Die Konvergenz der TIME-Branche


Diplomarbeit, 2003

121 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Motivation zur Erstellung dieser Arbeit
1.2 Zentrale Fragestellung
1.3 Aufbau der Arbeit
1.4 Ziel der Arbeit

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Was ist Kommunikation?
2.2 Definitionen
2.2.1 TIME
2.2.2 Konvergenz
2.3 Staatliche Deregulierung
2.3.1 Deregulierung am Beispiel der Telekom-Branche
2.3.2 Ausblick
2.3.3 Gesetzliches Umfeld
2.4 Basistechnologien von TIME
2.4.1 Übertragungstechnologien
2.4.2 Komprimierungsverfahren
2.5 Elektronische Zahlungssysteme
2.5.1 Klassifizierung
2.5.2 Zukünftige Entwicklungen
2.6 Wirtschaftliche Grundlagen
2.6.1 Elemente von Geschäftsmodellen
2.6.2 Systematisierung von Geschäftsmodellen
2.7 Die Wertschöpfungskette “Value Chain”
2.8 Wertschöpfungmodelle im TIME-Markt

3 Praktische Ausführungen
3.1 Content
3.2 Mehrwertdienste
3.2.1 SMS Mehrwertdienste
3.2.2 Sprachmehrwertdienste
3.3 Geschäftsmodelle aus der Praxis
3.3.1 Mobile Marketing
3.3.2 Beispiel I: SMS-Voting bei einer Großveranstaltung
3.3.3 Beispiel II: Shopping to go
3.3.4 Beispiel III: Services für einen Fußballverein
3.3.5 Beispiel IV: SMS-Chat
3.3.6 Beispiel V: Starhotline
3.4 Weitere Ideen für konvergente Dienste
3.4.1 Enterainment
3.4.2 Service
3.5 Modell zur Anwendung von TIME Projekten
3.5.1 Motivation
3.5.2 Umsetzungsmodell
3.5.3 Businessplan

4 Wirtschaftlichkeit

5 Diskussion

A Normen und Standards
A.1 Audio-, Videostandards
A.2 Telekommunikationsstandards

Abkürzungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Index

Kapitel 1 Einleitung

1.1 Motivation zur Erstellung dieser Arbeit

Durch die immer rasanter steigende technische Entwicklung von Jahr zu Jahr, eröffnen neue Medien bislang ungeahnte Möglichkeiten. Gleichzeitig nimmt die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung der Medien zu. Bemerkbar wird dies unter anderem an der steigenden Anzahl der empfangbaren Fernsehund Radioprogramme. Auch das Internet erfuhr eine explosionsartige Steigerung und wurde zum unentbehrlichen Medium für viele Bereiche wie Wirtschaft, Wissenschaft und auch im privaten Bereich.

Der Begriff “Multimedia” hat sich hier als Schlagwort herauskristallisiert. Darunter versteht man das vielfache, interaktive Angebot jeglicher Form von Information wie etwa Text, bewegte Bilder, Ton und sonstige Daten.

Um dieses Angebot für den Nutzer realisierbar zu machen, wachsen bisher getrennte Bereiche von Medienformen zusammen. Dies geschieht sowohl im inhaltlichen als auch im technischen Sinn. Rundfunkprogramme können via Internet übertragen werden beziehungsweise Telefongespräche können über Breitbandkabel durch zum Beispiel Voice over IP (VoIP) realisiert werden. Durch die Digitalisierung in Rundfunk und Fernsehen bekommt der Nutzer die Möglichkeit, sein Programm interaktiv mitzugestalten. Das Internet wird in den unterschiedlichsten Bereichen wie Diskussionsforen, Chat, e-mail, Informationsrecherche oder aber auch als Postversand, Einkauf und Unterhaltungsmedium genutzt.

Diese breite Anwendungsmöglichkeit bringt einen fließenden Übergang der einzelnen Medienbzw. Kommunikationsformen mit sich. Das an heutige Zeit angepaßte Schlagwort ist unumstritten “Konvergenz”. Konvergenz hier im Sinne von Zusammenarbeit der einzelnen Bereiche der TIME-Branche.

1.2 Zentrale Fragestellung

Es ist der Bedarf nach einem, für diesen aufkommenden Industriezweig, einheitlichen Modell gegeben, bei dem man nach Kenntnis einiger Randbedingungen einen maximalen Mehrwert sowohl für den Nutzer als auch für den Betreiber erreicht.

Die Randbedingungen lauten:

- Kundenakzeptanz
- Trend der Technik
- Bedienbarkeit

Es ist natürlich von Interesse, für diese Parameter Kenngrößen zu finden, die eine optimale Darstellung der Gesamtlösung für einen Geschäftsfall erkennen läßt. Auf diese Weise kann festgestellt werden, auf welche Parameter im Zuge der Planung die größte Aufmerksamkeit gelegt werden muß.

1.3 Aufbau der Arbeit

In Kapitel 2 werden die Rahmenbedingungen für konvergente Dienste erläutert. Es wird erklärt, welche Technologien vorhanden sind und wie die rechtlichen und regulatorischen Bedingungen in diesem Bereich sind.

In Kapitel 3 werden die praktischen Hintergründe für konvergente Dienste gezeigt. Des weiteren werden aktuelle praktische Anwendungen aufgezeigt und die daraus gewonnenen Erkenntnisse beschrieben. Anschließend wird ein allgemeines Modell zur Entwicklung von TIME-Projekten und ein Businessplan gezeigt.

In Kapitel 4 werden die wirtschaftlichen Hintergründe von Dienstleistungen der TIME- Branche beleuchtet.

Die Erkenntnisse und Schlußfolgerungen aus den in Kapitel 3 und Kapitel 4 gewonnenen Ergebnisse folgen in Kapitel 5.

Im Anhang werden die geltenden Normen und Standards für die aufgezeigten Techniken und deren gesetzliche Grundlagen angeführt.

1.4 Ziel der Arbeit

Ziel dieser Arbeit soll es sein, einige der sich aus dieser technischen und gesellschaftlichen Entwicklung ergebenen Problemstellungen aufzuzeigen. Schließlich soll ein Ansatz zur Lösung dieser Problemstellungen vorgestellt werden. Des weiteren soll durch einige Beispiele aufgezeigt werden, wie man durch neue technische und wirtschaftliche Lösungen einen Mehrwert für Nutzer und Anbieter von Diensten erzeugen kann. Auf Grund der enormen Vielfalt an Problemstellungen, können im Rahmen dieser Arbeit nur einige exemplarische Ansätze herausgearbeitet werden.

Kapitel 2 Theoretische Grundlagen

2.1 Was ist Kommunikation?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Damit Kommunikation zwischen Kommunikationspartnern (Sendeeinheit, Empfangseinheit) funktionieren kann, kann eine Nachricht auf verschiedenste Weise übermittelt werden und das möglichst störungsfrei.

Claude E. Shannon und Warren E. Weaver haben diesen Übertragungsprozeß mathematisch formuliert. Abbildung 2.1 auf Seite 4 zeigt die modellhafte Darstellung der Nachrichtenübermittlung. Dieses Modell wurde für den technischen und naturwissenschaftlichen Bereich entwickelt und ist die Grundlage aller Nachrichtenübertragungsprozesse.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.1: Kommunikationssystem nach Shannon [Shannon et al., 1948]

Das Kommunikationsmodell nach Shannon besteht aus fünf wesentlichen Teilen. [Shannon et al., 1948]

1. Die Informationsquelle erzeugt eine Nachricht welche für ein Nachrichtenziel bestimmt ist. Die Nachricht kann von unterschiedlicher Art sein. Eine Art ist die menschliche Kommunikation (Sprache). Es können aber auch Nachrichten im technischen und medialen Sinn, wie die Übertragung von Information oder Sprache und Bild in Fernsehübertragung, etc. gemeint sein.
2. Der Sender wandelt die Nachricht in eine dem Übertragungssystem angepaßte Form um und überträgt die Information über den Übertragungskanal. In der Telefonie bedeutet das zum Beispiel das Sprache in ein elektrisches Signal umgewandelt wird.
3. Der Kanal ist lediglich das Medium über das die Information übertragen wird. Es können zum Beispiel ein Kabelpaar, ein Koaxialkabel, Lichtwellenleiter, Radiofrequenzen, etc. sein.
4. Der Empfänger wandelt die ankommenden Signale wieder in die Ausgangsform zurück.
5. Das Nachrichtenziel ist eine Person (Gerät) für die die Nachricht bestimmt ist.

