Der Fremdsprachenunterricht in Deutschland unterlag seit jeher einem stetigen Wandel. Die dominierenden fremdsprachendidaktischen Ziele der letzten 30 Jahre sind die Interkulturelle und ihre Vorgängerin, die kommunikative Kompetenz, auf die im nächsten Punkt in aller Kürze eingegangen werden soll. Linguisten, Didaktiker, Psychologen und Lehrer haben sich seither dazu berufen gefühlt, sich in Veröffentlichungen mit diesen beiden Ansätzen zu beschäftigen. Im Folgenden sollen nicht nur Veröffentlichungen aus der heutigen Zeit, sondern auch aus der Zeit des Aufkommens der jeweiligen Konzepte Eingang in diese Arbeit finden. Im Anschluss daran wird anhand von Beispielen gezeigt werden, ob, wann beziehungsweise in welchem Ausmaß die Grundgedanken beider Ansätze in der Schulpraxis, also als Vorgaben im Lehrplan oder als Methodik in den Lehrbüchern verwirklicht sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Grundlagen der landeskundlichen Interkulturalität
2.1. Klärung des Begriffes Kommunikative Kompetenz
2.2. Klärung des Begriffes interkulturelle Kompetenz
2.2.2. Reflexivität und Metasprachliches
2.2.3. Allgemeine Erziehungsziele des interkulturellen Unterrichts
2.3. Von der Ausländerpädagogik zur interkulturellen Erziehung
2.4. Beginn des Interkulturellen Lernens in der Grundschule
2.4.1 Linguistik
2.4.2. Höflichkeitsforschung
2.4.3. Landeskunde
2.4.4. Zusammenfassende Bemerkung
2.5. Konzept zum Interkulturellen Lernen nach H. Otten
2.5.1. Wichtige Faktoren für die Entwicklung eines Konzepts zum interkulturellen Lernen
2.5.2 Ziele interkulturellen Lernens bei H. Otten
2.5.2.1. Grundqualifikationen sozialen Handelns
2.5.2.2. Einstellungen
2.5.2.3. Wahrnehmung
2.5.2.4. Verhalten
2.5.3. Umsetzung der Ziele in die Praxis
2.6. Interkulturelles Lernen in der Schule
2.6.1. Schaffung der notwendigen Grundlagen für interkulturelles Lernen
2.6.2. Auswahl von Zielen interkulturellen Lernens für die Schule
2.6.2.1. Allgemeines Ziel
2.6.2.2. Bereichsziel
2.7. Konkrete Umsetzung der Ziele im Unterricht
2.7.1. Vorbereitende Schritte
2.7.2. Informationen zu den Schülern
2.7.3. Verlaufsplanung: Deutungsmuster zum Thema Haus
2.8. Interkulturelles Training im Rahmen der universitären Ausbildung
2.8.1. Allgemeine Bemerkungen
2.8.2. HOPIKOS: Ein Projekt für interkulturelles Training
2.8.2.1. Hintergründe und Ziele des Projekts
2.8.2.2. Aufbau des Trainings
2.9. Landeskundliche Interkulturalität in den Lehrplänen des G8 und G9
2.9.1. Verankerung der Landeskunde im Lehrplan Englisch des neunstufigen Gymnasiums (G9)
2.9.2. Verankerung der Landeskunde im Lehrplan des achtstufigen Gymnasiums (G8)
3. Analyse der Lehrwerke des neunstufigen Gymnasiums von Klasse fünf bis sieben
3.1 Analyse der Lehrbuchreihe English G aus dem Cornelsen Verlag
3.1.1 Eingehende Untersuchung der einzelnen Bände
3.1.1.1 Lehrbuch für die fünfte Jahrgangsstufe
3.1.1.2 Lehrbuch für die sechste Jahrgangsstufe
3.1.1.3 Lehrbuch für die siebte Jahrgangsstufe
3.2 Analyse der Lehrbuchreihe Green Line aus dem Klett- Verlag
3.2.1 Eingehende Untersuchung der einzelnen Bände
3.2.1.1 Lehrbuch für die fünfte Jahrgangsstufe
3.2.1.2. Lehrbuch für die sechste Jahrgangsstufe
3.2.1.3. Lehrbuch für die siebte Jahrgangsstufe
4. Analyse der Lehrbuchreihe Learning English- Green Line New für das achtstufige Gymnasium von Klasse fünf bis sieben
