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John Cage - Vortrag über Nichts?

Title: John Cage - Vortrag über Nichts?

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 21 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Viktoria Stöbe (Author), Lydia Görlitz (Author)

Musicology - Miscellaneous
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Summary Excerpt Details

„Für mich ist Stille im wesentlichen das Aufgeben jeglicher Absicht.“ So spricht John Cage in einem Interview über die bildenden Künste bezüglich seiner Erwartungen gegenüber Film, Musik und Dichtung. Der Verzicht auf Absicht bedeutet Verzicht auf Erwartung, Verzicht auf Spekulation, Verzicht auf Ergebnis, gar Verzicht auf Inhalt?
Was ist also diese Stille? Oft kommt die Frage auf, ob überhaupt möglich sei, als Mensch nichts zu denken, völlige Leere zu empfinden, 'Stille' zu sein. Der Buddhismus lehrt in seiner spirituellen Praxis der Meditation diesen Zustand als bewusstseinserweiternde Übung. Zu beachten ist hierbei dass das lateinische Wort 'meditatio' neben 'zur Mitte ausrichten' auch mit 'das Nachdenken über etwas' übersetzt werden kann. Jedoch soll gerade durch die Meditation jenes Enden des alltäglichen bewussten Denkens erreicht werden. Gibt es demnach also zweierlei Auffassungen des Wortes 'Nachdenken'? Zum einen das bewusste Nachdenken über von sich selbst aus betrachtete Dinge, Geschehnisse, Emotionen und dem gegenüber das Nachdenken zur Mitte gerichtet, ins tiefste Innerste hinein, vielleicht vorbewusst oder gar unbewusst? Demnach besäße der Verzicht auf Absichten in der Stille dennoch einen Inhalt, einen sogar bedeutenden Inhalt, den der eigenen Mitte, über das Wesen der Dinge, was auch immer das bedeuten mag. Cage, der sich selbst ausführlich mit dem Zen- Buddhismus beschäftigt hat, bekräftigt im bereits erwähnten Interview eben jenes, hier allerdings bezüglich der bildenden Kunst 'Film': „Meiner Ansicht nach ist eine Diskussion über das Wesen der Stille in den drei verschiedenen Kunstformen, von denen eine der Film ist, bestimmt interessant. Sie könnte uns Aufschluss darüber geben, was das Wesen des Films ausmacht.“
Bei Betrachtung des Vortrags 'lecture on nothing' von John Cage tut sich eine Parallele auf. Zwar geht es hier nicht direkt um die 'Stille' , dennoch lässt schon der Titel vermuten, dass es in diesem Vortrag wohl um Nichts gehe. Wie soll man sich das vorstellen? Gibt es doch eine Vielzahl an Worten, Syntax und Interpunktionen, und doch drehe sich der Inhalt um Nichts?
Es wird versucht im Laufe dieser Arbeit eine Antwort darauf zu finden, ob es, neben dem versuchten Gleichsetzen von Poetik und Musik bei Cage, der Betrachtung über das Nachdenken gleich zu tun, auch zweierlei Möglichkeiten des Verständnisses von/ vom 'Nichts' gibt, worum es demnach Cage in seinem Vortrag geht bzw. er darin überhaupt einer Intention folgt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Der Verzicht auf 'Nichts'

2. Cage und die Poetik

3. „Silence“

3.1 Autor und Herausgeber

3.2 Widmung

3.3 Die Stille in der deutschsprachige Ausgabe

3.4 Das Vorwort

4. Vortrag über nichts

4.1 Form und Aufbau

4.2 „Inhalte“

4.2.1 Erste Einheit: Es gibt nichts zu sagen.

4.2.2 Zweite Einheit: Von der Struktur

4.2.3 Dritte Einheit: Das Material.

4.2.4 Vierte Einheit: Der Weg ins Nirgendwo.

4.2.5 Fünfte Einheit: --?--

4.3 Höreindruck

5. Die subjektive Erfahrung des 'Nichts'

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht John Cages Werk „Vortrag über nichts“ („lecture on nothing“) im Kontext seiner Ästhetik und seines musikalischen Schaffens. Ziel ist es, das Spannungsfeld zwischen der proklamierten Leere, der strengen strukturellen Komposition des Textes und der subjektiven Hörerfahrung zu analysieren sowie zu hinterfragen, ob Cage in seinem Vortrag einer bestimmten Intention folgt.

  • Cages Poetik und die Bedeutung von Stille und Leere
  • Strukturelle Analyse des „Vortrags über nichts“
  • Die Rolle der Zeit, Wiederholung und mathematischer Ordnungsprinzipien
  • Einfluss des Zen-Buddhismus auf Cages Denken und Komponieren
  • Höreindrücke und die performative Ebene des Vortrags

Auszug aus dem Buch

4.2.1 Erste Einheit: Es gibt nichts zu sagen.

Wie erwähnt gelten Cages Vorträge als Antworten auf nie gestellte Fragen. Gleich zu Beginn reagiert Cage auf anscheinende Erwartungen, was wohl jetzt kommen möge, indem er feststellt, dass es nichts zu sagen gäbe. Und doch sagt er direkt im Anschluss etwas wohl sehr wichtiges: Das einzige, was benötigt werde, sei Stille. Stille, erzeugt von Wörtern, Stille, die fern von Furcht, geliebt werden könne. Somit gibt er, neben einleitenden Beschreibungen zu dem Vortrag an sich, die Aussicht auf ein 'Ding', was dem Menschen fehlt, ihm gut täte, so wichtig wäre und tatsächlich nichts weiter ist als 'Stille'. Auch die Erklärung seiner Auffassung von Poesie hilft, verstehen zu können, was Cage mit ‘Stille‘ meint. Poesie sei für Cage eben gerade nichts zu sagen. „Unsere Poesie jetzt ist die Erkenntnis daß wir nichts besitzen.“ Freiheit für den Menschen dadurch, den Verlust nicht fürchten zu müssen, Freiheit durch Ungewissheit der Zukunft, Freiheit durch die Akzeptanz von Nichts. Poesie sei wie in der Musik die 'Form', als welche Cage seinen Inhalt bezeichnet. Wenn sich der Inhalt in der Form aufhält, gibt es folglich keinen Inhalt an sich? Oder wird der Inhalt also aufgelöst, da er sich in Freiheit und Stille als Nichts deklariert?