In der Praxis funktioniert aber nicht jede Nachrichtenübertragung so problemlos. Unter dem Einfluß von Störquellen kann der Übertragungsprozeß gestört werden.

Berücksichtigt man, daß die Semantik einer Nachricht zwar unterschiedlich interpretiert werden kann, aber der Informationsgehalt derselbe ist, so muß das Modell von Shannon erweitert werden. Diese Erweiterung betrifft den Kode zur Verund Entschlüsselung (En- und Dekodierung) von zum Beispiel Morsezeichen. Kommunizieren zwei Systeme mit einander so müssen sie zur exakten Verschlüsselung und Wiederaufbereitung der Information denselben Bedeutungsvorrat besitzen. [Herrmann, 1985] Bei der Sprachkommunikation bedeutet das, daß die Kommunikationspartner über ein gleiches internes Lexikon

für Zeichen und Bedeutungen verfügen und gemeinsame grammatische und aussprachliche Regeln befolgen.

Abbildung 2.2 auf Seite 5 zeigt dieses erweiterte Modell der Kommunikation.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.2: Erweitertes Kommunikationssystem [Herrmann, 1985]

Bei der menschlichen Kommunikation, wie Sprechen, würde das bedeuten das der Sender eine Information nach folgenden Regeln aufbaut. Die Information enthält den gleichen Bedeutungsvorrat (Sprache, Grammatik, Wortschatz, etc.) wie der Empfänger und die Nachricht wird über ein dem Empfänger verständliches Medium (zum Beispiel Luft) übermittelt.

In der Telekommunikation würde das bedeuten, daß Sender und Empfänger denselben En- und Decodieralgorithmus zur Verschlüsselung der Nachricht verwenden und daß die Übertragung über zueinander kompatible Infrastruktur erfolgt.

2.2 Definitionen

2.2.1 TIME

T. . . Telekommunikation

I. . . Informationstechnologie

M... Medien

E. . . Entertainment

Speziell durch technologische Entwicklungen und Deregulierungsmaßnahmen sind die Teilbereiche der TIME-Branche sehr eng aneinander gewachsen. Vorab sollten aber dennoch diese vier Bereiche getrennt von einander betrachtet werden. Dies soll der besseren Übersichtlichkeit dienen und das Verständnis der Auswirkungen dieser Segmente auf die Konvergenz erleichtern.

2.2.1.1 Telekommunikation

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die verschiedenen Netze und ihre darauf üblichen Anwendungen sind in Abbildung 2.3 auf Seite 6 dargestellt. In dieser Darstellung sieht man nur den ursprünglichen Verwendungszweck dieser Netze. Inzwischen ist eine Mehrzahl von Anwendungsmöglichkeiten wie Telefon-, Fernsehund Datenübertragung über diese Infrastruktur mögliche. [Zerdick et al., 1999]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.3: Ursprüngliche Anwendung der Telekom-Netze [Modifiziert nach Zerdick et al., 1999]

Durch neue technologische Entwicklungen und die Forderung wettbewerbsfähig zu bleiben, wurde aus der einstmals statischen Telekommunikation eine dynamische. Im Detail bedeutet das, daß diese Branche einen fortwährenden Wandel seiner ursprünglichen Dienste (Telefonie) durchläuft. Telekommunikation bedeutet gegenwärtig nicht nur die Übertragung von Sprache über eine Telefonleitung sondern nunmehr auch die Übertragung von Daten über dieselben Leitungen. Die rasante Entwicklung des Internets und die einsetzende Deregulierung sind weitere wichtige Einflußfaktoren in diesem Bereich. Auf den Begriff der Deregulierung wird in Kapitel 2.3 auf Seite 21 eingegangen.

Der Telekommunikationsmarkt läßt sich in mehrere Bereiche unterteilen, die hier kurz zusammengefaßt werden.

- Das Segment der ” Netzinfrastruktur-/equipment “ beziehungsweise ” Netzbereitstellung “ umfaßt jene Leistungen, die sich auf die Ausstattung der Telekommunikationsinfrastruktur beziehen. [Scholz et al., 2001] In Österreich sind diese Gesellschaften auch als Infrastrukturprovider bekannt. Sie stellen ihre Telefonieund Datennetze dem Mitbewerb gegen Entgelt zur Verfügung.
- Das Segment der ” Telekommunikationsdienste “ umfaßt sämtliche Übertragungsleistungen, von Leistung der Sprachtelefonie (Festnetz, Mobilfunknetze, etc.) bis zur Übertragung von Daten über verschiedene Datennetze (Satellitenverbindungen, TV-Kabelnetze, konventionelle Telefonienetze, etc.) [Scholz et al., 2001]

Stellt man die Marktvolumen der beiden Bereiche gegenüber, stellt man fest, daß der Anteil der Netzinfrastruktur (ca. 15%) gegenüber dem Bereich der Telekommunikationsdienstleistung (ca. 85%) ein Nischenmarkt ist. [Scholz et al., 2001] Betrachtet man die Kundengruppen des Telekommunikationsmarktes in Österreich, so besteht hier eine Aufteilung zwischen Privatkundenmarkt (RES) von ca. 85,25%, Geschäftskunden (SOHO) von ca. 10,76%, Businesskundenmarkt (SME) von ca. 2,1% und Key Account Kunden von ca. 0,42%. Die restlichen Kundensegmente von ca. 1,47% sind nicht eindeutig zugeordnet. Die angeführten Daten stammen von der Telekom Austria AG (Stand Juni 2002).

2.2.1.2 Informationstechnologie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Informationstechnologiebranche

Die IT-Branche gilt als das jüngste der vier Bereiche im TIME-Segment. 1941 wurde von Konrad Zuse der erste programmgesteuerte Rechenautomat entwickelt. Damit legte er den heutigen Grundstein für unser Computerzeitalter. Bis heute ist der IT-Markt durch eine im Vergleich zu anderen Branchen überdurchschnittliches Marktwachstum sowie eine hohe Geschwindigkeit des technologischen Wandels und dadurch bedingte kurze Lebenszyklen geprägt. [Scholz et al., 2001]

Die Geschichte der IT-Branche wurde vor allem durch das US-Unternehmen International Business Machines (IBM) geprägt. Als einer der ersten Anbieter von Hardware in Form von Großrechnern erarbeitete sich IBM mit Hilfe von zahlreichen Regierungsaufträgen eine marktführende Position, die durch immense Forschungsaktivitäten bis in die achtziger Jahre beibehalten werden konnte. Das von IBM entwickelte Mainframe-Konzept setzte den Standard für die Datenverwaltung bei Großrechnern. Durch die Erfindung des Mikroprozessors wurde die Entwicklung des Personalcomputers (PC) initiiert. [Scholz et al., 2001]

Der 1984 eingeführte Appel Macintosh setzte durch seine graphische Benutzeroberfläche und die Erfindung der Computermaus Maßstäbe hinsichtlich der Benutzerfreundlichkeit von PCs. [Scholz et al., 2001]

Positioniert man Apple 1984 und den Start des Internets 1994, so steht der möglicherweise nächste Paradigmen-Shift kurz bevor. Dieser wird dann vermutlich wieder in einem völlig unerwarteten Sektor erfolgen. [Scholz et al., 2001]

In den achtziger Jahren setzte die US-Softwareschmiede Microsoft durch ihr Betriebssystem MS-DOS und dann in den neunziger Jahren mit Produkten wie Word den Standard für Software im Desktopbereich, während SAP mit ihrem Produkt R/3 einen Standard für Betriebswirtschaftliche Lösungen bestimmte. [Scholz et al., 2001]

Entwicklung der IT-Branche

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2.1: Entwicklung der IT-Branche [Modifiziert nach Zerdik et al. 2001]

Die Segmente der IT-Branche unterteilen sich in Hard- und Software, sowie Dienstleistungsunternehmen, die im Bereich der Elektronischen Datenverarbeitung (EDV) tätig sind. Da die Übergänge zwischen diesen Bereichen fließend sind, lassen sich viele Unternehmen nicht eindeutig einem Bereich zuordnen. [Scholz et al., 2001]

Der Hardwarebereich umfaßt unter anderem PCs, Workstations, Client-Server-Systeme, Peripheriegeräte (Drucker, Scanner, Maus, Tastatur, etc.) sowie Bürokommunikationsgeräte. Der Softwarebereich umfaßt die Segmente Systemund Anwendungssoftware. Zur Software zählt man im Allgemeinen Betriebssysteme sowie Anwendungssoftware die zur Erfüllung von bestimmten Funktionen, wie etwa Textverarbeitungsoder Tabellenkalkulationsprogramme, sowie auch komplexe betriebliche Softwarelösungen wie SAP R/3 dienen. [Scholz et al., 2001]

Der Dienstleistungsbereich hat sich in der IT-Branche zu einem durch entsprechende Nachfrage nach professioneller Beratung und Unterstützung unverzichtbaren Bestandteil entwickelt.

