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Die Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund in NRW

Title: Die Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund in NRW

Master's Thesis , 2008 , 99 Pages , Grade: 1,8

Autor:in: Britta Wertenbruch (Author)

Pedagogy - School System, Educational and School Politics
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Seit Mitte der 1950er Jahre entwickelte sich Deutschland, deutlich zu einem Einwanderungland. Migration wurde zunächst jedoch nur als vorübergehende Phase angesehen. Im Laufe der Jahre hat sich jedoch herausgestellt, dass die ehemaligen Gastarbeiter mit ihren Familien langfristig in Deutschland bleiben und die Integration der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine wichtige und dauerhafte Aufgabe der Schule werden würde. Die spezifischen Probleme, die dem Bildungssystem aus der Migration erwachsen, traten in der Bundesrepublik erst spät – durch die Studie des Programms for International Student Assessment (kurz: PISA) – in den Fokus der Bildungspolitik. Die schlechten Ergebnisse der PISA-Studie dürfen als Indiz dafür gelten, dass es der deutschen Schule in den letzten drei Jahrzehnten nicht gelungen ist, auf die Migration in Deutschland in einer Weise zu reagieren, die den SuS mit Migrationshintergrund eine angemessene Bildungsbeteiligung und –erfolg ermöglicht hätte. Dabei war und ist das Prinzip der Chancengleichheit zweifellos ein Grundsatz für die Gestaltung des deutschen Bildungssystems. Diese Prämisse wird nicht zuletzt durch Artikel 3, Absatz 3, des Grundgesetzes inhaltlich vorgegeben:
„Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“
Dass das deutsche Schulsystem Kinder und Jugendliche nicht gleichbehandelt stellte auch UN-Sonderberichterstatter VERNOR MUÑOZ in seinem BERICHT FÜR DAS RECHT AUF BILDUNG IN DEUTSCHLAND fest. Dieser inspizierte im Auftrag der Vereinten Nationen im Feburar 2006 – sechs Jahre nach dem ersten PISA-Schock – das deutsche Schulsystem und präsentierte im März 2007 seinen ernüchternden Deutschlandbericht. Dieser charakterisiert das deutsche Schulsystem wie folgt:
„Selektiv, diskriminierend, undemokratisch – das deutsche Schulsystem bietet nicht allen Kindern die gleichen Chancen. […] und das Recht auf Bildung wird nicht überall ausreichend umgesetzt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Bildungsbeteiligung und der Bildungserfolg von Schülern mit Migrationshintergrund im nordrhein-westfälischen Schulwesen

2.1 Der Elementarbereich

2.2 Der Primarbereich

2.3 Der Sekundarbereich I

3 Determinanten für die Benachteiligung von Schülern mit Migrationshintergrund

3.1 Die kulturell-defizitäre Erklärung

3.2 Die humankapitaltheoretische Erklärung

3.3 Die Erklärung durch strukturelle Defizite des deutschen Schul-systems

3.4 Die Erklärung durch institutionelle Diskriminierung

3.5 Die Bedeutung von Sprachkenntnissen für den Schulerfolg

4 Politische Reaktionen zur Bildungssituation von Migranten

4.1 Interventionsvorschläge der Kultusministerkonferenz

4.2 »Aktionsplan Integration« der Landesregierung NRW

5 Interventionen und Fördermaßnahmen zur Verringerung der Bildungsbenachteiligung von Schülern mit Migrationshintergrund in NRW

5.1 »RUCKSACK«-Projekt der RAA

5.1.1 Durchführung am Beispiel der RAA Herne

5.1.2 Analyse

5.2 FÖRMIG-NRW

5.2.1 Durchführung am Beispiel der Grundschule An der Michaelstraße in Herne

5.2.2 Analyse

5.3 Das Projekt »Förderunterricht für Kinder und Jugendliche ausländischer Herkunft« der Stiftung Mercator

5.3.1 Durchführung am Beispiel des Standorts Essen

5.3.2 Analyse

6 Resümee

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Bildungsbenachteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund im nordrhein-westfälischen Schulwesen. Dabei wird analysiert, welche strukturellen und kulturellen Faktoren diese Benachteiligung begründen und welche politischen sowie pädagogischen Interventionsmaßnahmen zur Verbesserung der Bildungschancen auf Landes- und Bundesebene ergriffen werden.

