Japan im zeitlichen Wandel Politik und Geschichte der Meiji Restauration


Hausarbeit, 1998

18 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Einleitung

1. Meiji Isshin: Verlauf, Ursachen, Character

2. Erste Reformen zur Begründung eines modernen Staates (bis 1877)
2.1 Zentralisierung, Abschaffung der Han
2.2 Regierungsform und Kriegsführung

3. Aufstände, oppositionelle Bewegungen und ihre Auswirkungen

4. Die Meiji-Verfassung und die Entstehung des Kaiserreichs Japan
4.1 Oppositionelle Bewegungen
4.2 Die Entstehung der Verfassung

5. Außenpolitik, Imperialismus und Expansion

6. Innenpolitische Entwicklungen nach dem Krieg

7. Industrialisierung
7.1 Japans industrielle Lehrzeit: 1850 – 1870
7.2 Warum und wie konnte Japan zu einem modernen Industriestaat evolvieren?
7.3 1870 – 1930: „ Take - off “ - und Arbeitsbedingungen

Ausblick oder „Was danach kam...“

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Die Meiji-Zeit (1868-1912) ist eine der bemerkenswertesten Epochen in der Geschichte der Nationen. Unter Kaiser Meiji macht sich Japan daran, in nur wenigen Jahrzehnten das zu erreichen, für dessen Entwicklung der Westen Jahrhunderte gebraucht hat – die Schaffung eines modernen Staates mit modernen Industrien, modernen politischen Institutionen und einer modernen Gesellschaftsordnung“ (The International Society for Educational Information Inc., Japan von Heute, Tokyo 1989, S.11).

1. Meiji Isshin: Verlauf, Ursachen, Character

1867/68 findet die Tokugawa-Zeit nach langer Unzufriedenheit des Volkes und einer 700 –jährigen Periode der Shogunatsherrschaft und der Unterdrückung der kaiserlichen Macht in der Meiji Restauration ihr Ende. Der Kaiser zieht von Kyoto nach Tokyo, das die neue Hauptstadt Japans wird; seine Macht wird wiederhergestellt.. Die effektive Macht liegt aber zunächst in den Händen einer Gruppe von Adligen und ehemaligen Samurai.

Das neue Japan ist fest entschlossen, den Rückstand zu den westlichen Mächten auf den Sektoren Wirtschaft und Militär wettzumachen, drastische Reformen werden in fast allen Gebieten durchgeführt.

Die neue Regierung will aus Japan einen demokratischen Staat im westlichen Stil machen.

Die sozialen Abgrenzungen der Edo Periode werden allmählich abgebaut. Die Reformen beinhalten auch die Einführung von Menschenrechten, so wie die Religionsfreiheit, die 1873 ausgerufen wird. Die Feudalherren geben ihr Land an die Regierung ab, eine Neustrukturierung Japans folgt. Damit ist eine neue Regierungsform in Japan begründet und die Vormachtstellung des Kaisers nach langer Zeit wiederhergestellt.

2. Erste Reformen zur Begründung eines modernen Staates (bis 1877)

2.1 Zentralisierung und Abschaffung der han

Im November 1967 legt der ehemalige Shogun sein Amt nieder; im Januar des Folgejahres unterzeichnet der junge Kaiser Mutsuhito das „Restaurationsdekret“.

Die Gruppen des ehemaligen Shogun jedoch, wollen die Macht nicht so ohne weiteres abgeben. Die daraus resultierenden Kämpfe, die z.T. bürgerkriegsähnliche Ausmaße annahmen, gehen noch weit in das Jahr 1869 hinein. Erst, als die bisherige Residenzstadt (Edo) an die kaiserlichen Trupps fällt und eine Seitenlinie des Tokugawa-Geschlechtes besiegt ist, kapituliert schließlich auch der Rest der Shogunats-Truppen. (Vgl. Manfred Pohl, „Japan“, München 1992, S.81).

Bereits 1954 erzwingt eine amerikanische Flotte unter Commodore Matthew Perry (die sogenannten “Schwarzen Schiffe”, in Japan noch heute Symbol äußerer Bedrohung) die Öffnung von Vertragshäfen und damit die Aufnahme des Handelsverkehrs. Es folgt darauf eine Zeit, aus der die Großmächte mit vertraglich festgesetzten Vorteilen hervorgehen; das alte feudalistische Herrschaftssystem wird in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts von Wirtschafts- und Finanzkrisen geschüttelt. Inflation durch Münzverfälschungen (Kupfer statt Gold, Blei statt Silber), häufige Mißernten und drückende Steuerlasten, die Bauernauf-stände auslösten, kündigen das Ende der Tokugawa-Herrschaft an.