Prognosen zu folge soll der IT-Markt bis 2004 um ca. 10% steigen. Wobei bei einem wachsenden Gesamtmarkt der Hardware Bereich anteilig leicht abfällt und der Dienstleistungsbereich leicht zu nimmt. [Scholz et al., 2001]

Die European Information Technology Observatory (EITO) ist ein Institut für Marktfor-

schung im Bereich des Informations- und Telekommunikationsmarktes weltweit. Sie erheben jährlich die wichtigsten Marktdaten die dann veröffentlicht werden. Die aktuelle Veröffentlichung ist EITO 2003. Abbildung 2.4 auf Seite 9 zeigt die Entwicklungsdaten des Informations- und Telekommunikationssektors (ITK) weltweit. [EITO, 2003]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.4: Entwicklung der ITK-Infrastruktur weltweit [EITO, 2003]

2.2.1.3 Medien

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kommunikation kann also als das Senden und Empfangen von Informationen verstanden werden, wo das Medium das Mittel zur Kommunikation darstellt. In diesem engen Sinn sind Medien die Übertragungskanäle beziehungsweise Träger der kommunizierten Information. Kommunikation und Medien sind also untrennbar miteinander verbunden. [Stähler, 2001] Medien können personale (personenbezogene) wie auch technische Hilfsmittel zur Übertragung einer Botschaft sein [Burkart, 1998]. In diesem Sinne sind technische Medien, wie zum Beispiel Internet, “Erweiterungsmittel für die menschliche Auffassungs-, Gedächtnisund Kommunikationskompetenz” [Hiebel et al., 1998].

Man unterscheidet drei Medientypen primäre, sekundäre und tertiäre Medien, die dann später noch um quartäre Medien erweitert wurden [Stähler, 2001].

- Primäre Medien sind Medien des menschlichen Elementarkontaktes. [Pross, 1972] Diese Medien kommen ohne den Einsatz von Technik aus, da sie neben der Sprache andere, nicht verbale Ausdrucksformen der menschlichen Kommunikation (Mimik, Gestik) verwendet. In diesem Fall ist der Mensch selbst das Speichermedium der Information, und da noch keine Überbrückung des Raumes möglich ist, ist die Reichweite der Kommunikation durch die Aufnahmefähigkeit der menschlichen Sinnesorgane beschränkt. Nach der Übermittlung der Information an eine weitere Person kann diese die Information mit sich nehmen und im Tempo der menschlichen Fortbewegung weiter übermitteln. [Stähler, 2001]
- Sekundäre Medien zeichnen sich durch den Einsatz von Technik auf Seiten des Senders aus. Auf der Seite des Empfängers sind keine technischen Einrichtungen zur Aufnahme der Information erforderlich. Beispiele für sekundäre Medien sind alte Übertragungsmedien wie Rauchoder Flaggensignale, die als optische Telegraphen fungierten, Briefe und generelle Printmedien, die erst durch die Erfindung des Buchdrucks von Gutenberg 1452 ermöglicht wurden. Printmedien, seien dies Plakate, Flugblätter, Bücher oder Zeitungen etc., waren die ersten Massenmedien, bei denen einem Sender viele Empfänger gegenüberstanden. Massenmedien sind eindirektionale Medien, das bedeutet, der ursprüngliche Empfänger kann nicht gleich wieder mit dem Sender kommunizieren. [Stähler, 2001]
- Tertiäre Medien benötigen sowohl auf der Senderals auch Empfängerseite ein technisches Mittel, um die Nachricht zu übertragen. Die technischen Sender und Empfänger sind die “Conditio sine qua non” dieser Art von Medien [Pross, 1972]. Hierunter fallen das Telefon, Email, aber auch die klassischen Medien wie Rundfunk, Fernsehen und Film. Die Entwicklung von primären zu tertiären Medien ist durch eine starke Ortsunabhängigkeit der Kommunikation geprägt. [Stähler, 2001]
- Quartäre Medien sind Medien, bei denen durch Technik die klassische Sender- Empfänger-Beziehung aufgelöst wird. [Faulstich, 2000c] Anstelle der festen Sender-Empfänger-Beziehung tritt eine reziproke Kommunikationsbeziehung. Insbesondere digitale Online-Medien wie das Internet werden als Quatärmedien bezeichnet. [Stähler, 2001]

Die nachfolgenden Ausführungen konzentrieren sich auf Zeitungen und Zeitschriften als Printmedien. Als elektronische Medien werden hier Fernsehen, Radio sowie das Internet als eigenständiges Medium verstanden.

Bei Radio und Fernsehen wird zwischen öffentlich rechtlichen und privaten Sendeanstalten unterschieden. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal bei privaten Sendern ist die Finanzierungsart. So kann hier noch weiter in werbefinanzierte (Free-TV), abonnentenfinanzierte (Pay-TV) und transaktionsfinanzierte (Pay-per-View) Angebote unterschieden werden. [Scholz et al., 2001]

Medienorganisationen bilden das Mediensystem einer Gesellschaft, das durch die Medienpolitik gestaltet werden soll. Nach traditionellen Abgrenzungsmerkmalen zwischen

Printund elektronischen Medien besteht der Mediensektor aus den in Tabelle 2.2 auf Seite 11 zusammen gestellten Bereichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2.2: Klassische Abgrenzung von Print- und el. Medien [Scholz et al., 2001]

Printmedium

Unter dem Begriff Printmedium versteht man alle auf Papier gedruckten Medien wie Zeitungen, Zeitschriften, Kataloge, etc., mit deren Hilfe Inhalt vorwiegend durch das geschriebene Wort und gedruckte Bilder verbreitet wird. Printmedien lassen sich in periodisch erscheinende Exemplare und nicht periodisch veröffentlichte Puplikationen unterscheiden.

Periodisch erscheinende Werke sind unter anderem Zeitungen, Zeitschriften, Kalender, Jahrbücher, etc.. Sie lassen sich anhand ihrer Inhalte, Zielgruppe, Papierqualität, Erscheinungsweise, Verteilungsgebiet etc. differenzieren.

Nicht periodisch erscheinende Medien sind solche, die in einem unregelmäßigen Erscheinungsrythmus publiziert werden und bei denen die Anschlußauflage länger als ein Jahr nach dem Erscheinen des vorhergehenden Werkes auf den Markt kommt. Dies sind in erster Linie Bücher, Broschüren, etc.. [Scholz et al., 2001]

Eine wichtige Kennzahl für Medienprodukte ist die Reichweite. Um die Reichweite zu bestimmen, werden regelmäßig Zielgruppenanalysen innerhalb der Medienforschung durchgeführt.

Allgemein wird die Reichweite eines Werbeträgers (zum Beispiel TV) in Prozent ausgewiesen und bezeichnet ganz generell den Anteil der Bevölkerung oder einer bestimmten Zielgruppe, der zu einem bestimmten Zeitpunkt oder in einem bestimmten Zeitraum Kontakte mit diesem Werbeträger hatte. [Scholz et al., 2001]

Printmedien im Internet

Die große Verbreitung des Internets macht auch vor den Printmedien nicht halt. Es ist eine Tendenz zu erkennen, das viele Verlage ihre Produkte auch online über das Internet anbieten. Im ersten Augenblick sieht man dies als eine logische Weiterführung des multimedialen Zeitalters. In vielen Haushalten befindet sich schon Internet. Dadurch werden solche Konvergenzprodukte (Verschmelzung von Informationstechnologie und Medien) leicht für jeden zugänglich. Nicht nur Medien wie Zeitungen oder Zeitschriften sind im Internet vertreten. Es besteht auch die Möglichkeit, auf internationale Datanbanken zuzugreifen um gewünschte Literatur oder Informationen abzurufen.

