Das geschiedene Kind

Der Nachwuchs als die leidtragende Instanz einer gescheiterten Ehe


Hausarbeit, 2006

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1. Zentrale Fragestellungen:

2. Die Trennungsphase
2.1. Art und Inhalt der Mitteilung des Entschlusses
2.2 . Wäre die Weiterführung der Ehe aus pädagogischer Sicht besser für das Kind?
2.3. Bewältigung der Trennung

3. Die Trennungsfolgen
3.1. Die Nach-Scheidungs-Krise
3.2. Hilfe zur Überwindung der Nach-Scheidungs-Krise
3.3. Die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes
3.4. Das traumatisierte Kind

4. Der Neuanfang
4.1. Das geschiedene Kind
4.2. Sind Scheidungskinder im späteren Leben zum Scheitern verurteilt?

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die kindlichen Lebenserfahrungen bilden das Fundament für die spätere Entwicklung des Menschen, auch die Scheidung der Eltern beeinflusst das Kind in seiner Persönlichkeitsentwicklung. In späteren Krisensituationen erinnert es sich an die Trennung der Eltern und die dadurch entstandenen Konflikte und Probleme zurück.

Die Scheidung scheint heutzutage beinahe alltäglich und normal geworden zu sein. In den vergangenen 15 Jahren wurden mehr als zwei Millionen Kinder zu Scheidungsopfern (vgl. „Stern“ 2007/ Nr.2, S.76). Die hohe Zahl der von diesem Schicksal betroffenen Kinder soll Anlass geben, zu untersuchen, wie die Kinder die Trennung der Eltern erleben und verkraften und wie die Eltern Hilfe zur Bewältigung der Trennungsprobleme ihres Kindes leisten können.

1.1. Zentrale Fragestellungen:

Wie wirken sich Art und Inhalt der Mitteilung auf das Trennungserlebnis des Kindes aus?

Wie kann dem Kind die Trauer genommen werden?

Welche Auswirkungen hat die Trennung der Eltern für das Kind?

Sind Scheidungskinder im späteren Leben zum Scheitern verurteilt?

2. Die Trennungsphase

Die Trennung der Eltern bildet eine schwierige Phase im Leben des Kindes, die es zu bewältigen gilt. Die Eltern selbst haben mit eigenen Schuldgefühlen zu kämpfen, sie stehen im Konflikt mit ihrem elterlichen Gewissen auf der einen Seite und ihren persönlichen Gefühlen auf der anderen (vgl. Figdor 2001, S. 12). Kinder spüren, wenn ihre Eltern unglücklich sind und leiden, sie geraten schnell in die Rolle des Ehetherapeuten. „...versuchen, die Eltern oder einen Elternteil zu trösten oder Maßnahmen zu ergreifen, welche die Wiederversöhnung der Eltern herbeiführen soll.“(Figdor 2001, S. 15).

Häufig miterlebte Streitereien der Eltern weisen auf eine Trennung hin, die Kinder spüren, dass etwas nicht stimmt und haben Angst um die Zukunft der Familie. „ ..., daß Streitereien oder gar Tätlichkeiten zwischen den Eltern bei den Kindern regelmäßig große Angst hervorrufen.“ (Figdor 2001, S.14). Auch Jahre später kann sich das Kind noch an diese Auseinandersetzungen erinnern.

Es sind nur wenige Kinder, die nichts von ihrem Schicksal ahnen, dass sich die Familie trennen wird, sie sehen in den Eltern nur die liebevollen, fürsorglichen Menschen, da sie Streitereien und Probleme der Eltern nicht mitbekommen.

Den Kindern ihren Entschluss, sich zu trennen, mitzuteilen, fällt allen Eltern schwer- sie fühlen sich schuldig, weil sie dem eigenen Kind Leid zufügen[1].

2.1. Art und Inhalt der Mitteilung des Entschlusses

Die Art und Weise, wie die Eltern den Kindern ihren Entschluss mitteilen, wirkt sich auf das Scheidungserlebnis des Kindes aus. Während die einen Eltern sich mit dem Kind zusammen hinsetzen, um ihm ihre Entscheidung mitzuteilen, ist in anderen Familien bereits ein Elternteil gegangen, ohne dem Kind sein Weggehen zu erklären. Kinder verstehen Sätze wie „Wir hatten oft Streit, wir trennen uns!“ nicht, da auch sie hin und wieder Streitigkeiten haben und nun Angst bekommen. „Mehr anfangen aber können kleine Kinder mit Sätzen wie: “Papa wird in einer anderen Wohnung wohnen, aber er wird kommen, um mit dir zu spielen.“ Kinder wollen versorgt sein und geschützt.“(„Stern“ 2007/ Nr.2, S.78).

Eltern bemühen sich oft nicht, dem Kind begreiflich zu machen, warum sie sich so entscheiden und warum sich die Familiensituation ändern wird. Das Kind soll verschont bleiben von elterlichen Problemen, man meint, das Kind ist noch zu jung, es kann noch nicht verstehen, folglich aber wird dem Kind keine Chance gegeben, die Situation zu verarbeiten.

