Diese Arbeit gibt einen Überblick über E-Procurement und dessen Ausprägungen, sowie Möglichkeiten zur Ermittlung potentieller Beschaffungsgüter. Darüberhinaus werden die technischen Standards erläutert und ein Ausblick über die Zukunft und Trends des E-Procurement in der Praxis gegeben. Bedingt durch die Globalisierung und dem dadurch anhaltend zunehmenden Konkurrenzdruck wird es für Unternehmen immer schwerer ihre Güter auf dem Absatzmarkt zu konkurrenzfähigen Preisen anbieten zu können. Um preislich attraktiv, unterdessen aber trotzdem profitabel zu bleiben, wird nach Kostensenkungspotentialen innerhalb aller Unternehmensbereiche gesucht. Dabei sind die Einsparpotentiale von Produktion und Vertrieb jedoch meist ausgereizt, wodurch der Einkauf als Kostenreduktionshebel mit großem Potential verbleibt. Getreu dem kaufmännischen Motto ‚Der Gewinn liegt im Einkauf‘ wurde Ende der 1990er Jahre im Rahmen des Internet-Booms die Beschaffung über das Internet als die Lösung zur Reduktion von Prozess- und Transaktionskosten, Einstandspreisen sowie zur Prozessvereinfachung angesehen. Außerdem sollte dies den Einkäufern die Möglichkeit verschaffen, sich statt mit zeitaufwändigen Sachbearbeitungs-Tätigkeiten aufzuhalten, wieder mehr den strategischen, wertschöpfenden Beschaffungsaufgaben widmen zu können. Jedoch kam für eine Vielzahl der Unternehmen die Ernüchterung sehr schnell. Für das Scheitern des E-Procurement dieser Unternehmen wurden vor allem Kompatibilitätsprobleme der Systeme und ein Misserfolg vieler elektronischer Marktplätze mangels Masse an Lieferanten ausgemacht. Auf der anderen Seite der Medaille gibt es aber auch Erfolgsmeldungen zu Hauf, z.B. spart der Konzernriese General Electric eigenen Angaben zufolge jährlich 600 Mio. USD durch die elektronische Beschaffung von 30 Prozent des Einkaufsvolumens, Daimler Chrysler hat durch den E-Procurement-Einsatz die Durchlaufzeiten im Einkauf um 80 Prozent reduziert und SAP senkte die Prozesskosten pro Beschaffungsvorgang von 166 Euro auf 29,60 Euro. Der Nutzen des E-Procurement ist dabei sowohl von operativer als auch strategischer Art. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition E-Procurement
3 Ziele des E-Procurement
4 Klassischer Beschaffungsprozess
4.1 Strategischer Beschaffungsprozess
4.2 Operativer Beschaffungsprozess
5 Potentielle Beschaffungsgüter
5.1 Beschaffungsstrategien nach der ABC-, XYZ- Klassifizierung
5.2 Beschaffungsstrategien nach dem Kraljic-Modell
6 Ausprägungen des E-Procurement
6.1 E-Ordering
6.1.1 Buy-Side
6.1.2 Sell-Side
6.1.3 Katalogbasierte Marktplätze
6.2 E-Sourcing
6.2.1 E-Ausschreibungen
6.2.2 E-Beschaffungsauktionen
6.2.3 E-Collaboration
7 Standards für E-Procurement
7.1 Netzwerke
7.2 Electronic Data Interchange (EDI)
7.3 Web-EDI
7.4 Extensible Markup Language (XML)
7.5 EDI-XML
8 Entwicklungen und Trends
9 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit gibt einen umfassenden Überblick über das E-Procurement, analysiert dessen verschiedene Ausprägungen sowie mögliche Beschaffungsobjekte und beleuchtet technische Standards sowie aktuelle Trends in der Unternehmenspraxis.
- Grundlagen und Definitionen des E-Procurement
- Klassifizierung von Beschaffungsgütern mittels ABC/XYZ- und Kraljic-Modell
- Instrumente der operativen (E-Ordering) und strategischen Beschaffung (E-Sourcing)
- Technische Standards für den elektronischen Datenaustausch
- Empfehlungen für die erfolgreiche Implementierung in der Praxis
Auszug aus dem Buch
6.2.2 E-Beschaffungsauktionen
Eine Online-Einkaufsauktion ist eine auf einer Internet-Plattform basierende Marktveranstaltung, auf der die Lieferanten ihre Gebote abgeben bzw. diese im Auktionsverlauf anpassen. Dabei gilt es zu beachten, dass die Auktion auf das Preiskriterium begrenzt ist, weswegen alle anderen Kriterien wie z.B. Beschaffenheit des Gutes, Qualität, Logistik, etc. vorher abgeklärt werden müssen. Die im Einkauf verwendete Auktionsform wird als „Reverse Auction“ bezeichnet, da sie im Gegensatz zur klassischen Auktion, bei der die Bieter jeweils einen höheren Preis bieten müssen, gegensätzlich funktioniert - die Lieferanten unterbieten sich dabei mit ihren Geboten. Weltweit werden Auktionen sehr unterschiedlich durchgeführt, weswegen an dieser Stelle ein Überblick über die wichtigsten Auktionsarten gegeben werden soll.