Betrachtet man diese Situation aber etwas kritischer, so erkennt man, daß durch diese Bereitstellungsmethode von Printmedien die rechtlichen Rahmenbedingungen neue überdacht werden müssen. Das Urheberrecht oder der Datenschutz sind Beispiele, die vor der Veröffentlichung von medialen Material im Internet bedacht werden müssen.

Des weiteren ist die Reichweite von Printmedien, speziell Zeitschriften, nicht genau nachvollziehbar. Page-Impressions sind die Anzahl der Zugriffe auf eine Web-Seite, unabhängig von der Menge der darin eingebundenen Elemente. Anhand der Page-Impressions oder Page-Views wird auch der Bekanntheitsgrad einer Seite bemessen. Man über die Page-Impressions die Anzahl der Abrufe einer Internetseite durch den Nutzer bestimmen, problematisch ist jedoch, daß derselbe Nutzer bei wiederholten Besuchen auch jedes Mal wieder neue Page-Impressions erzeugt. Trotz der Verzerrungen sind Page-Impressions ein wichtiges Maß zur Bewertung der Reichweite von Werbemaßnahmen im Internet.

Neue Medien

Informationsträger, die auf digitaler Informations- und Kommunikationstechnologie basieren, werden als neue Medien bezeichnet. Sie sind selbst Agenten (aktive Informationsträger), können mit anderen Agenten interagieren (Interaktivität), sind multimedial, sind ortsund zeitlos und daher vernetzt. [Stähler, 2001]

Es lassen sich fünf Merkmale von neuen Informationsträgern (neue Medien) identifizieren: [Stähler, 2001]

1. Der Informationsträger ist selbst aktiv; d.h., er kann "die gespeicherten Informationen (wenigstens im Prinzip) anwenden; somit ist er selbst Wissensträger, Agent".
2. Der Informationsträger ist interaktiv, d.h., er kann, da er selbst Agent ist, mit anderen Agenten interagieren.
3. Der Informationsträger ist sowohl in räumlicher als auch in zeitlicher Hinsicht ubiquitär, d.h., die Informationsobjekte auf dem Träger sind von räumlich weit verteilten Agenten bei gleichzeitiger Beständigkeit der Informationen über die Zeit nutzbar.
4. Der neue Informationsträger vernetzt bisher isolierte Informationsobjekte. Durch diese Vernetzung entstehen neue Informationsobjekte.
5. Der Informationsträger ist multimedial, d.h., er ist fähig, textliche (alphanumerische), akustische, optische und kinetische Informationen aufzunehmen, zu speichern, zu übertragen und wiederzugeben. Als aktiver Informationsträger kann er die multimedialen Informationen auch beund verarbeiten.

2.2.1.4 Entertainment

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Gegenwärtig verbinden wir mit Entertainment Unterhaltung besonders im Showgeschäft. Die Bedeutung des Begriffes ist nicht eindeutig definiert und seine Dehnbarkeit auch in andere Bereiche der Unterhaltung (elektronische Unterhaltungsmedien) ist vielseitig.

Der Entertainmentbranche kommt in der Wirtschaft ein wichtiger Stellenwert zu. In den USA zählt Entertainment schon lange zu den Trägern der nationalen Wirtschaft. Daß sie in Europa immer mehr an Bedeutung gewinnt, läßt sich an der steigenden Zahl der Unternehmen, die in dieser Branche tätig sind, erkennen.

Zu den Aktivitäten der Unterhaltungsindustrie zählen zum Beispiel Unterhaltung, Kommunikation, Darbietungskünste, Tourismus, etc.. [Scholz et al., 2001] Die Geschäftszweige der Unterhaltungsindustrie stellen ein dementsprechend weites Feld dar, das von der Filmindustrie bis zur Musikbranche und von Freizeitparks bis hin zu Videospielen reicht. Die Informationstechnologie nimmt dabei eine immer bedeutendere Stellung ein. Dies ist an unzähligen Merkmalen wie zum Beispiel Computeranimation in Kinofilmen, digitales Fernsehen, der sowohl am PC als auch am Fernseher abspielbaren DVD, etc..

Die immer enger werdende Verbindung zwischen Informationstechnologie und Entertainment bringt aber nicht nur Vorteile mit sich. In diesem Zusammenhang soll auch die Internetpiraterie (unerlaubte Vervielfältigung von zum Beispiel Musiktiteln) erwähnt werden. Dagegen wird nicht nur mit Kopierschutzmechanismen vorgegangen sondern auch mittels juristischer Anstrengungen, die die Urheberrechte wahren sollen. [Scholz et al., 2001] Die Grenze zwischen Medien und Entertainment ist oft unklar, wie zum Beispiel beim Fernsehen, das sowohl als Informationsträger als auch Unterhaltungsmittel genutzt wird. Die Kommunikation bedeutet hier zwar auch Informationsaustausch, der unterhaltsame Aspekt sollte aber in Abhängigkeit von der Philosophie des Fernsehsenders (Nachrichtensender, Sportsender, etc.) geprägt sein. Auch die Trennung zwischen Telekommunikation und Unterhaltungselektronik ist nicht mehr eindeutig abgrenzbar. Das Internet ist zum Beispiel sowohl als Fernübertragungsmittel als auch als Unterhaltung zu betrachten. Statistiken und Meinungsumfragen zeigen aber, daß das Internet mehr als Kommunikationsmittel und weniger als Unterhaltungsmedium genutzt wird. Das liegt wahrscheinlich an den noch nicht ganz ausgereiften Übertragungstechniken, die die Qualität von Videos und Bildern erheblich beeinträchtigen. [Scholz et al., 2001] Die Entertainmentbranche wird oft dem Bereich der Unterhaltungselektronik gleich gestellt. Sowohl die Unterhaltung als auch die Kommunikation beinhalten Bereiche, die weit über die Unterhaltungselektronik hinausgehen. [Scholz et al., 2001]

2.2.2 Konvergenz

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Phänomen der Konvergenz ist relativ neu. Es herrscht aber weitgehende Übereinstimmung darüber, daß Konvergenz im technischen Sinne bereits eingetreten ist. Das heißt, daß heute mittels digitaler Technologie sowohl traditionelle als auch neue Kommunikationsdienste (sei es in Form von Daten, Tönen oder Bildern) über zahlreiche verschiedene Netze angeboten werden können. Gegenwärtige Marktaktivitäten geben Anlaß zur Vermutung, daß die Betreiber aus den verschiedenen von Konvergenz betroffenen Branchen die Möglichkeiten technologischer Fortschritte nicht nur zur Verbesserung ihrer traditionellen Dienstleistungen benutzen, sondern auch zur Erweiterung auf neue Geschäftsaktivitäten. Die TIME-Branchen streben nach einer produktund plattformübergreifenden Entwicklung. Beispiele solcher neuen Produkte und Dienste umfassen: [Grünbuch, 1997]

- Home-Banking und Home-Shopping über das Internet;
- Sprachtelefonie über das Internet;
- E-mail, Zugang zu Daten und dem World Wide Web (WWW) über mobile Telefonnetze sowie die Nutzung von drahtlosen Verbindungen zu Wohnhäusern und Unternehmen, um diese mit fixen Telekommunikationsnetzen zu verbinden;
- Datendienste über digitale Rundfunkplattformen;
- On-line Dienste, die über Systeme wie zum Beispiel Web-TV mit dem Fernsehen verbunden werden, sowie die Übertragung mittels digitaler Satelliten und Kabel- Modems;
- Webcasting von Nachrichten, Sport und anderen audiovisuellen Diensten.

