Heide-Interpretation im Museumsdorf Hösseringen (Lüneburger Heide)

Von der Arten- und Biotopvielfalt einer 5000 Jahre alten Kulturlandschaft


Diplomarbeit, 2008
131 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Zusammenfassung

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Anlass und Ziel der Arbeit
1.2 Methodik und Vorgehensweise

2 Lehrpfade in der Umweltbildung
2.1 Historische Entwicklung von Natur-Lehrpfaden
2.2 Vermittlungsmethoden
2.3 Technische Darstellungsmöglichkeiten
2.4 Typen von Lehrpfaden
2.4.1 Klassischer Lehrpfad
2.4.2 Lernpfad
2.4.3 Erlebnispfad
2.4.4 Interpretationspfad
2.4.5 Klassischer Themenweg
2.5 Anforderungen an einen zeitgemäßen Lehrpfad

3 Historische Entwicklung und Konzeption des Museumsdorfes

4 Konzeption des Heide-Lehrpfades
4.1 Ziel des Pfades
4.2 Zielgruppe des Pfades
4.3 Methodische Einordnung des Pfades
4.4 Vermittlungsinhalte des Pfades
4.4.1 Der Begriff Heide
4.4.2 Verbreitungsgebiet von Heidevegetation
4.4.3 Entwicklung der Kulturlandschaft Heide
4.4.4 Heide als Lebensraum
4.4.5 Gefährdung der Heide
4.4.6 Naturschutz in der Lüneburger Heide
4.4.7 Militär in der Lüneburger Heide
4.5 Kooperation mit Umweltverbänden und touristischen Institutionen 4.5.1 Beteiligung der Verbände
4.5.2 Integration der Anregungen in die weitere Arbeit
4.5.3 Entwicklung eines Werbeflyers für die Öffentlichkeitsarbeit der Verbände

5 Aufbau und Gestaltung des Heide-Interpretationspfades
5.1 Stationen des Pfades
5.2 Informationsheft „Materialien zum Museumsbesuch“
5.3 Quiz
5.4 Werbeflyer und Internetauftritt des Heideweges

6 Fazit

Anhang I: Einladung von Umweltverbänden und touristischen Organisationen

Anhang II: Zeitungsartikel

Anhang III: Arbeitsblatt Interpretation

7 Literaturund Quellenverzeichnis
7.1 Literatur zum Thema Umweltbildung
7.2 Literatur zum Thema Heide
7.3 Sonstige Literatur
7.4 Quellenangaben

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Geographische Lage des Museumsdorfes Hösseringen

Abb. 2: Insektenauge im Park der Sinne in Laatzen

Abb. 3: Klangstäbe im Park der Sinne in Laatzen

Abb. 4: Zuordnung verschiedener Lehrpfadtypen zu den Erlebnisdimensionen

Abb. 5: Interpretationsdreieck

Abb. 6: Gepflasterte Dorstraße im Museumsdorf Hösseringen

Abb. 7: Imkerhaus im Museumsdorf Hösseringen

Abb. 8: Verbreitung der Heidelandschaften in Europa um 1800

Abb. 9: Nährstofftransfer in der historischen Heidebauernwirtschaft

Abb. 10: Typische Sandheide

Abb. 11: Heidelbeer-Sandheide

Abb. 12: Blüte der Besenheide

Abb. 13: Heidelbeer-Heide im Museumsdorf Hösseringen

Abb. 14: Wacholder

Abb. 15: Birkhuhn

Abb. 16: Wiesenpieper

Abb. 17: Neuntöter

Abb. 18: Rotfuchs

Abb. 19: Kreuzotter

Abb. 20: Zauneidechse

Abb. 21: Feld-Sandlaufkäfer

Abb. 22: Kleines Nachtpfauenauge

Abb. 23: Heidschnuckenherde im Steingrund

Abb. 24: Flämmen der Heide

Abb. 25: Maschinelles Plaggen

Abb. 26: Entkusselungsaktion

Abb. 27: Panzer in der Heide

Abb. 28: Führung durch das Museumsdorf

Abb. 29: Cattle grid

Abb. 30: Überstieg

Abb. 31: Übersichtskarte Heide-Weg

Abb. 32: Layout der Schautafeln

Abb. 33: Wegbegleiter im Vergleich

Abb. 34: Standort der 10 Stationen

Abb. 35: Standort Station 1

Abb. 36: Regenfester Prospekthalter

Abb. 37: Schautafel 1 vor der Beteiligung

Abb. 38: Blick über die Heidefläche von Station 2 aus

Abb. 39: Schautafel 3 vor der Beteiligung

Abb. 40: Schautafel 1, endgültige Fassung

Abb. 41: Schautafel 2

Abb. 42: Schautafel 3, endgültige Fassung

Abb. 43: Navigationstafel vor der Beteiligung

Abb. 44: Navigationstafel, endgültige Fassung

Abb. 45: Schautafel 4 vor der Beteiligung

Abb. 46: Schautafel 4, endgültige Fassung

Abb. 47: Wacholder begünstigt das Aufwachsen von Eichen und Fichten

Abb. 48: Schautafel 5

Abb. 49: Schautafel 6

Abb. 50: Schautafel 7

Abb. 51: Schautafel 8

Abb. 52: Schautafel 9

Abb. 53: Wegweiser

Abb. 54: Schautafel 10

Abb. 55: Titelblatt des Informationsheftes in der Reihe „Materialien zum Museumsbesuch“

Abb. 56: Quiz zum Heide-Weg

Abb. 57: Werbeflyer zum Heide-Weg

Abb. 58: Internetauftritt des Heide-Weges

Vorwort

Im September 2007 habe ich auf einer Exkursion des Fachbereichs Architektur und Landschaft, betreut durch Frau Dipl.-Ing. Kirsch-Stracke, das Museumsdorf Hösseringen kennen gelernt. Ich war sogleich begeistert von dem ganzheitlichen Konzept eines Museumsdorfes und hörte mir mit großem Interesse an, was der Museumsdirektor, Herr Dr. Horst W. Löbert, uns über die Planung eines Heide-Lehrpfades berichtete.

Als ich etwa drei Monate später über ein Thema für meine Diplomarbeit nachdachte, erinnerte ich mich wieder an diese Planung. So nahm ich Kontakt zu Herrn Dr. Löbert auf, der mir mit Freuden den Auftrag zur Gestaltung des Lehrpfades erteilte.

Es hat mir großen Spaß gemacht, diesen Lehrpfad zu entwickeln. Besonders die produktive Zusammenarbeit mit den Fachleuten von BUND, Nabu, NLWKN, Verein Naturschutzpark e.V. sowie von der HeideRegion Uelzen habe ich sehr positiv wahrgenommen. An dieser Stelle bedanke ich mich herzlich für die vielen hilfreichen Anregungen. Mein besonderer Dank gilt Herrn Dr. Löbert für die Literaturhinweise und die ausführlichen Informationen über die Lüneburger Heide und das Museumsdorf.

Auch für die rege Teilnahme am Heide-Quiz bedanke ich mich herzlich bei all meinen Verwandten und Freunden. Mit eurer Hilfe konnten viele Ungenauigkeiten und missverständliche Formulierungen beseitigt werden.

Zusammenfassung

In dieser Arbeit wird das Konzept für einen Lehrpfad zum Thema Kulturlandschaft Heide als Lebensraum für Pflanzen und Tiere entwickelt. Dieser Lehrpfad soll durch die Heidefläche des Museumsdorfes Hösseringen führen. Zusätzlich werden mehrere Begleitmaterialien entworfen, die das Angebot des Lehrpfades vervollständigen.

Im ersten Teil der Arbeit werden verschiedene Lehrpfadtypen vorgestellt und ihr jeweiliger Lehreffekt diskutiert. Da die gängigen Lehrpfadtypen sich teilweise stark voneinander unterscheiden, werden im Anschluss Kriterien für einen zeitgemäßen und pädagogisch sinnvollen Lehrpfad formuliert.

Nachdem das Museumsdorf Hösseringen kurz vorgestellt wird, beschäftigt sich der zweite Teil mit dem Thema Heide. Es wird sowohl das Verbreitungsgebiet und die historische Entstehung von Heidelandschaften als auch die Flora und Fauna dieser einzigartigen Kulturlandschaft dargestellt. Im Anschluss werden die Gefährdung und die Erhaltungsmöglichkeiten der Heide diskutiert.

Im letzten Teil der Arbeit werden zehn Stationen für den Lehrpfad vorgestellt, die durch eine Kombination der ersten beiden Arbeitsschritte entworfen werden. Zusätzlich zu den Schautafeln des Lehrpfades werden ein Informationsheft, ein begleitendes Quiz sowie ein Werbeflyer gestaltet.

Im Laufe der Arbeit findet eine Beteiligung von Umweltorganisationen und touristischen Institutionen statt, deren Anregungen in das Konzept mit aufgenommen werden.

1 Einleitung

Das Museumsdorf Hösseringen liegt in der Lüneburger Heide, etwa 20 km südwestlich von Uelzen, Niedersachsen (s. Abb. 1). Es handelt sich um ein Freilichtmuseum, in dem alte Bauten der Lüneburger Heide ausgestellt sind. Das Ziel des Museums ist es, die ländliche Geschichte der Lüneburger Heide in lebendiger und anschaulicher Form zu vermitteln.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Geographische Lage des Museumsdorfes Hösseringen (P ENSION H AUS K ATERBERG , verändert)

Das Museumsgelände ist mit zwölf Hektar Fläche ein recht überschaubares Areal. Dem Besucher ist es freigestellt, ob er es auf einem kleinen oder einem großen Rundweg erkundet, für die er ein beziehungsweise zwei Stunden einplanen sollte.

Die zur Zeit 26 Gebäude und das weitläufige Außengelände des Museumsdorfes bieten „einen Eindruck davon, wie man in den letzten 400 Jahren in der Lüneburger Heide auf dem Lande gewohnt und gewirtschaftet hat.“ (LWM 2005).

Im Museumsdorf befindet sich eine etwa 3 Hektar große Heidefläche, die in einem durch die Eiszeit geformten Trockental liegt. Die Vegetation dieser Heidefläche kann grob in drei Varianten der „Sandheide“ unterschieden werden. Eine von Besenheide (Calluna vulgaris) dominierte Variante der Sandheide beherrscht den Südhang des Tals, während die Vegetation am Schatthang und an stärker beschatteten Bereichen von der Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) dominiert wird. Am Nordhang stehen außerdem vereinzelte Wacholdersträucher (Juniperus communis). Eine dritte Variante der Sandheide ist auf den trittbelasteten Bereichen und an den Wegrändern zu finden. Dort ist die Heide stark durch Rotes Straußgras (Agrostis capillaris) vergrast (BUHR 2005: 46 f.).

Im Rahmen des Museums hat diese Heidefläche hauptsächlich die Funktion, die unterschiedlichen historischen Bewirtschaftungsarten von Heide darzustellen. Daher ist die Fläche in kleine Bereiche unterteilt, die vier Vegetationstypen zeigt: Sandmagerrasen, charakteristische Gehölzformationen, Heidelbeer-Heiden und Calluna-Heiden in ihren zyklisch ablaufenden Entwicklungsphasen (ebd.: 65).

Das Konzept für die Erhaltungspflege dieser Vegetationsformen wurde im Rahmen einer Diplomarbeit an der Universität Hannover ausgearbeitet (BUHR 2005). Die Umsetzung dieses Konzeptes ist nun so weit fortgeschritten, dass die Heidefläche für die Museumsbesucher geöffnet werden kann.

1.1 Anlass und Ziel der Arbeit

Ziel dieser Arbeit ist es, ein Konzept für einen Lehrpfad zu entwerfen, der die Besucher durch die Heidefläche des Museumsdorfes Hösseringen führt und sie in Form von Stelltafeln über die Kulturlandschaft Heide als Lebensraum für Pflanzen und Tiere informiert. In diesem Zusammenhang sollen die Entstehung der Heidelandschaft, die Lebensraumfunktionen von Heidevegetation, sowie die Gefährdung von Heide durch Umwelteinflüsse und Nutzungskonflikte vermittelt werden. Den Besuchern sollen die Zusammenhänge und Abhängigkeiten zwischen Natur und anthropogenem Handeln verdeutlicht und individuelle Möglichkeiten zum Schutz der Heide aufgezeigt werden.

Dies entspricht dem erklärten Ziel des Museumsdorfes, die Vernetzung der historischen Heidewirtschaft mit den biologischen und ökologischen Gegebenheiten ins Bewusstsein der Menschen zu rücken (MUSEUMSDORF HÖSSERINGEN 2008a).

Da über die historische Heidebauernwirtschaft bereits 19 Kurztexte im Rahmen einer Studienarbeit an der Universität Lüneburg erarbeitet wurden (ALAND & ARENDT 2007), liegt der Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit auf dem Artenund Biotopschutz in der Lüneburger Heide. Die historische Heidebauernwirtschaft wird jedoch am Rande thematisiert, da sie einen bedeutenden Beitrag zur Entstehung der heutigen Artenund Biotopvielfalt geleistet hat.

Insgesamt sollen zehn Stationen über die Artenund Biotopvielfalt in der Lüneburger Heide informieren, um die Besucher für die Schutzwürdigkeit dieser Landschaft zu sensibilisieren. Die Vermittlungsinhalte reichen von der Vorstellung der in der Heide heimischen Tierund Pflanzenwelt und deren Schutzwürdigkeit über die Konflikte zwischen Heidetourismus und Naturschutz bis hin zu der Erkenntnis, dass Heide ohne menschliche Bewirtschaftung nicht fortbestehen kann. Der Heide-Lehrpfad dient nicht nur der Information, sondern erfüllt gleichzeitig den sehr wichtigen Zweck der Besucherlenkung durch die stark trittempfindliche Heidefläche.

Außerdem soll ein Informationsheft für die bestehende Reihe des Museumsdorfes „Materialien zum Museumsbesuch“ als zusätzliche Besucherauskunft erarbeitet werden.

Der Besuch des Heide-Weges soll für Erwachsene und Kinder gleichermaßen geeignet sein, so dass die Tafeln kindgerecht gestaltet werden und die Texte allgemein verständlich sein müssen. Ein Quiz soll zusätzlich zur Auflockerung des Themas beitragen. An die Teilnehmer des Quiz werden einmal monatlich Preise verliehen. Als Sponsor der Preise konnte das Museumsdorf gewonnen werden.

Der Heide-Weg soll zudem auf der Internetseite des Museumsdorfes erwähnt werden. Dies geschieht am besten im Rahmen des Rundgangs, innerhalb dessen auch einige Gebäude des Museumsdorfes kurz beschrieben werden (MUSEUMSDORF HÖSSERINGEN 2008b).

Um den Heide-Weg auch über das Museumsdorf hinaus bekannt zu machen, werden verschiedene Umweltverbände und touristische Institutionen von Anfang an in die Entwicklung des Pfades einbezogen. Auf diese Weise bekommen sie die Gelegenheit, eigene Anmerkungen beizusteuern, die im weiteren Verlauf in die Arbeit integriert werden sollen. Zum Schluss soll ein Werbeflyer erarbeitet werden, der den Verbänden bei der Eröffnung des Heide-Weges zur Verfügung gestellt wird. Diesen können sie in ihrer Öffentlichkeitsarbeit verwenden.

1.2 Methodik und Vorgehensweise

Zu Beginn der Arbeit wird die Umweltbildung thematisiert. Es wird vorgestellt, wie sich Themenpfade im Laufe der Geschichte entwickelt haben, welche Typen von Pfaden es gibt und durch den Einsatz welcher Methoden und Medien sie sich auszeichnen.

Der zweite Schritt besteht in der Konzeption des Heide-Weges. Dazu werden zuerst das umweltpädagogische Ziel und die Zielgruppen des Heide-Weges ermittelt, deren Bedürfnisse später in der Aufbereitung des Themas berücksichtigt werden müssen. Wenn Ziel und Zielgruppe feststehen, wird der geplante Pfad methodisch eingeordnet.

Im Anschluss daran werden verschiedene Aspekte der Kulturlandschaft Heide als Lebensraum erarbeitet und in Form von Schautafeln und des Informationsheftes aufbereitet. Auf der Grundlage der fertigen Schautafeln wird in einem letzten Schritt das Quiz erstellt.

Die Beteiligung der Umweltverbände und touristischer Institutionen findet parallel zum Entwurf des Lehrpfades statt, da so ein möglichst großer Informationsaustausch gewährleistet wird. Zu diesem Zweck werden die Verbände zu Beginn der Arbeit über die Entstehung des Heide-Weges informiert und zu einem Präsentationstermin im Museumsdorf eingeladen, bei dem die Themen und Entwürfe für die ersten Schautafeln des Heide-Weges vorgestellt werden.

2 Lehrpfade in der Umweltbildung

Der Begriff Lehrpfad wird im Folgenden als Überbegriff aller Arten von Lehr-, Lernund Erlebnispfaden verwendet. Diese Pfade befinden sich direkt in der Natur und sind daher ein ganz wesentlicher Bestandteil der Umweltbildung. Im Gegensatz zu anderen Umweltbildungseinrichtungen können sie die Gegenwart der realen Umwelt nutzen. Dieser Vorteil ermöglicht es, den Besuchern von Natur-Lehrpfaden „bewegende und zu Eigenaktivitäten anregende Einblicke in die Natur“ (EBERS et al. 1998: 33) zu bieten, die eine naturbewusste Einstellung fördern können. So belegt beispielsweise eine Studie, dass aktive Mitarbeit im Naturund Umweltschutz hauptsächlich durch eigene Naturerfahrungen angeregt wird (ebd.).

In diesem Kapitel wird auf die historische Entwicklung von Lehrpfaden eingegangen. Im Anschluss werden mehrere Vermittlungsmethoden und Darstellungsmöglichkeiten vorgestellt, anhand derer eine grobe Einteilung von Lehrpfadtypen unternommen wird. Zum Schluss werden Anforderungen an einen zeitgemäßen Lehrpfad formuliert.

2.1 Historische Entwicklung von Natur-Lehrpfaden

Natur-Lehrpfade waren von Anfang an meistens eng mit dem Naturschutzgedanken verknüpft, so dass sie hauptsächlich in Schutzgebieten errichtet wurden. Der erste Natur-Lehrpfad entstand 1925 im Palisade Interstate Park in den USA. Er war schon sehr fortschrittlich, da er das Ziel verfolgte, den Besuchern die Umwelt näher zu bringen und sie für den Naturschutz zu gewinnen (EBERS et al. 1998: 11).

Mit dieser Intention spiegelt dieser erste Natur-Lehrpfad die Ziele der Umweltbildung wider. Diese will hauptsächlich dazu beitragen, dass sich ein umweltgerechtes Verhalten in der Bevölkerung durchsetzt. Um dieses Ziel zu erreichen, versuchte man zu Anfang nur, das Umweltwissen zu stärken. Umweltwissen ist zwar eine wichtige Grundvoraussetzung für umweltgerechtes Handeln, zieht dieses aber nicht automatisch nach sich. Um Umweltengagement zu erreichen, sollten Natur-Lehrpfade durch einen hohen Praxisbezug und die Förderung von Aktivität in der Umwelt nach Möglichkeit die Eigeninitiative der Besucher wecken (ebd.: 12 f.).

1930 entstand im Bredower Forst bei Nauen der erste Natur-Lehrpfad in Deutschland. Danach ging die Entwicklung von Lehrpfaden lange Zeit sehr langsam vonstatten. Erst in den 1960er Jahren nahm ihre Anzahl parallel mit dem zunehmenden Wohlstand der Gesellschaft stark zu (EBERS et al. 1998: 11). Auch verstärkte sich das Erholungsbedürfnis der Menschen durch die zunehmende Verstädterung und die steigende Anzahl an Kraftfahrzeugen, so dass die Natur als Erholungsraum einen höheren Stellenwert bekam (LINDAU 2004: 45; EDER & ARNBERGER 2007: 23). Insbesondere Wald-Lehrpfade entstanden in dieser Zeit, da man die Wälder durch den lenkenden Effekt der Pfade schützen wollte. Hauptsächlich die „Schutzgemeinschaft Deutscher Wald“ und Förster setzen sich damals für dieses Konzept ein. Das Hauptziel dieser Pfade war also die Besucherlenkung. Dass die Besucher bei ihrem Waldspaziergang etwas über die Funktion und Ökologie des Waldes lernten, kann eher als ein willkommener Nebeneffekt betrachtet werden (EBERS et al. 1998: 11).

Die damaligen Lehrpfade bestanden meist aus Tafeln am Wegesrand, die in Text und bildlicher Darstellung Informationen zu der Umgebung boten. Bereits in den 1970er Jahren wurde dieser „Schilderwald im Wald“ jedoch kritisiert, weil kleine Tafeln nicht genug Platz boten, um komplexe Themen verständlich dazustellen, während große Tafeln durch ihre Informationsfülle von vornherein abschreckend auf den Besucher wirkten. Auch die ästhetische Beeinträchtigung der Landschaft war häufig nicht zu vernachlässigen. Um diesem Problem zu begegnen, wurden im Folgenden Pfade mit kleinen Nummernpflöcken und dazugehöriger Broschüre entwickelt (ebd.: 12).

Anfang der 1970er Jahre wurde der Begriff Lernpfad eingeführt, der die Besucher mittels Arbeitsbögen und Aufgaben zu einer aktiven Teilnahme animierte. Fachleute erkannten, dass ein solches handlungsorientiertes Konzept eher Umweltengagement hervorruft, als die reine rezeptive Informationsvermittlung es kann (ebd.). Bei dieser können die Besucher die Informationen ausschließlich passiv durch das Lesen von Schildern aufnehmen (EDER & ARNBERGER 2007: 26). Ende der 1980er Jahre wurde der Schilder-Lehrpfad jedoch wieder vermehrt eingesetzt, weil neue Techniken es ermöglichten, hochwertige Tafeln in Fotoqualität zu erzeugen (NUTZ 2003: 39).

Auch thematisch haben sich die Lehrpfade über die Jahre verändert. In den 1980er Jahren trat die Aufklärung über Umweltrisiken, ausgelöst durch den Unfall in Tschernobyl, stark in den Vordergrund (ebd.: 28). Insgesamt wurde nun in der Umweltbildung vermehrt auf ökologische Probleme aufmerksam gemacht, während vorher hauptsächlich eine heile und idyllische Waldwelt dargestellt wurde (EBERS et al. 1998: 12).

Gleichzeitig entstand ein neuer pädagogischer Ansatz der Naturvermittlung, der das Naturerleben betonte. Angelehnt an diesen Ansatz entstand in den 1990er Jahren der erste Naturerlebnispfad Deutschlands im Nationalpark Bayerischer Wald, auf dem man die Natur mit allen Sinnen und dem ganzen Körper erleben konnte (ebd.: 13). Die Informationen wurden erst interaktiv und dann auch sensorisch vermittelt, so dass der Besucher durch die eigene Körpererfahrung einen neuen Zugang zur Natur und zum Naturerleben finden konnte (EDER & ARNBERGER 2007: 26). Das Ziel der Vertreter dieser ganzheitlichen Umweltbildung war es, den Besuch von Lehrpfaden als nachhaltiges Erlebnis zu gestalten (ebd.: 27).

Nachdem deutlich wurde, dass die Darstellung von Umweltgefahren zu Umweltängsten führt, wurde in den 1990er Jahren vermehrt auf eine Ressourcenkommunikation gesetzt. Das heißt, die individuelle Umweltverantwortung wurde gestärkt, indem man den Menschen auch auf Natur- Lehrpfaden persönliche Handlungsmöglichkeiten aufgezeigte (NUTZ 2003: 29).

In den folgenden Jahren sind verschiedene andere Arten von Lehrpfaden entstanden, die versuchen, ihre Inhalte möglichst fortschrittlich zu vermitteln und gleichzeitig mit einem hohen Unterhaltungswert zu locken. Dabei gerät mitunter das Erlebnis zu sehr in den Vordergrund, während die Wissensvermittlung vernachlässigt wird (EBERS et al. 1998: 13).

In letzter Zeit wurden Lehrpfade nicht nur mit dem Ziel der Umweltbildung errichtet. Es kamen Pfade hinzu, die vorrangig das Ziel der Regionalentwicklung verfolgten (EDER & ARNBERGER 2007: 27). Diese so genannten Themenwege stellen die Besonderheit der jeweiligen Region dar und schaffen damit hauptsächlich Unterhaltungsangebote für Touristen. Ziel dieser Pfade ist es, die touristische Wertschöpfung und die regionale Identität zu erhöhen (ebd.: 28).

2.2 Vermittlungsmethoden

Nicht nur bei Lehrpfaden für Kinder sollte eine hohe Methodenvielfalt zum Einsatz kommen. Wenn viele Informationen konzentriert aufeinander folgen, ist auch bei Erwachsenen eine Abwechslung in der Vermittlung wichtig, um den visuellen Wahrnehmungsprozess anzuregen. Methodische Eintönigkeit hingegen wirkt schnell ermüdend. Geeignete Mittel sind zum Beispiel kleine Aufgaben und Fragen, die den Besucher anregen, zu beobachten, zu erfahren und eigenständig zu einem Ergebnis zu kommen (SCHMEER-STURM 1994: 151).

SCHMEER-STURM (1994: 146) hat für die Konzeption von Führungen in Kunstmuseen pädagogische Richtziele aufgestellt, die den Lerneffekt beim Besucher erhöhen. Diese lassen sich gut auf die Konzeption von Natur-Lehrpfaden übertragen:

Wissen und Erkennen

- Zusammenhänge der Themen des Pfades mit der bereisten Region erkennen
- naturwissenschaftliche Wissensbereiche und Denkweisen kennen lernen
- die kulturellen Hintergründe der Landschaft in Geschichte und Gegenwart kennen lernen
- Verständnis für den Wandel der Verhaltensweisen und Wertvorstellungen des Naturschutzes gewinnen und sich damit auseinander setzen

Können

- sich auf dem Lehrpfad selbst orientieren können
- ein „Gespür für die Landschaft“ bekommen
- die besichtigten Naturphänomene kulturhistorisch und naturwissenschaftlich einordnen können
- Natur lebendig und offen erleben können
- Informationen aus der Landschaft entnehmen und darüber kommunizieren können

Werten

- anhand der erlebten Natur Begeisterung/ Betroffenheit etc. empfinden
- sich der geschichtlich bedingten Relativität der eigenen Wertvorstellungen und Verhaltensweisen bewusst werden
- sich für neue Denkweisen öffnen und Bereitschaft zur Auseinandersetzung damit entwickeln
- durch die erlebte Landschaft animiert werden, der Zerstörung und Gefährdung der Natur entgegenzutreten und sich umweltverträglich zu verhalten Um diese Ziele zu erreichen, sollten die Informationen möglichst gut strukturiert sein und den Besucher zur Besichtigung motivieren. Gleichzeitig erhält er Merkhilfen, da alle Stationen des Pfades durch einen roten Faden verbunden sind. Diese Verbindung lässt sich durch unterschiedliche Methoden herstellen. Zum Beispiel können die Stationen in einen zeitlichen Zusammenhang gesetzt werden, oder die Themen können mit zuvor angesprochenen Themen verglichen werden (ebd.: 147). Dadurch wird bewirkt, dass sich der Besucher den zuvor erklärten Sachverhalt ins Gedächtnis ruft und ihn durch den Vergleich aus einer anderen Perspektive betrachtet. In einem teilnehmerorientierten Lehrpfad können auch Fragen, Impulse und Aufforderungen eingesetzt werden. Die dadurch angestoßene eigene Denkleistung ist für den Besucher ein Erfolgserlebnis
- wie eine bestandene Prüfung.

Das Erfolgserlebnis ist ein wichtiger Bestandteil eines funktionierenden Lehrpfades. Da die Umweltbildung mit Lehrpfaden das Ziel verfolgt, beim Besucher umweltgerechtes Verhalten hervorzurufen (s. Kapitel 2.1, S. 15), ist die emotionale Dimension ein sehr wichtiger Faktor. Das Flow-Learning-Konzept von Cornell beschreibt, wie „menschliche Aktivitäten (…) zu erfreulichen Aktivitäten“ (NUTZ 2003: 41) werden. Dabei spielen vor allem vier Aspekte ein wichtige Rolle: Es soll Begeisterung geweckt werden, damit Aufmerksamkeit entsteht. Diese ermöglicht eine tiefere Naturerfahrung, so dass man andere an den eigenen Erfahrungen teilhaben lässt (EBERS et al. 1998: 13). Je mehr positive Emotionen demnach durch einen Lehrpfad ausgelöst werden, desto nachhaltiger ist der Lernerfolg.

Im Folgenden werden vier naturpädagogische Ansätze zur Vermittlung von Umweltthemen vorgestellt.

Die Umweltkommunikation ist eine Form der Vermittlung, die Abwehrreaktionen der Bevölkerung gegen rechthaberisch wirkende Umweltbildung begegnen soll. Sie führt Dialoge über Vorund Nachteile von Umweltmaßnahmen, so dass der Betrachter zu einer eigenen Meinung finden kann (NUTZ 2003: 27 f.).

Ein Kommunikationsmittel in der Umweltbildung ist die Naturinterpretation. Dieser Ansatz kommt aus den USA und beschreibt im Grunde, „wie sich die Sprache der [Natur-] Phänomene in die Sprache der Menschen übersetzen lässt“ (LUDWIG 2003b: 1). Diese Methode wird seit Mitte des 20. Jahrhunderts hauptsächlich in den amerikanischen Nationalparks angewandt. Die Naturinterpretation hat das Ziel, zwischen dem Betrachter und einem Naturphänomen zu vermitteln. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, eine Verbindung des Phänomens mit der Lebenswelt des Betrachters zu finden, um den Betrachter „in seiner Welt“ abzuholen. Dazu werden zum Beispiel offene Fragen, Vergleiche oder Metaphern benutzt, um dem Betrachter einen Denkanzustoß zu geben. So lässt sich eine spannende Darstellung von Fakten und Zusammenhängen realisieren, die den Besucher zu eigenem Denken und Handeln anregt (NUTZ 2003: 28 f.).

Eine besondere Form der Naturpädagogik ist die Wildnispädagogik, die den Wert wilder Natur vermitteln möchte. Das ist im heutigen Mitteleuropa jedoch ein schwieriges Projekt, da es hier keine ursprüngliche Naturlandschaft mehr gibt. Daher wird hier stattdessen die „Verantwortung der Menschen als Bestandteil natürlicher Kreisläufe“ (ebd.: 31) und die Schönheit wilder Natur vermittelt. Der Schwerpunkt liegt darin, den Menschen die natürlichen Zusammenhänge, die Sinnigkeit der Natur und ihre daraus hervorgehende Schutzwürdigkeit näher zu bringen. Es soll vermittelt werden, dass das Ziel, die Natur sich selbst sein zu lassen, nur erreicht werden kann, wenn sich der Mensch dementsprechend verhält. Die Vertreter der Wildnispädagogik erwarten dabei jedoch nicht, dass jeder Besucher die gleichen Konsequenzen aus den bereitgestellten Informationen zieht, sondern lassen jedem den Denkfreiraum, seine eigene Sicht mit den entsprechenden Handlungskonsequenzen zu finden (ebd.: 29 f.).

