Die Literaturrecherche gestaltete sich sehr schwierig, da zu diesem Thema "Befragung von Personen mit Beeinträchtigungen" bislang kaum Erkenntnisse vorliegen.
Da zu diesem Thema alleine schon die umfassende Stichprobenerhebung von beeinträchtigten Personen eine Seminararbeit rechtfertigt, beschränkt sich die Autorin in dieser Arbeit auf die Reaktionsebene und spricht die Selektionsebene nur dann an, wenn diese entsprechende Relevanz einnimmt.
Zu Beginn wird dargestellt, wie eine Befragung generell sein soll. Anschließend wird auf die Definition von Beeinträchtigten lt. WHO und die diversen Arten von Beeinträchtigungen eingegangen.
Danach werden die Regeln einer Befragung im Umgang mit beeinträchtigten Personen sowie die allgemeinen Voraussetzungen für die Befragung dieser Klientel beschrieben.
Anschließend werden die der jeweiligen Beeinträchtigung zugrunde liegenden Erfordernisse für eine Befragung (Fragebogen, Interview) herausgearbeitet, um die Komplexität dieser Thematik aufzuzeigen.
Zum Schluss werden noch die Methodenprobleme sowie einige Expertenbeiträge und -meinungen zur Befragung von speziellen Zielgruppen anlässlich der Tagung „Grenzen und Herausforderungen der Umfrageforschung“ beleuchtet.
1. Einleitung
Die Befragung ist ein zentrales Element der Empirischen Sozialforschung. Damit werden systematisch Informationen über Einstellungen, Meinungen, Wissen und Verhaltensweisen von Menschen gesammelt und ausgewertet. Der Forscher bedient sich dazu sowohl quantitativer als auch qualitativer Forschungsmethoden.
Die Unterscheidung zwischen quantitativer und qualitativer Sozialforschung ist das Ergebnis des Methodenstreits, der im Zuge der Etablierung der Soziologie zur eigenständigen Wissenschaft entbrannte.
Weber’s Grundposition einer eigenen sozialwissenschaftlichen Methodik ist durch das Verstehen gekennzeichnet, welches jedes Handeln mit einem subjektiven Sinn verbindet. (vgl. Esser, 1999: 5; vgl. Reinhold, 2000: 703) Dem zufolge ist die empirische Sozialforschung methodisch stark qualitativ ausgerichtet.
Mayring schreibt hinsichtlich der Unterscheidungsmerkmale von qualitativen und quantitativen Analysen, dass „sobald Zahlbegriffe und deren In-Beziehung-Setzen durch mathematische Operationen bei der Erhebung oder Auswertung verwendet werden, von quantitativer Analyse zu sprechen [ist, Anm. d. Verf.], in allen anderen Fällen von qualitativer Analyse.“ (Mayring, 2000: 16)
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1 Einleitung
1.1 Methoden der Befragung
1.2 Grundlagen der Befragung
2 Menschen mit Beeinträchtigungen als Adressaten von Befragungen
2.1 Definition und Arten von Beeinträchtigungen
2.2 Regeln im Umgang mit beeinträchtigten Personen
2.3 Voraussetzungen für eine Befragung
2.3.1 Befragung von Menschen mit Sehbehinderung
2.3.2 Befragung von Menschen mit Hörbehinderung bzw. Taubheit
2.3.3 Befragung von Menschen mit Lernschwächen
2.3.4 Befragung von Menschen mit physischen Beeinträchtigungen
2.3.5 Befragung von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen
2.4 geeignete Befragungsmethoden für Menschen mit Beeinträchtigungen
2.4.1 Das Interview
2.4.2 Der Fragebogen
2.4.3 Studie zur „Sozialen Lage gesundheitlich beeinträchtigter Studierender“
3 Fazit
3.1 Methodenprobleme
3.2 empirische Erkenntnisse
3.3 persönliche Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die methodischen Herausforderungen und Rahmenbedingungen bei der Befragung von Menschen mit Beeinträchtigungen. Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie Befragungsinstrumente angepasst werden müssen, um eine valide Datenerhebung unter Berücksichtigung individueller Bedürfnisse zu gewährleisten und Verzerrungen zu minimieren.
- Definition und Kategorisierung verschiedener Beeinträchtigungsarten.
- Kommunikative Regeln und interaktive Aspekte in der Befragungssituation.
- Analyse spezifischer Anforderungen für seh-, hör-, lern-, physisch und psychisch beeinträchtigte Personen.
- Kritische Beleuchtung von Interview- und Fragebogenmethoden in diesem Kontext.
- Bedeutung der Inklusion und Partizipation in der empirischen Sozialforschung.
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Befragung von Menschen mit Sehbehinderung
Die effizienteste Befragungsmethode neben dem Fragebogen ist das Interview. Zu Beginn ist es notwendig, sich als Interviewer klar zu identifizieren und dem zu Befragenden weitere anwesende Personen vorzustellen. Um Informationen über die Räumlichkeiten zu vermitteln, soll eingangs beschrieben werden, wo und in welchem Verhältnis zueinander sich die Anwesenden befinden.
Normalerweise benötigt ein Mensch mit Sehbehinderung in einem Interview keinerlei zusätzliche Hilfsmittel. Dennoch soll im Vorhinein abgeklärt werden, ob und wenn ja, in welcher Form Unterstützungsbedarf notwendig ist. Je nach Grad der Sehbeeinträchtigung können Lesevorlagen in großen Druckbuchstaben bzw. Brailleschrift oder Informationen auf CD zusätzlich zur Anwendung kommen.
Während der Befragung gilt für den Interviewer stets, den Interviewpartner aufmerksam zu begleiten sowie, wenn notwendig, unaufdringliche Hilfestellungen zu leisten (zB Jemanden mit exakten Angaben bzw. Fragen, ob der Arm gereicht werden soll, durch den Raum führen, anstatt jemanden an der Hand nehmen und hinter sich durch den Raum ziehen.).
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Die Autorin begründet die Relevanz der Arbeit aufgrund der schwierigen Literaturrecherche und betont die Notwendigkeit der Inklusion von beeinträchtigten Personen in der Sozialforschung.
1 Einleitung: Es werden die Grundlagen der empirischen Sozialforschung sowie der Methodenstreit zwischen quantitativen und qualitativen Vorgehensweisen erläutert.
2 Menschen mit Beeinträchtigungen als Adressaten von Befragungen: Dieses Kapitel definiert verschiedene Beeinträchtigungsarten und diskutiert notwendige Voraussetzungen sowie Kommunikationsregeln für eine erfolgreiche Befragung dieser Klientel.
3 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Reflexion über Methodenprobleme, wie Verzerrungen durch das soziale Umfeld, und plädiert für individuell angepasste Erhebungsmethoden statt rein standardisierter Ansätze.
Schlüsselwörter
Befragung, Beeinträchtigung, Empirische Sozialforschung, Interview, Fragebogen, Inklusion, Methodenprobleme, Barrierefreiheit, Partizipation, Datenerhebung, Kommunikation, Soziologische Empathie, Validität, Zielgruppe, Methodenmix.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der methodischen Gestaltung von Befragungen, die speziell auf Menschen mit verschiedenen Arten von Beeinträchtigungen ausgerichtet sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Definition von Beeinträchtigungen, die soziale Situation bei Interviews, spezifische Kommunikationsanforderungen sowie die kritische Prüfung von Befragungsmethoden wie Fragebögen und Interviews.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, die Komplexität und die notwendigen Anpassungen für eine valide Datenerhebung bei beeinträchtigten Personen aufzuzeigen, um deren Teilhabe an der Sozialforschung zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die Literaturrecherchen mit Expertenbeiträgen, Fallbeispielen und eigenen methodischen Reflexionen verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Erfordernisse für die Befragung von Personen mit Seh-, Hör-, Lern-, physischen und psychischen Beeinträchtigungen sowie die Eignung verschiedener Erhebungsinstrumente.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Befragung, Beeinträchtigung, Inklusion, Barrierefreiheit, Interview, Fragebogen und methodische Verzerrung.
Warum ist eine rein standardisierte Befragung bei beeinträchtigten Personen problematisch?
Standardisierte Methoden können die Vielfalt und die spezifischen Unterstützungsbedarfe ignorieren, was bei Betroffenen zu Überforderung, Verzerrungen oder zum Abbruch der Befragung führen kann.
Welche Rolle spielt die soziologische Empathie?
Soziologische Empathie wird als notwendiger Ansatz diskutiert, um sich in die Lebenswelt der Befragten hineinzudenken, wobei jedoch eine kritische Distanz zur Wahrung der Validität gefordert wird.
Was besagt die Autorin zur Barrierefreiheit in Fragebögen?
Die Autorin hebt hervor, dass Faktoren wie Textverständlichkeit, Schriftlayout und ein einladendes Design wesentlich sind, um die Hemmschwelle bei Menschen mit Lernschwächen zu senken.
- Quote paper
- Elke Kornberger (Author), 2008, Befragung von Personen mit Beeinträchtigungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120952