Es gibt in einzelnen Fürstentümern einige Reformen, von denen viele keine Wirkung zeigen. Jedoch gelingt es in den Fürstentümern Satsuma und Choshu, die Wirtschaft anzukurbeln, indem dort vermehrt mit bürgerlichen Kräften zusammengearbeitet und bürgerliche Methoden angewandt werden. Hier setzen sich die Liberalen des Kriegeradels durch. Eine starke Kontrolle und Bevormundung von Kaufleuten bleibt aber weiter bestehen. (Vgl. Mayer/Pohl, Länderbericht Japan, Mai 1994, S.59).

Schließlich bricht der Tokugawa-Staat unter der Bedrohung durch westliche Mächte und von innen unter dem Herrschaftsanspruch einer Gruppe junger, aufständischer Samurai aus den südwestlichen Lehnsgebieten des japanischen Reiches zusammen. Die Samurai haben schon Ende des 18. Jahrhunderts die technische Überlegenheit des Westens erfahren und erkannt, daß die Tokugawa-Regierung und das erstarrte Wirtschafts-bzw. Gesellschaftssystem nicht in der Lage sind, der ausländischen Bedrohung Herr zu werden, da eine große Lücke zwischen der alten Waffentechnik des Landes und der modernen Waffentechnik westlicher Mächte entstanden ist. Die jungen Samurai sind bereit, sich das Wissen und die Technik der westlichen Mächte anzueignen, um es schließlich gegen diese zu kehren. Gleichzeitig streben sie danach, die Herrschaft des Militärregenten zugunsten einer Wiederherstellung der kaiserlichen Macht zu brechen. Der Tenno soll in seine “ursprünglichen” politischen Rechte eingesetzt werden.

Überraschenderweise übertragen die Daimyo im Süden ihre Macht dem Kaiser, was eine wichtige Voraussetzung für das Programm der „neuen Ärä“ darstellt..

Im Jahre 1871 folgen schnelle wirtschaftliche und soziale Reformen: Freie Berufswahl, Abschaffung der Privilegien der Samurai-Klasse, Umwandlung von Grundsteuern von Natural- in Geldsteuern, Ersetzung der Lehen durch Verwaltungsbezirke und Aufhebung der Bindung der Bauern an Grund und Boden, Einführung der Staatspensionen zur Abfindung des Adels, Entstehen der Gewerbefreiheit und nicht zuletzt die Schaffung eines stehenden Heeres mit allgemeiner Wehrpflicht.

Zuvor werden alle für das Entstehen eines modernen Japan maßgebenden politischen Verhältnisse geschaffen, damit die Umwälzungsprozesse stattfinden können, die die moderne Wirtschafts- und Gesellschaftsentwicklung in Japan begründen und erst mit der Verfassung von 1889 enden. Es gilt, die alte Feudalstruktur zu überwinden. (Vgl. Mayer/Pohl, Länderbericht Japan, Mai 1994, S.59).

Im April 1868 wird die sogenannte Eidescharta verkündet. Darin werden die Grundlagen der neuen Politik dargelegt. Kurz darauf verbinden sich traditionelle Verwaltungselemente mit neuen Ideen und Gewaltenteilung, Kriegeradel und Kaufmannsgeschlechter verfolgen nun plötzlich dasselbe Ziel. Dadurch will man zu einer neuen Form der Regierung gelangen. Es formt sich ein Polizei-, Presse-, Rechts-, Post-, Eisenbahn-, Gesundheits- und Finanzwesen, wobei letzteres die Einführung des Yen nach dem amerikanischen Münzsystem und die Gründung der Bank von Japan nach sich zieht.

Das System hat sich bereits 1871 stabilisiert und bleibt bis zur neuen Kabinettsregierung 1885 im wesentlichen unverändert. Eigentlich Machtinhaber waren – verschiedenen Ratsgremien zum Trotz – der Kanzler, seine Minister und die Räte. Die Regierungsspitze bildete der Kaiser (Vgl. Manfred Pohl, „Japan“, München 1992, S.82).

Auf dieser nun existenten Grundlage der Klassenverbindungen und der neuen Regierung entsteht die neue, moderne Welt der Banken, der Industrie und des Handels. Das Ergebnis gezielten politischen Handelns zwischen 1868 und 1890 bildet den Grundstock einer eigenen Großindustrie.

Um die fast vollständig landwirtschaftliche Wirtschaft der Edo Periode in eine entwickelte, industrielle Wirtschaft zu wandeln, werden viele Leute ins Ausland geschickt, um die westlichen Wissenschaften und Sprachen zu erlernen. Viele ausländische Experten werden auch nach Japan geholt. Die Kommunikations- und Transportnetze werden hauptsächlich durch staatliche Investitionen verbessert.

Die wichtigsten Manufakturen und Firmen werden der Regierung unterstellt, sie unterstützt deren Entwicklung direkt durch Subventionen, und reorganisiert vor allem die großen, mächtigen Geschäftshäuser (Zaibutsu).

Hohe Ausgaben führen in den Achtziger Jahren zu einer Finanzkrise, welche von einer Währungsreform und der Gründung der Bank von Japan gefolgt wird.

Die Textilindustrie wächst am schnellsten und bleibt die größte japanische Industrie bis zum

2.Weltkrieg. Die Arbeitsbedingungen sind in den ersten Fabriken sehr schlecht, aber

entstehende sozialistische und liberale Bewegungen werden von der regierenden Clique (genro) bald unterdrückt. (Vgl. Mayer/Pohl, Länderbericht Japan, Mai 1994, S.59/60 ).

Den Veränderungen an der Regierungsspitze wird zunächst von den früherem Lehnsherren (Daimyo) kein großer Widerstand entgegengesetzt, da sie sich in ihrer Stellung nicht angegriffen fühlen. Jedoch erfolgen nach ersten Maßnahmen zur Durchsetzung einer einheitlichen Administration 1869 die Rückgabe der Lehnsrechte an den Kaiser, allen voran die Daimyate Satsuma, Choshu, Tosa und Hizen. Den anderen Lehnsherren bleibt nichts übrig als dem Beispiel der 4 großen zu folgen. Anstelle der vorherigen Lehnseinkünfte treten nun ordentliche Gehälter, die ehemaligen Lehnsherren haben als Gouverneure weiterhin die Verwaltung in ihren Händen.

Die völlige Abschaffung der Lehen, Entmachtung der Daimyo, Einführung neuer Verwaltungseinheiten und die Ernennung neuer Gouverneure erfolgt erst 1871. Ehemalige Daimyo-Familien müssen gleichzeitig gezwungenermaßen nach Tokyo übersiedeln, die ehemaligen Daimyo bekommen nun Pensionen in Höhe der bisherigen Gehälter, die Schulden der Daimyate werden erlassen. Damit ist die Entmachtung der Daimyo und die Zentralisierung des Staates vollzogen. Die neue Regierung besitzt nun Verfügungsgewalt über das ganze Land bis hin in unterste lokale Ebenen. Gleichzeitig ist ein fast einmalig in der Weltgeschichte vorkommender Prozeß abgeschlossen: Die Entmachtung und Enteignung der Angehörigen eines führenden Standes durch ihre eigenen Mitglieder. An die Stelle eines früheren dezentralen Feudalsystems ist ein zentralistisches Regierungssystem getreten.

(Vgl. Manfred Pohl, „Japan“, München 1992, S.82).

Das Schulsystem wird nach dem französischen und später deutschen System reformiert. Unter diesen Reformen ist die Einführung von obligatorischer Grundausbildung. Nach etwa ein bis zwei Jahrzehnten intensivster westlicher Modernisierung, findet ein Wiederaufleben von konservativen, nationalistischen Gefühlen statt: konfuzianistische und shintoistische Prinzipien, und das religiöse Verehren des Kaisers werden an den Schulen stärker betont.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Japan im zeitlichen Wandel Politik und Geschichte der Meiji Restauration
Hochschule
Hochschule Bremen  (Japanologie)
Veranstaltung
Japanische Landeskunde 2
Note
3,0
Autor
Jahr
1998
Seiten
18
Katalognummer
V12048
ISBN (eBook)
9783638180450
ISBN (Buch)
9783640462797
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Meiji Politik Geschichte
Arbeit zitieren
Sonja Wendel (Autor), 1998, Japan im zeitlichen Wandel Politik und Geschichte der Meiji Restauration, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12048

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