In der nachfolgenden Arbeit werden die vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Veränderungen in eine Wissensgesellschaft und den veränderten Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt in Richtung Dienstleistungsgesellschaft und Globalisierung die Schwachstellen des deutschen Schulbildungssystems genannt. Im folgenden soll herausgefunden werden, welche neuen Andorderungen an die Institution Schule gestellt werden und welche möglichen Reformmaßnahmen zur Verfügung stehen, um vielleicht die eine herauszufiltern. Dabei werden nicht nur die Reformfähigkeit, sondern insbesondere die Reformwilligkeit der entscheidenden Organe und der Bevölkerung an sich diskutiert. Es ist vordergründig nicht davon auszugehen, ein Patentrezept für die Reform der deutschen Schule zu finden, sofern dieses überhaupt gesucht wird, sondern vor allem Möglichkeiten vorzustellen, welche schließlich durch Zusammenstellen genutzt oder zumindest getestet werden können.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Wissensgesellschaft
1.1 Über das Wissen
1.2 Erschließung von Wissen
1.3 Strukturwandel in der Wissensgesellschaft
1.4 Soziale Ungleichheit in der Wissensgesellschaft
1.5 Bildung in der Wissensgesellschaft
2. Die Bildungsexpansion- Ein Rückblick auf die 60er und 70er Jahre
2.1 Nach dem Zweiten Weltkrieg
2.2 Die 60er
2.3 Die Bildungsreform
2.3.1 Resumè und Auswirkungen
3. Die Schule heute im Bildungssystem
3.1 Allgemeine Bildung der Gesellschaft
3.2 Die Erwartungen der Gesellschaft an die Schule
3.3 Die Aufgaben der Schule
3.4 Werte in der Schule
3.5 Schule bestimmt durch staatlichen Einfluss
3.6 Soziale Disparitäten in und durch Schule
3.7 Zusammenfassung in vier Punkten
3.7.1 Ausgangspunkt Recht
3.7.2 Ausgangspunkt Schüler
3.7.3 Ausgangspunkt Lehrer
3.7.4 Ausgangspunkt Schule
4. Die PISA- Studie
4.1 Inhalt und Ziele
4.2 Ergebnisse der PISA- Studie
4.2.1 Die soziale Herkunft
4.2.2 Anspruch oder Begabungsglaube?
4.3 Kritik an PISA
5. Das Problem von Dreigliedrigkeit und Selektivität
5.1 Schuld bei der Halbtagsschule?
5.2 Die Lehrer im Bildungssystem
5.3 Beispiel Ganztagsschule Frankreich
5.4 Das finnische Bildungswesen
6. Das Problem von Bildungszertifikaten
6.1 Das Abitur auf dem Prüfstand
6.2 Andere Leistungsanforderungen
7. Exkurs Elitenbildung
8. Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg
8.1 Die Rolle der Familie
8.1.1 Familie im Rechtsrahmen
8.1.2 Der Erziehungsauftrag der Eltern
8.2 Schichtenzugehörigkeit und veränderter Lebensstil
8.2.1 Armut in der Familie
8.2.2 Familien mit Migrationshintergrund
8.3 Der Zusammenhang
8.3.1 Folge: Bildungsarmut
8.4 Exkurs Pierre Bordieu
8.4.1 Das kulturelle Kapital
8.4.2 Der Habitus
8.4.2.1 Das Habituskonzept und Bildung
8.4.3 Kritik
8.5 Die Frage nach Chancengleichheit
9. Der Einfluss der Ausgaben auf die Bildung
9.1 Bildungsausgaben
9.2 Die Verwendung der Bildungsfinanzierung
9.3 Private und Öffentliche Bildungsfinanzierung
9.4 Reformvorschläge
10. Qualifikationsbedarf und Marktanspruch
10.1 Der deutsche Arbeitsmarkt
10.2 Qualifikation und Arbeitsmarkt
10.3 Qualifikationsbedarf und Marktanspruch
10.3.1 Zeiten des Wandels
10.3.2 Bildung und Wissen im Zeichen des Wandels
10.3.3 Schlüsselqualifikationen und neue Notwendigkeiten
11. Reformvorschläge
11.1 Zusammenfassung Kritik
11.2 Allgemeine notwendige Veränderungen
11.3 Der Ausbau der Ganztagsschule
11.4 Einführung Gesamtschule
11.5 Offener Unterricht
11.6 Autonomie der Schule
11.6.1 Schule im Zeichen des Föderalismus
11.7 Die Anforderungen der Gesellschaft
Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht das deutsche Bildungssystem im Kontext des gesellschaftlichen Wandels hin zur Wissensgesellschaft. Dabei analysiert die Arbeit die Reformfähigkeit und den Reformwillen der entscheidenden Instanzen angesichts der Herausforderungen durch Globalisierung, technologischen Fortschritt und die Ergebnisse der PISA-Studie.
- Strukturwandel zur Wissensgesellschaft und neue Anforderungen an das Bildungswesen
- Historische Analyse der Bildungsexpansion und ihrer Auswirkungen
- Die Rolle der Schule bei der Reproduktion sozialer Ungleichheit
- Einfluss der sozialen Herkunft und des kulturellen Kapitals auf den Bildungserfolg
- Kritik an Selektivität und Reformpotenziale wie Ganztagsschule oder Autonomie
Auszug aus dem Buch
1. Die Wissensgesellschaft
Die Erzeugung und die Verteilung von Wissen werden in der Zukunft eine vorrangige Bedeutung in der Wertschöpfung wie auch im gesellschaftlichen Bewusstsein einnehmen. Wissen wird als Fähigkeit zum ( sozialen) Handeln gesehen und damit auch als Möglichkeit, etwas in Gang zu setzen. Wissen betrachtet als ein symbolisches System strukturiert die Realität, es ist Modell für die Wirklichkeit. Es illuminiert und durch Wissen ist das Individuum potentiell in der Lage, die Realität zu verändern. Dabei wird Wissen als ein universales Phänomen gesehen oder aber auch als eine konstante anthropologische Größe ( Stehr 2001: 8) Diese Erkenntnis gewinnt an Distinktion und Zuwachs an Wert aufgrund seiner Fähigkeit, die Wirklichkeit zu verändern. Dabei liegt die Betonung um den Begriff Wissen stets bei der Fähigkeit zum Handeln. Die Realisierung oder Anwendung von Wissen vollzieht sich jedoch immer unter bestimmten sozialen und kognitiven Rahmenbedingungen, auf welche an anderer Stelle noch eingegangen werden soll.
Wissen ist nicht nur eine bloße Fähigkeit zum Handeln, es hat ferner viele herausragende ( Einzel-)Funktionen. Wissen erhöht das Demokratiepotenzial liberaler Gesellschaften, indem es die Fähigkeit des Staates vermindert seinen Willen durchzusetzen. Des weiteren ist Wissen in zweifacher Weise als ein unmittelbarer Produktionsfaktor zu betrachten. Zum ersten in Form von in den Organisations- und Managementstrukturen gespeichertem Wissen und zum zweiten Wissen auf globalisierten Devisen-, Finanz- und Kapitalmärkten in Form einer permanenten Informationsselektion als eine essentielle Ressource für den wirtschaftlichen Erfolg ( Bittlingmayer 2001: 16) Es ist hinzuzufügen, dass für ein erfolgreiches sowohl wirtschaftliches als auch soziales Handeln weiterhin die Beherrschung von Metakompetenzen im Rahmen eines Wissens zweiter Ordnung von zentraler Bedeutung sind. Dazu zählen unter anderem Selbstökonomisierung, Selbstvermarktung, eine aktive Biografisierung, sowie Emotionsmanagement zur Selbstmotivation als auch individuelle Sinngebung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Wissensgesellschaft: Das Kapitel analysiert die zunehmende Bedeutung von Wissen als zentraler Produktionsfaktor und Organisationsprinzip in modernen Gesellschaften.
2. Die Bildungsexpansion- Ein Rückblick auf die 60er und 70er Jahre: Dieser Rückblick beleuchtet den historischen Wandel von der Klassengesellschaft zur Berufsgesellschaft und die daraus resultierenden Reformbestrebungen.
3. Die Schule heute im Bildungssystem: Das Kapitel erörtert die vielfältigen, teils widersprüchlichen Erwartungen an die Schule sowie ihre zentralen Funktionen wie Qualifikation, Selektion und Integration.
4. Die PISA- Studie: Hier werden Inhalt, Ziele und die zentralen Ergebnisse der PISA-Studie sowie deren mediale und politische Rezeption kritisch hinterfragt.
5. Das Problem von Dreigliedrigkeit und Selektivität: Es wird die selektive Wirkung des deutschen Schulsystems auf den Bildungserfolg von Kindern aus verschiedenen Schichten diskutiert.
6. Das Problem von Bildungszertifikaten: Das Kapitel untersucht die abnehmende Garantiefunktion von Bildungszertifikaten für sozialen Aufstieg und die Notwendigkeit von Schlüsselqualifikationen.
7. Exkurs Elitenbildung: Eine kritische Betrachtung der Selektionsmechanismen bei der Rekrutierung von Eliten im deutschen Bildungssystem.
8. Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg: Das Kapitel stellt die zentrale Bedeutung von Familie, Schichtzugehörigkeit und kulturellem Kapital für den Schulerfolg heraus.
9. Der Einfluss der Ausgaben auf die Bildung: Hier werden die Finanzierungsstrukturen des Bildungssystems und die Effizienz der Mittelverwendung analysiert.
10. Qualifikationsbedarf und Marktanspruch: Es wird die Veränderung des Arbeitsmarktes und der Anforderungen an das Qualifikationsniveau der Erwerbstätigen thematisiert.
11. Reformvorschläge: Abschließend werden allgemeine und spezifische Ansätze zur Reform des Bildungssystems unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Anforderungen vorgestellt.
Schlüsselwörter
Wissensgesellschaft, Bildungsexpansion, PISA-Studie, Chancengleichheit, soziale Herkunft, Bildungsarmut, Pierre Bourdieu, Habitus, Dreigliedrigkeit, Schulreform, Humankapital, Qualifikationsbedarf, Schlüsselqualifikationen, Ganztagsschule, soziale Selektion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Leistungsfähigkeit und die Reformfähigkeit des deutschen Bildungssystems vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Transformation zur Wissensgesellschaft und den globalen Anforderungen an den Arbeitsmarkt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Schwerpunkten gehören der Einfluss der sozialen Herkunft auf den Bildungserfolg, die Problematik der selektiven Schulstruktur, der Stellenwert der Bildungsfinanzierung und die Anforderungen einer modernen Informationsgesellschaft an die Kompetenzen der Lernenden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Untersuchung?
Ziel ist es, die Schwachstellen des deutschen Schulsystems herauszuarbeiten und zu prüfen, inwieweit politische Reformansätze geeignet sind, diese zu beheben, wobei insbesondere die Reformwilligkeit der beteiligten Akteure kritisch beleuchtet wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse soziologischer und bildungspolitischer Theorien (u.a. PISA-Berichte, Bourdieus Theorie des kulturellen Kapitals) sowie der Auswertung empirischer Daten zur Bildungsbeteiligung und zum Arbeitsmarkt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zur Wissensgesellschaft, historische Rückblicke auf die Bildungsexpansion, eine detaillierte Analyse der PISA-Ergebnisse, die Untersuchung sozialer Disparitäten und eine kritische Auseinandersetzung mit verschiedenen Reformvorschlägen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Wissensgesellschaft, soziale Ungleichheit, Chancengleichheit, Bildungsarmut, Habitus, PISA, Selektivität und Humankapital.
Warum wird Pierre Bourdieu in der Analyse herangezogen?
Bourdieu dient dazu, die ungleichen Bildungschancen durch seine Konzepte des kulturellen Kapitals und des Habitus zu erklären, um aufzuzeigen, wie soziale Herkunft und schichtenspezifische Lebensstile Bildungserfolge determinieren.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Staates bei Schulreformen?
Die Arbeit warnt vor einem reinen Aktionismus oder populistischen Forderungen. Sie betont die Notwendigkeit staatlicher Steuerung und Qualitätssicherung, kritisiert jedoch die Überregulierung und die Tendenz, Verantwortung ohne hinreichende Ausstattung zu delegieren.
- Quote paper
- Diplom-Politologin Alexandra Tiede-Schwerin (Author), 2004, Das deutsche Bildungssystem auf dem Prüfstand, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120918