Solche Entwicklungen stellen konkrete Beispiele einer Informationsgesellschaft in Europa dar und zeigen deren Potential, das Leben und die Gesellschaft zu berühren. Ebenso wird auch die deutliche Erweiterung des Ausmaßes und der Vielfalt traditioneller Telekommunikationsund Mediendienste deutlich. [Grünbuch, 1997]

Im Grünbuch der Europäischen Kommission zur Konvergenz wird Konvergenz beschrieben als [Scholz et al., 2001]

1. die Fähigkeit verschiedener Netzplattformen, ähnliche Arten von Diensten zu übermitteln, und/oder
2. die Verschmelzung von Endgeräten wie Telefon, Fernseher und PC.

Die Auswirkungen dieser Entwicklungen sind weitreichend. Bei Konvergenz geht es nicht nur um Technologie, sondern um Dienste und neue Wege wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Interaktionen. Die Veränderungen haben das Potential für eine weitgehende Verbesserung der Lebensqualität der europäischen Bürger. Es ist zu erwarten, daß das Entstehen neuer und die Weiterentwicklung bestehender Dienste den gesamten Informationsmarkt erweitern und neue Wege eröffnen wird. Einer dieser bereits erwähnten neuen Dienste bezeichnet man als Webcasting, welches in Kapitel 2.2.2.4 auf Seite 18 beschrieben wird. Die Entwicklungen in diesem Bereich erstrecken sich nicht nur auf das Internet, sondern gehen auch verstärkt in die Telekommunikation ein. Der Trend zu neuen und leistungsfähigen Handys, die nicht mehr ausschließlich zum telefonieren geeignet sind, steigt. Diese Mobiltelefone verbinden bereits den Bereich Entertainment und Informationstechnologie. (Zum Beispiel kann man sich bereits Spiele auf sein Handy laden oder an einem SMS-Chat teilnehmen)

2.2.2.1 Konvergenzprozeß

Der Konvergenzprozeß wird durch die Konvergenz verschiedener digitaler Technologien aus dem Computer- und Kommunikationsbereich (der Mediensektor kam erst in weiterer Folge dazu) initiiert und führt zunehmend zu einer Vereinigung der Funktionen von bislang voneinander unabhängigen Produkten und Prozessen. [Rockenhäuser, 1998] Die Ausgangssituation des Konvergenzprozesses ist im wesentlichen durch drei Märkte (Telekommunikation, Medien, Informationstechnologie) charakterisiert, die grundsätzlich getrennt von einander Nachfragebedürfnisse durch wertschöpfende Aktivitäten befriedigten. In den vergangenen Jahren sind zunehmend die Wertschöpfungsketten dieser Bereiche miteinander verschmolzen. Näheres dazu im Kapitel 2.8 auf Seite 58.

Die Veränderung der Rahmenbedingungen dieser drei Märkte zeigt, daß alle drei Märkte zunehmend die selben Konsumentenbedürfnisse ansprechen. Dabei wurde ein Konvergenzprozeß angestoßen, der die Märkte des Medien-, Telekomund Informationstechnologiebereiches zusammenführt. Bei diesem Konvergenzprozeß sind zwei Stufen zu unterscheiden. [Zerdick et al., 1999]

1. Die erste Sufe stellt die Verschmelzung der Wertschöpfung zwischen dem Tele- kommunikations- und dem Informationstechnologiesektor dar. Großrechner und Kleincomputer sind dezentral miteinander vernetzt und man kann somit von überall auf den Zentralrechner zugreifen. Zum Austausch von Daten via Datenfernübertragung (DFÜ) wurden Telekommunikationsverbindungen von Unternehmen genutzt. [Zerdick et al., 1999] Die steigende Vernetzung von bislang getrennten Computern fand durch die exponentielle Ausbreitung des Internet statt. Immer mehr Unternehmen schlossen ihre lokalen Netzwerke (LAN) an das Internet an und sorgten damit für dieses rasante Wachstum. [Zerdick et al., 1999] Als Beispiel kann man hier Firmen anführen, deren Standorte auf verschiedenen Kontinenten der Erde über das Internet miteinander verbunden sind.

2. Die zweite Stufe der Konvergenz findet gegenwärtig statt. Dabei nähern sich die Bereiche Medien, Telekommunikation und Informationstechnologie an. Zwei Trends verdeutlichen diese Annäherung: [Zerdick et al., 1999]

- Die Übertragung medialer Inhalte ist nicht mehr eine Domäne der Broadcasting-Netze (Kabel-, Satelliten- und terrestrische Netze), sondern auch klassische Telekommunikationsnetze (Telefonnetze und Computernetze) bedienen sich der Verbreitung dieser Inhalte.
- Bei den Empfangsgeräten dieser Branchen treten ebenfalls Konkurrenzverhältnisse auf. Endgeräte aus allen drei Bereichen (Fernseher, Telefon, Computer) können zum Empfang beziehungsweise zur Nutzung der verschiedenen Informations-, Unterhaltungsund Kommunikationsleistungen genutzt werden. (zum Beispiel Internet via TV, Fernsehen über den PC) In Österreich hat hier Chello (UCP Telekabel) eine Stelle mit der Möglichkeit Internet via TV, Telefon und Internet über Breitbandkabel eingenommen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.5: Zwei Stufen der Konvergenz [Zerdick et al., 1999]

2.2.2.2 Formen der Konvergenz

Betrachtet man die Konvergenz nicht nur aus technischer Sicht sondern auch aus der Sicht der sich verändernden Märkte, so sieht man, daß sich hier auch Zusammenschlüsse finden, die die Möglichkeit der Schaffung neuer Märkte beinhaltet. Nach Zusammenschlüssen wie bei AOL und Time Warner oder HP und Compaq sieht man das Potential dieser

neuen Märkte. Für die Unternehmen der betroffenen Branchen ist es sehr wichtig, die Risiken und Chancen die mit dem Konvergenzprozeß in Zusammenhang stehen zu erkennen um entsprechende Maßnahmen daraus abzuleiten. Im folgenden wird zwischen Substitutions- und Komplementär-Konvergenz unterschieden.

Der Zusammenhang zwischen diesen beiden Formen ist in Abbildung 2.6 auf Seite 17 dargestellt. [Rockenhäuser, 1998]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.6: Konvergenzformen [Rockenhäuser, 1998]

Substitutions-Konvergenz

Werden zwei Produkte aus der Sicht des Konsumenten immer änlicher und schließlich austauschbar, so spricht man von Substitutions-Konvergenz. Im Bereich der Fernsehund Computerbranche wird dies sehr deutlich. Das jeweils eine Produkt übernimmt Funktionalitäten des anderen Produktes und werden somit immer ähnlicher (zum Beispiel Fernsehen am PC oder Internet am Fernseher).

Die Substitutions-Konvergenz beschreibt demnach Konvergenzeffekte in den eigentlichen Kerngeschäften der Unternehmen und nimmt direkt Einfluß auf den Wert der eigentlichen Technologien und des bestehenden Kundenportfolios. [Rockenhäuser, 1998]

Komplementär-Konvergenz

Von Komplementär-Konvergenz spricht man, wenn sich durch die Kombination zweier

ursprünglich unabhängiger Produkte oder Technologien der Wert dieser Produkte erhöht. Durch diese neu entstandenen Technologiekombinationen werden Produkte entwickelt, die zur bestehenden Technologie einen komplementären Nutzen darstellt. Ein Beispiel sind Online-Datenbanken, die durch Kombination von Online-Softund Hardware aus dem Computerbereich mit effizienten Komprimierungsverfahren aus dem Bereich der Übertragungstechnologie ermöglicht wurde. Dieser Konvergenzprozeß ist von großer Bedeutung, da er eine wesentliche Quelle zur Schaffung neuer Märkte, der sogenannten “White Space Opportunities”, ist. “White Space Opportunities” werden von innovativen und visionären Unternehmen geschaffen. Sie entwickeln Produkte für latent vorhandene Märkte oder für Kundenbedürfnisse die noch nicht existieren und generieren dafür die entsprechende Nachfrage. [Rockenhäuser, 1998]

2.2.2.3 Umfang und Abgrenzung

Konvergenz als Verschmelzung von Endgeräten zu definieren ist eine einfache und vor allem leicht vorstellbare Beschreibung. Dennoch ist die Konvergenz von Endgeräten jedoch nicht so weit verbreitet wie die Konvergenz der Netze. Telekommunikationsbetreiber bieten bereits heute (wenn auch noch auf Experimentierbasis) audiovisuelle Programme über ihre Netze an und entwickelten sich zu wichtigen Mitspielern von Angeboten des Internetzugangs und von “Backbone”-Infrastrukturen. Rundfunksender erbringen seit einigen Jahren Datendienste über ihre Netze und diese Dienste werden in den nächsten 12-18 Monaten aufgrund digitaler Übertragungstechnologie im Radio und Fernsehen als auch aufgrund zusätzlicher interaktiver Angebote vergrößert werden.

