"Wir wollen den Wert unseres Unternehmens dauerhaft und nachhaltig steigern, die Ertragskraft weiter verbessern und profitabel wachsen." Dieses Zitat von Jürgen Schrempp, dem ehem. Vorstandsvorsitzender der DaimlerChrysler AG, zeigt die Wichtigkeit des Themas dieser Hausarbeit, die wertorientierten Kennzahlen.
In vielen Geschäftsberichten großer Unternehmen sind solche oder ähnliche Zielsetzungen definiert. In diesem Zusammenhang wird oft von einer „Value-Based Unternehmensführung“ oder der Steuerung nach „Economic Value Added (EVA)“ gesprochen. Um den Erfolg dieser Ankündigungen messbar zu machen, sind wertorientierte Kennzahlen notwendig. Ich möchte in dieser Hausarbeit im einen fundierten Überblick über die geläufigsten wertorientierten Kennzahlen geben, welche tagtäglich in Medien oder Vorlesungen kursieren. Dazu gehe ich konkret auf die Kennzahlen Economic Value Added (EVA), Market Value Added (MVA) und Cash Value Added (CVA) samt deren Berechnungsformeln ein. Ich zeige praktische Beispiele auf und erkläre anhand dieser die Vorteile und Kritikpunkte der jeweiligen Ansätze. Die Berechnung dieser Kennzahlen werde ich zum einen anhand von Geschäftsberichten aus dem Unternehmensplanspiel „TOPSIM – General Management II“ verdeutlichen (Auswertungen siehe Anhang). Auf Grund der vereinzelten Vereinfachungen, welche zur Berechnung der Kennzahlen in dem Planspiel genutzt werden, führe ich zudem Praxisbeispiele aus dem Jahresabschluss 2007 der Beiersdorf AG auf. [...] Wertorientierte Kennzahlen sollen die Maßstäbe liefern, welche zur Messung der Ziele der Unternehmenswertsteigerung benötigt werden. Die Vielzahl der wertorientierten Kennzahlen sind teilweise nur mit erheblichem Aufwand zu errechnen und zu pflegen. Doch warum sind diese trotzdem sinnvoll und besitzen einen Informationsgehalt, welches über die traditionellen, bilanzorientierten Erfolgsmaße aus dem Jahresabschluss wie Gewinn oder EBIT hinausgeht? Bei der Betrachtung der wertorientierten Erfolgskennzahlen ist ein großer Unterschied zu den „einfachen Erfolgskennzahlen“ leicht erkennbar. Die Kosten für das eingesetzte Kapital...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Abgrenzung zwischen traditionellen Gewinnkennzahlen und wertorientiere Kennzahlen
3. Formeln, Berechnungen und Kritik wertorientierter Kennzahlen
3.1 Zugrundeliegende Berechnungsfaktoren
3.1.1 Nominale Erfolgskennzahlen
3.1.2 Kapital- und Vermögensgrößen
3.2 Economic Value Added (EVA)
3.2.1 Berechnung
3.2.2 Rechenbeispiele
3.2.2.1 Beispiel TOPSIM Unternehmensplanspiel
3.2.2.2 Beispiel Beiersdorf AG
3.2.3 Einsatzzweck
3.2.4 Kritik
3.3 Market Value Added (MVA)
3.3.1 Berechnung
3.3.2 Rechenbeispiele
3.3.2.1 Beispiel TOPSIM Unternehmensplanspiel
3.3.2.2 Beispiel Beiersdorf AG
3.3.3 Vorteile und Einsatzzweck
3.3.4 Kritik
3.4 Cash Value Added (CVA)
3.4.1 Berechnung
3.4.2 Rechenbeispiele
3.4.2.1 Beispiel TOPSIM Unternehmensplanspiel
3.4.2.1 Beispiel Beiersdorf AG
3.4.3 Vorteile und Einsatzzweck
3.4.4 Kritik
3.5 Weitere Hilfs-Kennzahlen in der Planspielauswertung TOPSIM
3.5.1 Earnings before Interest and Taxes (EBITDA)
3.5.2 Cash Flow-Statement Internatioal
4. Aktuelle Probleme
5. Herausforderung der Auswahl relevanter Kennzahlen
6. Anhang
6.1 – 6.4 Anzüge aus dem Jahresabschluss 2007 der Beiersdorf AG
6.5 – 6.6 Auswertungen Geschäftsberichte Unternehmensplanspiel TOPSIM
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Bedeutung und Anwendung wertorientierter Kennzahlen zur Messung der Unternehmenswertsteigerung. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie Kennzahlen wie Economic Value Added (EVA), Market Value Added (MVA) und Cash Value Added (CVA) berechnet werden, welchen Informationsgehalt sie besitzen und mit welchen kritischen Aspekten ihre Anwendung in der Unternehmenssteuerung verbunden ist.
- Grundlagen der wertorientierten Unternehmensführung
- Methodische Abgrenzung zu traditionellen Gewinnkennzahlen
- Detaillierte Berechnungsmethodik und Praxisbeispiele zu EVA, MVA und CVA
- Kritische Würdigung der Kennzahlen in Bezug auf Bilanzpolitik und Steuerungsaspekte
- Vergleich der Konzepte anhand des Unternehmensplanspiels TOPSIM und der Beiersdorf AG
Auszug aus dem Buch
3.2.4 Kritik
Die Kritik an der Kennzahl EVA besteht darin, dass diese auf Basis von Restbuchwerten ermittelt wird. Egal ob das investierte Kapital bzw. „Capital Employed“ passivisch (nach Kapitalstruktur der Bilanz) oder aktivisch (nach Vermögensstruktur der Bilanz) ermittelt wird, die Restbuchwerte sind die Grundlage der Berechnung. Somit würde sich der EVA eines Unternehmens bei sonst gleichen Bedingungen, d.h. ohne Investitionen, jedes Jahr verbessern. Dies geschieht aus dem einfachen Grund, dass das investierte Kapital bzw. das betriebsnotwendige Vermögen abgeschrieben wird und jährlich verringert wird, der Gewinn jedoch konstant bleibt. Der Zähler (Gewinn) bleibt gleich, der Nenner (Investiertes Kapital) verringert sich und damit steigt der Quotient (ROIC).
Der zweite Kritikpunkt liegt in der Bilanzpolitik der Unternehmen. Auch wenn durch die Verwendung des NOPAT versucht wird dem entgegenzuwirken und beispielsweise nicht-gezahlte Steuern einbezogen werden, verfälschen weiterhin mögliche steuer- oder handelsrechtliche Einflüsse das Ergebnis. Als Beispiel können dafür die „stillen Reserven“ genannt werden. Nach deutschem Handelsgesetzbuch (HGB) dürfen Vermögensgegenstände maximal zu Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten bilanziert werden. Wenn jedoch Grundstücke oder Gebäude im Wert steigen, wird dies nicht in der Bilanz und somit auch nicht im „Capital Employed“ oder „Invested Capital“ abgebildet. Dies ist nur ein Beispiel unter vielen.
Der dritte Punkt ist das typische Problem wertorientierter Kennzahlen, die äußerst komplexe Steuerung nach EVA.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, den Stellenwert wertorientierter Kennzahlen für eine nachhaltige Unternehmenssteuerung aufzuzeigen.
2. Abgrenzung zwischen traditionellen Gewinnkennzahlen und wertorientiere Kennzahlen: Dieses Kapitel arbeitet heraus, dass traditionelle Kennzahlen wie EBIT oder Jahresüberschuss Kapitalkosten vernachlässigen und somit keine Aussage über den tatsächlichen Mehrwert für Kapitalgeber treffen können.
3. Formeln, Berechnungen und Kritik wertorientierter Kennzahlen: Der Hauptteil erläutert detailliert die Berechnungslogik, Vorteile und Nachteile der Kennzahlen EVA, MVA und CVA und veranschaulicht diese durch Praxisbeispiele aus dem Planspiel TOPSIM und dem Jahresabschluss der Beiersdorf AG.
4. Aktuelle Probleme: Dieses Kapitel thematisiert die begrenzte Anerkennung wertorientierter Konzepte in Deutschland und das negative Image, das teilweise mit einer rein kapitalmarktorientierten Unternehmensführung verbunden wird.
5. Herausforderung der Auswahl relevanter Kennzahlen: Der Autor schließt mit der Feststellung, dass keine universell überlegene Kennzahl existiert und die Wahl vor allem auf Basis der Verständlichkeit und Praxistauglichkeit für das jeweilige Unternehmen getroffen werden sollte.
6. Anhang: Der Anhang bietet ergänzende Daten, wie Auszüge aus Geschäftsberichten und Bilanzdaten, die als Grundlage für die Berechnungsbeispiele der Arbeit dienen.
Schlüsselwörter
Wertorientierte Kennzahlen, Controlling, Economic Value Added, Market Value Added, Cash Value Added, NOPAT, Kapitalkosten, WACC, Unternehmenssteuerung, Beiersdorf AG, TOPSIM, Jahresabschluss, Rendite, Unternehmenswert, Bilanzanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung und Anwendung wertorientierter Kennzahlen in der Unternehmenssteuerung, um den tatsächlichen Erfolg eines Unternehmens aus Sicht der Kapitalgeber messbar zu machen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die mathematische Herleitung von EVA, MVA und CVA, der Vergleich mit traditionellen Gewinnkennzahlen sowie die kritische Reflexion über die Aussagekraft und Anwendungsgrenzen dieser Messgrößen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, dem Leser einen fundierten Überblick über die gängigsten wertorientierten Kennzahlen zu verschaffen und aufzuzeigen, wie diese zur Vermeidung von Fehlsteuerungen durch rein bilanzorientierte Gewinnmaße eingesetzt werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Der Autor nutzt eine methodische Literaturanalyse in Kombination mit Fallbeispielen, wobei die Kennzahlen sowohl anhand von Daten aus dem Unternehmensplanspiel TOPSIM als auch anhand realer Geschäftsberichte der Beiersdorf AG praktisch angewendet und berechnet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Definition, Berechnung, den Vor- und Nachteilen sowie der Kritik an EVA, MVA und CVA, ergänzt um eine kurze Darstellung von Hilfskennzahlen wie dem EBITDA.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Wertorientierte Kennzahlen, EVA, MVA, CVA, WACC, NOPAT, Unternehmenssteuerung und Kapitalmarktorientierung.
Warum ist die Beiersdorf AG als Praxisbeispiel gewählt worden?
Die Beiersdorf AG dient als reales Praxisbeispiel, um die theoretischen Konzepte der wertorientierten Kennzahlen auf Basis eines konkreten Jahresabschlusses zu verifizieren und deren Mehrwert für ein börsennotiertes Unternehmen zu demonstrieren.
Welche Rolle spielt das Planspiel TOPSIM in der Argumentation?
TOPSIM dient als vereinfachtes Simulationsmodell, das es dem Autor ermöglicht, die Auswirkungen von Managemententscheidungen auf die berechneten Kennzahlen transparent nachzuvollziehen und Unterschiede in der Berechnungslogik aufzuzeigen.
- Quote paper
- Kaspar Hagedorn (Author), 2008, Wertorientierte Kennzahlen. EVA, CVA, MVA, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120780