Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Sociology - Politics, Majorities, Minorities

Erklärt der Einfluss des Islam das Fehlen von Demokratie in der Arabischen Welt?

Title: Erklärt der Einfluss des Islam das Fehlen von Demokratie in der Arabischen Welt?

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 23 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Magister Artium Timo Metzner (Author)

Sociology - Politics, Majorities, Minorities
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Für den weltweiten empirischen Trend zu mehr Demokratie auf Nationalstaatsebene, der Mitte der 1970er Jahre begann, prägte Samuel Huntington den Begriff „dritte Welle der Demokratisierung“. Im Gegensatz zu den in dieser Hinsicht erfolgreichen Regionen, vor allem Lateinamerika, Süd- und Osteuropa, wurden andere Regionen jedoch nicht von dieser Dynamik erfasst. Hierzu zählen in erster Linie Afrika und die islamische - insbesondere die arabische Welt.
Gegenstand dieser Arbeit ist die Frage, ob die arabisch-islamische Welt aufgrund ihrer religiösen und kulturellen Prägung eine Sonderstellung („Exzeptionalismus“) einnimmt, oder ob die erklärungsrelevanten Faktoren bezüglich der Abwesenheit von Demokratie denen anderer Entwicklungsländer gleichen und dementsprechend auch verglichen werden können und sollten. Dies geschieht mit dem Ziel, eine Einschränkung und Spezifizierung der relevanten Indikatoren für diese Region zu ermöglichen.
Es wird die These vertreten, dass die Positionen von so genannten Orientalisten und „Neo-Orientalisten“ , die ex post religiöse und religiös-kulturelle Erklärungen für den Status quo im arabischen Raum vertreten, nur begrenzt zu einem besseren Verständnis der Probleme beitragen, was insbesondere daran liegt, dass sie kaum messbare Indikatoren in ihren Analysen zur Verfügung stellen, auf denen weiterführende Untersuchungen fußen könnten. Außerdem sind viele dieser Ansätze simplifizierend, da sie auf einer monokausalen Betrachtungsweise basieren: „Die Geschichte der islamischen Welt weise eine Aufeinanderfolge von autoritärer und tyrannischer Herrschaft auf, die sich bis auf den heutigen Tag fortsetzte. In solchen Argumentationslinien wird stets vorausgesetzt, daß die politischen Entwicklungen der islamischen Welt durchgängig und vorrangig religiös bestimmt sind und alle Fehlerscheinungen eine ´islamische Ursache´ haben.“ Damit sei nicht gesagt, dass sämtliche relevante Faktoren, wie vor allem geschichtliche Hintergründe und externe Einflüsse keine Berücksichtigung in der Forschung finden sollten, aber dass Analysen, die nur auf sozio-kulturellen Argumenten beruhen, oftmals dazu neigen, reale Probleme – in diesem Fall in Gestalt des „Exzeptionalismus“ – eher zu verschleiern als zu erhellen. Folglich konzentriert sich diese Arbeit auf Ansätze, die messbare Indikatoren in den Fokus ihrer Untersuchungen gestellt haben.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1.1 Einleitung

1.2 Aufbau der Arbeit

2. Die Situation: „The Democracy Gap“

3. Zwei empirische Ansätze zur Bedeutung des Islam

3.1 Vorbemerkung

3.2 Ali Reza Abootalebi: Reale Machtverhältnisse erklären die Abwesenheit von Demokratie besser als Religion

3.2.1 Der Ansatz von Abootalebi

3.2.2 Die „Society-State Power Ratio“

3.3 Daniel E. Price: Der Einfluss islamischer politischer Kultur auf Demokratie in der islamischen Welt

3.3.1 Der Ansatz von Price

3.3.2 Die Ergebnisse von Price empirischer Untersuchung

4. Zivilgesellschaft und Demokratisierung im Nahen Osten

4.1 Die Frage der Definition von Zivilgesellschaft im arabischen Raum

4.2 Islamisten als Teil der Zivilgesellschaft

5. Zusammenfassung und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, ob die arabisch-islamische Welt aufgrund ihrer religiösen und kulturellen Prägung eine demokratische Sonderstellung einnimmt oder ob die Ursachen für das Fehlen von Demokratie mit denen anderer Entwicklungsländer vergleichbar sind. Ziel ist es, den Fokus von monokausalen, kulturorientierten Erklärungen hin zu messbaren sozio-ökonomischen und machtpolitischen Indikatoren zu verschieben.

  • Analyse des "Democracy Gap" in der islamisch geprägten Welt.
  • Evaluation empirischer Ansätze zu Machtverteilung (Abootalebi) und politischer Kultur (Price).
  • Untersuchung der Rolle der Zivilgesellschaft für Transformationsprozesse.
  • Kritische Auseinandersetzung mit der Einbindung islamistischer Akteure in das politische System.
  • Hinterfragung der Prämisse einer notwendigen Säkularisierung für Demokratisierung.

Auszug aus dem Buch

3.2.1 Der Ansatz von Abootalebi

Ali Reza Abootalebi versucht, den oft nur diffus beschriebenen Einfluss der Zivilgesellschaft auf eine potenzielle Liberalisierung oder Demokratisierung von Staaten in der arabischen Welt zu systematisieren. Er geht von der Prämisse aus, dass die Machtverteilung zwischen Staat und gesellschaftlichen Akteuren, sowie die Machtverteilung innerhalb der Zivilgesellschaft selbst, entscheidend dafür ist, ob ein autoritärer Staat zu Zugeständnissen und Kompromissen - im Sinne einer Liberalisierung - gezwungen sein könnte: „The contention of this study is that prospects for democratization – that is, wider distribution of formal political powers – in all `developing` countries is a function of socioeconomic and political, and not cultural, variables.“ Es geht ihm also darum, den orientalistisch-kulturalistischen Ansatz, dem er vorwirft, sämtliche Defizite der islamischen Welt ex post mit dem Einfluss der islamischen Religion zu erklären, zurückzuweisen. An die Stelle solcher Erklärungen versucht er messbare Indikatoren zu setzten, die mit anderen, nicht islamisch geprägten Entwicklungsländern verglichen werden können. Dies ist insbesondere deswegen von zentraler Bedeutung, da viele der zivilgesellschaftlichen Akteure islamistische Gruppen sind.

Sicherlich dürfen beispielsweise Implikationen des traditionellen islamischen Staatsverständnisses, vor allem in Form einer traditionell apolitisch und oft obrigkeitsstaatlich orientierten politischen Einstellung nicht ignoriert werden. Abootalebi ist aber an einer Konzentration auf empirisch messbare Indikatoren interessiert.

Zusammenfassung der Kapitel

1.1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der "dritten Welle der Demokratisierung" ein und formuliert die Forschungsfrage, ob religiöse Faktoren das Fehlen von Demokratie in der arabischen Welt hinreichend erklären.

1.2 Aufbau der Arbeit: Dieses Kapitel erläutert den methodischen Fokus auf zwei empirische Studien (Abootalebi und Price), die sozio-ökonomische und strukturelle Variablen über rein kulturtheoretische Erklärungen stellen.

2. Die Situation: „The Democracy Gap“: Hier wird die empirische Ausgangslage dargelegt, nach der islamisch geprägte Staaten signifikant seltener demokratisch verfasst sind als nicht-islamische Staaten.

3. Zwei empirische Ansätze zur Bedeutung des Islam: Dieses Kapitel vergleicht die zwei zentralen theoretischen Modelle zur Erklärung von Demokratiedefiziten in der Region.

3.1 Vorbemerkung: Einführung in das Spannungsfeld zwischen strukturtheoretischen (Lipset) und transitionstheoretischen (Rustow) Ansätzen.

3.2 Ali Reza Abootalebi: Reale Machtverhältnisse erklären die Abwesenheit von Demokratie besser als Religion: Vorstellung des Ansatzes, der Machtressourcen zwischen Staat und Zivilgesellschaft in den Mittelpunkt stellt.

3.3 Daniel E. Price: Der Einfluss islamischer politischer Kultur auf Demokratie in der islamischen Welt: Diskussion des Ansatzes, der mittels eines Indexes für politische Kultur den Einfluss des Islam zu operationalisieren versucht.

4. Zivilgesellschaft und Demokratisierung im Nahen Osten: Untersuchung der Rolle zivilgesellschaftlicher Akteure als notwendige Bedingung für demokratische Öffnungsprozesse.

5. Zusammenfassung und Ausblick: Resümee der Ergebnisse, das die These stützt, dass nicht kulturelle, sondern sozio-ökonomische und machtpolitische Rahmenbedingungen entscheidend für Demokratisierungsprozesse sind.

Schlüsselwörter

Demokratisierung, Islam, Arabische Welt, Zivilgesellschaft, Authoritarismus, Machtverteilung, Politische Kultur, Modernisierung, Transformation, Empowerment, Sozio-ökonomische Faktoren, Orientalismus, Gesellschaft, Staat, Demokratie-Defizit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, ob die arabisch-islamische Welt aufgrund ihrer Religion eine Sonderstellung einnimmt, die den Mangel an Demokratie erklärt, oder ob vergleichbare sozio-ökonomische Faktoren für den Autoritarismus in der Region verantwortlich sind.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Themenfelder umfassen die Demokratietheorie, den Vergleich von empirischen Erklärungsansätzen für politische Systeme, die Definition der Zivilgesellschaft sowie die Rolle des politischen Islams in Transformationsprozessen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das primäre Ziel ist die kritische Überprüfung der These des "islamischen Exzeptionalismus" und die Identifikation messbarer Indikatoren, die das Fehlen von Demokratie besser erklären als rein kulturelle Argumente.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?

Der Autor führt eine komparative Analyse zweier empirischer Studien durch (Abootalebi und Price), die quantitative Daten und Indizes nutzen, um den Zusammenhang zwischen ökonomischen, politischen und sozialen Variablen und Demokratie in der Region zu prüfen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Modelle von Abootalebi (Fokus auf Machtressourcen) und Price (Fokus auf politischer Kultur) sowie die Rolle der Zivilgesellschaft bei der Überwindung autoritärer Regime.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Publikation am besten?

Demokratisierung, Islam, Zivilgesellschaft, Autoritarismus, Machtverteilung, Politische Kultur, Transformation, Sozio-ökonomische Indikatoren, Islamisten.

Wie bewerten die untersuchten Studien die Rolle der Islamisten?

Beide Studien sehen islamistische Gruppen als Teil der Zivilgesellschaft. Eine Marginalisierung dieser Gruppen wird als kontraproduktiv für Demokratisierungsprozesse angesehen; stattdessen wird die Chance einer Integration in den politischen Prozess betont.

Welchen Stellenwert räumt der Autor der Säkularisierung ein?

Der Autor lehnt die modernisierungstheoretische Annahme ab, dass eine Säkularisierung zwingende Voraussetzung für Demokratisierung sei, da dies im arabischen Kontext die stärksten oppositionellen Akteure (Islamisten) ausschließen würde.

Was ist das zentrale Fazit zur Bedeutung des Islam?

Das Fazit lautet, dass nicht der Islam an sich für das Demokratiedefizit verantwortlich ist, sondern inadäquate strukturelle Rahmenbedingungen und machtpolitische Konstellationen zwischen Staat und Gesellschaft den entscheidenden Einfluss haben.

Excerpt out of 23 pages  - scroll top

Details

Title
Erklärt der Einfluss des Islam das Fehlen von Demokratie in der Arabischen Welt?
College
Free University of Berlin  (Institut für Soziologie)
Course
Theorien der Globalisierung
Grade
1,0
Author
Magister Artium Timo Metzner (Author)
Publication Year
2003
Pages
23
Catalog Number
V120951
ISBN (eBook)
9783640251704
ISBN (Book)
9783640251803
Language
German
Tags
Erklärt Einfluss Islam Fehlen Demokratie Arabischen Welt Theorien Globalisierung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Magister Artium Timo Metzner (Author), 2003, Erklärt der Einfluss des Islam das Fehlen von Demokratie in der Arabischen Welt?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120951
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  23  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint