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Das Neue Ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft in der DDR

Vorbedingungen und Kerngedanken einer verhinderten Wirtschaftsreform

Title: Das Neue Ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft in der DDR

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 18 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Thomas Eschner (Author)

History of Europe - Newer History, European Unification
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Das Neue Ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft (NÖS) wurde durch einen Beschluss des Ministerrates der Deutschen Demokratischen Republik am 15. Juli 1963 ins Leben gerufen. Vom Leitgedanken des Marxismus-Leninismus ausgehend, dass eine Gesellschaft durch den Staat quasi nach Plan gestaltbar ist, war die Ausarbeitung und Umsetzung einer neuen sozialistischen Wirtschaftsordnung in der DDR zu Beginn der sechziger Jahre konsequent und logisch.1
Ziel dieser Arbeit ist, ausgehend von der wirtschaftlichen Situation Ende der fünfziger Jahre, die wichtigsten Eckpunkte der Reform zu beleuchten und in einem wirtschaftspolitischen Kontext darzustellen. Vor allem jene Maßnahmen, die in der „Richtlinie für das neue ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft“ der DDR als unumgängliche Voraussetzungen für die erfolgreiche Durchsetzung der Reform Erwähnung fanden (beispielsweise die Einführung eines Systems ökonomischer Hebel und die Reorganisation der Planungs- und Leitungsstrukturen), finden besondere Beachtung. Äußere Einflüsse auf die Reformbestrebungen in der DDR spielen dabei ebenso eine Rolle, wie die Resonanz, die diese Neuerungen in der DDR-Bevölkerung hervorriefen.

1 Vgl. Krömke, Claus: Das „Neue ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft“ und die Wandlungen des Günter Mittag (= Hefte zur DDR-Geschichte 37), Berlin 1996, S. 7.

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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die wirtschaftliche Situation in der DDR zur Dekadenwende

1.1 Ökonomische Hauptaufgabe und Mauerbau

1.2 Zwischen Mauerbau und Reformbeginn. Die DDR-Wirtschaft von 1961 bis 1963

2. Das Neue Ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft in der DDR

2.1 Liberman - Diskussion und Reformvorbereitungen

2.2 Die Reform – Inhalte und Ziele

2.2.1 Das System der ökonomischen Hebel

2.2.1 Die Industriepreisreform

2.2.3 Änderungen im Planungssystem

3. Zusammenfassung

4. Bibliographie

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen, die ökonomischen Beweggründe und die praktische Implementierung des „Neuen Ökonomischen Systems der Planung und Leitung“ (NÖS) in der DDR der 1960er Jahre sowie dessen Scheitern an den machtpolitischen Strukturen der SED.

  • Die wirtschaftliche Krise der DDR an der Wende von den 1950er zu den 1960er Jahren.
  • Die „ökonomische Hauptaufgabe“ und deren Auswirkungen auf die Wirtschaftsplanung.
  • Die Rolle der Liberman-Diskussion als Impulsgeber für die Reformbestrebungen.
  • Einführung ökonomischer Anreizsysteme und die Industriepreisreform.
  • Der Zielkonflikt zwischen wirtschaftlicher Rationalisierung und dem Machtanspruch der SED.

Auszug aus dem Buch

2.2.1 Das System der ökonomischen Hebel

Auf dem Weg zu einer effektiveren Wirtschaft musste unter anderem ein neues ökonomisches Anreizsystem geschaffen werden, das den Werktätigen ein hohes wirtschaftliches Engagement schmackhaft machte und so „die existierenden Interessengegensätze zwischen Partei und Staat auf der einen und Individuum und Betrieb auf der anderen Seite zu unterdrücken“ vermochte. Hatte die SED noch in den fünfziger Jahren versucht, gesellschaftliche und wirtschaftliche Probleme mithilfe von Gesetzen, moralischen Appellen oder mittels Zwangsmaßnahmen zu beseitigen, setzte sich im Zuge der Diskussion der Liberman - Thesen zu Beginn der sechziger Jahre die Einsicht durch, dass eine Übereinstimmung von individuellen und staatlichen Interessen nicht per Gesetz erreicht werden könne. In seiner Rede vom 15. Januar 1963 formulierte Walter Ulbricht diesbezüglich, dass die „vollständige Übereinstimmung zwischen den gesellschaftlichen Erfordernissen und materiellen Interessen der Individuen, Gruppen und Kollektive (die) wichtigste Triebkraft der ökonomischen und damit auch der gesellschaftlichen Entwicklung“ sei.

Ein System ökonomischer Anreize sollte also das wirtschaftliche Verhalten der Werktätigen so beeinflussen, dass sie bei der Verfolgung ihrer individuellen Ziele auch die Interessen der Gemeinschaft fördern würden. Zwar konnten schon früher besondere Leistungen mit Prämien oder Sonderzuwendungen belohnt werden, an die Stelle der oft unkoordiniert und widersprüchlich eingesetzten Einzelmaßnahmen sollte nun aber ein geschlossenes System von Regelungen für materielle Anreize treten. So wurden in der Richtlinie für das NÖS die ökonomischen Hebel als „gesetzmäßige Beziehungen zwischen den objektiven gesellschaftlichen Erfordernissen und den materiellen Interessen der Menschen“ definiert, die in direkter oder indirekter Weise auf die Werktätigen und Betriebe einwirken und dadurch deren wirtschaftliches Verhalten entscheidend mitbestimmen sollten.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Vorstellung des NÖS als Reformprojekt zur Modernisierung der sozialistischen Wirtschaftsordnung durch ökonomische Anreize ab 1963.

1. Die wirtschaftliche Situation in der DDR zur Dekadenwende: Analyse der wirtschaftlichen Probleme, des Ressourcenmangels und des Scheiterns der „ökonomischen Hauptaufgabe“ vor dem Mauerbau.

1.1 Ökonomische Hauptaufgabe und Mauerbau: Erläuterung der ideologisch geprägten Wachstumsziele und der negativen wirtschaftlichen Folgen, die letztlich zur Abriegelung der Grenze führten.

1.2 Zwischen Mauerbau und Reformbeginn. Die DDR-Wirtschaft von 1961 bis 1963: Diskussion über die Notwendigkeit einer grundlegenden Umgestaltung der Planungs- und Lenkungsmechanismen nach dem Ausbleiben erhoffter Effekte.

2. Das Neue Ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft in der DDR: Einführung des Reformkonzepts mit dem Ziel der Ökonomisierung durch eine Kombination aus staatlicher Planung und indirekter Selbststeuerung.

2.1 Liberman - Diskussion und Reformvorbereitungen: Untersuchung des sowjetischen Einflusses auf die DDR-Reform durch die Thesen zur betrieblichen Eigenverantwortung und Gewinnorientierung.

2.2 Die Reform – Inhalte und Ziele: Darstellung der Kernpunkte wie Rentabilitätsorientierung und der Einbindung von Kombinaten in den Planungsprozess.

2.2.1 Das System der ökonomischen Hebel: Analyse der Einführung materieller Anreize und der Aufwertung des Betriebsgewinns als Steuerungselement.

2.2.2 Die Industriepreisreform: Erläuterung der Anpassung von Preisen und der Neubewertung des Anlagevermögens zur Schaffung ökonomisch vertretbarer Grundlagen.

2.2.3 Änderungen im Planungssystem: Beschreibung des Übergangs von starrer Detailplanung zur Rahmenplanung sowie der neuen Rolle der Perspektivpläne.

3. Zusammenfassung: Reflexion über das Scheitern der Reform aufgrund des Widerspruchs zwischen ökonomischer Rationalisierung und dem zentralistischen Machtanspruch der SED.

4. Bibliographie: Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärquellen zur Wirtschaftspolitik der DDR.

Schlüsselwörter

Neues Ökonomisches System, NÖS, DDR-Wirtschaft, Wirtschaftsreform, Sozialistische Planwirtschaft, Ökonomische Hebel, Betriebsgewinn, Industriepreisreform, Liberman-Thesen, Walter Ulbricht, Arbeitsproduktivität, Zentrale Planung, Sozialismus, SED, Volkswirtschaftsrat.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Einführung und die Mechanismen des „Neuen Ökonomischen Systems der Planung und Leitung“ (NÖS) in der DDR ab 1963 sowie die Gründe für dessen letztendliches Scheitern.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Themen umfassen die wirtschaftliche Lage der DDR in den 1950er Jahren, die theoretische Basis der Reform, die Implementierung ökonomischer Hebel, Preisreformen und die strukturelle Umgestaltung der Planung.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel besteht darin, die Notwendigkeit der Reform ausgehend von der wirtschaftlichen Krise der Vorkriegsjahre darzustellen und aufzuzeigen, wie politische Interessen die wirtschaftliche Rationalisierung verhinderten.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Es handelt sich um eine historisch-analytische Untersuchung, die auf der Auswertung relevanter Fachliteratur und zeitgenössischer Dokumente zur Wirtschaftsgeschichte der DDR basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Ausgangslage, die detaillierte Darstellung der Reforminstrumente (Preise, ökonomische Hebel) und die Untersuchung der geänderten Planungsmethodik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind NÖS, ökonomische Hebel, Betriebsgewinn, Industriepreisreform, DDR-Wirtschaft und SED-Planungspolitik.

Warum war das NÖS laut Autor kaum zur Umsetzung geeignet?

Der Autor argumentiert, dass die Grundsätze einer echten ökonomischen Selbstständigkeit und marktorientierter Kategorien im diametralen Gegensatz zum Machtanspruch des „demokratischen Zentralismus“ der SED standen.

Welche Rolle spielte die Industriepreisreform in diesem Zusammenhang?

Sie war notwendig, um die durch staatliche Willkür deformierten Preise zu bereinigen, damit der Betriebsgewinn überhaupt als objektiver Maßstab für wirtschaftliches Handeln dienen konnte.

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Details

Title
Das Neue Ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft in der DDR
Subtitle
Vorbedingungen und Kerngedanken einer verhinderten Wirtschaftsreform
College
Dresden Technical University  (Philosophische Fakultät - Lehrstuhl für Technikgeschichte)
Course
HS Industrieller Wohnungsbau in der DDR
Grade
1,7
Author
Thomas Eschner (Author)
Publication Year
2007
Pages
18
Catalog Number
V120795
ISBN (eBook)
9783640260904
ISBN (Book)
9783640862382
Language
German
Tags
Neue System Planung Leitung Volkswirtschaft Industrieller Wohnungsbau
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thomas Eschner (Author), 2007, Das Neue Ökonomische System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft in der DDR, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120795
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