Zwar finden sich mehrere Ausschweifungen, wie die Auseinandersetzung mit Glas und Inhalt, Kansas, Arizona und New York, die sehr belanglos und dahergeredet erscheinen, doch finde ich, beinhaltet Cages Text dafür, dass er sogar am Ende seines ersten Abschnittes schreibt „Nichts mehr als nichts kann gesagt werden“, eine ganze Menge gehaltvoller Aussagen und Inhalte, die sich um ein Thema drehen: „Ich bin hier und es gibt nichts sagen.“, wie es Cage selbst in seinem zweiten Teil des Vortrags sagt: „Der erste Teil war eine eher abschweifende Erörterung von nichts, von Form und Kontinuität soweit sie so ist wie wir sie jetzt brauchen.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Der Verzicht auf 'Nichts': Das Kapitel führt in Cages Verständnis von Stille als Aufgeben von Absicht ein und hinterfragt, ob der „Vortrag über nichts“ trotz seiner textlichen Dichte inhaltlich Nichts thematisiert.

2. Cage und die Poetik: Hier wird Cages theoretisches Schaffen beleuchtet und die These aufgestellt, dass seine Vorträge eine diskursive Oralität besitzen, bei der Sprache zunehmend als Material fungiert.

3. „Silence“: Dieses Kapitel behandelt den Sammelband „Silence“, seine Entstehungsgeschichte, die Rolle von Herausgebern sowie die Schwierigkeiten bei der Übersetzung des Begriffs „Silence“ ins Deutsche.

4. Vortrag über nichts: Im Zentrum steht die detaillierte formale und inhaltliche Analyse des Vortrags, unterteilt in die Untersuchung von Struktur, mathematischen Mustern, der Methode der Wiederholung und der auditiven Rezeption.

5. Die subjektive Erfahrung des 'Nichts': Das Fazit stellt dar, dass Cage das „Nichts“ als Mittel zum Zweck nutzt, um dem Publikum eine subjektive Erfahrung zu ermöglichen, die als „Auszeit“ in der materiellen Welt fungiert.

Schlüsselwörter

John Cage, Lecture on nothing, Stille, Nichts, Struktur, Poetik, Zen-Buddhismus, Form, Material, Wiederholung, Zeit, Höreindruck, Unbestimmtheit, Sprache als Material, Musik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit John Cages Text „Vortrag über nichts“ und untersucht, wie Cage durch den Einsatz von Struktur, Wiederholung und sprachlichem Material das Konzept des „Nichts“ performativ erfahrbar macht.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Analyse fokussiert sich auf die Verbindung von Cages theoretischer Poetik mit seinem praktischen Vortrag, die Rolle des Zen-Buddhismus sowie die mediale Transformation vom Mündlichen zum Schriftlichen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass der Vortrag trotz seines Titels kein reines „Nichts“ ist, sondern eine präzise konstruierte Struktur besitzt, die eine subjektive Erfahrung des Hörers oder Lesers provozieren soll.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Autoren nutzen eine Kombination aus textimmanenter Analyse, dem Vergleich mit Cages eigener Poetik und dem Einbezug von Sekundärliteratur, um die strukturellen und inhaltlichen Ebenen des Vortrags zu dechiffrieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Entstehungsgeschichte des Buches „Silence“ sowie eine detaillierte, abschnittsweise Analyse des „Vortrags über nichts“, inklusive seiner formalen Gliederung und der Wirkung beim Hören.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Kernbegriffe sind John Cage, Stille, Struktur, Poetik, das „Nichts“ und die subjektive Erfahrung.

Welche Bedeutung misst Cage der Struktur bei?

Cage betrachtet Struktur als unerlässlich für die Wahrnehmbarkeit des Lebens; sie ist für ihn ein notwendiges Gerüst, auch wenn der Inhalt selbst zur Bedeutungslosigkeit tendiert.

Wie verhält sich der „Vortrag über nichts“ zu Cages Musik?

Der Text wird als „komponiertes Gespräch“ aufgefasst, das ähnliche rhythmische und formale Prinzipien verwendet wie seine musikalischen Kompositionen, wobei der Text selbst als ein Stück Musik verstanden wird.

Warum ist das Hörerlebnis für die Arbeit so zentral?

Die Arbeit betont, dass der Vortrag für die Stimme konzipiert wurde. Die rhythmische Wiederholung und das Sprechtempo führen beim Hörer zu einer veränderten Wahrnehmung, die das Publikum bisweilen in einen meditativen Zustand versetzt.

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Details

Title
John Cage - Vortrag über Nichts?
College
Martin Luther University
Course
Musikanalyse/ Tonsatz- Zeit und Ewigkeit
Grade
1,5
Authors
Viktoria Stöbe (Author), Lydia Görlitz (Author)
Publication Year
2007
Pages
21
Catalog Number
V120657
ISBN (eBook)
9783640250363
ISBN (Book)
9783640250431
Language
German
Tags
John Cage Vortrag Nichts Musikanalyse/ Tonsatz- Zeit Ewigkeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Viktoria Stöbe (Author), Lydia Görlitz (Author), 2007, John Cage - Vortrag über Nichts?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120657
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