Stevenson Hamilton nennt seinen Bericht über die Gründung des Kruger National Parks "South African Eden". Der Park ist heute sicher ein Paradies für Tiere, allerdings musste die Bevölkerung auf dem Gebiet des Kruger National Parks ihre Heimat unfreiwillig verlassen, um dieses Paradies entstehen zu lassen.
Es stellten sich mir die Fragen, wer waren diese Menschen, die entweder als "blutrünstige Barbaren", "teuflische, grausame Wilderer" oder als "couragierte, treue eingeborene Ranger" beschrieben werden? Wo kamen sie her, und wie sahen ihre sozialen und politischen Strukturen aus, und welches Schicksal erlitten sie, nachdem sie kein Platz mehr auf dem Land hatten, das so unangetastet sein sollte, wie der Gott es schuf? Als Quellen stehen einige zeitgenössische Beschreibungen der Völker des Gebietes von Lestrade und Warmelo zur Verfügung. Bei der Geschichte des Parkes werde ich mich in erster Linie auf den Gründer des Parkes Stevenson-Hamilton und seine Tochter Jane Carruthers, die viel zu dem Kruger National Park veröffentlicht hat, berufen. Die Veränderungen, die sich in der neueren Zeit für die Bevölkerung ergeben haben, und ihre Vertreibung aus dem Park werde ich anhand der Publikationen von Patrick Harries versuchen nachzuzeichnen.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Zur Terminologie
Die Quellen
Die Geschichte des Kruger National Parks
Die Bevölkerung des südlichen Afrikas
Die Bevölkerung auf dem Gebiet des Kruger National Parks
Die Venda-sprechenden Völker
Die Tsonga-sprechenden Völker
Das Schicksal der Bevölkerung
Nachwort
Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Vertreibung der lokalen Bevölkerung aus dem Gebiet des heutigen Kruger National Parks. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie die betroffenen Völker ihre sozialen und politischen Strukturen organisierten und welche Mechanismen der kolonialen Machtausübung sowie der rassistischen Ideologie zu ihrer erzwungenen Umsiedlung und Entfremdung von ihrem angestammten Lebensraum führten.
- Historische Entwicklung der Schutzgebietsverwaltung in Südafrika.
- Ethnographische Untersuchung der Venda- und Tsonga-sprechenden Bevölkerungsgruppen.
- Analyse der Auswirkungen kolonialer Klassifizierungen auf afrikanische Identitäten.
- Zusammenhang zwischen Naturschutzideologien und ökonomischen Interessen an Arbeitskräften.
- Fallstudie der Makulele-Gemeinschaft und ihres Vertreibungsschicksals.
Auszug aus dem Buch
Die Geschichte des Kruger National Parks
Schon in den 1860er Jahren gab es die ersten Gesetze in Transvaal, die die schwindende Ressource Wild zu erhalten helfen sollten. Ihr Ziel war es, die wirtschaftlich nutzbaren Tiere zu schonen. Die Raubtiere waren von diesem Schutz ausgeschlossen, da man ihnen die Schuld an dem Rückgang der gewaltigen Herden gab. Bis zum Ende des Jahrhunderts stellte die Verwaltung Tranvaals einige kleinere Gebiete unter Schutz, die zum Teil wieder aufgelöst wurden. Das Sabi Game Reserve im Süd-Westen Transvaals war das erste große Gebiet, das zum Wildschutzgebiet erklärt wurde. 1903 kam die Sabi Game Extension im Süden und im Norden das Singwitsi Game Reserve, dessen Land als wertlos eingestuft wurde, hinzu, was die Regierung nicht daran hinderte, die Auflösung des Park anzustreben, um dort Afrikaner anzusiedeln.