Andere Elternteile, die bereits allein dastehen, machen den Ex-Partner vor dem Kind schlecht, da sie verletzt sind und meinen, es wäre auch besser für das Kind, diesen Menschen nicht mehr zu sehen. Sie haben Angst, dass Kind könne sich für den Ex-Partner entscheiden und letztlich auch weggehen.

Die Gefühle, die die Nachricht im Kind auslösen, sind für die Eltern oft nicht zu erahnen.

Für das Kind ist es wichtig, dass die Eltern die Wahrheit sagen, damit es sich eine eigene Meinung bilden kann und nicht aufgrund verletzter Gefühle der Eltern ein Meinungsbild aufoktroyiert bekommt. Wichtig ist auch, dass dem Kind die Gründe für die Scheidung so erklärt werden, dass es altersgerecht verstanden werden kann.

Kinder haben nach der Trennung ihrer Eltern individuelle Schicksale zu durchleben. Die einen sehen den Vater[2] nicht mehr, die anderen haben nun zwei Elternhäuser und damit die Wahl, wann sie zu wem möchten. Diese Kinder haben einen zusätzlichen Rückzugsraum gewonnen und wenn sie sich mit der Mutter streiten, haben sie die Möglichkeit, sich beim Vater zu erholen. Andere Kinder müssen damit leben, dass der Vater ein schlechter Mensch ist, da die Mutter nicht möchte, dass das Kind ihn sieht, die Mutter projiziert ihren Trennungsschmerz auf das Kind und redet dementsprechend abwertend über den Vater. Sie erwartet, dass das Kind für sie Partei ergreift. Da das Kind in diesem Moment ohnmächtig ist, akzeptiert es der Mutter zur Liebe, dass es den Vater nicht sehen darf, denn es hat ja nur noch die Mutter, so möchte es nicht mit ihr streiten.

Das Kind möchte möglichst wenig Ärger machen, da es sieht wie belastet und unglücklich die Mutter durch die Scheidung ist. Die Mutter ist schnell gereizt und genervt. „... bedeutet jede negative Reaktion des Kindes eine Bedrohung für das seelische Gleichgewicht der Mutter,...“(Figdor 2001, S.16). Das Kind zieht sich mehr und mehr zurück, es reagiert anders als früher auf gegebene Situationen- aufgrund verdrängter Gefühle tritt eine Persönlichkeitsveränderung auf.

2.2 . Wäre die Weiterführung der Ehe aus pädagogischer Sicht besser für das Kind?

Studien zufolge haben Scheidungskinder eine schlechtere Schulbildung als Kinder aus „heilen Elternhäusern“. „Alleinerzieher- und Scheidungskinder weisen im Durchschnitt einen kürzeren Schulbesuch auf, besuchen weniger oft mittlere und höhere Schulen und verfügen schließlich über ein geringeres berufliches Ausbildungsniveau.[3] “(Figdor 2001, S.14).

Sichtbar wird hier das Ergebnis von Konzentrationsstörungen in der Schule, die die Kinder infolge von inneren, aus der Scheidung resultierenden Konflikten haben. Nahezu alle Kinder leiden unter der Trennung ihrer Eltern, mit ihren Problemen werden sie allein gelassen, der schulische Abstieg folgt.

Ist es also im Sinne des Kindes, sich nicht zu trennen?

Fest steht, dass das Kind darunter leidet, wenn es den Eltern schlecht geht, Streitereien der Eltern lösen im Kind Ängste aus. „ Es herrscht allgemeine Einigkeit darüber, daß die Kinder, welche in den Kampf zwischen Mutter und Vater fast immer mit hineingezogen werden, dadurch in schwere Loyalitätskonflikte geraten, die sie überfordern und ihre seelische Entwicklung beeinträchtigen.“(Figdor 2001, S.15). Die Eltern erwarten im Streit unbewusst eine Parteiergreifung des Kindes für ihren Standpunkt, das Kind fühlt sich hin- und hergerissen zwischen den Eltern. Keineswegs sollten die Eltern das Kind in ihre Streitereien integrieren oder einen Standpunkt von ihm erwarten.

[...]


[1] Ich gehe davon aus, dass das Kind ein gutes Verhältnis zum Vater hat und in der Familie keine Gewalt vorherrscht.

[2] Ich gehe vom „Normalfall“ aus, in dem das Kind bei der Mutter wohnen bleibt.

[3] In Knapp/ Verzentnitsch 1983; Napp- Peters 1987; Wallerstein/ Blakeslee 1989

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Das geschiedene Kind
Untertitel
Der Nachwuchs als die leidtragende Instanz einer gescheiterten Ehe
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Veranstaltung
Pädagogische Arbeitsfelder
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V120714
ISBN (eBook)
9783640243068
ISBN (Buch)
9783640246366
Dateigröße
421 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kind, Pädagogische, Arbeitsfelder
Arbeit zitieren
Hanna Rühle (Autor), 2006, Das geschiedene Kind, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120714

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