  • Analyse der Bildungsbeteiligung von Migrantenkindern vom Elementar- bis zum Sekundarbereich.
  • Untersuchung von Erklärungsansätzen für Bildungsungleichheit (z. B. kulturelle Defizite, Humankapitaltheorie, institutionelle Diskriminierung).
  • Bewertung politischer Strategien zur Förderung der deutschen Sprache und zur Chancengleichheit.
  • Fallbeispiele für Förderprojekte (RUCKSACK, FÖRMIG, Förderunterricht der Stiftung Mercator).
  • Bedeutung der elterlichen Mitwirkung und der Durchgängigkeit von Sprachförderung.

Auszug aus dem Buch

3.1 Die kulturell-defizitäre Erklärung

Die kulturell-defizitären Erklärungen gehen davon aus, dass Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund aufgrund ihres kulturellen Erbes im Bildungssystem benachteiligt sind. Migrantenkinder so die Annahme weisen Defizite bezüglich dessen auf, was als »Normalausstattung« an Verhaltensweisen, Kenntnissen und Fähigkeiten vorausgesetzt wird, um die Institutionen der Bildung erfolgreich zu durchlaufen. Worin diese Defizite genau bestehen, unterscheidet sich von Autor zu Autor.

THRÄNHARDT fokussiert in seiner Forschung die konsistenten Unterschiede nach nationaler Herkunft und begründete diese beispielsweise mit dem unterschiedlichen Verhalten der Eltern. MuM spanischer und griechischer Abstammung haben, seiner Auffassung nach, schon frühzeitig Eigeninitiative hinsichtlich des Schulbesuchs ihrer Kinder gezeigt und sich in Vereinen organisiert. Derartige Integrationsleistungen wurden von türkischen und italienischen MuM nicht vollbracht, obwohl diese von allen Migrantengruppen am längsten in Deutschland leben.

Die geringe Bereitschaft bei türkischen Einwanderern, sich in die Aufnahmegesellschaft zu integrieren, könne, so BAUMERT, mit der gesellschaftlichen Stellung der Mehrzahl der türkischen MuM als Ausländer und der damit verbundenen Bleibeperspektive zusammenhängen. Die geringe Verwendung der deutschen Sprache kann darin begründet werden, dass vor allem türkische MuM häufig in ethnisch-segmentierten Gemeinden leben, in denen die Umgangssprache türkisch ist und somit keine Notwendigkeit besteht, die deutsche Sprache zu erlernen bzw. anzuwenden. DIEFENBACH verweist hier auf LEENEN, WOLF, GROSCH und KREIDT, welche herausfanden, dass türkische MuM eine traditionelle Haltung gegenüber dem Lernen und der Schule vertreten, in der die absolute Autorität des Lehrers in allen Fragen des schulischen Erfolges des Kindes selbstverständlich sei. Dieser Haltung steht die moderne individualistische Ansicht zum Wissen gegenüber und führt bei den türkischen Migranteneltern zu Misstrauen und Skepsis gegenüber dem deutschen Schulsystem.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Darstellung der historischen Entwicklung Deutschlands zum Einwanderungsland und die daraus resultierende bildungspolitische Relevanz der Integration von Kindern mit Migrationshintergrund.

2 Die Bildungsbeteiligung und der Bildungserfolg von Schülern mit Migrationshintergrund im nordrhein-westfälischen Schulwesen: Analyse der Bildungsverläufe vom Kindergarten bis zum Sekundarbereich, wobei die Benachteiligung in Abhängigkeit von sozialer Herkunft und Migrationsstatus verdeutlicht wird.