Auch im Südteil des Sabi plante das 'Ministerium für Eingeborenenangelegenheiten' 1923 ein 'Reservat' einzurichten. Abgesehen von einem kleinen Gebiet zwischen dem Letaba River und dem Selati River umfasste es 1903 schon fast das gesamte Gebiet des heutigen Parks. 1926 wurde diese Lücke zwischen dem Singwitsi und dem Letaba geschlossen und der Kruger National Park gegründet. Für die weiße Öffentlichkeit, den ansässigen Afrikanern war das Benutzen der öffentlichen Wege im Park verboten, wurde der Park, wenn auch in sehr bescheidenem Maß, 1927 geöffnet. Somit war der Erhalt des Parks gesichert.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Einführung in die Problematik der Vertreibung der Bevölkerung aus dem als "Paradies" bezeichneten Nationalpark und die Fragestellung der Arbeit.
Zur Terminologie: Erläuterung der Schwierigkeiten, adäquate und unbelastete Begriffe für afrikanische Gesellschaftsstrukturen in der deutschen Sprache zu finden.
Die Quellen: Kritische Reflexion über die europäische Prägung der historischen Berichte und die Herausforderung, die afrikanische Perspektive nachzuvollziehen.
Die Geschichte des Kruger National Parks: Darstellung der Entstehung des Parks als Schutzgebiet und der frühen administrativen Bemühungen zur Regulation von Landnutzung und Wildbestand.
Die Bevölkerung des südlichen Afrikas: Überblick über die historische Besiedlungsdynamik, von den San und Khoikhoi bis zur Expansion der Bantuvölker.
Die Bevölkerung auf dem Gebiet des Kruger National Parks: Analyse der Diskrepanzen in zeitgenössischen Aufzeichnungen über die im Park ansässigen ethnischen Gruppen.
Die Venda-sprechenden Völker: Beschreibung der sozialen Organisation, der politischen Hierarchien und der kulturellen Besonderheiten der Venda.
Die Tsonga-sprechenden Völker: Untersuchung der Identitätsbildung der Tsonga-Gruppen und wie diese durch Missionare und koloniale Verwaltung maßgeblich mitgeformt wurde.
Das Schicksal der Bevölkerung: Detaillierte Betrachtung der erzwungenen Umsiedlung, insbesondere am Beispiel der Makulele, sowie die ideologischen Rechtfertigungen durch den Staat.
Nachwort: Zusammenfassung der methodischen Grenzen der Arbeit und der Schwierigkeit, authentische afrikanische Stimmen aus den Quellen zu rekonstruieren.
Bibliographie: Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Literatur und Quellen.
Schlüsselwörter
Kruger National Park, Vertreibung, Umsiedlung, Kolonialgeschichte, Südafrika, Venda, Tsonga, Makulele, Landnutzung, Nationalismus, Bantustan, Wildschutz, Identität, Stevenson-Hamilton, Soziale Struktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Vertreibung der lokalen Bevölkerung aus dem Gebiet des heutigen Kruger National Parks in Südafrika.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind koloniale Naturschutzpolitik, ethnographische Beschreibungen afrikanischer Völkergruppen und die Auswirkungen rassistischer Ideologien auf die Lebensgrundlagen der schwarzen Bevölkerung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die sozialen Auswirkungen der Parkgründung und Umsiedlung für die betroffenen Menschen nachzuzeichnen, da diese Perspektive in der klassischen Park-Historiographie oft unterrepräsentiert ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die primär zeitgenössische Quellen sowie neuere historiographische Publikationen auswertet und kritisch gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Entstehungsgeschichte des Parks, detaillierte ethnographische Profile der Venda- und Tsonga-Gruppen sowie die systematische Verdrängung dieser Bevölkerungsgruppen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kruger National Park, Kolonialgeschichte, Vertreibung, Identität und Landnutzung.
Wer war die Schlüsselfigur in der Verwaltung des Parks?
Stevenson-Hamilton war der langjährige Leiter des Parks, dessen rigide Methoden und Sichtweisen auf die lokale Bevölkerung die Umsiedlung maßgeblich beeinflussten.
Welche Rolle spielten die Makulele in dieser Untersuchung?
Die Makulele dienen als konkretes Fallbeispiel für eine gewaltsame Umsiedlung, deren Schicksal durch die Interessen von Politik, Naturschutz und landwirtschaftlicher Nutzung bestimmt wurde.
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- Sascha Wisotzki (Author), 1999, Die Vertreibung aus dem Paradies, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120535