Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar (1739-1807)

Reflexionen zum Mythos einer Regentin


Examensarbeit, 2008

63 Seiten, Note: 1-2


Leseprobe

1. Einleitung

Anna Amalia zählt heute wohl zu den bedeutendsten Frauen in der Geschichte des Herzogtums Sachsen-Weimar und des Landes Thüringen, und wird als eine herausragende Vertreterin der geistesgeschichtlich bedeutenden Zeit der Aufklärung im 18. Jahrhundert bezeichnet[1].

Joachim Berger kritisiert, dass das Leben der Regentin oftmals einseitig nachgezeichnet wird, bei dem vieles verbessert und verschönert wird[2]. So zeigt sich häufig ein Bild der Herzogin, welches durch Künste, Literatur und Kultur charakterisiert wird.

Doch Anna Amalia war nicht nur „Wegbereiterin der Weimarer Klassik“[3], sondern nach ihrer Hochzeit mit Ernst August Constantin von Sachsen-Weimar im Jahr 1756 und dessen Tod kurze Zeit später auch vormundschaftliche Regentin für ihren minderjährigen Sohn und Thronnachfolger Carl August. Diese politische Phase im Leben der Anna Amalia soll nachfolgend erläutert und analysiert werden. Dabei soll die These im Vordergrund stehen werden, dass Anna Amalia mit ihrer Regentschaft den Weimarer Staat sowohl außen- als auch landespolitisch konsolidieren konnte, um diese anschließend zu verifizieren beziehungsweise zu falsifizieren.

Um die Person Anna Amalia von Sachsen-Weimar vor allem als aufgeklärte Regentin zu beschreiben, wird im hinführenden Kapitel die Herkunft und Erziehung der Herzogin erläutert. Dabei wird insbesondere auf den sie prägenden Erzieher, Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem eingegangen und das Verhältnis zu ihrem Vater, Herzog Karl I. von Braunschweig-Lüneburg, bewertet. Die Hochzeit mit Ernst August II. Constantin zu Sachsen-Weimar bedeutete einerseits einen tiefen Einschnitt im bis dahin beschaulichen Leben der zukünftigen Herzogin, andererseits bot sie auch Aufstiegsmöglichkeiten und Repräsentation. Doch Anna Amalias Aufgabe als neue „Landesmutter“ war es zunächst nur, einen Sohn zu gebären und damit die dynastische Erbfolge zu sichern.

Nach dem Tod ihres Mannes Ernst August II. Constantin musste Anna Amalia als Herzogin von Sachsen-Weimar schließlich ihrer Bezeichnung „regierende Herzogin“[4] gerecht werden und für ihren ältesten Sohn Carl August die obervormundschaftliche Regierung übernehmen. In ihren autobiographischen Aufzeichnungen schreibt Anna Amalia über diese Zeit: „In meinem 18ten Jahr fing die größte Epoche meines Lebens an. Ich wurde zum zweytenmahl Mutter, wurde Wittib (Witwe, d.A.), Obervormünderin und Regentin.“[5]. Die junge Herzogin war anfangs kaum in der Lage, ihre neue verantwortungsvolle Aufgabe auszuführen und hatte in den Landesständen und dem Geheimen Consilium, aber auch in ihrer Braunschweiger Familie, hilfreiche Unterstützer und Mitregenten. Fortführend werden Anna Amalias außenpolitische Maßnahmen und Erfolge, welche sich insbesondere auf den Siebenjährigen Krieg, welcher von 1756 bis 1763 andauerte, beziehen, untersucht und bewertet, um schließlich die eigene Landespolitik und Administration in Weimar zu evaluieren.

Das Ende der vormundschaftlichen Regentschaft der Weimarer Herzogin war ein freiwilliger Rückzug Anna Amalias aus den Regierungsgeschäften zugunsten ihres Sohnes und Thronnachfolgers Carl August.

Im vierten Kapitel soll die Bedeutung der Herzogin Anna Amalia für das klassische Weimar in der Neuzeit anhand ihres eigenen Wirkens, dem Aufbau der Bibliothek und der Förderung gelehrter Persönlichkeiten herausgearbeitet werden.

Abschließend wird untersucht, ob und inwieweit die Person Anna Amalias einer Legende zugesprochen werden kann beziehungsweise soll die Frage geklärt werden, ob es sich bei der Herzogin um einen Mythos einer Regentin handeln kann.

Ihre Erfahrungen als braunschweigische Tochter, als Ehefrau und Witwe, als obervormundschaftliche Landesregentin und als Vorsteherin eines Hofes verarbeitet die Herzogin Anna Amalia in einem autobiographischen Fragment[6], welches auf 1772 datiert wird[7]. Diese Quelle bietet neben den erhaltenen Briefen von und an die Herzogin Anna Amalia sowie ihren sonstigen Selbstzeugnissen einen authentischen Einblick in die Gefühlswelt der jungen Regentin und gibt Ansätze für Interpretationen. Dennoch weisen diese wenigen vorhandenen Zeugnisse bestimmte Lücken auf - so ist das autobiographische Fragment Anna Amalias während einer Krise[8] entstanden und das einzige überlieferte Tagebuch[9] in der Ausnahmesituation ihres Italienaufenthalts[10].

Die Quellenlage zum Italienaufenthalt der Herzogin ist hingegen sehr gut, so ist ein dichter Briefwechsel sowohl der Herzogin selbst als auch ihrer Begleiter während der Reise überliefert[11].

Das gesamte Hausarchiv der Fürstenfamilie zu Sachsen-Weimar ist im 19. Jahrhundert von vermeintlich kompromittierenden Stücken gesäubert worden[12], so dass heute insgesamt nur wenige persönliche Quellen vom Wirken Anna Amalias, insbesondere während ihrer vormundschaftlichen Regentschaft, zeugen.

