Um die Produktivität von Wortbildungsmustern in der Gegenwartssprache zu untersuchen, bediene ich mich zweier Fundamente, die im Laufe der Arbeit zueinander geführt werden sollen. Den ersten Teil dieser Arbeit soll eine theoretische Basis ausmachen, in der die verschiedenen Wortbildungsmuster kurz vorgestellt und Angaben zu ihrer Produktivität gemacht werden sollen. Auf abweichende Definitionen in der einschlägigen Fachliteratur soll dabei Bezug genommen werden, es kann jedoch aufgrund des Umfangs dieser Arbeit kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden. Aus demselben Grund finden einige seltene und unproduktive Wortbildungsmuster keine Erwähnung.
Die zweite Grundlage dieser Arbeit bildet eine Sammlung von Beispielwörtern, die im Rahmen der Vorbereitung zu dieser Arbeit zusammengetragen wurden. Diese Wortneubildungen entstammen der Gegenwartssprache, sie sind also nicht älter als 80 Jahre. Es finden sich sowohl alltägliche Gebrauchswörter als auch Wörter aus der Jugendsprache darunter. Um die Produktivität von Wortbildungsprozessen in der Gegenwartssprache darzustellen, sollen im zweiten Teil dieser Arbeit diese zuvor zusammengetragenen Wortneubildungen ihren Wortbildungsklassen zugeordnet und interessante Beispiele näher untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wortbildungsarten
2.1 Komposition
2.1.1 Determinativkomposition
2.1.2 Kopulativkomposition
2.2 Derivation
2.2.1 Explizite Derivation
2.2.1.1 Präfigierung
2.2.1.2 Suffigierung
2.2.1.3 Zirkumfixderivation
2.2.2 Implizite Derivation
3. Adjektivische Wortbildung
3.1 Determinative Adjektivkomposition
3.1.1 Determinative Substantiv-Adjektiv-Komposition
3.1.2 Determinative Adjektiv-Adjektiv-Komposition
3.1.3 Determinative Verb-Adjektiv-Komposition
3.2 Explizite Derivation von Adjektiven
3.2.1 Adjektivische Suffigierung
3.2.2 Adjektivische Präfigierung
3.2.3 Adjektivische Zirkumfigierung
3.3 Implizite Derivation von Adjektiven
3.4 Eigene Reflektionen über schwer zuordenbare Adjektivbildungen
3.4.1 Pfandpflichtig
3.4.2 Reproduktiv
3.4.3 Vorschulisch
3.4.4 Psycho und porno
3.4.5 Abgespaced
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Produktivität von Wortbildungsmustern im Bereich der adjektivischen Wortneubildungen in der deutschen Gegenwartssprache. Ziel ist es, verschiedene theoretische Wortbildungsmodelle anhand einer Sammlung zeitgenössischer Beispiele zu validieren und einzuordnen.
- Theoretische Grundlagen der Wortbildung (Komposition und Derivation)
- Analyse adjektivischer Wortbildungsarten
- Untersuchung von Okkasionalismen und Neologismen der Gegenwartssprache
- Reflexion schwer klassifizierbarer Adjektivbildungen (u.a. aus der Jugendsprache)
Auszug aus dem Buch
3.4.1 Pfandpflichtig
Obwohl *pflichtig in der Gegenwartssprache nicht frei als Wort vorkommt, habe ich pfandpflichtig in Anlehnung an Lohde (2006: 159ff) als Determinativkompositum und nicht etwa als Suffixderivat des Nomens Pfandpflicht eingeordnet. Dies kann man gut durch eine Paraphrasierung erklären, da pfandpflichtig mit „in der Pflicht sein, Pfand zu bezahlen“ paraphrasiert wird und nicht etwa mit: „Die Pfandpflicht betreffend“.
Dass pflichtig üblicherweise nicht frei vorkommt, kann auch damit begründet werden, dass es eine semantische Spezifizierung verlangt, ebenso wie verpflichtet. Analog zu der Form „zu Pfand verpflichtet“ könnte auch „zu Pfand pflichtig“ gebildet werden. Pfandpflichtig könnte demnach als Rektionskompositum betrachtet werden, da -pflichtig die erste UK regiert (vgl. Donalies 2007: 49f).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der theoretischen Basis zur Produktivität von Wortbildungsmustern sowie der methodischen Vorgehensweise anhand einer Sammlung von Beispielwörtern der Gegenwartssprache.
2. Wortbildungsarten: Erläuterung der allgemeinen Wortbildungskategorien Komposition und Derivation unter Bezugnahme auf die einschlägige Forschungsliteratur.
3. Adjektivische Wortbildung: Vertiefende Analyse der spezifisch adjektivischen Wortbildungsprozesse, unterteilt in Komposition, explizite sowie implizite Derivation.
4. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung der Produktivität der untersuchten Wortbildungsprozesse und Feststellung neuer Tendenzen in der aktuellen Sprachverwendung.
Schlüsselwörter
Adjektivische Wortbildung, Komposition, Derivation, Produktivität, Gegenwartssprache, Neologismen, Jugendsprache, Determinativkompositum, Suffix, Präfix, Konversion, Wortneubildung, Sprachwissenschaft, Linguistik, Wortbildungsarten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Produktivität von Wortbildungsprozessen speziell im Bereich der Adjektive innerhalb der deutschen Gegenwartssprache.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die theoretische Einordnung von Komposition und Derivation sowie deren praktische Anwendung auf moderne Wortneubildungen und Okkasionalismen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die theoretisch angenommenen Wortbildungsmodelle an konkreten Beispielen aus der Gegenwartssprache zu überprüfen und schwer einzuordnende Bildungen linguistisch zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptive linguistische Analyse verwendet, die theoretische Ansätze mit der Auswertung von Beispielen aus Neologismenwörterbüchern, Jugendsprache und Sprachkorpora (IDS) kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung der Wortbildungsarten und eine detaillierte Analyse der Adjektivbildung, gefolgt von einer fallbasierten Diskussion schwieriger Fälle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Adjektivische Wortbildung, Produktivität, Komposition, Derivation, Konversion und moderne Sprachneubildungen.
Wie klassifiziert die Autorin das Wort "pfandpflichtig"?
Sie ordnet es als Determinativkompositum (speziell Rektionskompositum) ein, da die Bedeutung sich auf den Vorgang der Pfandzahlung bezieht und nicht auf eine einfache Ableitung von "Pfandpflicht".
Welche Problematik wird bei Begriffen wie "psycho" oder "porno" diskutiert?
Die Problematik liegt darin, dass diese Einheiten in der Jugendsprache frei auftreten, während sie im Standarddeutschen primär als unfreie Konfixe fungieren, was auf eine implizite Derivation oder Konversion hindeutet.
- Arbeit zitieren
- Anja Busch (Autor:in), 2008, Die Produktivität adjektivischer Wortbildungsarten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120476