Mit dem Voranschritt der Liberalisierung des Welthandels wachsen die nationalen und regionalen Kapitalmärkte immer weiter zusammen und erfordern damit eine weltweit vergleichbare Rechnungslegung. Mit der International Accounting Standards (IAS) Verordnung Nr. 1606/2002 hat die Europäische Union (EU) einen Meilenstein in der Bilanzierung innerhalb der EU-Grenzen gesetzt. Demnach müssen kapitalmarktorientierte EU-Mutterunternehmen seit dem 01.01.2005 bzw. 01.01.2007 den konsolidierten Abschluss zwingend nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) erstellen. Mit der IAS-Verordnung sollte eine länderübergreifende vergleichbare Transparenz der Jahresabschlüsse gewährleistet werden. Der aus diesem Grund entstandene Druck, insbesondere auf größere mittelständische Unternehmen, nach internationalen Rechnungslegungsstandards bilanzieren zu müssen, soll durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) gemindert werden. Des Weiteren soll das BilMoG eine Weiterentwicklung des bestehenden HGB darstellen. Dies wird sich nachhaltig auf die gesamte Bilanzierungspraxis auswirken.
Nach langen Vorarbeiten wurde Ende 2007 endlich der Referentenentwurf des BilMoG durch das Bundesministerium der Justiz (BMJ) publiziert. Der Beschluss durch die Bundesregierung erfolgte am 21.05.2008. Das Reformvorhaben hat das Ziel, „das bewährte HGB-Bilanzrecht zu einer dauerhaften und im Verhältnis zu den internationalen Rechnungslegungsstandards vollwertigen, aber kostengünstigeren und einfacheren Alternative weiter zu entwickeln“. Implizit umfasst das BilMoG besonders die beiden folgenden Eckpunkte:
- Für kleine und mittlere Unternehmen sollen die Buchführungs- und Bilanzierungspflichten dereguliert und somit Kosten gesenkt werden.
- Des Weiteren soll die Aussagekraft des handelsrechtlichen Jahresabschlusses verbessert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wirtschaftliche Bilanzsicht
3. Abschaffung von Ansatz- und Bewertungswahlrechten
3.1. Verbot außerplanmäßiger Abschreibung
3.2. Anhebung der Wertuntergrenze für Herstellungskosten
3.3. Änderung beim Geschäfts- und Firmenwert
3.4. Latente Steuern
4. Neue Ansatz- und Bewertungswahlrechte
4.1. Aktivierung von selbsterstellten immateriellen Vermögenswerten
4.2. Erneuerte Bewertungsvorschriften für Rückstellungen
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die wesentlichen Auswirkungen des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) auf die Bilanzanalyse, insbesondere durch die Angleichung an internationale Rechnungslegungsstandards (IFRS) und die daraus resultierenden Veränderungen der Bilanzkennzahlen sowie der Bilanzpolitik.
- Analyse der wirtschaftlichen Bilanzsicht unter Berücksichtigung von Leasingverträgen.
- Untersuchung der Folgen der Abschaffung von Ansatz- und Bewertungswahlrechten.
- Bewertung der neuen Ansatz- und Bewertungswahlrechte bei immateriellen Vermögenswerten.
- Kritische Würdigung der neuen Bewertungsvorschriften für Rückstellungen.
- Einfluss der Gesetzesänderungen auf die Vergleichbarkeit von Bilanzkennzahlen.
Auszug aus dem Buch
3.1. Verbot außerplanmäßiger Abschreibung
Außerplanmäßige Abschreibungen auf das Anlagevermögen sollen nur noch dann zulässig sein, wenn eine voraussichtlich dauernde Wertminderung vorliegt; fallen die Gründe für die außerplanmäßige Abschreibung zu einem späteren Zeitpunkt weg, so besteht ein Wertaufholungsgebot mit Ausnahme des Geschäfts- bzw. Firmenwertes. Das derzeitige noch gültige Abschreibungswahlrecht (sog. gemilderte Niederstwertprinzip), den am Bilanzstichtag beizulegenden Wert anzusetzen, entfällt damit. Eine Ausnahmestellung haben aber weiterhin die Finanzanlagen. Des Weiteren wird durch die Abschaffung der Abschreibung im Rahmen vernünftiger kaufmännischer Beurteilung eine Möglichkeit der Bildung stiller Rücklagen beseitigt.