3 Determinanten für die Benachteiligung von Schülern mit Migrationshintergrund: Theoretische Auseinandersetzung mit verschiedenen Ursachenmodellen wie kulturellen Defiziten, Humankapitaltheorien sowie strukturellen Defiziten und institutioneller Diskriminierung im deutschen Schulsystem.

4 Politische Reaktionen zur Bildungssituation von Migranten: Überblick über die bildungspolitischen Strategien der KMK und spezifische Maßnahmen der Landesregierung NRW zur Verbesserung der Sprachförderung und Bildungschancen.

5 Interventionen und Fördermaßnahmen zur Verringerung der Bildungsbenachteiligung von Schülern mit Migrationshintergrund in NRW: Vorstellung und Analyse dreier konkreter Förderkonzepte (RUCKSACK, FÖRMIG, Förderunterricht) inklusive ihrer Durchführung und Wirkungsweise.

6 Resümee: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Forderung nach kontinuierlicher Evaluation und struktureller Veränderung des Bildungssystems zur nachhaltigen Verbesserung der Integrationschancen.

Schlüsselwörter

Migrationshintergrund, Bildungschancen, NRW, Sprachförderung, RUCKSACK, FÖRMIG, Bildungsbenachteiligung, Integration, Humankapital, institutionelle Diskriminierung, Schulerfolg, Mehrsprachigkeit, Sekundarstufe, Elementarbereich, Schullaufbahn.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der Situation von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund im Bildungssystem von Nordrhein-Westfalen und beleuchtet die Ursachen für deren Bildungsbenachteiligung.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schulerfolg, die Rolle der Sprachkenntnisse sowie die Bedeutung von Bildungsbiografien und institutionellen Faktoren.

Welches primäre Ziel verfolgt die Masterarbeit?

Ziel ist es, die Gründe für die ungleiche Verteilung des Bildungserfolgs aufzuzeigen und zu untersuchen, wie gezielte Fördermaßnahmen diesen Diskrepanzen entgegenwirken können.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?

Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse, den Vergleich aktueller empirischer Studien (wie PISA und IGLU) sowie die qualitative und deskriptive Untersuchung ausgewählter Förderprojekte in NRW.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Analyse der Ursachen von Bildungsungleichheit sowie die detaillierte Vorstellung und Evaluation von Förderprogrammen wie dem RUCKSACK-Projekt, FÖRMIG und dem Förderunterricht der Stiftung Mercator.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?

Besonders prägend sind Begriffe wie Bildungsbenachteiligung, Migrationshintergrund, Sprachkompetenz, institutionelle Diskriminierung und Humankapital.

Welche Rolle spielt die Mehrsprachigkeit bei den Förderprojekten?

Die Projekte, wie etwa das RUCKSACK-Projekt, betrachten Mehrsprachigkeit als Ressource und fördern die Muttersprache als notwendiges Fundament für den Erwerb der deutschen Sprache.

Warum ist der Übergang von der Grundschule in die Sekundarstufe I so kritisch?

Der Übergang stellt eine zentrale Weichenstellung dar, bei der aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse und unzureichender Förderung häufiger niedrigere Schulformen empfohlen werden, was die weitere Bildungsbiografie negativ beeinflussen kann.

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Details

Title
Die Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund in NRW
College
Ruhr-University of Bochum  (Pädagogisches Institut )
Grade
1,8
Author
Britta Wertenbruch (Author)
Publication Year
2008
Pages
99
Catalog Number
V120568
ISBN (eBook)
9783640239801
ISBN (Book)
9783640239917
Language
German
Tags
Förderung Schülerinnen Schülern Migrationshintergrund
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Britta Wertenbruch (Author), 2008, Die Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund in NRW, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120568
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