Englische Auktion: Dies ist der am Häufigsten verwendete Auktionsmechanismus. Der Einkäufer (Auktionator) gibt sowohl einen Höchstpreis als auch einen Mindestverminderungssatz vor, um den die Gebote das aktuelle Gebot mindestens unterschreiten müssen. Der Lieferant, der das letzte Gebot abgegeben hat, auf das kein weiteres, niedrigeres Gebot eines Konkurrenten mehr folgt, gewinnt die Auktion.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt den wachsenden Konkurrenzdruck und die Bedeutung des Einkaufs als Hebel zur Kostenreduktion sowie die historische Entwicklung und Etablierung des E-Procurement.
2 Definition E-Procurement: Definiert E-Procurement als elektronische Unterstützung beschaffungsbezogener Aktivitäten und ordnet es als Teilkomponente des E-Business ein.
3 Ziele des E-Procurement: Erläutert die Zielsetzungen wie die Verringerung von Routinearbeiten, Beschaffung innerhalb verhandelter Kontrakte, Zeit- und Kostenreduktion sowie eine verbesserte Zusammenarbeit mit Lieferanten.
4 Klassischer Beschaffungsprozess: Unterscheidet idealtypisch zwischen dem strategischen Prozess (Rahmenverträge, Lieferantenauswahl) und dem operativen Prozess (Vertragsabwicklung, Warenverfügbarkeit).
5 Potentielle Beschaffungsgüter: Diskutiert Methoden zur Bestimmung geeigneter Beschaffungsobjekte mittels ABC/XYZ-Klassifizierung und dem Kraljic-Modell.
6 Ausprägungen des E-Procurement: Unterteilt E-Procurement in operative Lösungen (E-Ordering wie Buy-Side, Sell-Side, Marktplätze) und strategische Lösungen (E-Sourcing wie Ausschreibungen, Auktionen, E-Collaboration).
7 Standards für E-Procurement: Beschreibt die notwendigen Infrastrukturen wie Netzwerke (Internet, VPN) und Datenstandards (EDI, Web-EDI, XML) für den elektronischen Datenaustausch.
8 Entwicklungen und Trends: Analysiert den aktuellen Status der E-Procurement-Nutzung in Unternehmen und beleuchtet Trends sowie die Auswirkungen auf Prozesskosten und Beschaffungszeiten.
9 Fazit: Führt aus, dass eine Einführung von E-Procurement wohl überlegt, analytisch fundiert und sequentiell geplant sein sollte, um das enorme Einsparpotential zu nutzen und Risiken zu minimieren.
Schlüsselwörter
E-Procurement, Einkauf, Beschaffung, E-Ordering, E-Sourcing, E-Collaboration, E-Auktionen, Prozesskosten, Beschaffungsstrategien, Kraljic-Modell, EDI, XML, Supply-Chain, Kostensenkung, Automatisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen Überblick über das Thema E-Procurement, beleuchtet dessen strategische und operative Ausprägungen und analysiert die technischen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Implementierung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition und den Zielen von E-Procurement, der Klassifizierung von Beschaffungsgütern, der Unterscheidung von E-Ordering und E-Sourcing sowie der Darstellung technischer Standards.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein Verständnis für das Erfolgspotential von E-Procurement zu schaffen und aufzuzeigen, wie Unternehmen den Einstieg und die Implementierung strategisch sinnvoll gestalten können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine literaturbasierte Analyse durch und kombiniert diese mit betriebswirtschaftlichen Modellen (wie dem Kraljic-Modell) sowie aktuellen Umfragedaten und Branchenbeispielen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert den Beschaffungsprozess, die verschiedenen Ausprägungen des E-Procurement, Strategien zur Gut-Klassifizierung sowie die technischen Standards des elektronischen Datenaustauschs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind E-Procurement, Beschaffungsstrategien, E-Ordering, E-Sourcing, Prozesskostensenkung und E-Auktionen.
Welche Rolle spielt die Differenzierung zwischen strategischer und operativer Beschaffung?
Diese Unterscheidung ist zentral, da sie bestimmt, welche elektronischen Instrumente (z.B. Kataloge für operative Bestellungen vs. Ausschreibungen für strategische Lieferantenauswahl) für bestimmte Gütergruppen am besten geeignet sind.
Warum stellt der Autor die "englische Auktion" als Auktionsmechanismus heraus?
Sie wird hervorgehoben, da sie den am häufigsten verwendeten Mechanismus im elektronischen Einkauf darstellt, bei dem Lieferanten sich gegenseitig unterbieten, um den Zuschlag zu erhalten.
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- Stephan Mohr (Author), 2008, E-Procurement - Ein Überblick, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120572