4.1 Analyse der einzelnen Bände
4.1.1 Lehrbuch für die fünfte Jahrgangsstufe
4.1.2 Lehrbuch für die sechste Jahrgangsstufe
4.1.3 Lehrbuch für die siebte Jahrgangsstufe
5. Schlussbemerkung
6. Bibliographie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und Umsetzung interkultureller Lernziele im Englischunterricht in Deutschland. Im Fokus steht dabei die Forschungsfrage, inwieweit moderne fremdsprachendidaktische Ansätze sowie die interkulturelle Kompetenz in aktuellen Lehrwerken für das neunstufige (G9) und achtstufige (G8) Gymnasium sowie in der Grundschule implementiert sind und wie diese durch Konzepte wie das HOPIKOS-Training in der universitären Ausbildung ergänzt werden können.
- Historische Entwicklung von der kommunikativen zur interkulturellen Kompetenz im Fremdsprachenunterricht.
- Methodische Ansätze zur Förderung interkulturellen Lernens (z.B. Deutungsmusteransatz nach H. Otten).
- Analyse der Integration landeskundlicher und interkultureller Inhalte in gängigen Lehrbuchreihen (English G, Green Line).
- Bedeutung von Fremdsprachenlehrern als Moderatoren interkultureller Lernprozesse.
- Kritische Evaluation der Praxistauglichkeit von interkulturellen Lehrplanvorgaben.
Auszug aus dem Buch
2.1. Klärung des Begriffes Kommunikative Kompetenz
Der Begriff der kommunikativen Kompetenz taucht als Schlagwort in vielen verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen auf. In der Pädagogik, der Didaktik, der Soziologie, der Psychologie sowie den Wirtschaftswissenschaften finden sich Theorien über die Aneignung, die Notwendigkeit sowie den Wert einer kommunikativen Kompetenz. Bei dieser Gelegenheit bleiben inhaltliche und definitorische Aspekte meist unbeachtet. Man kommuniziert über kommunikative Kompetenz, als ob eine begriffliche Bestimmung nicht vonnöten wäre.
Der Begriff wird oft unreflektiert als bekannt vorausgesetzt und in den verschiedensten Bedeutungskontexten benutzt.
Das Konstrukt der kommunikativen Kompetenz entstand Anfang der 1970er Jahre aus der Unzufriedenheit mit dem zu dieser Zeit vorherrschenden instrumentalen Fremdsprachenunterricht. Audio-visuelle und audio-linguale Methoden hatten im Rahmen des sogenannten Bildungsbooms zu einer formalistischen Technisierung des Unterrichts (z.B. Sprachlabor) geführt. Die mit der Studentenbewegung von 1968 einhergehende Veränderung sozialer Prioritäten hatte einerseits einen Bruch mit den philologischen Wissenschaften zur Konsequenz, sie führte andererseits zur Hinwendung zu erziehungswissenschaftlichen Fächern sowie zur Sozio-, Psycho- oder Pragmalinguistik.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Der Fremdsprachenunterricht in Deutschland hat sich gewandelt, wobei die kommunikative und interkulturelle Kompetenz die dominierenden Ziele der letzten 30 Jahre sind.
2. Grundlagen der landeskundlichen Interkulturalität: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Fundamente, die Begriffe kommunikative und interkulturelle Kompetenz sowie die Notwendigkeit interkultureller Bildung in einer multikulturellen Gesellschaft.
3. Analyse der Lehrwerke des neunstufigen Gymnasiums von Klasse fünf bis sieben: Hier werden die Buchreihen "English G" und "Green Line" kritisch auf ihre Umsetzung interkultureller und kommunikativer Prinzipien untersucht.