Kabelbetreiber erbringen zusätzlich zu ihrem traditionellen Geschäft der Fernsehverbreitung eine Reihe von Telekommunikationsdiensten wie zum Beispiel Sprachtelefonie und beginnen mit dem Einsatz von Kabelmodems, um Hochgeschwindigkeits-Internet anbieten zu können. Neben der Bereitstellung von Diensten an die Öffentlichkeit, fängt man nun damit an, Audiound Videotechnologien auch bei Firmen- “Intranets” als zusätzliches Medium für die Verteilung von “realtime” Information einzusetzen. Solche Anwendungen findet man bereits auf Webseiten, die potentielle Kunden ansprechen wollen. [Grünbuch, 1997]

2.2.2.4 Beispiele zur Konvergenz Webcasting

Unter Webcasting versteht man die automatische, personalisierte und aktuelle Lieferung von Web-Inhalten. Bei der Webcasting-Technologie (auch als Push-Technologie bekannt) werden im Gegensatz zum reinen “Surfen”, die den Präferenzen des Benutzers entsprechenden Web-Inhalte automatisch und regelmäßig auf seinen PC geliefert. Die Folge ist eine gezielte Personalisierung/Individualisierung der vorher unkontrollierten und ungelenkten Massenkommunikation.

Der Name Webcasting leitet sich von “Broadcasting” ab und bezeichnet, ähnlich der Ausstrahlung von Rundfunksignalen, die gesteuerte Verteilung von Information über das Internet. Mittlerweile gibt es die Unterscheidung zwischen Webcasting und Datacasting, wobei Webcasting für Fernsehoder Radiosendungen am Internet steht, Datacasting hin-

gegen die Versorgung der Benutzer mit Webseiten, Software und anderen Informationen bedeutet. Meist wird jedoch der Begriff Webcasting regelmäßig auch für Dataund Newscasting verwendet. [Monitor 11/97]

Anwendungsgebiete des Webcasting

Vier wesentliche Einsatzgebiete der Push-Technologien: [Monitor 11/97]

- Informationsverteilung (Wissensmanagement): Webcasting wird benutzt, um Informationen aus verschiedenen Quellen an ausgewählte Benutzer durch vielfältige Medien (Internet, E-Mail, Ticker-Tape etc.) zu verteilen.
- Kundenservice: Webcasting ermöglicht die proaktive, dynamische, elektronische Kommunikation mit den Kunden (zum Beispiel Angebote, Preise werden publiziert). Diese wird kundenspezifisch und zeitgerecht (Information ab Verfügbarkeit) strukturiert.
- Collaborative Computing: Kollaborative Umwelten (wie gemeinsame Diskussionsdatenbanken, Intranetz etc.), die ursprünglich hinsichtlich der Verteilung der Informationen passiv sind, können durch Webcasting interaktiv gestaltet werden.
- Softwareverteilung: Webcasting öffnet neue Möglichkeiten für gesteuerte, automatisierte Softwareverteilung.

Je nach zur Verfügung stehender Bandbreite kann das Informationsangebot beliebig variiert werden. Von einfachen Texten bis hin zu Ton und Filmen. Entscheidendes Merkmal des Webcasting ist jedenfalls, daß die Information auf den Client heruntergeladen wird. Von dort kann sie auch offline genutzt werden. [Monitor 11/97]

Weitere Beispiele

Im Bereich der Spielekonsolen (zum Beispiel Sony–Playstation, Nintendo–GameCube, Microsoft–X-Box, etc.) sieht man auch sehr deutlich, wie der Einzug der Konvergenz voran schreitet. Diese Geräte dienen in erster Linie der Unterhaltung, man kann mit ihnen interaktive Spiele in Verbindung mit einem Fernsehgerät spielen. Die Weiterentwicklung zeigt aber das diese Konsolen nicht mehr ausschließlich der Unterhaltung dienen, sondern auch zum Beispiel zum Abruf von E-Mail oder Abspielen von DVD dienen. Einen weiterer Schritt zur Konvergenz sieht man im Aufbau von Netzwerken (eigene Spielenetzwerke) und der Zusammenschluß zu Communities. Es bildet sich hier ein eigenständiges Netzwerk um dieses Unterhaltungsmedium.

Auch Printmedien und Werbeagenturen tendieren zu den neuen Medien. Kreuzworträtsel können nicht mehr wie gehabt mit herkömmlichen Bleistiften gelöst werden sondern via SMS. Das Werbefernsehen verweist nach einer Werbung auf eine Internetseite für weitergehende Informationen. Obwohl diese Vorgehensweisen zum Teil Medienbruch1 bedeuten, werden sie langsam aber stetig ein Teil der Wirtschaft, um neue Geschäftsfelder aus monetärer Sicht abzuschöpfen.

2.2.2.5 Zukunftsaussichten

Die Konvergenz wie sie hier verstanden und beschrieben wird steht erst am Beginn ihrer Entwicklung. Eine Entwicklung die mit dem Aufkommen neuer Techniken auch neue Konvergenzmodelle erzeugt. Zu Beginn des Konvergenzaufkommens standen im Vordergrund die Verbindungen von Mobilfunktechnologien und Medien. Speziell in diesem Bereich wurden Anfangs Geschäftsmodelle entwickelt, die sich auf die Verbindung von Servicerufnummern und dahinter liegenden Content wie Support spezialisierten.

In Österreich sind das Mehrwertrufnummern im Bereich 09xx. Ein weiteres Vordringen dieses Basismodells in andere Bereiche war unaufhaltsam. Der florierendste Markt ist in diesem Zusammenhang das Aufkommen der sogenannten Erotiklines. In Österreich werden diese Dienste von den Servicediensten durch eine gesonderte Nummernvorwahl wie 0930 unterschieden

Mit dem Aufkommen von SMS, besonders Premium SMS, erkannte man, daß sich auch in diesem Bereich neue Geschäftsmöglichkeiten auftun. Da SMS schon als sehr erfolgreich galt setzte man nun auf Modelle, die im Unterschied zu herkömmlichen SMS höher vergebührt waren. Diese Anwendungen waren zuerst im Entertainment Bereich stark vertreten. Hier sei der Boom an Handyklingeltönen und Handylogos erwähnt, die über Premium SMS erworben werden können. Mit der Entwicklung von UMTS ergeben sich natürlich weitere Geschäftfelder, die noch am Anfang ihrer Entwicklung stehen. Das MMS welches bis dato nur von GPRS-fähigen Mobilfunkgeräten verschickt werden konnte wird mittels UMTS neue Dimensionen erreichen.

Trendforscher und Visionäre prognostizieren noch einen weiteren Anstiege der Konvergenz vor allem im Bereich der Telekommunikation. Aber auch im Bereich der Medien und Entertainment wird ein weiteres Verschmelzen angekündigt.

Laut Kondratieff stehen wir mitten im fünften Zyklus der Kondratieffzyklen. Die bedeutet, daß die noch aufkommenden Technologien nicht mehr als Innovation gesehen werden können. [Plogmann, 2002] Der Fokus wird in der zweiten Hälfte dieses Zyklusses auf die Möglichkeiten gelegt, mit den gewonnenen Technologien und Geschäftsmodellen das Leben der Menschen mit diesen Technologien einfacher zu gestalten.

Die ersten Konturen des sechsten Kondratieff Zyklus zeichnen sich bereits vage ab. Es ist noch unklar, welche Basisinnovationen diesen sechsten Zyklus bestimmen werden. Einige mögliche Kandidaten sind Informationstechnologien im Sinne der Anwendungsmöglichkeiten zwischen Technik und Mensch, Genund Biotechnologie, Umwelt/Energie, optische Technologien, Gesundheitswesen und Sicherheitswesen. [Plogmann, 2002] Abbildung 2.7 auf Seite 21 zeigt die fünf Kondratieff-Zyklen und die Prognose für den anstehenden sechsten Zyklus.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.7: Kondratieff-Zyklen [Modifiziert nach Plogmann, 2002]

2.3 Staatliche Deregulierung

Unter Deregulierung versteht man die Steuerung des Verhaltens von Unternehmen durch Handlungsgebote oder Tätigkeitsverbote. Durch Deregulierung soll mehr Flexibilität und Dynamisierung der Märkte erreicht werden. Des weiteren wird dabei versucht, sich von den immer zahlreicher gewordenen öffentlich-rechtlichen Bestimmungen (Regulierungen) zu befreien. Man ist daher bemüht, die staatlichen Normen, die unmittelbar in die Wettbewerbsbeziehungen eingreifen, abzubauen, zu deregulieren. [Scholz et al., 2001] Das bedeutet jedoch nicht den Eingriff in alle gesetzlichen und administrativen Bestimmungen, innerhalb derer sich die Wirtschaft bewegt. Betroffen sind hauptsächlich jene gesetzlichen Bestimmungen, die neuen und potentiellen Konkurrenten den Martkzutritt erschweren. Bei der Deregulierung geht es somit vorwiegend um die Öffnung der Märkte durch Aufgabe von Marktzutrittsbeschränkungen und um die Beseitigung oder zumindest Abschwächung staatlicher Eingriffe in wirtschaftliche Abläufe. Werden Marktzugangsbeschränkungen auf internationaler Ebene aufgehoben, spricht man von Liberalisierung. Sowohl Deregulierung als auch Liberalisierung bezeichnen somit die gradweise Aufgabe staatlicher Marktzutrittsbeschränkungen. [Feldbacher, 1990]

Zu den Vorteilen der Deregulierung der Märkte (Telekommunikations-, Strom-, Bahnmarkt, etc.) kann man ein in einzelnen Branchen, speziell in der Telekommunikation, verstärkten Wettbewerb erkennen. Dies hat zur Folge, daß es zu Preissenkungen sowie zu besserem Service für den Kunden kommt. Hierzu zählt aber auch die Förderung und der Einsatz von modernen Technologien. Eine große Angebotsvielfalt an innovativen Diensten wird ebenfalls durch die Deregulierung erreicht. [Scholz et al., 2001]

Zu den Nachteilen zu Beginn jeder Deregulierungsphase zählt sicherlich der immense Aufwand an Regulierungsbedarf. Dies kann sehr leicht dazu führen, daß sich Unternehmen in rechtlichen Grauzonen befinden, da Spezialfragen nicht schnell beantwortet werden können. Dadurch kann es zu einer Verunsicherung der Marktteilnehmer kommen. Vor allem in der Telekommunikationsund Strom-Branche bildete sich durch die Vielfalt an Angeboten und Tarifstufen eine Intransparenz des Marktes. [Scholz et al., 2001] [Feldbacher, 1990]

Um diesem Problem entgegenzuwirken gibt es in Österreich die Rundfunk und Telekom Regulierungs GmbH. Sie regelt das wichtige Thema des freien Wettbewerbs am österreichischen Rundfunk und Telekom Markt.

Die Rundfunk und Telekom Regulierungs GmbH (RTR-GmbH) wurde per 1. April 2001 mit der im Jahr 1997 gegründeten Telekom-Control GmbH verschmolzen. Im Sinne eines “Konvergenzregulators” fungiert die RTR-GmbH sowohl als Geschäftsstelle der Kommunikationsbehörde Austria (KommAustria) als auch der Telekom-Control-Kommission (TCK). [RTR, 2003]

Die RTR-GmbH besteht aus den zwei Fachbereichen Rundfunk und Telekommunikation und erfüllt im Wesentlichen folgende Aufgaben:

- Wahrnehmung von Aufsichtsrechten über Telekommunikationsunternehmen
- Geschäftsführung für die Telekom-Control-Kommission und die KommAustria
- Expertisen für die Entscheidungen der Telekom Control Kommission und der KommAustria
- Wahrnehmung der Aufgaben eines Kompetenzzentrums für Angelegenheiten der Branchen audiovisuelle Medien und Telekommunikation
- Verwaltung der Rufnummernpläne für Mobilund Festnetze
- Zuteilung von Adressierungselementen an Anbieter (zum Beispiel Zuteilung eines Carrier Codes)
- Entscheidung in Streitschlichtungsverfahren
- Herausgabe von Richtlinien für Schlichtungsverfahren
- Erstellung der Liste der angezeigten Dienste (zum Beispiel im Bereich der Mehrwertnummern)
- Sicherstellung der Verfügbarkeit eines einheitlichen Teilnehmergesamtverzeichnisses und eines Branchengesamtverzeichnisses
- Festlegung der Entschädigungsrichtsätze für Leitungsrechte
- Verfassen von Publikationen (zum Beispiel Telekommunikationsberichte)
- Veröffentlichungen, insbesondere in Bezug auf die marktbeherrschende Stellung der angezeigten Dienste der Zusammenschaltungsvereinbarungen, der Standardzusammenschaltungsangebote, der Entscheidungen der KommAustria und des Bundeskommunikationssenates
- Überwachung der Durchführung der besonderen Versorgungsaufgaben
- Ausschreibung im Auftrag der Obersten Fernmeldebehörde (OFB)
- Durchführung von Streitschlichtungsverfahren nach dem Fernsehsignalgesetz

2.3.1 Deregulierung am Beispiel der Telekom-Branche

Die Auswirkungen der Deregulierung auf den Markt wurde an einer plötzlichen Fülle von Anbietern mit einer Vielzahl von Produkten sichtbar. Die Kunden hatten nun die Möglichkeit, aus einer Vielzahl von Angeboten ein individuell passendes auszusuchen. In der Praxis erwies sich allerdings die Suche nach einem geeigneten Angebot als sehr arbeitsaufwendig. Zudem wechselten die Angebote, Produkte und Leistungen so rasch, daß es dem Verbraucher nur mit Mühe möglich war, den Überblick zu wahren.

Ein weiteres Problem ist sicherlich auch die Nummernportierung. Der im ersten Augenblick erscheinende Vorteil, das man seine Telefonnummer bei einem Anbieterwechsel beibehält führt in der Praxis zu Verwirrung. Bisher war die Nummer eines Anschlusses ein Hinweis auf die anfallenden Gebühren. Diese zum Teil wichtige Information geht durch Portierung der Nummer in manchen Bereichen verloren. Besonders die anstehende Nummernportierung im Mobilfunkbereich kann zu unerwünschten Effekten führen, wenn man eine Nummer im eigenen Anbieternetz wählt und irrtümlich der Meinung ist, daß man zum netzinternen günstigeren Tarif telefoniert. [Fremuth, 2002]

2.3.2 Ausblick

Die Deregulierungstendenzen haben den Konvergenzprozeß, besonders in der Telekommunikationsbranche, beschleunigt und teilweise überhaupt erst möglich gemacht. In einer vernetzten Welt wird eine Regulierung immer weniger möglich oder notwendig sein, denn je größer die Netze werden, desto weniger haben einzelne die Möglichkeit, dies zu kontrollieren. Der positive oder negative Einfluß weiterer Deregulierungen auf den Konvergenzprozeß wird davon abhängen, inwieweit es gelingt, einen neuen und einheitlichen Regulierungsrahmen aufzubauen. [Rockenhäuser, 1998]

2.3.3 Gesetzliches Umfeld

Ein wichtiger Einflußfaktor für die Entwicklung technischer und ökonomischer Konvergenzprozesse stellen die rechtliche Regelung für das Angebot und die Nutzung von Multimedialenund Telekommunikationsdiensten dar. Die Regulierung dieser Märkte wirkt sich im Allgemeinen auf zwei wesentliche Aspekte aus. Für die Marktteilnehmer muß der rechtliche Handlungsspielraum noch genügend Platz für die Entwicklung und Nutzung von neuen Angeboten bieten. Zum anderen benötigt ein Markt der reibungslos funktionieren soll in gewissem Ausmaß rechtliche Regelungen. Diese sollen dem Marktteilnehmer Anlaß zum Vertrauen auf die Zuverlässigkeit ihrer Marktpartner vermitteln. Im Falle einer Abweichung von den aufgestellten Regeln sollten diese eine kontrollierende Instanz bereitstellen. [Krieb, 2000]

Medien und Telekommunikationsrecht wachsen mehr zusammen. Dadurch daß die Netze liberalisiert werden, wird der Ausbau von Kommunikationsverbindungen gefördert und der Zugang zu Medienprodukten sichergestellt. [FKTG, 2000]

Bei den zukünftigen Entwicklungen der Rechtsordnung in diesen Bereichen darf man aber nicht vergessen, daß der Schutz des Konsumenten im Vordergrund stehen soll und daß den Nutzern eine preiswerte Auswahl aus einem vielfältigem Angebot in den Bereichen der Telekommunikation aber auch Strom, Gas, etc. gewährleistet werden soll.