Die älteren Biographien[13] zu Anna Amalia stützen sich im wesentlichen auf einen selektiven Ausschnitt ihrer autobiographischen Aufzeichnungen, ihres handschriftlichen Briefwechsels und publizierte Erinnerungen[14]. Seit den 1940er Jahren versiegen umfangreichere Quellenstudien. Erst anlässlich eines Kolloquiums zum 250. Geburtstag Anna Amalias im Jahr 1989 setzte man sich erneut intensiv mit der Herzogin auseinander[15].

Berger[16] hat erstmals den Nachlass der Herzogin Anna Amalia, welcher zahlreiche Faszikel mit eigenhändigen Aufzeichnungen, Exzerpten, Sammlungen und Manuskripten sowie dem Reisejournal aus Italien umfasst[17], durchgearbeitet und ausgewertet. Neuere Biographien zu Anna Amalia, wie von Anette Seemann[18], Ursula Salentin[19] sowie von Leonie und Joachim Berger[20] erheben oftmals keinen Anspruch auf Vollständigkeit und bieten einen Einblick in das Leben der Herzogin, beziehen sich jedoch meist auf die künstlerischen Aspekte im Wirken Anna Amalias. Das Ehepaar Berger versucht in fast poetischen Formen, die Regierungsjahre der Regentin tiefergehend zu analysieren.

Der nachfolgende Text hat den Anspruch, Gedanken zum Mythos Anna Amalias herauszukristallisieren und ihre besonderen Leistungen hinsichtlich ihrer Regentschaft, aber auch ihrer Kunstzuneigung darzustellen und ein Stück weit zu würdigen.

2. Die Person Anna Amalia von Sachsen-Weimar

Die braunschweigische Prinzessin Anna Amalia wurde als zweitälteste Tochter Herzog Karls I. von Braunschweig-Lüneburg und der Prinzessin von Preußen und Schwester Friedrichs II., Philippine Charlotte am 24. Oktober 1739 im Schloss zu Wolfenbüttel geboren[21]. Nachdem die Herzogin ihre Jugend zum größten Teil in Braunschweig verbrachte, wurde sie im Jahr 1756 mit Ernst August II. Constantin zu Sachsen-Weimar verheiratet, ein Schritt, der ihr ganzes zukünftiges Leben bestimmen und ihre Persönlichkeit prägen sollte.

2.1 Herkunft – Das Haus Braunschweig-Wolfenbüttel

Karl I. war seit 1735 der regierende Herzog Braunschweig-Wolfenbüttels und lehnte das mit 70 Quadratmeilen eher kleine und stark zersplitterte Fürstentum seitdem außenpolitisch eng an Preußen an[22]. Die wichtige Beziehung zu Preußen wurde mehrfach befestigt: zum einen durch die eigene Heirat Karls I. mit Philippine Charlotte, zum anderen durch die Ehe seiner Schwester Elisabeth Christine von Braunschweig mit Friedrich II. von Preußen und schließlich durch die Verbindung seiner Schwester Luise Amalie mit dem Preußenprinzen August Wilhelm[23].

Karl I. bemühte sich, die Staatsverschuldung in seinem Fürstentum, welche hauptsächlich durch eine übergroße Armee verursacht wurde, im Sinne des Merkantilismus durch die Ansiedlung von Unternehmen, Etablierung von Manufakturen und die Vereinheitlichung des Steuerwesens einzudämmen[24]. Jedoch konnten die Schulden erst unter Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig, welcher von 1780 bis 1806 regierte, mit Hilfe englischer Subsidien endgültig beseitigt werden.

Das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel wurde im 18. Jahrhundert das Zentrum der nordwestdeutschen Aufklärung, so lehrten unter anderen die Professoren Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem, Johann Joachim Eschenburg, Karl Christian Gaertner, Justus Friedrich Wilhelm Zachariae und Johann Arnold Ebert am Collegium Carolinum in Braunschweig. Jerusalem und Ebert waren zudem als Lehrer der späteren Herzogin Anna Amalia tätig.

Heinrich Wall schreibt in seiner Dissertation über „Die Entwicklung der deutschen Dichtung im 18. Jahrhundert und die Männer des Braunschweiger Kreises“[25] und führt die wichtigsten, wenn auch nur die gedruckten Quellenschriften und die Forschungsliteratur zur Interpretation des Verhältnisses des Abtes Johann Friedrich Willhelm Jerusalem zu Anna Amalia auf. Seit Wall gibt es keine weitere Schrift, die noch einmal die Frage nach dem Einfluss des Abtes auf Anna Amalia im Zusammenhang der Beziehungen des Braunschweiger Hofes auch zu Weimar thematisiert hätte[26]. Die Quellen stellen nur eine dürftige Überlieferung der Zeugnisse über die Beziehung Anna Amalias zum Abt Jerusalem dar, so existiert kein überlieferter Briefwechsel zwischen Anna Amalia und Jerusalem – mögliche Briefe sind entweder verloren gegangen oder mit weiteren Familienpapieren des herzoglichen Hauses beim Brand des Schlosses zu Braunschweig im Jahr 1830 vernichtet worden[27]. Nur zwei überlieferte Briefe vom 6. Februar 1772 und vom 9. März 1772 des Abtes an Anna Amalia befinden sich im Staatsarchiv Weimar, und wurden bereits 1901 von Carl Schüddekopf im Braunschweigischen Magazin veröffentlicht[28]. Diese Briefe gelten seither als die zentralen Belege für den erzieherisch-beratenden Einfluss Jerusalems auf Anna Amalia[29]. Jedoch zweifelt Gotthardt Frühsorge „ein enges, im kontinuierlichen beratenden Austausch begründetes Vertrauensverhältnis zwischen dem Braunschweiger Prinzenerzieher und der Herzogin nach ihrem Weggang“ an[30].

