In der vorliegenden Seminararbeit sollen die Funktionsweise und die Maßnahmen des Working Capital Managements sowie des Factorings geklärt werden und welchen Einfluss diese auf die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen Liquidität, Cashflow und Rentabilität haben. Des Weiteren soll geklärt werden, inwieweit das Factoring mit dem Working Capital Management verknüpft ist und welche Möglichkeiten sich aus diesem Zusammenspiel ergeben.
Unternehmen geraten immer wieder unerwartet in eine Krisensituation, welche aus Fehlern durch das Management, Fehlinvestitionen oder falsch eingesetzte Marktsituationen resultiert. Eine sich entwickelnde Krise führt mit der Zeit zu Liquiditätsengpässen, welche im Rahmen der Außenfinanzierung in Form von Krediten durch die Bank ausgeglichen werden soll. Mit Voranschreiten der Krise sinken jedoch die Handlungsmöglichkeiten für den Turnaround des Unternehmens, da externe Kapitalgeber wie die Bank Abstand nehmen.
Eine alternative Möglichkeit bietet hier die Innenfinanzierung. Diese ist mit einer Vermögensumschichtung im Rahmen eines aktiven Working Capital Managements möglich. Durch die Beschaffung von Produktionsfaktoren für die Erstellung von Produkten und Dienstleistungen und der damit verbundenen Rechnungsstellung und Bezahlung durch den Kunden entsteht eine Kapitalbindung im Umlaufvermögen. Das hier gebundene Kapital gilt es durch verschiedene Finanzierungsarten bereitzustellen. Eine Möglichkeit ist hierbei ein nachhaltiges Working Capital Management, durch welches eine Vermögensumschichtung durch eine Senkung der Vorräte und Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (LuL) und einer dauerhaften Erhöhung der Verbindlichkeiten bei Lieferanten stattfindet. Einen Weg um den Forderungsbestand zu senken bietet das Factoring, bei welchem dem Unternehmen die Liquidität direkt zur Verfügung gestellt wird. Gerade in Zeiten einer Unternehmenskrise sind die Möglichkeiten einer Außenfinanzierung begrenzt. Daher ist eine Innenfinanzierung, wie beispielsweise durch ein nachhaltiges Working Capital Management, notwendig.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation
1.2 Forschungsfrage und Zielsetzung
2 Theoretische Grundlagen und Begriffsbestimmung
2.1 Betriebswirtschaftliche Kennzahlen
2.1.1 Liquidität
2.1.2 Cashflow
2.1.3 Rentabilität
2.2 Factoring
3 Working Capital Management
3.1 Grundlagen des Working Capital Management
3.2 Bestandteile des Working Capital Management
3.2.1 Vorratsmanagement
3.2.2 Forderungsmanagement
3.2.3 Verbindlichkeitsmanagement
3.3 Cash Conversion Cycle
4 Verbesserung des Working Capital durch Factoring
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen dem Working Capital Management und dem Factoring als Instrument der Innenfinanzierung, um insbesondere in Krisenzeiten die Liquidität von Unternehmen zu sichern und zu optimieren.
- Grundlagen betriebswirtschaftlicher Kennzahlen (Liquidität, Cashflow, Rentabilität)
- Konzept und Bestandteile des Working Capital Managements
- Analyse des Cash Conversion Cycle als Effektivitätsindikator
- Funktionsweise und Vorteile des Factorings zur Forderungsoptimierung
- Risiken und Zielkonflikte bei der Steuerung des Working Capital
Auszug aus dem Buch
2.2 Factoring
Mit Factoring ist der Ankauf von Forderungen durch einen Factor definiert. Unter einem Factor versteht man den Käufer der Forderung, welches in der Regel ein spezialisiertes Finanzierungsinstitut und seltener eine Bank ist. Es handelt sich beim Factoring um ein Kreditsubstitut, denn es erübrigt sich die Kreditaufnahme. Für das verkaufende Unternehmen, dem Factoringnehmer, hat das Factoring verschiedene Vorteile. So übernimmt der Käufer der Forderung die Finanzierungsfunktion. Somit erhält der Factor die Mittel noch vor der Fälligkeit der Forderung. Des Weiteren wird im Rahmen der Dienstleistungsfunktion die Verwaltung und die Überwachung des Forderungsbestands abgenommen. Im Falle eines sogenannten „echten Factorings“ wird auch das Ausfallrisiko der Forderung übernommen. Sollte das Risiko beim Forderungsverkäufer verbleiben, spricht man vom „unechten Factoring“.