In der Bilanzpolitik wird die außerplanmäßige Abschreibung gerne als taktisches Instrument benutzt, insbesondere zum Legen stiller Reserven. Deshalb wird mit dem Wegfall des gemilderten Niederstwertprinzips die Vergleichbarkeit der Periodenergebnisse erhöht. Folglich entfallen die Auswirkungen der außerplanmäßigen Ab- und Zuschreibung auf den Jahresüberschuss bzw. Jahresfehlbetrag, EBIT und Eigenkapital sowie das Anlagevermögen. Die stärkere Begrenzung der außerplanmäßigen Abschreibungen wirkt sich auch auf die Kennzahl Abschreibungsquote aus. Die Abschreibungsquote dient der Erkennung, inwieweit durch den Einsatz von planmäßigen und außerplanmäßigen Abschreibungen stille Reserven zu Lasten des Gewinns gebildet bzw. zu Gunsten des Gewinns aufgelöst wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert die Beweggründe für die Einführung des BilMoG, insbesondere das Ziel, das deutsche HGB-Bilanzrecht an internationale Standards anzupassen und die Transparenz zu erhöhen.
2. Wirtschaftliche Bilanzsicht: Dieses Kapitel behandelt den Paradigmenwechsel hin zur wirtschaftlichen Betrachtungsweise, die insbesondere bei Leasingverträgen Auswirkungen auf die Bilanzierung hat.
3. Abschaffung von Ansatz- und Bewertungswahlrechten: Hier werden die Einschränkungen von Wahlrechten, wie das Verbot außerplanmäßiger Abschreibungen oder Änderungen beim Geschäfts- und Firmenwert, und deren Einfluss auf die Bilanzanalyse thematisiert.
4. Neue Ansatz- und Bewertungswahlrechte: Das Kapitel befasst sich mit der Aktivierung von selbsterstellten immateriellen Vermögenswerten sowie neuen Bewertungsvorschriften für Rückstellungen im Kontext der IFRS-Angleichung.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Auswirkungen der Reform auf die Bilanzanalyse zusammen und gibt einen Ausblick auf die zu erwartenden Herausforderungen bei der Analyse von Jahresabschlüssen.
Schlüsselwörter
BilMoG, HGB, Bilanzanalyse, IFRS, Bilanzpolitik, Ansatzwahlrechte, Bewertungswahlrechte, Leasing, Aktivierungspflicht, Rückstellungen, Eigenkapitalquote, Jahresabschluss, Bilanzkennzahlen, Geschäfts- und Firmenwert, latente Steuern.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den wesentlichen Änderungen des HGB durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) und deren Auswirkungen auf die Arbeit von Bilanzanalysten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die wirtschaftliche Bilanzsicht, die Abschaffung und Einführung von Bilanzierungs- und Bewertungswahlrechten sowie die Konsequenzen für die Analyse von Bilanzkennzahlen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das BilMoG die Bilanzierungspraxis verändert und welche Herausforderungen und Gestaltungsmöglichkeiten sich daraus für die Bilanzanalyse ergeben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung des Gesetzentwurfs des BilMoG, um die Auswirkungen auf die Rechnungslegung zu deduzieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bereiche der wirtschaftlichen Bilanzsicht, die Abschaffung alter sowie die Einführung neuer Wahlrechte im Bereich der Bilanzierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen BilMoG, HGB, Bilanzanalyse, IFRS, Bilanzpolitik, Wahlrechte und Kennzahlenanalyse.
Wie wirkt sich das BilMoG auf Leasingverträge aus?
Durch die künftige Bilanzierung des wirtschaftlichen Eigentums beim Leasingnehmer fallen Instrumente der off-balance-Finanzierung weg, was zu einer Bilanzverlängerung führt.
Warum wird die Aktivierung selbsterstellter immaterieller Vermögenswerte kritisch betrachtet?
Obwohl sie den IFRS entspricht, bringt die Aktivierung subjektive Ermessensspielräume mit sich, die für externe Analysten schwer prüfbar sind und eine Bilanzpolitik zur Ergebnisschönung ermöglichen.
Welche Rolle spielen latente Steuern nach dem BilMoG?
Durch die Umstellung auf ein bilanzorientiertes Konzept (Temporary-Konzept) gewinnen latente Steuern an Bedeutung, was direkte Anpassungen des Eigenkapitals in der Bilanzanalyse erfordert.
- Quote paper
- Stefan Gockeln (Author), 2008, Bilanzanalyse. Wesentliche Unterschiede zwischen dem BilMoG und dem HGB, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120563