Johann Friedrich Willhelm Jerusalem (1709-1789) wird als ein „Mann des Überganges, an der Wende zweier Epochen“ bezeichnet[31]. Er tritt im Juni 1742 in den Dienst des braunschweigischen Herzogs Karl I., wird zunächst als Erzieher des Erbprinzen Karl Wilhelm Ferdinand verpflichtet und zudem mit verschiedenen Aufgaben zum Predigtamt berufen. Neue Quellenbefunde lassen die Funktion des „Gelehrten als Hofmann“[32] deutlich hervortreten. Jerusalem übernahm seitdem auch die Erziehung Anna Amalias, noch vor ihrem dritten Lebensjahr[33]. In den von ihm jährlich verfassten Berichten an Herzog Karl I.[34] wird deutlich, dass der Unterricht der Fürstenkinder nicht nur aus einer schematischen Wissensvermittlung bestand, sondern individuell und situativ angepasst wurde. „Das Ziel dieser Erziehung war, ganz im Sinne einer aufgeklärten Pädagogik, die Vorbereitung auf die Pflichten des Erwachsenenlebens durch die Entwicklung und Förderung der jeweiligen Möglichkeiten des Kindes.“[35].

Ein genauer Stundenplan für Anna Amalia ist nicht überliefert, sie wurde aber im Lesen, Schreiben, Rechnen, in Religion, Geographie und Latein unterrichtet, zudem in englischer und deutscher Sprache, Geschichte, Naturwissenschaften und Mathematik sowie in Zeichnen, Tanzen, Instrumenten- und Kompositionslehre[36].

Über die ersten zehn Lebensjahre der Prinzessin ist nicht viel mehr bekannt, da aus dieser Zeit nur sehr wenige Quellen erhalten sind[37]. Ab 1748 wurde Anna Amalia gemeinsam mit ihrer zwei Jahre älteren Schwester Sophie Caroline Marie unterrichtet[38]. Im Oktober 1748 wurden die Prinzessinnen dem neuen Wolfenbütteler Hofkaplan Matthias Theodor Christoph Mittelstaedt[39] anvertraut. Einen eigens besoldeten Lehrer für die Prinzessinnen konnte oder wollte sich das herzogliche Haus nicht leisten. Die Funktion des Oberaufsehers über die Erziehung der Prinzessinnen übernahmen keine adligen Hofmeister, wie allgemein üblich, sondern diese Funktion wurde von den Gouvernanten übernommen[40]. Mittelstaedt löste den Abt Jerusalem vor allem in der religiösen Unterweisung ab, die in der Prinzessinnenerziehung traditionell den höchsten Rang einnahm[41]. Ab dem Jahr 1748 erhielt Anna Amalia zudem Klavierunterricht vom Kapellisten und Kammermusikus J. Gottfried L. Schwanenberger[42].

Im Jahr 1754 berichtete der Abt Jerusalem über Anna Amalia: „Glauben Sie aber jetzt nicht, dass ich Ihnen dieserwegen Recht gebe, Ihre Schwester Amélie ihr nachzusetzen. Sie müssen wissen, dass diese von ihrem 2en Jahre an meine heroine gewesen ist. Sie sollen auch Ihren caracter kennen. Sie hat die brillante Lebhaftigkeit nicht, aber eben den soliden Verstand, die feine Empfindung, das edele Hertz. [...] Sie wird daher vielleicht nie von allen gekannt werden, den sie wird auch ihre Wolthaten verbergen, aber denen, die das Glück haben ihr nahe zu seyn, wird sie allemal unendlich schätzbar seyn.[...][43]. Diese Beschreibung klingt zunächst positiv, vergleicht man sie jedoch mit der älteren Schwester Sophie Caroline Marie, so wird deutlich, dass diese die eigentlich favorisierte Schülerin des Abtes Jerusalem war, da sie in allen höfischen Verhaltensweisen brillierte, während Anna Amalia wesentlich unsicherer und zurückhaltender war[44].

Anna Amalias Vater, Herzog Karl I., wohnte dem Unterricht nicht bei, ihre Mutter Philippine Charlotte hingegen kontrollierte zumindest den Tanzunterricht[45]. Daneben nahmen die Kinder einmal am Tag eine gemeinsame Mahlzeit mit der Mutter ein, eine Sitte, die auch Anna Amalia später als Mutter weiterführen sollte[46]. Karl I. verabschiedete im Jahr 1748 lediglich einen von Jerusalem entworfenen Unterrichtsplan[47] als verbindliche Vorgabe[48].

Aus der Kindheit der späteren Herzogin sind zwei von Anna Amalia eigenhändig verfasste Dokumente überliefert. Aus dem Jahr 1746 existiert im Niedersächsischen Staatsarchiv Wolfenbüttel ein Brief an ihren Vater in französischer Sprache[49]. Dieser Brief ist eine Rechtfertigung für mangelhafte Lernerfolge und gleichzeitig eine Versicherung ihrer kindlichen Liebe: Sie liebe den Vater nicht weniger als ihre Geschwister, auch wenn ihre Leistungen mit denen derselben noch nicht Schritt halten können. Der zweite Brief vom 1. August 1748 ist ein Glückwunschschreiben der neunjährigen Prinzessin zum Geburtstag ihres Vaters[50]: „Mon très chèr Papa. Je ne puis vous présenter les prémices de ma plume dans un tems plus favorable, qu’en vous rendant les justes devoirs digne de l’honneur que j’ai d’être un très profond respect, Mon très chèr Papa,[…].[51].

Die wenigen vorhandenen Quellen zu Anna Amalias Kindheit und Jugendzeit lassen nur ein unvollständiges Bild von der Herzogin entstehen. Sie deuten jedoch nicht auf eine außergewöhnliche und dramatische Jugend hin, wie dies überwiegend in der älteren biographischen Literatur als Tatsache berichtet wird[52].

Am 28. Dezember 1754 wurde Anna Amalia in der Schlosskirche zu Wolfenbüttel von Mittelstaedt[53] konfirmiert und tat damit einen wichtigen Schritt in die Mündigkeit[54].

