Regionalsprachen im Hexagon (Willwer 2006: 98).

In der vorliegenden Arbeit soll versucht werden, sich der Frage nach den Sprachen und Dialekten auf französischem Gebiet objektiv zu nähern. Nach einer geschichtlichen Einführung sollen zunächst die in Frankreich beheimateten Minderheitensprachen vorgestellt werden und anschließend die verschiedenen Dialekte des Französischen, der langue d’oïl. Diese Arbeit erhebt dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll vielmehr einen Überblick über dieses komplexe Thema vermitteln.

2. Zur Geschichte der französischen Sprache

2.1 Die Romanisierung Galliens

Vor der ersten Romanisierung des Territoriums, auf dem sich das heutige Frankreich erstreckt, waren die einheimischen Völkerschaften vor allem Kelten (Gallier), aber auch Iberer, Ligurer sowie Griechen, die an der Mittelmeerküste verschiedenen Kolonien besaßen (Geckeler/Dietrich 1997: 141).

Der Grundstein zur Entwicklung des Französischen wurde 154 v. Chr. gelegt, als die ansässigen Völkerschaften erstmals Kontakt zu den Römern als Kolonisatoren hatten. Mit dem Einmarsch eines römischen Heeres in Südgallien hielt auch das Vulgärlatein erstmals Einzug in Gallien. In der ersten Etappe der Romanisierung gründeten die Römer Aquae Sextiae (Aix-en-Provence), Narbonne und richteten die Provincia Gallia Transalpina ein, die später namensgebend für die Provence wurde (Geckeler/Dietrich 1997: 140).

Nach dem Gallischen Krieg (58-51 v. Chr.) vollzog sich die zweite Etappe der Romanisierung und brachte ganz Gallien bis zur Rheingrenze unter römischen Einfluss. Es wurden mehrere Städte gegründet und die meisten von ihnen unter Augustus zu Kolonien erhoben. Die unterworfenen Völkerschaften wurden durch Handel und Schulbildung bald assimiliert und so erfolgte die Romanisierung außerordentlich rasch (Geckeler/Dietrich 1997: 141).

Vom heutigen Lyon aus erfolgte die Romanisierung nach Norden das Saônetal aufwärts und im Osten an der Rhône entlang bis in die Westschweiz.

In augustäischer Zeit entstand die Provinz Belgica, die das ganze heutige Nordfrankreich umfasste. Die sich in diesem Gebiet entwickelnde Varietät des Vulgärlateins war wahrscheinlich die Grundlage der Romanität des Französischen. In diesem Gebiet ging die Romanisierung langsamer voran, da die Römer weniger Städte gründeten und mit der auf dem Land lebenden Bevölkerung weniger Kontakt hatten. Das Gallische als gesprochene Sprache wird hier noch bis ins 4. Jahrhundert bezeugt (Geckeler/Dietrich 1997: 142f).

2.2 Entstehung zweier romanischer Sprachen auf französischem Boden

Viele verschiedene Faktoren führten dazu, dass auf dem Gebiet des heutigen Frankreichs zwei verschiedene romanische Sprachen entstanden: die langue d’oïl im Norden und die langue d’oc im Süden.

Wie bereits im vergangenen Abschnitt erwähnt wurde, vollzog sich die Romanisierung im Süden Galliens rasch, im Norden hingegen erst allmählich. Die Ursache hierfür war die Art der Eroberung. Da die ansässige Bevölkerung daran gewöhnt war, mit den seit 600 v. Chr. bestehenden griechischen Kolonien Handel zu betreiben, war der Süden Galliens bereits in den Mittelmeerkulturraum integriert. Die unterworfenen Völkerschaften im südlichen Gallien konnten demnach schnell assimiliert werden, was noch dadurch beschleunigt wurde, dass sich viele Römer in den neuen römischen Kolonien ansiedelten. Die Bevölkerung im Norden Galliens stand den römischen Eroberern jedoch deutlich ablehnender gegenüber. Zudem siedelten sich nur wenige Römer dort an. Aus diesem Grund erfolgte die Assimilierung und damit die Romanisierung der Völkerschaften deutlich langsamer. Diese unterschiedliche Geschwindigkeit der Romanisierung trug als wichtiger Faktor zur unterschiedlichen Sprachentwicklung im Norden und im Süden des heutigen Frankreichs bei (Sokol 2007: 238f).

Auch der Zeitpunkt der Romanisierung und die Entfernung zu Rom, dem kulturellen Zentrum der lateinischen Sprache, spielen eine Rolle bei der Frage nach dem Grund der Entstehung zweier verschiedener romanischer Sprachen auf französischem Gebiet. Während das südliche Gallien zeitiger erobert wurde und die Entfernung zu Rom geringer war, wurde der Norden erst später romanisiert und lag weiter entfernt. Aus diesem Grund konnte sich das Lateinische im Norden nicht so stark durchsetzen und wurde deutlicher von Substraten beeinflusst. Vor allem neue Veränderungen in der lateinischen Sprache drangen nicht immer bis in die äußeren Ränder das römischen Reiches durch (Sokol 2007: 238).

Die Einflüsse der Substratsprachen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Aufgrund ihrer geografischen Verteilung hatten das Ligurische, Iberische und Griechische vor allem Einfluss auf das in Südgallien gesprochene Vulgärlatein. Im Norden Galliens hingegen beeinflusste vor allem das Gallische als Substratsprache das dort gesprochene Vulgärlatein (Geckeler/Dietrich 1997: 164).

Im Mittelalter konnten in Gallien zwei verschiedene Sprachräume ausgemacht werden: der der langue d’oïl im Norden und der der langue d’oc im Süden. Die Bezeichnungen gehen auf die unterschiedlichen Bejahungspartikel der beiden Sprachen zurück. Aus der langue d’oïl wurde später das heutige Französisch (Sokol 2007: 238, 240).

3. Sprachsituation in Frankreich

In Frankreich existieren neben dem Französischen 7 Regional- bzw. Minderheitensprachen, von denen 3 der romanischen Sprachfamilie anzurechnen sind, die jedoch zum Französischen große Differenzen und eine eigene schriftsprachliche Tradition aufweisen. Hierzu gehören das Okzitanische, das Katalanische, sowie das Korsische.

Hinzu kommen jene Sprachen, die mit dem Französischen strukturell nicht verwandt sind, da sie einer anderen Sprachfamilie angehören: „das vor-indoeuropäische Baskische, die keltische Sprache Bretonisch sowie Elsässisch-Lothringisch und Flämisch, die den germanischen Sprachen zuzurechnen sind“ (Willwer 2006: 99).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Handbuch Französisch: Sprache - Literatur - Kultur - Gesellschaft; für Studium, Lehre, Praxis. Berlin 2008

Die Minderheitensprachen Frankreichs wurden auf nähesprachliche Verwendungen zurückgedrängt (Weinhold 2008: 87).

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Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Sprachen und Dialekte in Frankreich
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Variétés du Français
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V120475
ISBN (eBook)
9783640248704
ISBN (Buch)
9783640248872
Dateigröße
570 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprachen, Dialekte, Frankreich, Variétés, Français
Arbeit zitieren
Anja Busch (Autor), 2008, Sprachen und Dialekte in Frankreich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120475

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