Für die Übernahme der Forderung werden durch den Factor Gebühren fällig, welche sich üblicherweise in Finanzierungsfunktion, Dienstleistungsfunktion und Forderungsausfallrisiko gliedert. So fallen für die Finanzierungsfunktion in der Regel bankübliche Zinsen in Höhe des Kontokorrentsatzes an. Für die Dienstleistungsfunktion 0,5 bis 2,5 Prozent des Volumens der Forderung und für das Forderungsausfallrisiko je nach statistischer Wahrscheinlichkeit für einen Ausfall 0,2 bis 2 Prozent des Forderungsvolumens. Das Factoring kann offen, oder aus zum Beispiel vertriebspolitischen Gründen, verdeckt erfolgen. Wird das Factoring verdeckt gehalten, so spricht man von einem stillen Factoring. Die Forderungsabtretung hat jedoch in der Unternehmenspraxis ein schlechtes Image, da Kunden vermuten, dass das Unternehmen Liquiditätsprobleme hat oder eventuell vor einer Insolvenz steht. Dies hängt damit zusammen, dass Banken solch eine Forderungsabtretung, welche auch Zession genannt wird, erst offenlegen, wenn der Schuldner in finanziellen Schwierigkeiten ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Problematik von Unternehmensszenarien in der Krise und führt das Working Capital Management sowie Factoring als potenzielle Lösungsansätze zur Innenfinanzierung ein.
2 Theoretische Grundlagen und Begriffsbestimmung: Dieses Kapitel definiert zentrale betriebswirtschaftliche Kennzahlen wie Liquidität, Cashflow und Rentabilität und erläutert die Grundlagen des Factorings.
3 Working Capital Management: Hier werden die Bestandteile des Working Capitals (Vorräte, Forderungen, Verbindlichkeiten) analysiert und die Effektivität über den Cash Conversion Cycle hergeleitet.
4 Verbesserung des Working Capital durch Factoring: Das Kapitel veranschaulicht, wie durch den Verkauf von Forderungen im Rahmen des Factorings unmittelbar Liquidität geschaffen und die Kapitalbindung reduziert werden kann.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass aktives Working Capital Management und Factoring zwar die Liquidität erhöhen, jedoch stets unter Berücksichtigung damit verbundener Risiken und Kosten zu betrachten sind.
Schlüsselwörter
Working Capital Management, Factoring, Liquidität, Cashflow, Rentabilität, Innenfinanzierung, Forderungsmanagement, Vorratsmanagement, Verbindlichkeitsmanagement, Cash Conversion Cycle, Unternehmenskrise, Kapitalbindung, Finanzierung, Betriebswirtschaftliche Kennzahlen, Zahlungsziel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit behandelt die Möglichkeiten zur Liquiditätssicherung durch ein aktives Working Capital Management sowie den gezielten Einsatz von Factoring als Instrument der Innenfinanzierung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der betriebswirtschaftlichen Kennzahlen, der Optimierung der Bestandteile des Working Capitals und der Untersuchung von Factoring zur Verbesserung der Kapitalstruktur.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, die Funktionsweise von Working Capital Management und Factoring zu klären und den Einfluss dieser Maßnahmen auf die Liquidität und Rentabilität eines Unternehmens aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der Untersuchung betriebswirtschaftlicher Kennzahlen, um Zusammenhänge zwischen Finanzierungsinstrumenten und Unternehmensliquidität herzuleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Kennzahlen Liquidität, Cashflow und Rentabilität, die Komponenten des Working Capitals, das Konzept des Cash Conversion Cycle sowie die praktische Anwendung und Gebührenstruktur von Factoring.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Working Capital Management, Factoring, Liquidität, Cashflow und Finanzlücke geprägt.
Was unterscheidet das "echte" vom "unechten" Factoring?
Beim echten Factoring übernimmt das Factoring-Institut zusätzlich zur Finanzierungs- und Dienstleistungsfunktion auch das volle Delkredererisiko (Ausfallrisiko), während dieses beim unechten Factoring beim Unternehmen verbleibt.
Warum spielt der Cash Conversion Cycle eine wichtige Rolle?
Der Cash Conversion Cycle dient als Indikator für die Effektivität des Working Capital Managements, da er die Dauer misst, in der Kapital in den betrieblichen Abläufen gebunden ist.
Welche Risiken ergeben sich aus der Optimierung des Working Capitals?
Zu aggressive Maßnahmen, wie eine zu starke Reduzierung von Vorräten oder ein zu hartes Mahnwesen, können die Lieferfähigkeit gefährden, Kunden verärgern oder Geschäftsbeziehungen zu Lieferanten belasten.
Unter welchen Umständen ist Factoring keine langfristige Option?
Wenn die anfallenden Gebühren für das Factoring die erzielbare Gewinnmarge des Absatzes zu stark mindern, sollte es lediglich als kurzfristige Maßnahme zur Liquiditätssteigerung genutzt werden.
- Arbeit zitieren
- Tobias van Vorst (Autor:in), 2019, Working Capital Management und Factoring, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1208628