Die Erlebnispädagogik bietet „einen Zugang zu Natur mit allen Sinnen“ (ebd.: 32). Um diesen zu ermöglichen, sind ein Perspektivenwechsel, ein spielerischer Umgang mit der Natur und wiederholende Betrachtungen von Naturphänomenen notwendig. Das Ziel der Erlebnispädagogik ist die Förderung der Erlebnisfähigkeit von Menschen, die durch die Zivilisation von der Natur entfremdet wurden. Die direkte Naturerfahrung ruft demnach das Bedürfnis hervor, die erlebte Natur zu schützen. Das ganzheitliche Erlebnis mit der Natur kann Menschen am ehesten für diese empfänglich machen. Eine solche ganzheitliche Naturerfahrung birgt jedoch auch eine Gefahr für die Natur, da jeder Aufenthalt in ihr auch einen Eingriff darstellt (ebd.: 32 f.).

Das Ziel der Umweltbildung – eine nachhaltige umweltrelevante Verhaltensänderung – kann auf Natur-Lehrpfaden also auf verschiedene Arten erreicht werden. Wichtig ist auf jeden Fall die Naturerfahrung, die beim Besucher positive oder negative Emotionen auslöst, da den Emotionen „eine maßgebliche Steuerungsfunktion beim Umgang mit Werten“ (ebd.: 35) zukommt. Gleichzeitig darf aber die Wissensvermittlung nicht vernachlässigt werden, da nur über rationale Informationen Einsicht erlangt werden kann, welche wiederum die Basis einer Verhaltensänderung darstellt (ebd.: 35 f.).

2.3 Technische Darstellungsmöglichkeiten

Zur Vermittlung von Naturerfahrung und Wissen können auf Lehrpfaden verschiedene Medien zum Einsatz kommen. Die Liste reicht von Stelltafeln über Nummernpflöcke mit Begleitbroschüre und Sinnespfade bis hin zu Pfaden, auf denen der Besucher mit einem Audioguide geführt wird. Eine Kombination dieser vier Typen der Darstellung bietet sich an, da der Lerneffekt größer wird, je mehr Sinne angesprochen werden (LUDWIG 2003a: 26).

Am häufigsten werden Lehrfade mit Stelltafeln verwendet, die mittels Texten, Grafiken, Tabellen, Bildern und Ähnlichem komplexe Themen beschreibend darstellen können. Stelltafeln sind gut geeignet, um auf bestimmte Naturausschnitte direkt aufmerksam zu machen, da sie sich an festgelegten Stellen in der Natur befinden. Sie neigen jedoch dazu, den Besucher zu überfordern, wenn der Text zu lang ist oder zu viele Fremdwörter enthält (s. Kapitel 2.1, S. 16).

Noch heute entstehen manche Lehrpfade, die kostengünstig in großer Stückzahl hergestellt und an unterschiedlichen Orten eingerichtet werden. Didaktische und wahrnehmungspsychologische Aspekte werden dabei jedoch häufig nicht berücksichtigt. Das führt dazu, dass der Lernund Erlebniseffekt gering ist. Durch zu lange Texte in zu kleiner Schrift u. ä. wird bei solchen Lehrpfaden die Konzentration des Betrachters überstrapaziert, so dass er leicht das Interesse am Thema verliert. Ein weiterer Nachteil dieser Lehrpfade ist, dass die Texte häufig zu wissenschaftlich und abstrakt für die Besucher sind, die oft hauptsächlich Entspannung und Unterhaltung suchen (EBERS et al. 1998: 20 f.). Zudem sind Schilderpfade meist nicht geeignet, dem Besucher eine Naturerfahrung zu bieten, da der Schwerpunkt auf einer rezeptiven Wissensvermittlung liegt. So zeigt beispielsweise eine unveröffentlichte Studie aus dem Nationalpark Bayerischer Wald, dass die Schilder von den Besuchern zwar gelesen werden, die dazugehörigen Naturphänomene aber gar nicht betrachtet werden. Auch muss der Einsatz von Stelltafeln von der Landschaft abhängig gemacht werden. Man sollte sie nur verwenden, wenn sie das Landschaftsbild optisch nicht beeinträchtigen (EBERS et al. 1998: 16; NUTZ 2003: 45 f.). Informationstafeln sind jedoch oft nicht zu vermeiden, wenn es darum geht, den Pfad klar zu gestalten. Wenn die Tafeln inhaltlich und gestalterisch die Grundsätze der Didaktik und Wahrnehmungspsychologie berücksichtigen, ist dagegen auch nichts einzuwenden (ebd.: 21; EDER & ARNBERGER 2007: 49).

Häufig werden kleine Nummernpflöcke in der Landschaft bevorzugt, da sie nicht so stark ins Auge fallen wie große Informationstafeln. Sie werden durch eine Begleitbroschüre ergänzt, in der zu jeder Nummernstation Informationen nachzulesen sind (s. Kapitel 2.1, S. 16). Diese Broschü- re kann unter Umständen sehr umfangreiche oder mehrsprachige Informationen enthalten, was Stelltafeln aufgrund ihres begrenzten Platzangebotes nicht leisten können. Außerdem kann sie auf einem Lehrpfad unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Es wäre auch denkbar, für Kinder eine zusätzliche Broschüre zu entwickeln. Eine Broschüre bietet außerdem den Vorteil, dass die Besucher sie mit nach Hause nehmen und sich zu einzelnen Themen genauer informieren können (EBERS et al. 1998: 16; NUTZ 2003: 46). Auch finanziell hat ein Nummernpfad einen Vorteil gegenüber dem Pfad mit Stelltafeln, da es günstiger ist, neue Broschüren drucken zu lassen als die Stelltafeln Instand zu halten. Der einzige Nachteil von Broschüren ist, dass es jedem Besucher ermöglicht werden muss, eine solche Broschüre zu erhalten. Auch Spaziergänger, die an beliebiger Stelle auf den Pfad treffen, sollten Zugang zu Broschüren haben. Andernfalls ist es für sie eher frustrierend, Nummernpflöcke zu sehen, deren Sinn sich ihnen nicht erschließt (EBERS et al. 1998: 23; NUTZ 2003: 49).

Des Weiteren gibt es die Möglichkeit, Lehrpfade mit handlungsorientierten Sinnesstatio- nen zu konzipieren. Dabei geht es nicht so sehr um eine Wissensvermittlung, sondern mehr um die Naturerfahrung selbst (EBERS et al. 1998: 16; NUTZ 2003: 46). Die Natur soll nach Möglichkeit mit allen Sinnen erlebbar gemacht werden. Dazu werden Tast-, Hör-, Geruchsund vereinzelt sogar Geschmacksstationen eingerichtet (NUTZ 2003: 46). Ein gutes Beispiel für einen Natur-Lehrpfad, der mit Sinnesstationen arbeitet, ist der „Park der Sinne“ in Laatzen. Dort gibt es unter anderem einen Kräutergarten, in dem verschiedene Gerüche und Geschmäcke erlebt werden können, einen Bach mit Wasserspielmöglichkeiten für Kinder, einen Barfuß-Weg, der mit unterschiedlichsten Bodenbelägen versehen ist und ein „Insektenauge“, in dem man das Seherlebnis einer Biene in vereinfachter Form erfahren kann (s. Abb. 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Insektenauge im Park der Sinne in Laatzen (P ARK DER S INNE )

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Klangstäbe im Park der Sinne in Laatzen (P ARK DER S INNE )

Moderne technisierte Lehrpfade können die Informationen auch über einen Audioguide vermitteln (vgl. EBERS et al. 1998: 16). Dazu bekommt jeder Besucher ein Musikabspielgerät, auf dem zu jeder Station eine Audiodatei gespeichert ist. Der Weg muss dafür entweder in der Landschaft eindeutig definiert oder anhand einer Karte erkennbar sein. Entlang des Weges werden nur kleine Sensoren benötigt, die für den Besucher unsichtbar bleiben können. Kommt der Besucher an den Sensoren vorbei, wird die entsprechende Datei des Audioguides abgespielt. Das hat den Vorteil, dass die Stationen nicht unbedingt in einer vorgegebenen Reihenfolge besucht werden müssen. Ein Beispiel für einen solchen fortschrittlichen Hör-Lehrpfad gab es im ehemaligen Regenwaldhaus in Hannover-Herrenhausen.

Es sind auch mobile Pfade denkbar, bei denen dem Besucher zum Beispiel ein Materialkoffer mit auf den Weg gegeben wird, mit dessen Inhalt unterschiedliche Aufgaben und Experimente durchgeführt werden können (EBERS et al. 1998: 17; NUTZ 2003: 50).

2.4 Typen von Lehrpfaden

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Zuordnung verschiedener Lehrpfadtypen zu den Erlebnisdimensionen (verändert nach E DER & A BERBERGER 2007: 58)

Wie bereits in Abschnitt 2.1 beschrieben, verfolgen Lehrpfade nicht immer nur Umweltbildungsziele, sondern teilweise auch oder ausschließlich touristische Ziele. Im Folgenden werden drei Natur-Lehrpfadtypen vorgestellt. Sie werden nach ihrem jeweiligen pädagogischen Konzept unterteilt, wobei die Übergänge fließend sind (LUDWIG 2003a: 26). Jeder Typ ist dabei als Schilderoder Nummernpfad umsetzbar. Außerdem werden der Interpretationspfad und der Themenweg vorgestellt, welche zum Teil bzw. vollständig touristische Ziele verfolgen.

Den einzelnen Lehrpfadtypen werden verschiedene Erlebnisdimensionen nach PINE & GILMORE (1999) zugeordnet (s. Abb. 4, S. 22). Demnach spielen bei der Entwicklung eines Erlebnisses vier Dimensionen eine Schlüsselrolle: Unterhaltung, Bildung, Ästhetik und Flucht aus dem Alltag. Die Dimensionen Unterhaltung und Ästhetik sind dabei im Bereich der passiven Beteiligung angesiedelt. Das heißt, die Besucher sind eher passives Publikum. Die Dimensionen Bildung und Flucht aus dem Alltag hingegen beziehen die Besucher aktiv mit ein (EDER & ARNBERGER 2007: 57).

2.4.1 Klassischer Lehrpfad

Der klassische Lehrpfad vermittelt Wissen üblicherweise über Schautafeln mit Texten und Bildern. Die Informationen haben aber in der Regel keine direkte Beziehung zu konkreten Naturphä- nomenen vor Ort und folgen keiner durchgängigen Leitidee. Er setzt meist den „Bildungshunger“ (LUDWIG 2003a: 26) der Besucher voraus. Das heißt, der Besucher muss also das Interesse an dem jeweiligen Thema bereits mitbringen. Der Lehrpfad bezieht den Besucher nur in einem sehr geringen Umfang aktiv mit ein, indem er eventuell Beobachtungs-, Höroder Tastaufgaben anbietet (ebd.).

Der klassische Lehrpfad ist durch den Besucher als passivem Leser hauptsächlich in die Erlebnisdimension Unterhaltung einzuordnen (s. Abb. 4, S. 22). Die fehlende emotionale Wissensvermittlung erlaubt kein Eintauchen in das Thema, und auch ein bildungsbezogener Erfolg wird dadurch fragwürdig (EDER & ARNBERGER 2007: 58).

2.4.2 Lernpfad

Der von Stichmann Anfang der 1970er Jahre geprägte Begriff des Lernpfades begegnet den Problemen des rezeptiven Vermittlungskonzeptes des Lehrpfades mit einem stärker handlungsorientierten Konzept. Auf Lernpfaden werden die ausschließlichen Fachinformationen durch Fragen, Aufgaben und andere Denkanstöße ersetzt. Die Aufgaben werden den Besuchern auf Arbeitsbö- gen mitgegeben und leiten zu zahlreichen Aktionen in der Natur an. Auch dieses Konzept geht also von einem lernwilligen Publikum aus, da es sich die Informationen selbst erarbeiten muss (LUDWIG 2003a: 26). Lernpfade eignen sich besonders gut als Unterrichtsergänzungen, sind aber auch für Urlauber und andere Spaziergänger gut zur Wissensvermittlung geeignet. Die bewusste Begegnung mit der Natur auf Lernpfaden ist ein nachhaltiges Erlebnis, das umweltverträgliches Handeln fördern kann (EBERS et al. 1998: 12 f.).

Der Lernpfad wird der Erlebnisdimension Bildung zugeordnet (s. Abb. 4, S. 22), da sich die Besucher die Informationen aktiv erarbeiten müssen (EDER & ARNBERGER 2007: 58) und dadurch ein hoher bildungsbezogener Erfolg zu erwarten ist.

2.4.3 Naturerlebnispfad

Naturerlebnispfade beziehen den Besucher noch aktiver mit ein als Lernpfade. Die Natur soll hier mit allen Sinnen erfahrbar gemacht werden (s. auch Kapitel 2.1, S. 16). Diese Art von Pfad spricht vor allem das Freizeitpublikum an, das eine Mischung aus Unterhaltung und Information, das so genannte „Edutainment“ (WEYER 1998: 3), in der Natur sucht. Dabei wird den Erwachsenen die Natur häufig von ihren Kinder näher gebracht. Für diese gibt es entlang des Pfades verschiedenste Spieloder Rätselmöglichkeiten (LUDWIG 2003a: 26). Ziel dieser Erlebnispfade ist es, durch die sinnliche Wahrnehmung positive Gefühle zu wecken und einen Bezug zur Natur herzustellen. Nach dem Motto „Ich schütze, was ich kenne“ sollen die Besucher die Natur als etwas Wertvolles erfahren (EXNER 2007). Das Zusammengehörigkeitsgefühl von Mensch und Umwelt soll gefördert werden. Die Aktionen, zu denen auf dem Pfad animiert wird, sollen nach Möglichkeit so aufgebaut sein, dass sie von den Besuchern eigenständig auf andere Situationen übertragen werden können. Im heutigen Zeitalter der Computerspiele sollen so vor allem Kinder zu früher selbstverständlichen Aktivitäten in der Natur zurückgeführt werden (EBERS et al. 1998: 23). Optimalerweise wird jedoch auf Erlebnispfaden nicht nur die affektive, also gefühlsmäßige Seite des Menschen angesprochen. Die kognitive Wissensaufnahme trägt gerade bei Erwachsenen wesentlich zum Naturerleben bei. „Eine Kombination von sinnlicher Wahrnehmung, interaktiver Wissensvermittlung, spielerischen und mythischen Elementen gestaltet diesen Pfad abwechslungs-, erlebnisund lehrreich.“ (ebd. 24). Auf einem Natur-Erlebnispfad soll sich der Besucher nach EBERS et al. (1998: 49) möglichst auf vier verschiedenen Ebenen mit der Natur beschäftigen. Zuerst werden die Sinne sensibilisiert, um das Wahrnehmungsvermögen anzuregen. Auf der zweiten Ebene soll das ästhetische Empfinden des Menschen geweckt werden, so dass er die Natur als „schön“ empfindet. Im Anschluss werden Lebensräume vorgestellt, um eine positive Einstellung zu der Pflanzenund Tierwelt hervorzurufen. Auf Grundlage der somit erreichten positiven Einstellung sollen einfache biologische und ökologische Sachverhalte interaktiv vermittelt werden.

Wegen ihrer Erlebnisgestaltung sind Naturerlebnispfade den Dimensionen Bildung und Flucht aus dem Alltag zuzuordnen (s. Abb. 4, S. 22). Die Kombination von kognitiver, affektiver und sensorischer Wissensvermittlung führt zu einem optimalen Bildungserfolg und ermöglicht zugleich das Eintauchen der Besucher in das Thema. Im Besucher wird das Bedürfnis geweckt, die Naturerfahrung zu wiederholen (EDER & ARNBERGER 2007: 59).

2.4.4 Interpretationspfad

Der Interpretationspfad ist ein touristischer Lehrpfadtyp, der nur teilweise auch Umweltbildungsziele verfolgt. Er richtet sich an ein Freizeitpublikum, so dass er unterhaltsam gestaltet sein muss, wenn er die Besucher erreichen soll. Ziel der Landschaftsinterpretation ist es, nicht nur Faktenwissen, sondern Zusammenhänge anschaulich zu vermitteln. Der Besucher soll emotional berührt und aufgerüttelt werden und einen persönlichen Bezug zu Landschaft und Natur herstellen und so ihren Wert erkennen (EDER & ARNBERGER 2007: 53). Dieses Ziel wird erreicht, indem durch kurze, spannende und provozierende Texte die Besonderheiten einer Landschaft herausgearbeitet werden (ebd.).

Unter Landschaftsinterpretation versteht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Interpretationsdreieck (L UDWIG 2003c: 2)

LUDWIG (2003c: 5) hauptsächlich die personelle Methode der Naturführung. Dabei ist der Führer der Naturinterpret, der dem Besucher das Naturphänomen näher bringt. Das Modell des Interpretationsdreiecks verdeutlicht dieses Konzept (s. Abb. 5). Der aktive Dialog zwischen Interpret und Besucher ist ein besonders wichtiger Aspekt. Die Aufgabe des Interpreten besteht darin, eine Brü- cke zwischen dem Phänomen und dem Besucher zu bauen. Dazu muss er während der Führung die Besucher möglichst gut kennen lernen, um an ihre Erfahrungen anknüpfen zu können (vgl. Kapitel 2.2, S. 19). Über offene Fragen soll sich der Interpret mit den Einstellungen und Sichtweisen der Besucher vertraut machen, so dass er daraufhin die Botschaften der einzelnen Phänomene gezielt weitergeben kann (LUDWIG 2003c: 4). Diese Form der Naturführung ist unterhaltsam, weil sie den Besucher einbezieht und persönlich anspricht. Das übergeordnete Ziel der Naturinterpretation besteht darin, „eine emotionale und rationale Verbindungen zwischen den Interessen der Zuhörer und den den Phänomenen innewohnenden Bedeutungen [herzustellen]“ (ebd.: 6).

Landschaftsinterpretation kann statt mit Interpreten auch in medialer Form geschehen. So ist es möglich, einen Interpretationspfad mit Schautafeln zu gestalten. Dieser hat gegenüber der personellen Methode den Nachteil, dass er nicht spontan auf verschiedene Situationen und auf die Interessen der Besucher reagieren kann. Solche Schilderpfade können die zu vermittelnden Themen meist nur oberflächlich betrachten, aber sie bieten den Vorteil, dass sie immer verfügbar und meistens kostengünstiger sind (ebd.: 7). Interpretationspfade nutzen häufig eine Mischung aus Schautafeln und interaktiven Aktionselementen. So kann das Wissen, das zuerst rezeptiv vermittelt wurde, an einer späteren interaktiven Station angewendet werden. Diese Wiederholung führt zu einer nachhaltigen Wissensverankerung. Da die Stationen eines Interpretationspfades immer in direktem Bezug zu dem jeweiligen Phänomen stehen, sollten die Aktionselemente nicht zu sehr in den Vordergrund gerückt werden (LUDWIG 2003a: 26).

Ein besonderes Merkmal von Interpretationspfaden ist, dass sie immer die Besonderheiten der jeweiligen Landschaft einbeziehen und einen konkreten Bezug zur Landschaft vor Ort haben (MEGERLE 2005: 18).

In diesem Zusammenhang ist auch ein Interpretationsraum denkbar. Dieser ist im Gegensatz zum Interpretationspfad nicht an eine chronologische Abfolge der Stationen gebunden. Das hat zur Folge, dass aufeinander aufbauende Denkansätze nicht vermittelt werden können. Hier eignet sich eher die Beleuchtung verschiedener Blickwinkel eines bestimmten Aspektes. Der Interpretationsraum bietet sich weiterhin für Naturräume an, die eine flächige Struktur aufweisen (LUDWIG 2003a: 29). So kann bespielsweise eine Insel als Interpretationsraum genutzt werden.

Der Interpretationspfad ist hauptsächlich den Erlebnisdimensionen Unterhaltung und Ästhetik zuzuordnen (s. Abb. 4, S. 22). Das Freizeitpublikum wird unterhalten, und zugleich soll über die Schönheit der Landschaft deren Wert vermittelt werden. Somit werden die Informationen zugleich kognitiv und emotional vermittelt. Die Besucher werden hauptsächlich passiv beteiligt, so dass nur bei einer sorgfältigen Ausgestaltung des Pfades ein tiefgreifendes Erlebnis erreicht werden kann (EDER & ARNBERGER 2007: 59).

2.4.5 Klassischer Themenweg

Der klassische Themenweg ist ein Lehrpfadtyp, der keinerlei Umweltbildungsziele, sondern nur touristische Ziele verfolgt. Er wird in der Regel aus rein regionalwirtschaftlichen Gründen errichtet, um strukturschwache, ländliche Regionen attraktiv zu gestalten. Er stellt hauptsächlich kulturelle und kulturhistorische Besonderheiten der jeweiligen Region vor (ebd.: 55). Diese Pfade werden als ökonomische Besucherlenkung benutzt, indem sie gezielt auf weitere touristische Attraktionen oder Gastronomiebetriebe hinweisen oder zu ihnen hinführen. Das Ziel ist also nicht nur ein erhöhtes Besuchererlebnis, sondern auch die Steigerung des Ausgabeverhaltens der Besucher (ebd.: 29).

Klassische Themenwege bedienen sich häufig der rezeptiven Wissensvermittlung. Diese Art der Vermittlung ist jedoch eigentlich nicht gut geeignet, die Ziele des Pfades zu erreichen, da Touristen eher zum Wiederkommen animiert werden können, wenn ihnen ein nachhaltiges Erlebnis geboten wird (ebd.: 56).

Diese Tatsache führt dazu, dass der klassische Themenpfad ausschließlich in die Erlebnisdimension Unterhaltung eingeordnet werden kann (s. Abb. 4, S. 22). Touristisch gesehen wäre es jedoch vorteilhafter, die Dimension Flucht aus dem Alltag mit einzubeziehen (ebd.: 59).

2.5 Anforderungen an einen zeitgemäßen Lehrpfad

Angesichts der zahlreichen Kritikpunkte an bestehenden Lehrpfaden werden in diesem Kapitel Aspekte vorgestellt, denen ein zeitgemäßer Lehrpfad gerecht werden muss.

Orientierung an der Zielgruppe

Lehrpfade sollten gut auf ihre Zielgruppe abgestimmt sein und die Bedürfnisse und Fähigkeiten der potenziellen Nutzer berücksichtigen (EBERS et al. 1998: 34). Dies ist jedoch meistens nicht möglich, da die Lehrpfade der gesamten Bevölkerung zugänglich sind. Daher sollten Lehrpfade vor allem auf Familien mit Kindern abgestimmt sein, da sie dann auch für die übrigen Besucher verständlich sind. Auch für Tourismusverbände und Umweltpädagogen sind Familien mit Kindern eine wichtige Zielgruppe, da die „Förderung der Naturerlebnisse im Kindesalter“ besonders vordringlich ist (MEGERLE 2005: 18).

MEGERLE (2005: 18) hat für diese Zielgruppe einige Empfehlungen formuliert:

- Die Gesamtlänge des Fußweges sollte nicht mehr als drei Kilometer betragen.
- Der Weg sollte interessant und abwechslungsreich gestaltet sein.
- Es sollte Stationen geben, die die motorischen und sensorischen Anforderungen von Kindern berücksichtigen.
- Die Texte sollten kindgerecht geschrieben sein, ggf. ergänzt durch spezielle Texte für Erwachsene.
- Die Stationen sollten in kindgerechter Höhe installiert sein.
- Die Stationen sollten so angeordnet sein, dass auch kleinere Kinder in 5 bis 10 Minuten die nächste Station erreichen können.
- Auf einem drei Kilometer langen Weg sollten etwa 10 bis 15 Stationen verteilt sein.
- Der Lehrpfad sollte mit gastronomischen Angeboten und/ oder Spielplätzen gekoppelt sein.

„Lernen mit Kopf, Herz und Hand“ (WEYER 1998: 4)

Die Vermittlung sollte mehrere Sinne ansprechen, da allein durch die optische Darstellung über Stelltafeln nur etwa ein Drittel der Informationen im Langzeitgedächtnis der Besucher ankommt (LUDWIG 2003a: 26). Die Individualität jedes Besuchers führt dazu, dass unterschiedliche Wahrnehmungskanäle bei der Informationsaufnahme bevorzugt werden. Eine gute Mischung der angesprochenen Sinne erhöht die Chance, dass die Aufmerksamkeit möglichst vieler Besucher geweckt wird und sich der Erinnerungswert erhöht. Der beste Lerneffekt kann erzielt werden, wenn der Besucher sich selbst aktiv betätigt (WEYER 1998: 8). Daher ist es sinnvoll, Aktionselemente in den Lehrpfad zu integrieren (LUDWIG 2003a: 26). Diese Aktionselemente müssen jedoch inhaltlich mit der zu vermittelnden Botschaft verknüpft sein: „Sinne müssen Sinn machen“ (WEYER 1998: 9). Für Pfade mit einem geringeren Budget können schriftliche Appelle, die dazu anregen, etwas Bestimmtes in der Natur zu tun, eine gute Alternative zu Aktionselementen sein. Ein gutes Beispiel für eine derartige Anregung ist der kulturhistorische Wassererlebnispfad Hardautal. Dort gibt es Tafeln nur für Kinder, auf denen sie beispielsweise aufgefordert werden, einen Stein ins Wasser zu werfen und die entstehenden Ringe zu zählen (TOURISTINFORMATION SUDERBURGER LAND: 28).

Zudem sollte die Kommunikation unter den Besuchern angeregt werden. Während sie sich untereinander über das unterhalten, was sie gelernt und erfahren haben, setzen sie sich intensiver damit auseinander und können ein eigenes Meinungsbild aufbauen. Das Erleben in der Gemeinschaft hat ebenfalls einen positiven Effekt auf die Lernwirkung. Die Informationen bekommen für den Einzelnen eine höhere Bedeutung, so dass sie leichter ins Gedächtnis aufgenommen werden (WEYER 1998: 10).

Inhaltliche und grafische Gestaltung

Um die Informationen unterhaltsam zu vermitteln, sollten Lehrpfade möglichst einem Spannungsbogen folgen. Wie ein Bericht oder eine Geschichte sollten sie in drei Teile gegliedert sein: Einleitung, Hauptteil und Schluss.

Die Einleitung sollte den Besucher noch vor dem Eingang des Pfades über Inhalt, Dauer und Schwierigkeitsgrad informieren. An dieser Stelle sind Verhaltenshinweise oder Warnungen und Anmerkungen zu Standorten von Toiletten oder Sitzmöglichkeiten entlang des Weges angebracht. Zusätzlich zu dieser ersten Orientierung sollte die Einleitung den Leser überzeugen, den Pfad zu besuchen.

Der Hauptteil ist der eigentliche Pfad. Dieser sollte abwechslungsreich gestaltet sein. Jede Station sollte auf die nächste hinleiten, ohne dass dabei einzelne Stationen überflüssig werden. Es kann einen oder auch mehrere Höhepunkte geben, die das Thema in verschiedenen Variationen wiederholen. Die Informationen müssen jedoch immer interessant bleiben, so dass der Besucher Wiederholungen nicht als lästig empfindet. Wichtig ist, dass die Informationsmenge im Laufe des Pfades abnimmt. Die Besucher sind am Anfang am ehesten aufnahmebereit. Danach lässt die Konzentration allmählich nach.

Für den Schluss sollte ein Ort gewählt werden, der genug Platz bietet, dass die Gruppe oder Familie sich wieder zusammenfinden kann. Gleichzeitig dient dieser Ort einer Zusammenfassung der einzelnen Themenaspekte und eventuell der Beantwortung offen gebliebener Fragen (LUDWIG 2003a: 27).

Die Tafeln sollten nicht zu viel Text enthalten. Informationen können häufig gut durch Bilder oder Grafiken ersetzt oder ergänzt werden. Botschaften auf Abbildungen können sehr viel schneller erfasst und in bekannte Strukturen eingeordnet werden. Die auf diese Weise vermittelten Informationen können vom Gehirn sogar unbewusst aufgenommen werden, was bei Texten nicht der Fall ist (WEYER 1998: 10).

Die nicht zu ersetzenden Texte sollten klar gegliedert sein. Die wesentlichen Botschaften sollten hervorgehoben sein, so dass sie sich aus der Menge an Informationen abheben. Dies ermöglicht den Besuchern, auch innerhalb einer kurzen Zeit die Grundinformationen zu erfassen (ebd.: 11). Diese schnelle Informationsaufnahme ist besonders wichtig, wenn man bedenkt, dass die durchschnittliche Verweildauer an einer Station eines Museums 30 Sekunden beträgt (ebd.: 3). Auf Lehrpfade übertragen kann man von einer etwas längeren Verweildauer ausgehen, weil die Stationen sich nicht so dicht beieinander befinden. Im Durchschnitt werden sich die Besucher aber auch hier nur etwa ein bis zwei Minuten mit dem Lesen einer Station beschäftigen.

3 Historische Entwicklung und Konzeption des Museumsdorfes

Das Museumsdorf Hösseringen wurde am 13. März 1975 als ein ländliches Regionalmuseum gegründet (BROHM 2001: 1). Die Grundkonzeption des Museumdorfes sah vor, ein kleines, für die Lüneburger Heide typisches Haufendorf mit fünf Gehöften darzustellen. Dieses Dorf sollte insgesamt aus 16 Gebäuden bestehen, die die Bauweise des 17. bis 19. Jahrhunderts demonstrieren und gleichzeitig die soziale Gliederung der Landbevölkerung verdeutlichen. Im Laufe der Zeit wurde das Konzept um mehrere Höfe erweitert. Es wurde dabei immer das Prinzip beibehalten, Höfe mit einem bestimmten Rechtscharakter zu bilden (ebd.: 7). Diese „ganzheitliche Darstellung“ ist ein besonderes Charakteristikum von Freilichtmuseen (LÖBERT 1996: 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dazu gehört nicht nur die Darstellung der Gebäude und ihre zu verschiedenen Zeiten „eingefrorene“ Inneneinrichtung sowie die Beziehung der einzelnen Gebäude zueinander, sondern auch die Gestaltung der Umgebung in einer Annäherung an den Originalzustand. Dementsprechend wurden schon 1980 eine mit Kopfsteinen gepflasterte Dorfstraße (s. Abb. 6) und einige kleine Felder angelegt, die in Form einer verbesserten Dreifelderwirtschaft mit Sommerung, Winterung und Hackfrüchten bewirtschaftet werden (BROHM 2001: 10).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Gleichzeitig wurde mit Maßnahmen zur Entwicklung einer großen Heidefläche begonnen. Auf dem Gelände war schon ein paar Jahre zuvor der Wald gerodet worden, so dass es nun frei geräumt und sich selbst überlassen werden konnte. Bereits 1982 weidete die museumseigene Heidschnuckenherde auf der entstandenen Heidefläche (ebd.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Gepflasterte Dorfstaße im Museumsdorf Hösseringen (eigenes Foto)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7: Imkerhaus im Museumsdorf Hösseringen (eigenes Foto)

In den nächsten Jahren folgten weitere Gestaltungsmaßnahmen der Umgebung. So wurde 1983 ein Bienenzaun mit 20 bewohnten Bienenkörben errichtet, 1984 wurden ein Obstgarten am Brümmerhof, einem Einzelhof von 1644, und weitere Hausgärten angelegt. Der Garten des 1990 aufgestellten Imkerhauses wurde entsprechend der Situation am alten Standort mit Obstbäumen und Eichen bepflanzt (ebd.; s. Abb. 7). 1992 wurde ein Dorfteich angelegt, Flechtzäune und Feldsteinmauern aufgebaut, und es entstand eine Baumschule mit alten Obstsorten (ebd.: 12). Die Weide am Dorfteich wird von Schafen und Geflügel genutzt.

Das Freigelände wird außerdem als Ausstellungsfläche genutzt. Es sind ein 5000 Jahre altes Hünengrab sowie eine Ausstellung zur Verwendung von Findlingen als Baumaterial zu sehen. Außerdem ist die Veränderung der Vegetation in den letzten Jahrhunderten dargestellt: Ein Mischwald im Museum zeigt, wie die natürliche Vegetation vor dem Entstehen der Heideflächen ausgesehen hat. Eine Heidefläche mit Außenschafstall vermittelt einen Eindruck des typischen Landschaftsbildes der Lüneburger Heide. In der Umgebung des Museumsdorfes sind junge Wälder zu sehen, wie sie durch die Aufforstung von Heideflächen entstanden sind (LWM 2005).

Eine „ganzheitliche Darstellung“ beschränkt sich jedoch nicht auf das Zeigen von Gebäuden, ihrer Inneneinrichtung und der landschaftlichen Zusammenhänge. Sie wird ergänzt durch Publikationen, Ausstellungen, Lehrpfade, Veranstaltungen, Gespräche und Führungen. Zum Museumsdorf Hösseringen gibt es einige Publikationen. Darunter befindet sich die Reihe „Materialien zum Museumsbesuch“, die jeder Besucher im Museumsladen erwerben und bei seinem Besuch als zusätzliche Informationsquelle nutzen kann. Außerdem kann sie zur Nachbereitung des Besuches dienen.

Das Museumsdorf zeigt immer mehrere Ausstellungen, von denen einige Dauerausstellungen sind. Im jährlichen Wechsel werden außerdem Sonderausstellungen präsentiert. Als Ausstellungsräume werden verschiedene Gebäude des Museumsdorfes genutzt. Während die Dauerausstellungen Themen wie die Geschichte der Landwirtschaft und der ländlichen Volkskunde präsentieren, können die Sonderausstellungen sich auch mit Werken der bildenden Kunst oder Fotografie beschäftigen (BROHM 2001: 15). Im Jahr 2008 sind die Sonderausstellungen „Jagd in der Lüneburger Heide“ sowie „Marundes Jägerlatein, Cartoons von Wolf-Rüdiger Marunde“ zu sehen (MUSE- UMSDORF HÖSSERINGEN 2008c).

An den Veranstaltungstagen des Museumsdorfes werden den Besuchern ausgewählte Themen detailliert vorgeführt. So gibt es beispielsweise jedes Jahr ein Erntedankfest, bei dem verschiedene alte Handwerkstechniken vorgeführt werden (BROHM 2001: 15). Am Kindertag steht das Mitmachen der Kleinen im Vordergrund. Für Erwachsene gibt es bei speziellen Schmiedeseminaren die Möglichkeit, sich in der museumseigenen Schmiedewerkstatt zu betätigen (ebd.: 16).

Eine wichtige Vermittlungsform des Museumsdorfes sind auch Führungen. Es werden jedes Jahr Gruppenführungen zu vom Museumsdorf aktuell bearbeiteten Schwerpunktthemen angeboten. Unabhängig davon befinden sich immer einige Mitarbeiter in den Gebäuden, die den Besuchern für Gespräche zur Verfügung stehen (ebd.).

Bedingt durch die finanzielle Situation des Museumsdorfes Hösseringen gibt es nur eine relativ geringe Anzahl an Mitarbeitern, die zusätzlich zur Besucherbetreuung mit vielen anderen Aufgaben betraut sind. Das führt dazu, dass das Museum stark auf ehrenamtliche Mitarbeiter angewiesen ist, die die Arbeiten im Gelände und Veranstaltungen im Museum durchführen. Um trotz der wenigen finanziellen Mittel dem hohen wissenschaftlichen Anspruch des Museumsdorfes gerecht zu werden, findet ein reger Austausch mit den Universitäten der Umgebung statt. Im Rahmen von Praktika, Studienund Diplomarbeiten werden wissenschaftliche Hilfeleistungen und Veröffentlichungen in der Reihe „Materialien zum Museumsbesuch“ erarbeitet (ebd.: 16).

Auch für den geplanten Heide-Lehrpfad spielt die finanzielle Situation des Museumsdorfes eine wichtige Rolle. Die Stelltafeln sollten möglichst robust und haltbar sein, so dass sie nicht allzu häufig ausgetauscht werden müssen. Außerdem sollten sie kostengünstig reproduzierbar sein. Bei der Gestaltung des Pfades muss auf Aktionselemente wie Sinnesstationen oder ähnliches verzichtet werden, da diese nur mit hohem finanziellen Aufwand realisierbar sind. Als Ersatz sollten schriftliche Aufforderungen auf den Schautafeln die Besucher zu kleinen Aktionen animieren.

4 Konzeption des Heide- Lehrpfades

Nachdem die Funktion von Lehrpfaden in der Umweltbildung erörtert wurde, soll nun ein Konzept für den Heide-Lehrpfad im Museumsdorf Hösseringen erarbeitet werden. Dazu werden in diesem Kapitel die konkreten Ziele des Heide-Weges und seine Zielgruppe festgelegt. Im Anschluss daran wird der geplante Pfad methodisch einem der bestehenden Pfadtypen zugeordnet und seine Vermittlungsinhalte erarbeitet. Außerdem wird auf die Beteiligung der Umweltverbände und touristischer Institutionen eingegangen.

4.1 Ziel des Pfades

Durch die Lage des Heide-Lehrpfades im Museumsdorf Hösseringen ergeben sich verschiedene Ziele für diesen Lehrpfad.

Im Rahmen des Museumsdorfes hat er das Ziel, den Besuchern ein möglichst ganzheitliches Museumserlebnis zu verschaffen. Nicht nur Gebäude und Sachgüter, sondern auch die für die Lüneburger Heide typischen Biotope sollen den Museumsbesuchern näher gebracht werden. In diesem kulturellen Zusammenhang ist es das Hauptziel, den menschlichen Einfluss auf die Entstehung und Erhaltung der Heidelandschaft zu vermitteln.

Das übergeordnete Ziel des Heide-Lehrpfades als Natur-Lehrpfad ist, das umweltbewusste Verhalten der Besucher zu fördern, so dass die Kulturlandschaft Heide von ihnen bewusst geschützt wird. Um dieses komplexe Ziel zu erreichen, wird es in vier Teilziele unterteilt:

Erstes Teilziel: Die Besucher über die Kulturlandschaft Heide als Lebensraum für Pflanzen und Tiere informieren.

Zweites Teilziel: Die Besucher für das Thema Heide begeistern.

Drittes Teilziel: Die Besucher für die Gefährdung der Heide sensibilisieren.

Viertes Teilziel: Individuelle Handlungsmöglichkeiten zum Schutz der Heide aufzeigen.

Wie alle Lehrpfade hat auch der geplante Heide-Lehrpfad zusätzlich das Ziel der Besucherlenkung. Heide ist ein sehr sensibles Biotop, das anfällig auf Trittbelastungen reagiert. Daher ist es wichtig, dass die Besucher den Weg nicht verlassen, so dass die Heidefläche auch für nachfolgende Besucher intakt bleibt.

4.2 Zielgruppe des Pfades

Auch für die Zielgruppe spielt die Lage des Heide-Lehrpfades im Museumsdorf eine große Rolle: Der Pfad richtet sich ausschließlich an die Museumsbesucher. Grundsätzlich ist die potenzielle Zielgruppe des Museumsdorfes sehr weit gefasst. Das Angebot richtet sich an „Menschen aller Generationen, die die Landschaftsund Kulturgeschichte der zentralen und südlichen Lüneburger Heide kennenlernen wollen“ sowie an „Einwohner der Region, die etwas über sich, ihre Heimat und ihre Herkunft erfahren wollen“ und an „Besucher, die sich in einer unverwechselbaren Kulturlandschaft mit historischem Flair erholen wollen“ (MUSEUMSDORF HÖSSERINGEN 2003a). Es wird also ein grundsätzliches Interesse der Besucher vorausgesetzt.

Die Besucherforschung im Museumsdorf befindet sich leider noch in den Anfängen, so dass das tatsächliche Motivations-Profil der Besucher nicht bekannt ist. Immerhin wurde bei zwei Besucherbefragungen in den Jahren 1987 und 1996 festgestellt, dass die Mehrzahl der Besucher zwischen 30 und 60 Jahre alt war. Nur etwa 20 Prozent waren Kinder bis 16 Jahre, die zu 50% in Schulklassen anreisten (BROHM 2001: 17). Ein Ziel des Museums ist es jedoch, vermehrt Schulkinder anzusprechen. Daher wurde ein museumspädagogisches Angebot aufgebaut, das von Lehrern aus der Region mit immer neuen Klassen wahrgenommen wird (ebd.: 17).

Der Heide-Lehrpfad muss also einem breitgefächerten Publikum gerecht werden. Um das museumspädagogische Angebot zu ergänzen, sollte der Lehrpfad sowohl Erwachsene als auch Kindern ansprechen. Dadurch erhalten auch Schulkassen einen weiteren Anreiz, das Museumsdorf zu besuchen.

4.3 Methodische Einordnung des Pfades

Da sich der geplante Heide-Lehrpfad in einem Freilichtmuseum befindet, muss er einem gewissen touristischen Anspruch gerecht werden und das Freizeitpublikum unterhalten. Nur wenn sich die Besucher von dem Pfad angesprochen fühlen, werden sie sich in ihrer Freizeit damit beschäftigen. Zudem muss dieser Lehrpfad geeignet sein, Umweltbildungsthemen zu transportieren. Daher wird der geplante Heide-Lehrpfad dem Lehrpfadtyp Interpretationspfad zugeordnet.

Der Interpretationspfad verfolgt eine ganzheitliche Herangehensweise, da er alle Erlebnisdimensionen ansprechen kann. Für das Museumsdorf ist es finanziell nicht möglich, Aktionselemente in den Pfad mit einzubeziehen. Deshalb kann der geplante Pfad hauptsächlich die Erlebnisdimensionen Unterhaltung und Ästhetik ansprechen, welche sich durch eine passive Beteiligung der Besucher auszeichnen. Durch die anschauliche kognitive Vermittlung der Zusammenhänge sollen die Besucher emotional berührt und aufgerüttelt werden. Die Darstellung der Vielfalt, Schönheit und Einzigartigkeit der Landschaft soll den Besuchern ermöglichen, einen persönlichen Bezug zu Landschaft und Natur herzustellen und so deren Schutzwürdigkeit zu erkennen.

Um die Besucher zumindest teilweise auch aktiv zu beteiligen, sollen die Besonderheiten der Kulturlandschaft Heide in kurzen, spannenden und provozierenden Texten herausgearbeitet werden, die die Besucher zum Nachdenken und Handeln anregen (EDER & ARENBERGER 2007: 53). Schriftliche Appelle tragen zusätzlich dazu bei.

4.4 Vermittlungsinhalte des Pfades

In diesem Kapitel werden die Vermittlungsinhalte des Heide-Interpretationspfades ausführlich beschrieben. Dabei werden alle zu vermittelnden Informationen und Zusammenhänge in einem zusammenhängenden Text dargestellt. Erst in Kapitel 5.1 (s. S. 73) werden die hier gesammelten Inhalte nach pädagogischen Aspekten gegliedert und auf zehn Tafeln verteilt. Dabei werden aus dem folgenden Text die wichtigsten Informationen herausgefiltert, um den Besucher nicht mit einer zu großen Fülle von Text abzuschrecken.

4.4.1 Der Begriff Heide

Heide ist im Volksmund ein Begriff mit recht breit gefächerten Bedeutungen, unter dem längst nicht jeder das Gleiche versteht. So werden verschiedene Landschaften wie die baumlosen Bestände von Zwergsträuchern auf armen Sandböden in Nordwest-Deutschland, nährstoffarmes kalkhaltiges Grasland in den Bergen Süddeutschlands und offene Kiefernwälder auf den sandigen Ebenen des östlichen Mitteleuropas mit dem Begriff Heide bezeichnet. In allen diesen Fällen handelte es sich um gemeinschaftlich genutzte Landschaftsräume, so genannte Allmenden, auf denen die Bauern in der Vergangenheit ihr Vieh grasen lassen durften. Ursprünglich war Heide also eher ein Rechtsund Nutzungsbegriff als ein Ausdruck für einen bestimmten Vegetationsoder Landschaftstyp (HÜPPE 1993: 141; GORISSEN 1998: 12).

In der Vegetationskunde beschreibt der Begriff Heide einen Lebensraum, in dem die Zwergsträucher Calluna vulgaris (Besenheide), oder in feuchten Gebieten Erica tetralix (Glockenheide), dominieren. Hinzu kommen verschiedene Gräser und krautige Pflanzen, wobei auch hier die genaue Zusammensetzung von Bodenart, Nährstoffreichtum und Feuchtigkeitsgehalt abhängig ist (GORISSEN 1998: 12). Nach den vorherrschenden Arten oder Standorteigenschaften lassen sich insgesamt zwölf Heidetypen unterscheiden. So gibt es beispielsweise Calluna-Heiden, Silbergrasrasen, Wanderdünen, Feuchtheiden und Heideweiher. Diese Namen machen deutlich, dass sowohl die Artenzusammensetzung als auch die Standorte von Heiden sehr vielseitig sein können (ebd.: 14).

4.4.2 Verbreitungsgebiet von Heidevegetation

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 8: Verbreitung der Heidelandschaften in Europa um 1800 (H AALAND 2002: 20)

Die Vegetationsform der Zwergstrauchheide kommt weltweit vor. Einige Beispiel sind die boreale Taiga Nordosteuropas, Sibiriens und Kanadas, die gesamte arktische Tundra, Hochmoore und Gebirge Europas und Japans sowie die Hochländer Neuseelands und Ost-Australiens (GORISSEN 2004: 3). Im Folgenden wird die Betrachtung der Heidevegetation jedoch auf Europa begrenzt, da eine weltweite Betrachtung den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.

Die Heide ist eine Landschaft, die von Natur aus nur an sehr wenigen Standorten vorkommt. Da die europäische Heidevegetation einen sauren, nährstoffarmen und silikatreichen Standort bevorzugt, siedelt sie sich vornehmlich im nordwestlichen Moorund Küstengebiet auf sauren Anmoorund Torfböden und oberhalb der Waldgrenze in Hochgebirgen an (s. Abb. 8) (BÄRTELS 1983: 11 ff.). Voraussetzung für das Entstehen von Heide ist, dass keine Bäume vorhanden sind (HÜPPE 1993: 142), die die Heidepflanzen beschatten und zurückdrängen würden.

Durch Waldrodung und anschließende Bewirtschaftung entstandene Heide ist in Westund Nordeuropa überall dort zu finden, wo ozeanisches Klima herrscht. Vom humiden, ausgeglichenen Klima des atlantischen Küstenbereichs in Schottland und Skandinavien bis in den westatlantischen Bereich der Iberischen Halbinsel erstrecken sich ausgedehnte Zwergstrauchheiden (BÄR- TELS 1983: 13).

In Mitteleuropa gibt es heute jedoch nur noch sehr vereinzelte und häufig sehr kleine Heideflächen. Dies ist auf die zunehmende Zersiedelung und intensive Landund Forstwirtschaft sowie einen zunehmenden Nährstoffeintrag durch die Luftverschmutzung zurückzuführen. Die wenigen noch bestehenden Heidegebiete befinden sich in Naturschutzgebieten und -parken sowie in militärisch genutzten Gebieten. Gerade letztere weisen häufig sehr große zusammenhängende Heideflächen auf. Diese Gebiete bieten für einige störungsempfindliche Arten und Lebensraumtypen eine langfristige Überlebenschance (GORISSEN 1998: 11), da sie durch das Betretungsverbot nicht durch Freizeitnutzungen der Bevölkerung in Anspruch genommen werden (GÖTZE 1997: 107).

Der Naturraum „Lüneburger Heide“ in der norddeutschen Tiefebene war noch um 1870 zur Hälfte mit Heide bedeckt. Heute beschränken sich die Heideflächen auf das Naturschutzgebiet „Lüneburger Heide“, das Naturschutzgebiet „Fischbeker Heide“ sowie die drei Truppenübungsplätze

„Bergen-Hohne“, „Munster-Süd“ und „Munster-Nord“ und den Schießplatz „Unterlüß“ (ebd.: 53). Der Truppenübungsplatz „Bergen-Hohne“ ist mit einer Heidefläche von etwa 5000 ha die größte subatlantisch geprägte Heidelandschaft Mitteleuropas. (ebd.: 58).

4.4.3 Entwicklung der Kulturlandschaft Heide

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten Abb. 9: Nährstofftransfer in der historischen Heidebauernwirtschaft (B RENKEN & K OOPMANN 2007: 10)

An den meisten Standorten ist die Heide eine von Menschen gemachte Landschaft. Schon in der Steinzeit begannen die Menschen, die Wälder stellenweise für Siedlungen und Ackerflächen zu roden. Nachdem sie die Flächen eine Weile genutzt hatten, zogen sie weiter und ließen sich an einer anderen Stelle nieder. Auf den zurückbleibenden ungenutzten und waldfreien Bereichen siedelte sich nun Heidevegetation an. Diese Flächen wurden bereits nach kurzer Zeit im Zuge der natürlichen Sukzession von Wald wiederbesiedelt. Nach und nach entwickelte sich jedoch ein sehr lichter Wald in Kombination mit Heidevegetation. Diese Entwicklung ist auf eine zunehmende Nutzung des Waldes als Weidefläche für Vieh zurückzuführen. Das Vieh hat die aufkommenden Gehölze verbissen, so dass der Wald nach und nach ganz aus der Landschaft verschwand (ebd.: 143).

[...]

Ende der Leseprobe aus 131 Seiten

Details

Titel
Heide-Interpretation im Museumsdorf Hösseringen (Lüneburger Heide)
Untertitel
Von der Arten- und Biotopvielfalt einer 5000 Jahre alten Kulturlandschaft
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Institut für Umweltplanung, Abteilung Landschaftspflege und Naturschutz, Institut für Freiraumentwicklung)
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
131
Katalognummer
V120936
ISBN (eBook)
9783640311828
ISBN (Buch)
9783640812417
Dateigröße
20327 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lehrpfad, Heidefläche, Museumsdorf, Stelltafel, Kulturlandschaft, Heide, Umwelteinflüsse, Nutzungskonflikt, Umwelteinfluss, Lüneburger Heide, Erwachsene, Kinder, Quiz, Umweltverband, Beteiligung, Flyer, Broschüre, Öffentlichkeitsarbeit, Vermittlung, Naturlehrpfad, Erlebnispfad, Natur, Hösseringen, Museumsdorf Hösseringen, Biodiversität, Artenvielfalt, Biotopvielfalt, Kulturlandschaft Heide, Heidetourismus, Tourismus, Heidschnucke, Heidschnuckenpatenschaft, Verein Naturschutzpark, Plaggen, Brennen, Schoppern, Beweidung, Interpretationspfad, Wacholder, Calluna, Heidelbeere, Wacholderbeere, Kontrolliertes Brennen, Heidepflege
Arbeit zitieren
Diplom-Ingenieur Linda Liebl (Autor), 2008, Heide-Interpretation im Museumsdorf Hösseringen (Lüneburger Heide), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120936

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