Der Kommentator eines Fußballspiels hat viele Möglichkeiten Stimmungen zu beschreiben, aber auch zu erzeugen. Er übertreibt, umschreibt und prognostiziert. Immer mit dem Ziel verbunden, den Zuschauer „bei Laune zu halten“, damit die Einschaltquote beständig bleibt, am besten sogar noch steigt.
Mit dieser Arbeit wird versucht die Verwendung von solchen unterhaltenden Merkmalen im Live-Kommentar bei Fußball-Länderspielen aufzuzeigen und zu analysieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Forschungsstand
1.2 Aufbau der Arbeit
1.3 Forschungsleitende Fragen
2. Sport im Fernsehen
2.1 Inszenierungsformen
2.2 Zwischen Information und Unterhaltung
2.3 Fußball im Fernsehen
2.4 Kritik
3. Der Kommentar
3.1 Die Sportsprache
3.1.1 Die Fachsprache
3.1.2 Der Jargon
3.1.3 Hyperbolik, Superlative und Metaphorik
3.2 Aufgaben eines Kommentators
3.3 Kommentar bei einem Live-Spiel
3.4 Unterhaltende Elemente
3.5 Zusammenfassung
4. Die Fußball-EM 2008 in der Schweiz und Österreich
4.1 Turnierverlauf der deutschen Mannschaft
4.2 Die Fußball-EM 2008 im deutschen Fernsehen
5. Hypothesen
6. Methodisches Vorgehen und Analysedesign
6.1 Kategoriensystem
6.2 Testphase
6.3 Untersuchungsmaterial
6.4 Untersuchungsverlauf
7. Präsentation der Ergebnisse
7.1 Form
7.2 Inhalt
7.3 Sprache
7.4 Beurteilung
7.5 Zusammenfassung
8. Hypothesendiskussion
9. Schlussbetrachtung und Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Verwendung unterhaltender Merkmale in der Live-Kommentierung von Fußball-Länderspielen mit deutscher Beteiligung während der Europameisterschaft 2008. Das primäre Ziel ist es zu analysieren, ob und in welcher Form Kommentatoren sprachstilistische Mittel und inhaltliche Schwerpunkte einsetzen, um Spannung und Dramaturgie für das Fernsehpublikum zu steigern.
- Analyse der Fußballsprache und ihrer spezifischen Charakteristika im Fernsehen.
- Untersuchung der Differenzierung zwischen bildbeschreibendem und bildergänzendem Kommentar.
- Einfluss der Personalisierung (insb. Fokus auf Starspieler wie Michael Ballack) auf den Unterhaltungswert.
- Vergleich der Kommentierung hinsichtlich ihrer emotionalen Färbung und Neutralität gegenüber der deutschen und gegnerischen Mannschaft.
Auszug aus dem Buch
3.3 Kommentar bei einem Live-Spiel
Im Unterschied zur zeitversetzten Berichterstattung, bei der lediglich die Höhepunkte eines Spiels zusammengeschnitten werden, findet die Live-Berichterstattung gleichzeitig zum Spielgeschehen statt, d.h. Aufnahme und Rezeption fallen zusammen. Das Problem, was sich nun für den Kommentator ergibt, ist, „Vorgänge ins Bild zu setzen, die mit solcher Geschwindigkeit abrollen, daß (sic) es kaum möglich ist, der Handlung immer zu folgen“ (Rosenbaum 1978, S. 144). Man spricht dabei von „situativer Realisierung“ (vgl. Scheu 1994, S. 269), bei die Kommentatoren „frei formulieren, die Fähigkeit haben, Gedanken über das, was sie auf dem Bildschirm sehen […] auszusprechen, nach grammatikalischen und den Regeln der Syntax und dabei unterhalten“ (Hattig 1994, S. 129). Im Unterschied zur zeitversetzten Berichterstattung kommt es aufgrund der Umstände vor, dass Pausen entstehen, die länger als eine Sekunde sind. Dies kann sowohl aus Gründen von Wortfindungsproblemen passieren oder auch durch rhetorische Mittel angewandt werden, um Aufmerksamkeit auf einen neuen Sprechtext zu lenken. Auf Grund von Stress sind sprachliche Fehler beim Kommentator nicht immer zu vermeiden, daher vertretbar.
Die einzigen Situationen, bei denen der Kommentator nicht auf die sich ständig verändernde Gegenwart des Spiels reagieren muss, sind Wiederholungen und Zeitlupen, welche neben ihrem Informationsgehalt auch Entspannung für Zuschauer und Kommentator liefern können. Festzuhalten bleibt, der Kommentator befindet sich „in einer Situation der permanenten Überforderung, er muss permanent präsent sein und die Zuschauer […] an das Programm binden“ (Scherer 2004, S. 227). Kerner erläutert vertiefend, dass ein Live-Kommentator alle Situationen anzusprechen habe, auch wenn sie noch so undurchsichtig sein mögen (vgl. Kerner 2005, S. 43). „Entscheidende Situationen müssen geklärt werden, man sollte Stellung beziehen“ (ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung des Live-Kommentars bei Fußball-Länderspielen dar, erläutert den aktuellen Forschungsstand und definiert die zentralen Forschungsfragen der Arbeit.
2. Sport im Fernsehen: Das Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung der Sportberichterstattung im Fernsehen und die mediale Inszenierung von Sport als "Infotainment".
3. Der Kommentar: Dieser Abschnitt analysiert die linguistischen Grundlagen der Sportsprache, die Rolle des Kommentators sowie die spezifischen Anforderungen an eine Live-Berichterstattung.
4. Die Fußball-EM 2008 in der Schweiz und Österreich: Es folgt ein Überblick über den Turnierverlauf, mit besonderem Fokus auf die deutsche Mannschaft und deren mediale Präsenz.
5. Hypothesen: Basierend auf der Theorie werden hier konkrete Annahmen für die empirische Analyse formuliert, insbesondere zur Gewichtung von bildbeschreibendem versus bildergänzendem Kommentar.
6. Methodisches Vorgehen und Analysedesign: Dieses Kapitel beschreibt das Kategoriensystem, die Testphase der Inhaltsanalyse sowie die Auswahl des Untersuchungsmaterials.
7. Präsentation der Ergebnisse: Hier werden die erhobenen Daten systematisch dargestellt, geordnet nach Form, Inhalt, Sprache und Beurteilung.
8. Hypothesendiskussion: Die in Kapitel 5 aufgestellten Hypothesen werden anhand der Ergebnisse aus Kapitel 7 validiert oder falsifiziert.
9. Schlussbetrachtung und Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der Ergebnisse und einem Ausblick auf zukünftige Forschungsmöglichkeiten im Bereich der Sportberichterstattung.
Schlüsselwörter
Sportfernsehen, Live-Kommentar, Inhaltsanalyse, Fußball-EM 2008, Sportsprache, Infotainment, Bildergänzender Kommentar, Bildbeschreibender Kommentar, Personalisierung, Dramaturgie, Sportjournalismus, Mediennutzung, Emotionale Resonanz, Michael Ballack, Fernsehquote.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die unterhaltenden Aspekte und sprachlichen Strategien von TV-Live-Kommentatoren bei deutschen Fußball-Länderspielen während der EM 2008.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung umfasst die Sportsprache, die mediale Inszenierung von Sportevents sowie das Spannungsverhältnis zwischen Information und Unterhaltung im Fernsehen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Verwendung von unterhaltenden Merkmalen (wie Metaphern, Dramatisierung oder Personalisierung) systematisch zu erfassen und zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die empirische Inhaltsanalyse, um eine große Anzahl an Kommentatoreinheiten nach einem festen Kategoriensystem auszuwerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zur Sportberichterstattung und eine detaillierte empirische Analyse der EM-2008-Spiele mit deutscher Beteiligung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Infotainment, Live-Kommentierung, bildergänzender Kommentar, Personalisierung und Sportjournalismus.
Welche Rolle spielt Michael Ballack in der Analyse?
Der Autor untersucht die Personalisierung am Beispiel von Michael Ballack, da dieser als Kapitän und "Star" der Mannschaft besonders häufig im Fokus der Kommentatoren stand.
Wie unterscheiden sich bildbeschreibender und bildergänzender Kommentar?
Während der bildbeschreibende Kommentar lediglich auf das sichtbare Geschehen eingeht, liefert der bildergänzende Kommentar zusätzliche Informationen, Einschätzungen oder emotionale Einordnungen.
- Citar trabajo
- Tobias Hoffmeister (Autor), 2008, Unterhaltungsmerkmale im Live-Kommentar bei deutschen Fußball-Länderspielen – Eine empirische Inhaltsanalyse der deutschen Fußballspiele bei der EM 2008, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120833