4. Analyse der Lehrbuchreihe Learning English- Green Line New für das achtstufige Gymnasium von Klasse fünf bis sieben: Dieses Kapitel analysiert spezifisch die Lehrwerkreihe für das achtstufige Gymnasium und bewertet deren modernen Ansatz im Vergleich zum G9.
5. Schlussbemerkung: Die Arbeit fasst zusammen, dass interkulturelle Bildung ein komplexer Lernprozess ist, der in der Schule und Hochschule noch weiter gestärkt werden muss.
6. Bibliographie: Ein Verzeichnis aller verwendeten Quellen, aufgeteilt in Lehrwerke und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Kompetenz, Kommunikative Kompetenz, Fremdsprachenunterricht, Landeskunde, Sprachdidaktik, Pragmadidaktik, Lehrwerkanalyse, Deutungsmuster, Interkulturelles Lernen, Globalisierung, Identitätsbildung, Mediation, Schüleraustausch, HOPIKOS, Fremdverstehen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und Etablierung des interkulturellen Lernens im Fremdsprachenunterricht und analysiert, wie moderne Ansätze zur Förderung interkultureller Kompetenz in der deutschen Schulpraxis und in aktuellen Lehrwerken umgesetzt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die theoretische Abgrenzung von kommunikativer und interkultureller Kompetenz, die Bedeutung von Deutungsmustern, die Rolle des Lehrers als Moderator sowie die kritische Untersuchung von Lehrwerken für verschiedene Gymnasialformen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, den Status quo der interkulturellen Bildung im Fremdsprachenunterricht zu evaluieren und aufzuzeigen, wie Schüler durch geeignete didaktische Maßnahmen zu einer angemessenen interkulturellen Kommunikation befähigt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin verwendet einen theoretisch-analytischen Ansatz. Neben der Aufarbeitung fremdsprachendidaktischer Literatur wird eine vergleichende Analyse verschiedener Englisch-Lehrwerke für das G8 und G9 durchgeführt.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil der Arbeit im Mittelpunkt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (inkl. Ottens Konzept), die Erörterung des interkulturellen Trainings in der universitären Ausbildung (HOPIKOS) sowie die detaillierte Untersuchung spezifischer Lehrbuchreihen (English G, Green Line).
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die wichtigsten Schlagworte sind interkulturelle Kompetenz, Lehrwerkanalyse, Sprachdidaktik, interkulturelles Lernen und Fremdsprachenunterricht.
Warum ist der "Deutungsmusteransatz" nach H. Otten für die Autorin relevant?
Dieser Ansatz dient als wichtiges theoretisches Instrument, um den Lernprozess von der reflexiven Krise (Befremdung) über die Analyse bis hin zum Transfer des Gelernten strukturiert abzubilden.
Welche Kritik übt die Arbeit an den untersuchten Lehrwerken?
Die Autorin bemängelt unter anderem die teilweise mangelnde Authentizität der Texte, die unzureichende Berücksichtigung sozialer Konflikte und die Vernachlässigung der mündlichen Mediation in einigen Bänden.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der universitären Ausbildung?
Die Autorin plädiert für ergänzende Programme wie "HOPIKOS", da sie der Meinung ist, dass eine rein theoretische Ausbildung an Universitäten nicht ausreicht, um Studierende praxisnah auf interkulturelle Herausforderungen vorzubereiten.
Welche Rolle spielt die Grundschule im Kontext interkulturellen Lernens?
Die Autorin betont, dass die Grundschule ein idealer Ort ist, um frühzeitig Grundlagen für Offenheit und Neugier zu legen, da Kinder in diesem Alter noch weniger von starren Vorurteilen geprägt sind als Erwachsene.
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- Rainer Kohlhaupt (Author), 2008, Erlangen Schüler durch interkulturelles Lernen in der Schule interkulturelle Kompetenz?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120844