Im Goethe- und Schiller-Archiv Weimar wurden autobiographische Aufzeichnungen Anna Amalias[55] gefunden, die Volker Wahl als ein wertvolles Selbstzeugnis von der Hand der Weimarer Herzogin im Bild veröffentlich hat[56]. Diese Aufzeichnungen stehen unter der Überschrift „Meine Gedanken“ und wurden im Nachlass Johann Wolfgang Goethes gefunden. Es handelt sich hierbei um 4 beidseitig beschriebene Blätter, von denen die Forschung annimmt, dass sie um 1772 entstanden sind[57]. Dafür spricht der Tod des Geheimen Rats Johann Poppo von Greiner (1708-1772)[58], über welchen Anna Amalia als väterlichen Freund mit viel Liebe in ihren Aufzeichnungen schreibt: „Ich fand endlich ein(en) Freund mit aller der Freude, die man empfindet, wenn man einen Schatz gefunden hat. Wie glücklich und wie froh war ich! Mit Freuden unternehme ich, von diesen ehrwürdigen Man zu sprechen und meine Dankbarkeit gegen ihn der ganzen Welt bekannt zu machen. Er hieß Greiner, war Geheimder Rath und saß mit in dem Geheimde Conseille. [...] Dieses war der Mann, in deßen Arme ich mich warf, ich liebte ihm als meinen Vater.[59]. Anna Amalia befand sich zu dieser Zeit in einer persönlich schwierigen Situation. Sie führte, 33 Jahre alt und bereits seit 14 Jahren verwitwet, die Regierungsgeschäfte[60] und die Vormundschaft über ihre Söhne Carl August und Constantin[61].

Anna Amalia wurde seit frühester Kindheit im Hinblick auf ihren fürstlichen Stand auf ihre zukünftigen Aufgaben am Hof vorbereitet, worüber sie in ihren autobiographischen Aufzeichnungen berichtet: „Meine Erziehung zielte auf nichts weniger, als mich zu eine(r) Regentin zu bilden. Sie war, wie alle Fürstenkinder erzogen werden. Diejenigen, die zu meiner Erziehung bestimmt waren, hatten noch selbst nöthig, gouverniret zu werden. Eine Person, die sich völlig ihren Leidenschaften überließ, war die, die ein junges Herz führen sollte. Sie hatte leider viele Leidenschaften, folglich auch viele Launen, die ich allein entgelten musste. Nicht geliebt von meinen Eltern, immer zurückgesetzt, meinen Geschwistern in allen Stücken nachgesetzt, nannte man mich nur den Ausschuß der Natur. [...] Es brachte mich öfters zur Verzweiflung sogar, dass ich einmahl mir das Leben ne(m)en wollte.[62].

In dieser Passage kommt deutlich zum Ausdruck, dass Anna Amalia darunter gelitten hatte, dass die Eltern ihre ältere Schwester Sophie Caroline Marie bevorzugten[63] und dass diese „von der Natur aus mit den äußeren Vorzügen des weiblichen Geschlechts vorzüglicher ausgestattet war“, während sie sich nur überdurchschnittlicher geistiger Fähigkeiten rühmen konnte[64]. Dieses Trauma hat die Prinzessin ihr ganzes Leben lang begleitet, aber andererseits war ihre Mutter für sie die wichtigste Bezugsperson[65].

2.2 Hochzeit mit Ernst August II. Constantin zu Sachsen-Weimar-Eisenach im Jahr 1756

Als am 19. Januar 1748 der Herzog Ernst August von Sachsen-Weimar starb, hinterließ er als Waisenkind den damals elfjährigen Erbprinzen Ernst August II. Constantin (geb. 1737) sowie einen stark verschuldeten Staat. Über die Vormundschaft für den minderjährigen Erbprinzen verhandelte man nicht nur vor dem Reichshofrat in Wien, sondern auch auf dem Reichstag in Regensburg[66], so dass auch das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel mit dieser Angelegenheit befasst war. Die Vormundschaft[67] über den jungen Prinzen wurde sowohl von Herzog Friedrich III. von Sachsen-Gotha-Altenburg (1699-1772) als auch von Herzog Franz Josias von Sachsen-Coburg-Saalfeld (1697-1764) beansprucht. Am 17. September 1749 wurde ein Vergleich[68] geschlossen, welcher bestimmte, dass Franz Josias von Coburg die vormundschaftliche Regierung in Weimar, Friedrich III. von Gotha hingegen jene dem mit Weimar verbundenen Fürstenhaus Eisenach führen sollte[69].

Der Erbprinz war häufig krank, so dass man seinen baldigen Tod befürchtete und daher in Weimar beschloss, möglichst rasch für Ernst August II. Constantin die Volljährigkeitserklärung, die „venia aetatis“[70], durch den Kaiser in Wien zu erhalten und ihn dadurch zu einer Heirat zu ermutigen. Nachdem Ernst August II. Constantin im Jahr 1755 die Regierung im Fürstentum Sachsen-Weimar übernommen hatte, sandte der Direktor des Weimarer Obervormundschaftskollegiums Carl Gustav von Mandelsloh am 2. Februar 1755 einen Brief an Herzog Karl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel: er teilte Ernst August II. Constantins Absicht mit, eine der Töchter Karls I. zu heiraten und bat um ein Bild der von ihm für diese Heirat auszuwählenden Tochter[71].