2.4 Basistechnologien von TIME

Die Tendenz zur Konvergenz liegt im Allgemeinen einem gemeinsamen Einsatz von digitalen Technologien in den betroffenen Branchen (Telekommunikation, Rundfunk, Mediendienste, etc.) zugrunde. Digitale Technologien umfassen eine Vielzahl von Bereichen. Generell werden diese Technologien aber der Computerund Telekommunikationsbranche zugerechnet wie zum Beispiel Software, digitale Mikroelektronik, digitale Übertragungstechnologien, etc.. Diese Technologien haben bereits in den einzelnen Branchen ihren hohen Grad an Flexibilität, Effizienz und Wirtschaftlichkeit unter Beweis gestellt und gezeigt, daß sie kreatives Potential und Innovation fördern. [Grünbuch, 1997]

Eine Schlüsselposition in der Produktion von Inhalten sowohl im Entertainmentbereich als auch bei den Medien spielt die Computertechnologie. Methoden, mit denen Content produziert, geliefert und konsumiert wird, entwickeln sich weiter. Der Inhalt wird “anpaßbar”, sodaß er in verschiedenen Umfeldern verwendet werden kann und mittels verschiedener Technologien/Netzinfrastrukturen geliefert werden kann. Der Grundbaustein der audiovisuellen Materialien sind die MPEG-Normen für die Kodierung bewegter Bilder und für Ton. Informationen, die in diesem Format vorliegen, können wie alle anderen digital kodierten Materialien geändert, manipuliert und übertragen werden. Für die Übertragungsnetze ist es natürlich unerheblich was (Bilder, Ton, Text, etc.) übertragen wird. Digitale Kodierung bildet somit die Basis für die technologische Konvergenz. [Grünbuch, 1997]

2.4.1 Übertragungstechnologien

Zur Übertragung von digital kodierten Signalen (Ton, Bild) sind entsprechend leistungsfähige Übertragungsnetze erforderlich. Zur Übertragung gibt es wiederum zwei Möglichkeiten: Terrestrisch über ein breitbandiges Kabelnetz oder orbital über digitale Satelliten [Wilke et. al., 1996]. Wurden früher Informationen auf Basis von Kupferleitungen übertragen, so finden Hochgeschwindigkeitsnetze auf Basis von Lichtwellenleiter (LWL, Glasfaser) in Verbindung mit moderner “Server”-Technologie vermehrten Einsatz. Die hohen Datenübertragungsraten die durch digitale Übertragung erreicht werden, bieten die Möglichkeit, hochwertige Tonund Bildsignale über eine Vielzahl verschiedener Netzinfrastrukturen zu verbreiten.

Festnetz-Übertragungstechnologien wie zum Beispiel Schmalband-ISDN, xDSL, ATM, etc. werden garantieren, daß sowohl bestehende als auch neue Infrastrukturen beim Übermitteln der neuen Dienste eine Rolle spielen können.

Das Pendant dazu sind die mobilen Übertragungstechnologien wie GSM, GPRS, i-mode und UMTS (Siehe Kapietel 2.4.1.3 auf Seite 28). Die Leistungsfähigkeiten bestehender Netze werden auch durch Kompressionsmethoden, die auch in der MPEG-Norm enthalten sind, verbessert. [Grünbuch, 1997]

2.4.1.1 Festnetz xDSL, DSL

Der Begriff xDSL ist die Sammelbezeichnung für eine Familie unterschiedlicher DSL (Digital Subscriber Line) Varianten [Keil-Slawik, 2001]. Das x verweist in diesem Fall auf die momentan verwendete Technologie - in diesem Fall: die Geschwindigkeit - des DSL-Zugangs. Bereits in den 80er Jahren entstanden die ersten xDSL-Varianten mit rund 144 kBit/s, die durch die Aktivierung bislang ungenutzter Kupfer-Doppeladern herkömmlicher Telefonleitungen möglich wurden.

Die xDSL Varianten haben den großen Vorteil, daß sie auf der flächendeckend vorhandenen Kupferverkabelung des Telefonnetzes eingesetzt werden können. Bei der traditionellen Telefonie werden lediglich Frequenzen von bis zu 4 kHz belegt. Die meisten der vorhandenen verdrillten Kupfer-Doppeladern vertragen aber weit höhere Frequenzen (bis zu 1,1 MHz) zur Übertragung weiterer Informationen. Theoretisch ließe sich also das über 250-fache an Informationen über Kupferkabel vermitteln. Da es in hohen Frequenzbereichen jedoch zu Störungen (altersschwache Kabel, Dämpfungen, Störsignale, Nebensprechen bei eng aneinander verlegten Kabeln) kommt und dadurch Datenverluste zu beobachten sind, werden Kupferkabel lediglich bis zu einer Frequenz von 120 kHz genutzt. Um die zuvor nicht genutzte Differenz zwischen besagten 4 kHz und 120 kHz nutzen zu können, mußte man die Kupferkabel lediglich “splitten”.

Vor einem DSL-Modem wird nun die Kupferleitung in drei Kanäle aufgeteilt. Der erste Kanal ist der sogenannte “POTS”-Kanal (Plain Old Telephone Service). Er deckt den eigentlichen Telefondienst (Sprachübermittlung) ab. Die beiden anderen Kanäle dienen der Übermittlung von Daten, wobei der eine Kanal für Upstreams (Sendekanal = Datenstrom vom Kunden zum Anbieter) und der andere Kanal für Downstreams (Empfangskanal = Datenstrom vom Anbieter zum Kunden) zur Verfügung steht.

Als Vorreiter der DSL Technologie gilt das amerikanische Unternehmen Bellcore, das mit Asymmetrical DSL (ADSL) erstmals eine Protokollfamilie für den schnellen Datenaustausch entwickelte. [DSL-Magazin, 2003]

ADSL

Die ADSL-Technologie (Asymmetric Digital Subscriber Line) greift auf herkömmliche Kupferkabel zurück. Die Datenübertragung erfolgt also über das bestehende Telefonnetz. Parallel zu der Datenübertragung kann auf derselben Leitung telefoniert werden. ADSL selbst bietet keine Sprachdienst, ist also kein Ersatz für einen analogen oder einen ISDN- Anschluß (Integrated Services Digital Network), sondern ein zusätzliches Leistungsange-bot [Keil-Slawik, 2001]. Möglich wird dies durch eine technische Einrichtung die beim Kunden montiert wird, den Splitter, der Sprach- und Datendienste in unterschiedliche Frequenzen teilt. [DSL-Magazin, 2003] Bei ADSL handelt es sich um eine asymmetrische DSL-Variante, das heißt, daß Downloads schneller gehen als Uploads. Die möglichen Geschwindigkeiten liegen bei ADSL theoretisch bei einem maximalen Downstream von 8 MBit/s sowie einem maximalen Upstream von 768 kBit/s. [Keil-Slawik, 2001]

[...]


1 Medienbruch bedeutet die Übertragung von Daten eines Mediums in ein anderes Medium. (zum Beispiel von Printmedien in das Internet)

Ende der Leseprobe aus 121 Seiten

Details

Titel
Die Konvergenz der TIME-Branche
Hochschule
Fachhochschule Technikum Wien  (Elektronik / Wirtschaft)
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
121
Katalognummer
V120601
ISBN (eBook)
9783640242672
ISBN (Buch)
9783640246113
Dateigröße
1328 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konvergenz, TIME-Branche
Arbeit zitieren
Dipl.-Ing. (FH) Andreas Roth (Autor), 2003, Die Konvergenz der TIME-Branche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120601

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Konvergenz der TIME-Branche



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden