Folgen von Informationsasymmetrien für die Preisbildung an Finanzmärkten


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Formen der Informationsasymmetrie und opportunistischen Verhaltens
2.1. Vorvertragliche Informationsasymmetrie: Qualitätsunsicherheit und adverse Selektion
2.2. Nachvertragliche Informationsasymmetrie: Holdup und Moral Hazard

3. Theorien mit symmetrischer Informationsverteilung
3.1. Efficient Market Hypothesis
3.2. Neoklassische Finanzierungstheorie

4. Informationsasymmetrien an Finanzmärkten
4.1. Übergang zur Informationsökonomik
4.2. Adverse Selektion, Moral Hazard und Monitoring Costs
4.3. Lösungsansätze der ungleichen Informationsverteilung

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einführung

Die ersten Untersuchungen informationsasymmetrischer Phänomene haben Anfang der 1970er Jahre begonnen. Seit den 80er Jahre haben sie im finanziellen und mikroökonomischen Bereich Anwendung gefunden und Aufmerksamkeit vieler Forscher und Praktiker auf sich gezogen. Asymmetrische Information und ihre theoretische und praktische Begründung bildet heutzutage ein wichtiges Instrument für jeden Wirtschaftswissenschaftler. Dieses Phänomen hat einen erheblichen Einfluss auf wirtschaftliche und finanzielle Prozesse von Mikro- und Makroebene[1].

In dieser Arbeit soll festgestellt werden, welche Eigenschaften Informationsasymmetrie auf den Finanzmärkten aufweist, welchen Einfluss sie auf die Preisbildung hat, welche Nachteile sie mit sich bringt und ob es, mit Rücksicht auf dieses Phänomen, ein Gleichgewicht auf dem Markt gibt.

Im ersten Kapitel werden verschiedene Formen von Informationsasymmetrien und allgemeine, für alle Märkte typische Probleme dargestellt, die dadurch bedingt sind.

Im zweiten Kapitel werden die wichtigsten Gleichgewichtstheorien mit symmetrischer Informationsverteilung an den Finanzmärkten beschrieben, die ihrerseits eine Grundlage für Wertpapierbewertungstheorien bilden.

Im dritten Kapitel wird es auf die Schwächen der neoklassischen Gleichgewichtsmodelle sowie auf die Notwendigkeit des Übergangs zur Informationsökonomie hingewiesen. Es werden auch finanzmarkttypische informationsasymmetrische Probleme und deren Auswirkungen auf den Kredit- und Kapitalmarkt dargestellt. Abschließend werden einige Lösungsansätze der ungleichen Informationsverteilung betrachtet und eingeschätzt.

2. Formen der Informationsasymmetrie und opportunistischen Verhaltens

Asymmetrische Information bezeichnet den Zustand, in dem zwei Vertragsparteien bei Abschluss und/oder Erfüllung eines Vertrags nicht über dieselben Informationen verfügen. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen der vorvertraglichen und nachvertraglichen Informationsasymmetrie[2].

2.1. Vorvertragliche Informationsasymmetrie: Qualitätsunsicherheit und adverse Selektion

Vorvertragliche Informationsasymmetrie führt dazu, dass eine Vertragspartei, die besser informiert ist, der anderen nicht alle Informationen über sich selbst oder über das angebotene Gut mitteilt[3]. Daraus entstehen zwei Probleme: Qualitätsunsicherheit und adverse Selektion.

Bei der Qualitätsunsicherheit ist eine Partei unsicher über die Qualifikation und Fähigkeit der anderen oder über die Qualität der von ihr angebotenen Güter oder Leistungen. Diese Qualifikationen können nicht beeinflusst, gesteuert oder motiviert werden. Deshalb müssen entsprechende Vorentscheidungen getroffen werden. In dieser Situation kann die Partei zwischen mehreren Kandidaten wählen, die den erforderlichen Eigenschaften am besten entsprechen. Das Problem besteht also darin, Gute und Passende von Schlechten und Unpassenden zu sortieren. Dabei muss man mit Informationskosten und Kosten der möglichen falschen Entscheidung rechnen[4].

Ein weiteres Problem ist die adverse Selektion. Diesen Begriff hat der amerikanische Wirtschaftwissenschaftler George A. Akerlof (1970) in die Wirtschaft eingeführt. In seinem Artikel „The Market for Lemons: Quality Uncertainty and The Market Mechanism“ analysiert er einen Produktmarkt, wo die Verkäufer besser über die Produktqualität informiert sind als die Käufer. Akerlof stellt diese Situation am Beispiel eines Marktes für gebrauchte Autos dar. Es wird angenommen, dass diese Güter von zwei Qualitäten sind: hoch und niedrig. Entsprechend sind die Preise: der hohe Preis für hohe Qualität und der niedrige Preis für niedrige Qualität. Die Käufer können aber zum Zeitpunkt des Kaufes die Qualität nicht unterscheiden. Deshalb bieten einige Verkäufer schlechte Autos für hohe Preise an. Auf diese Weise schmelzen die Märkte für schlechte und gute Autos zusammen und es wird ein durchschnittlicher Preis für alle Güter festgelegt, der höher als der Preis für schlechte Autos und niedriger als für gute ist. Die Käufer sind bereit nur diesen Durchschnittspreis zu zahlen. Die Verkäufer bieten dafür entsprechend nur schlechte Autos an und gute verlassen den Markt[5].

Auf solchen Märkten stellt sich kein Informationsgleichgewicht ein, sondern es kommt zur adversen Selektion oder sogar zum Marktversagen. Wenn Marktteilnehmer mit unterschiedlichen Preisen und Qualitäten auch Ausweichmöglichkeiten haben, dann verlassen den Markt zuerst die Besten, während die Schlechten noch bleiben[6].

Dieses Phänomen kann auch an vielen anderen Märkten beobachtet werden. Die Auswirkungen an Finanzmärkten werden im dritten Kapitel dargestellt.

2.2. Nachvertragliche Informationsasymmetrie: Holdup und Moral Hazard

Nachvertragliche Informationsasymmetrie oder Opportunitätsverhalten entsteht, wenn das Verhalten der Parteien nicht ganz oder gar nicht beobachtbar ist, denn dann bleibt unklar, wem der Erfolg oder Misserfolg zuzurechnen ist[7].

Der Begriff „Holdup“ bedeutet Störung oder Überfall. Diese Form der Informationsasymmetrie kann auftreten, wenn eine Partei beim oder nach dem Vertragsabschluss viel mehr Investitionen getätigt hat als die andere, die Vereinbarungen aber von der anderen Partei nicht mehr anerkannt werden. Je höher die getätigten Investitionen (sunk costs) sind, desto stärker ist der Investor an den Vertragspartner gebunden[8].

Holdup kann aus drei Gründen entstehen[9]:

- Eine Partei hat noch vorher eine Entscheidung getroffen, ohne dies mit der anderen zu besprechen, mit der Annahme, dass der Vertragspartner diese Bedingungen akzeptiert.
- Die Parteien haben vereinbart zu kooperieren, es war aber unmöglich oder zu aufwendig beim Vertragsabschluss sämtliche Umweltentwicklungen abzustimmen. Deshalb mussten viele Aspekte unausgesprochen bleiben. Es kann auch sein, dass der Vertragspartner die Festlegungen einfach bricht.
- Gewisses Verhalten wird nur in Aussicht gestellt, ohne in einem juristischen Sinn festgelegt zu werden.

Das Problem besteht also darin, sich möglichst vom unfairen Opportunitätsverhalten des Vertragpartners zu schützen.

Der zweite Typ der Informationsasymmetrie ist der Moral Hazard. Genauso wie beim Holdup, hängt die Gegenleistung des Vertragspartners von seinem Verhalten ab, das aber nicht beobachtet werden kann. Unter dem Verhalten versteht man Fleiß, Anstrengung, Mühe, Sorgfalt. Dabei trägt eine Partei zwei Risiken: Verhaltensrisiko des Vertragspartners und exogenes Risiko. Entsprechend hängt die Qualität der Gegenleistung von diesen zwei Faktoren ab. Die Partei kann aber exogenes Risiko nicht beobachten. Deshalb ist es unmöglich Rückschlüsse auf das Verhalten des Vertragspartners zu schließen. Das Problem des Moral Hazard liegt darin, dass man zwischen dem exogenen Risiko und dem Verhaltensrisiko nicht unterscheiden kann und Bemühungen, Fleiß und Anstrengung der anderen Partei entsprechend unbekannt sind[10].

[...]


[1] Vgl. Bebczuk, R. (2003), S.1.

[2] Vgl. o.V. Gabler Wirtschaftslexikon (2000), S. 1518.

[3] Vgl. Sadowski, D. (2002), S .80.

[4] Vgl. Spremann, K. (1996), S. 698f.

[5] Vgl. o.V., The Royal Swedish Academy of Sciences (2001), online, S. 2ff.

[6] Vgl. Spremann, K. (1996), S. 699.

[7] Vgl. Sadowski, D. (2002), S.80.

[8] Vgl. ebenda, S. 80f.

[9] Vgl. Spremann, K. (1996), S. 700f.

[10] Vgl.ebenda, S. 702ff.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Folgen von Informationsasymmetrien für die Preisbildung an Finanzmärkten
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Geldpolitik und Finanzmärkte
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V120483
ISBN (eBook)
9783640242092
ISBN (Buch)
9783640245567
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Folgen, Informationsasymmetrien, Preisbildung, Finanzmärkten
Arbeit zitieren
Roman Romanko (Autor), 2008, Folgen von Informationsasymmetrien für die Preisbildung an Finanzmärkten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120483

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