Offensichtlich erhielt Mandelsloh eine positive Antwort aus Braunschweig, denn bereits am 10. Februar 1756 brach Ernst August II. Constantin mit seinem ehemaligen Erzieher und nunmehr leitenden Minister Heinrich Reichsgraf von Bünau und dem Hofrat Jacob Friedrich Freiherr von Fritsch nach Braunschweig auf[72]. Am 20. Februar 1756 teilte Philippine Charlotte ihrem Bruder Friedrich dem Großen mit, Ernst August II. Constantin habe um die Hand ihrer Tochter Anna Amalia angehalten und sie und Herzog Karl I. hätten bereits ihre Zustimmung erteilt, da dies ein „établissement convenable“ für die Tochter sei[73]. Die Hochzeit Anna Amalias und Ernst August II. Constantins wurde auf den 16. März 1756 festgesetzt[74]. Anna Amalia schreibt dazu in ihren autobiographischen Aufzeichnungen: „In meinem 16ten Jahre wurde ich aus denen harten Banden erlöset. Man verheirathete mich so wie gewöhniglich man Fürstinen vermählt. Sie werden glauben, da ich nun aus denen Feßeln befreiet war, müße ich gewesen seyn wie ein junges Füllen, welches seine Freyheit bekomt; nichts weniger: ich fühlte mich vielmehr wie eine Person, die nach einer großen ausgestandenen Kranckheit in ihrer Gefesung (= Genesung, d.A.) sich noch kraftloß fühlet.[75]. Die junge Prinzessin schien die bevorstehende Heirat mit Ernst August II. Constantin als zwangsläufigen Vorgang, aber auch als das Ende ihrer bedrückenden Jugend in Braunschweig zu betrachten.

Diese Eheschließung und damit die dynastische Verbindung zwischen den Fürstenhäusern Braunschweig-Wolfenbüttel und Sachsen-Weimar hatte vorrangig politische Gründe, denn mit einer braunschweigischen Prinzessin in Weimar konnte bei den ständigen Rivalitäten unter den ernestinischen Häusern und anderen Verwicklungen nun über Philippine Charlotte als Schwester Friedrichs des Großen die Unterstützung Preußens erhofft werden. Die Berechtigung derartiger politischer Überlegungen zeigte sich am Ende des Siebenjährigen Krieges im Jahr 1763, als Anna Amalia bei ihrem Onkel Friedrich den Großen erreichen konnte, dass Sachsen-Weimar weitgehend von der Stellung der Truppenkontingente für die preußische Armee verschont blieb[76]. Anna Amalia bewunderte und verehrte Friedrich den Großen, wie Philippine Charlotte am 8. Dezember 1762 an ihren Bruder schrieb: „Enfin j’ose vous dire qu’elle est tout enthousiasmée sur vôtre sujet au point de se décider de se sacrifier pour vous.[77].

Ein weiterer Grund für die Eheschließung ist die Sicherung der Erbfolge des Hauses Sachsen-Weimar. Sollte Herzog Ernst August II. Constantin ohne männliche Nachkommen sterben, so würden seine Fürstentümer Weimar und Eisenach an seine konkurrierenden Verwandten Herzog Friedrich II. von Sachsen-Gotha-Altenburg oder an Herzog Franz Josias von Sachsen-Coburg-Saalfeld gehen[78]. Für Anna Amalia war der Bräutigam jenseits dieser machtpolitischen Überlegungen ein „unbeschriebenes Blatt“[79]: nach der Verlobung blieben ihr und Ernst August II. Constantin nur drei Wochen Zeit, um sich kennen zu lernen[80]. Gabriele Henkel und Wulf Otte schließen Liebesgefühle als Motiv der Heirat gänzlich aus[81], können diese Vermutung aber nicht durch Quellen belegen.

In den Wochen bis zur Hochzeit wurde in Braunschweig über den Ehevertrag[82] verhandelt[83]. Der Ehevertrag anlässlich der Vermählung von Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbüttel und Ernst August II. Constantin von Sachsen-Weimar regelte auf sechzehn Seiten die finanziellen Vereinbarungen, also die Mitgift und die Rentenzahlungen der Brauteltern für die Tochter, die Morgengabe des Bräutigams an die Braut und ihre Versorgung im Falle ihrer Verwitwung. Ihre Mitgift betrug 18.000 Taler, die von den Landständen bewilligt, aber von der Bevölkerung als Prinzessinnensteuer aufgebracht werden musste[84]. Von Ernst August II. Constantin erhielt sie ebenfalls 18.000 Taler und als Morgengabe zusätzlich 5.000 Taler, zum Unterhalt sollten Anna Amalia jährlich 6.000 Taler zur Verfügung stehen. Als Sicherheit für den Fall des Witwenstandes wurde ihr das Gut Allstedt übertragen. Anna Amalia verzichtete, wie damals üblich, in einem besonderen Revers auf ihre Erbansprüche am Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel beim Vorhandensein männlicher Erben[85]. Als persönliche Bedienstete sollten ihr in Weimar ein Oberhofmeister, eine Oberhofmeisterin, zwei beziehungsweise drei adlige Hofdamen zustehen, außerdem waren zwei Kammerjungfrauen vorgesehen sowie ein bis zwei Garderobenmädchen und drei bis vier Lakaien[86]. Der Vertrag ist in einem repräsentativen, mit rotem Samt überzogenen Einband eingefasst. Die beiden Unterschriften und das in einer vergoldeten Kapsel geschützte Siegel bestätigen die Gültigkeit des am 16. März 1756 geschlossenen Vertrages[87].

Die Vermählung Anna Amalias und Ernst August II. Constantins wurde auf sogenannten Einblattdrucken[88] bekannt gegeben, diese wurden in allen Orten angeschlagen und von den Kanzeln verlesen, die Gemeinden wurden darin aufgefordert, für das Brautpaar zu beten[89].

[...]


[1] Henkel, Gabriele; Otte, Wulf, Herzogin Anna Amalia – Braunschweig und Weimar. Stationen eines Frauenlebens im 18. Jahrhundert (Veröffentlichungen des Braunschweigischen Landesmuseums 79, hg. von Gerd Biegel), Braunschweig 1995, S.7 [Im Folgenden kurz: Henkel, Stationen].

[2] Berger, Leonie und Joachim, Anna Amalia von Weimar. Eine Biographie, München 2006, S.7f. [Im Folgenden kurz: Berger, Biographie].

[3] Vergleiche dazu im Titel: Salentin, Ursula, Anna Amalia. Wegbereiterin der Weimarer Klassik, Köln Weimar Wien 32001 [Im Folgenden kurz: Salentin, Anna Amalia].

[4] Die Eisenacher Regierung versprach Anna Amalia, man werde sie „als unsere theuerste mit allen fürstlichen Tugenden und hohen Eigenschaften begabte Landes Mutter verehren.“, Regierung Eisenach an Anna Amalia, Eisenach 23.3.1756, in: ThHStAW A 146 (o.S.).

[5] Anna Amalia, Autobiographisches Fragment, GSA 36/VII, 18, zitiert nach: Wahl, Volker, „Meine Gedanken“. Autobiographische Aufzeichnung der Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar. „Andenken“ und „Grabinschrift“, in: Raabe, Paul (Hg.), Wolfenbütteler Beiträge. Aus den Schätzen der Herzog August Bibliothek, Band 9, Wiesbaden 1994, S.99-122, hier: S.108 [Im Folgenden kurz: Wahl, Meine Gedanken].

[6] Anna Amalia, Autobiographisches Fragment, GSA 36/VII, 18, abgedruckt bei: Wahl, Meine Gedanken, S.101-117.

[7] Henkel, Stationen, S.21.

[8] Das autobiographische Fragment ist vermutlich nach dem Tod von Anna Amalias Vertrauten, dem Geheimen Rat Johann Poppo von Greiner im Jahr 1772 entstanden. Vergleiche dazu auch Kapitel 2.1 dieser Arbeit.

[9] Anna Amalia, Journal (eigenhändig), Teil 1: 15.8.–31.12.1788; Teil 2: 1.1. –31.12.1789; Teil 3: 1.1. –10.6.1790; ThHStAW HA XVIII 153-155.

[10] Berger, Biographie, S.9.

[11] Berger, Joachim, Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach (1739–1807). Denk- und Handlungsspielräume einer „aufgeklärten“ Herzogin, Heidelberg 2003, S.556 [Im Folgenden kurz: Berger, Aufgeklärte Herzogin].

[12] Berger, Biographie, S.9.

[13] Arndt, F., Mütter berühmter Männer, Heft 3: Anna Amalia, Herzogin von Sachsen-Weimar, die Mutter Carl Augusts, Berlin 1872 [Im Folgenden kurz: Arndt, Mütter]; Bornhak, Friderike, Anna Amalia, Herzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach, die Begründerin der klassischen Zeit Weimars. Briefwechsel Anna Amalias mit Friedrich dem Großen, Berlin 1892 [Im Folgenden kurz: Bornhak, Briefwechsel]; Schüddekopf, Carl, Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar und Abt Jerusalem, in: Braunschweigisches Magazin, Nr. 10, 1901 [Im Folgenden kurz: Schüddekopf, Herzogin]; Bode, Wilhelm, Amalie Herzogin von Weimar, Band 1 (Das vorgoethische Weimar), Berlin 1908 [Im Folgenden kurz: Bode, Amalie]; Heuschele, Otto, Herzogin Anna Amalia. Die Begründerin des weimarischen Musenhofes, München 21949 [Im Folgenden kurz: Heuschele, Begründerin].

[14] Vergleiche unter anderen: Lyncker, Karl, Am weimarischen Hofe unter Amalien und Karl August. Erinnerungen, hg. von Scheller, Marie, Berlin 1912.

[15] Publiziert in: Raabe, Paul (Hg.), Wolfenbütteler Beiträge. Aus den Schätzen der Herzog August Bibliothek, Band 9, Wiesbaden 1994 [Im Folgenden kurz: Raabe, Beiträge].

[16] Berger, Aufgeklärte Herzogin.

[17] ThHStAW HA A XVIII 1-169, Teile im Goethe- und Schillerarchiv der Klassik-Stiftung Weimar und in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar.

[18] Seemann, Annette, Anna Amalia. Herzogin von Weimar, Frankfurt am Main und Leipzig 2007 [Im Folgenden kurz: Seemann, Anna Amalia].

[19] Salentin, Anna Amalia.

[20] Berger, Biographie.

[21] Vergleiche dazu u.a.: Scheel, Günter, Braunschweig-Wolfenbüttel und Sachsen-Weimar in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts – Dynastische, politische und geistige Beziehungen, in: Raabe, Beiträge, S.1-30, hier: S.3 [Im Folgenden kurz: Scheel, Beziehungen]; Seemann, Anna Amalia, S.11; Berger, Biographie, S. 14; Berger, Aufgeklärte Herzogin, S. 46.

[22] Belege für Zahlenangabe: Moderzack, Richard, Braunschweigische Stadtgeschichte, Band 1, Braunschweig 1985, S.69.

[23] Seemann, Anna Amalia, S.11.

[24] Henkel, Stationen, S.17; Scheel, Beziehungen, S.2.

[25] Wall, Heinrich, „Die Entwicklung der deutschen Dichtung im 18. Jahrhundert und die Männer des Braunschweiger Kreises“, Braunschweig 1925.

[26] Frühsorge, Gotthardt, Der Abt Jerusalem als Erzieher und Berater Anna Amalias, in: Raabe, Paul (Hg.), Wolfenbütteler Beiträge. Aus den Schätzen der Herzog August Bibliothek, Band 9, Wiesbaden 1994, S.55-65, hier: S.55 [Im Folgenden kurz: Frühsorge, Abt Jerusalem].

[27] Ebd., S.57.

[28] Schüddekopf, Herzogin.

[29] Frühsorge, Abt Jerusalem, S.57.

[30] Ebd. S. 59; Vergleiche dazu auch: Berger, Aufgeklärte Herzogin, S.54.

[31] Frühsorge, Abt Jerusalem, S.60.

[32] Vergleiche im Titel: Frühsorge, Gotthardt, Johann Friedrich Wilhelm: Der Gelehrte als Hof-Mann, in: Pollmann, Klaus Erich (Hg.), Abt Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem (1709–1789). Beiträge zu einem Colloquium anlässlich seines 200. Todestages, Braunschweig 1991, S.43-51; Ein biographischer Artikel, der 1753 für einen nicht gedruckten Hofkalender angefertigt wurde, nennt Jerusalem seit 1742 mit der „Unterweißung des durchlauchtigsten Erbprinzen und der ältesten durchlauchtigsten Prinzessin“, also Carolines, beschäftigt. Vergleiche dazu NStAW VI Hs.10, Nr. 6, Bl.171; Berger, Aufgeklärte Herzogin, S.51.

[33] Henkel, Stationen, S.18; Seemann, Anna Amalia, S.13.

[34] Die Berichte von 1750 und 1751 sind fragmentarisch im Nachlass Jerusalems erhalten geblieben und abgedruckt bei: Zimmermann, Paul, Abt Jerusalems Berichte über die Erziehung der Kinder Herzog Karls I. insbesondere des Erbprinzen Karl Wilhelm Ferdinand, in: Jahrbuch des Geschichtsvereins für das Herzogtum Braunschweig, 5. Jahrgang, 1906, S.129-164, hier: S.133-152.

[35] Henkel, Stationen, S. 18.

[36] 1757 wurde von Dorothea Henriette von Runckel ein Fächerkanon für Fürstentöchter entwickelt, der neben Religion und „Sittenlehre“ auch Schreiben, Rechnen, Sprachen, Geografie, Tanzen und die „Vernunftlehre“ zum Erkennen der Wahrheit vorsieht. Weiterhin sollen die „nützlichen und angenehmen Kenntnisse“ wie Musik, Zeichnen, Poesie, Mythologie und Hauswirtschaft unterrichtet werden. Vergleiche zur Ausbildung von Fürstentöchtern: Kleinau, Elke; Mayer, Christine (Hg.), Erziehung und Bildung des weiblichen Geschlechts. Eine kommentierte Quellensammlung zur Bildungs- und Berufsbildungsgeschichte von Mädchen und Frauen, Band 1, Weinheim 1996, S. 39-42 [Im Folgenden kurz: Kleinau, Erziehung]; Seemann, Anna Amalia, S.15; Berger, Biographie, S. 19; Berger, Aufgeklärte Herzogin, S.55. Das Unterrichtsprogramm für Anna Amalia und ihre ältere Schwester Caroline entsprach in etwa der Praxis des Bayreuther Hofes; Vergleiche dazu ThHStAW A 67c, Bl.2; ThHSTAW A 67a, Bl.38-40.

[37] Berger, Aufgeklärte Herzogin S.46-48; Scheel, Beziehungen, S.8; Berger, Biographie, S.19.

[38] Prinzessinnen im 17. und 18. Jahrhundert wurden meist ohne Rücksicht auf den Altersunterschied und individuelle Fähigkeiten gemeinsam unterrichtet; Vergleiche dazu auch: Multer, Rita, Pädagogische Perspektiven in deutsche Fürstenspiegeln und Erziehungsinstruktionen von Fürstinnen und für Fürstinnen in der Frühen Neuzeit, Diss. Eichstätt 1998, S.244f., 260, 263f., 266f. [Im Folgenden kurz: Multer, Pädagogische Perspektiven].

[39] Der Schulrektorensohn wurde 1712 im brandenburgischen Frisack geboren, hatte die Schule des Waisenhauses zu Halle besucht und an der dortigen Universität Theologie studiert. In den Jahren 1744 bis 1747 bekleidete er Pastorenstellen in Lübeck und Krahne. Den Kontakt zum braunschweigischen Geheimen Rat Schrader von Schliestdt stellte er im Juni 1748 über Otto Johann von Wittorf, dem Hofmeister des Erbprinzen, her. Schrader von Schliestedt war zu dieser Zeit der Berater Herzog Karls I. Die wichtigste Funktion Mittelstaedts am braunschweigischen Hof war die sonntägliche Predigt in der Schlosskirche vor der fürstlichen Familie, die er jeden dritten Sonntag im Monat an Hofprediger Jerusalem abtrat. Vergleiche dazu u.a.: Freist, Friedrich Wilhelm, Die Pastoren der braunschweigischen evangelisch-lutherischen Landeskirche seit Einführung der Reformation, Bd.2, Wolfenbüttel 1974, S.207; Berger, Aufgeklärte Herzogin, S.54f.

[40] Berger, Aufgeklärte Herzogin, S.55.

[41] Multer, Pädagogische Perspektiven, S.142, 153, 157, 163f.

[42] Besoldungsquittungen für Schwanenberger in: NStAW 4 Alt 19, Nr. 1435.

[43] Schüddekopf, Herzogin, S.73; Berger, Biographie, S.20.

[44] Seemann, Anna Amalia, S.21.

[45] Berger, Aufgeklärte Herzogin, S.49; Philippine Charlotte schreibt in einem Brief an ihren Mann Herzog Karl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel (vor dem 5. Oktober 1748): „[...] les Enfans ont été très joli chacun selon sa portée.“, in: NStAW 1 Alt 22, Nr. 756, Bl. 166.

[46] Seemann, Anna Amalia, S.15.

[47] Es gilt zu bedenken, dass der Unterrichtsplan Jerusalems wahrscheinlich bis 1756 fortentwickelt wurde. Vergleiche dazu: Berger, Aufgeklärte Herzogin, S.57.

[48] Reskript Carls I. von Braunschweig-Wolfenbüttel an Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem, „die Information der fürstlichen Kinder betreffend“, Wolfenbüttel 25.10.1748 (Konzept; das Original wurde am 26.10.1748 zugestellt), NStAW 2 Alt 71, Bl. 2; Jerusalems Entwurf des Unterrichtsplans, ohne Datum: ebd., Bl. 3-10; Berger, Biographie, S.20; Berger, Aufgeklärte Herzogin, S.51.

[49] NStAW 1 Alt 24, Nr. 304, Blatt 2a-3a.

[50] NStAW 1 Alt 24, Nr. 304, Bl. 4a-5b.

[51] Abgedruckt bei: Seemann, Anna Amalia, S.16f.

[52] Vergleiche dazu u.a.: Bornhak, Briefwechsel, S.6; Hassel, Henriette, Geschichte der Deutschen Frauenwelt in der Culturbewegung der Zeiten bis zur Gegenwart. Mitgabe für Frauen und Töchter der gebildeten Stände, Braunschweig 1898, S.305; Bode, Amalie, S. 2f.; Heuschele, Begründerin, S.38f.; Armenat, Gabriele, Frauen aus Braunschweig, Braunschweig 31991, S.46.

[53] Berger, Aufgeklärte Herzogin, S.59.

[54] Schüddekopf, Herzogin, S.73-76.

[55] Die Handschrift Anna Amalias wird im Goethe- und Schiller-Archiv Weimar unter der Signatur GSA 36/VII, 18 aufbewahrt.

[56] Wahl, Meine Gedanken, S.102-116.

[57] Wahl, Meine Gedanken, S.99.

[58] Zum Geheimen Rat und Geheimen Consilium vergleiche Kapitel 3.1.1 dieser Arbeit.

[59] Anna Amalia, Autobiographisches Fragment, GSA 36/VII, 18; zitiert nach Wahl, Meine Gedanken, S.112-114.

[60] Zur Vormundschaftsregierung Anna Amalias vergleiche Kapitel 3 dieser Arbeit.

[61] Henkel, Stationen, S.21.

[62] Anna Amalia, Autobiographisches Fragment, GSA 36/VII, 18; zitiert nach Wahl, Meine Gedanken, S.106.

[63] Es kann aber nicht als gesichert gelten, dass die Mutter Philippine Charlotte Anna Amalias Schwester Caroline bevorzugte. Vergleiche dazu Henkel, Stationen, S.22.

[64] Scheel, Beziehungen, S.10; Henkel, Stationen, S.22.

[65] NStAW 1 Alt 5 Nr. 784, Blatt 32, 58-78; NStAW 1 Alt 25 Nr. 291, Blatt 6, gedruckt in: Droysen, Hans (Hg.), Aus den Briefen der Herzogin Philippine Charlotte von Braunschweig, Band 1 (1732–1768), Wolfenbüttel 1916 (Quellen und Forschungen zur braunschweigischen Geschichte 8), S.136-139 [Im Folgenden kurz: Droysen, Briefe]; Scheel, Beziehungen, S.11.

[66] Vergleiche Huschke, Wolfgang, Politische Geschichte von 1572–1775. Die Weimarischen Nachfolgestaaten, in: Patze, Hans; Schlesinger, Walter (Hg.), Geschichte Thüringens, Band 5,1,1, Köln und Wien 1982, S.251-388, hier: S.304 [Im Folgenden kurz: Huschke, Politische Geschichte].

[67] Zur Vormundschaft über Ernst August Constantin (1748–1756) und dessen Regierung (1756–1758) vergleiche: Mentz, Georg, Weimarische Staats- und Regentengeschichte vom Westfälischen Frieden bis zum Regierungsantritt Carl Augusts, Jena 1936, S.32-38 [Im Folgenden kurz: Mentz, Staats- und Regentengeschichte]; Huschke, Politische Geschichte, S.367-374.

[68] Text des Vergleichs: NStAW 1 Alt 5 Nr. 779, Bl. 140-143.

[69] Scheel, Beziehungen, S.4f.

[70] Vergleiche dazu: Seemann, Anna Amalia, S.32.

[71] NStAW 1 Alt 24 Nr. 304, Bl. 6-7a.

[72] Berger, Biographie, S.16; Scheel, Beziehungen, S.6.

[73] Droysen, Briefe, S.109.

[74] Vergleiche u.a. Henkel, Stationen, S.24; Seemann, Anna Amalia, S.32; Scheel, Beziehungen, S.8; Berger, Biographie, S.16.

[75] Anna Amalia, Autobiographisches Fragment, GSA 36/VII, 18; zitiert nach Wahl, Meine Gedanken, S.106.

[76] Scheel, Beziehungen, S.7; Vergleiche auch Kapitel 3.2 dieser Arbeit.

[77] Droysen, Briefe, S.173.

[78] Vergleiche zu den dynastischen Verbindungen auch Henkel, Stationen, S.24.

[79] Seemann, Anna Amalia, S.34.

[80] Vergleiche dazu u.a. Scheel, Beziehungen, S.8; Henkel, Stationen, S.24; Seemann, Anna Amalia, S.34; Salentin, Anna Amalia , S.14.

[81] Henkel, Stationen, S.24.

[82] NStAW 3 Urk 5 Nr. 56, 57 (Originale); NStAW 1 Alt 24 Nr. 302, Bl.1-12 (Abschrift); NStAW 1 Alt 24 Nr. 302, Bl. 13-26 (Konzeptabschrift).

[83] Berger, Biographie, S.16.

[84] NStAW 40 Slg Nr. 8456, 8457.

[85] NStAW 3 Urk 5 Nr.57. Das achtseitige Dokument ist mit zwei in Holzkapseln gefassten Siegeln beurkundet.

[86] Scheel, Beziehungen, S.11.

[87] Henkel, Stationen, S.58.

[88] NStAW 40 Slg Nr. 8089, 8090.

[89] Henkel, Stationen, S.58.

Ende der Leseprobe aus 63 Seiten

Details

Titel
Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar (1739-1807)
Untertitel
Reflexionen zum Mythos einer Regentin
Hochschule
Universität Leipzig
Note
1-2
Autor
Jahr
2008
Seiten
63
Katalognummer
V120975
ISBN (eBook)
9783640250479
ISBN (Buch)
9783656057581
Dateigröße
727 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Herzogin, Anna, Amalia, Sachsen-Weimar
Arbeit zitieren
Maria Moeßner (Autor:in), 2008, Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar (1739-1807), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120975

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