Als eine „angeborene, unheilbare Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung des Gehirns“ beschreiben sowohl Ärzte als auch Betroffene die tiefgreifende Entwicklungsstörung Autismus.
Im Zentrum der Diagnosekriterien des Autismus stehen schwerwiegende Störungen in den Bereichen der Kommunikations-, Wahrnehmungs- und Beziehungsfähigkeit eines Menschen. Unterschieden wird der Autismus in den frühkindlichen Autismus, der auch als Kanner-Syndrom bekannt ist, und das Asperger-Syndrom.
Über die Diagnosekriterien des Autismus besteht heute weitgehend Einstimmigkeit. Über dessen Ursachen und Behandlung jedoch nicht. Vermutlich aus diesem Grund kam es zu einer Vielzahl an halbwissenschaftlichen Publikationen über mögliche Ursachen und Behandlungsmethoden, die von den seriösen wissenschaftlichen Forschungen nur schwer zu unterscheiden sind, da man keine festen Unterscheidungsmerkmale hat. Gerade für den Laien, der sich mit dem Autismus beschäftigt, ist es schier unmöglich die Informationen zu filtern. Es besteht keine konkrete Übersicht, in denen veraltete oder fehlerhafte Forschungsergebnisse entsprechend gekennzeichnet sind.
Asperger und Wing gehen davon aus, dass auch nicht autistische Kinder in ihrer Entwicklung autistische Phasen durchleben und kurzfristig abnorme Verhaltensmuster zeigen. Da diese jedoch nur von kurzer Dauer sind lässt sich die Grenze zu autistischen Kindern auf lange Zeit betrachtet gut und sicher bestimmen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsklärung
3 Symptomatik - Die internationalen Klassifikationssysteme DSM-IV und ICD-10
3.1 Der Autismus in ICD-10
3.2 Der Autismus in DSM-IV
4 Autismusformen – Eine Gegenüberstellung des frühkindlichen Autismus und des Asperger-Syndroms
4.1 Der frühkindliche Autismus
4.2 Das Asperger-Syndrom
5 Abgrenzungen zu anderen Krankheitsbildern
5.1 Abgrenzung zur Kindheitsschizophrenie mit ungewöhnlich frühem Beginn
5.2 Abgrenzung zur geistigen Behinderung
5.3 Abgrenzung zum Hospitalismus
6 Mögliche Ursachen des Autismus
6.1 Sind die Eltern Schuld?
6.2 Der heutige Stand der Forschung
7 Mögliche Behandlungs- und Therapieformen
7.1 Allgemeine Informationen zur Behandlung und Therapie von Autismus
7.2 Bedeutung der Früherkennung und Frühbehandlung
7.3 Die Therapie und Behandlungsansätze - „Fördern statt fordern“
7.3.1 Musiktherapie
7.3.2 Medikation
8 Abschließende Betrachtung
9 Literatur- und Quellenverzeichnis
9.1 Literaturangaben
9.2 Internetquellen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, einen Überblick über das komplexe Krankheitsbild des Autismus zu geben, indem die Symptomatik, Differenzierung und therapeutische Ansätze auf wissenschaftlicher Basis beleuchtet werden, um der Verbreitung halbwissenschaftlicher Informationen entgegenzuwirken.
- Klassifikationskriterien nach DSM-IV und ICD-10
- Differenzierung zwischen frühkindlichem Autismus und Asperger-Syndrom
- Abgrenzung zu anderen psychischen Störungen wie Schizophrenie oder Hospitalismus
- Diskussion biologischer Ursachenforschung
- Überblick über verschiedene therapeutische Behandlungsansätze
Auszug aus dem Buch
4.2 Das Asperger-Syndrom
Unabhängig von Kanner entdeckte der Wiener Psychiater Hans Asperger bei mehreren Jugendlichen eine Struktur abnormen Verhaltens und fasste dies unter der Bezeichnung „autistische Psychopathie“ zusammen. Darunter verstand er eine „Abnormität der Persönlichkeit“. Bei seiner Beschreibung der Autisten handelt es sich um Menschen, die sehr gesellig und sprachlich geschickt sind aber geringe motorische Fähigkeiten besitzen, dabei aber über hochentwickelte Spezialinteressen verfügen. Dabei sind nicht nur die Interessengebiete als solche meist ungewöhnlich, wie die Beschäftigung mit Kirchtürmen oder Biersorten, sondern auch das Ausmaß ist apart. Die soziale Interaktion von Menschen mit Asperger-Syndrom ist in dahingehend gestört, dass es ihnen oft nicht möglich ist emotional mit anderen mitzufühlen. Freude, Wut und Trauer mit anderen Menschen mitfühlen und teilen zu können ist ihnen durch ihre Behinderung meist unmöglich.
Da die Beschreibung eines Autisten sich deutlich von der von Kanner unterschied, kam es zu einer Aufspaltung von Kanner- und Asperger-Autisten im Autismusbegriff. Ebenso wie Bleuler Anfang des 20. Jahrhunderts klassifiziert Asperger den Autismus als eine Psychopathie, die sich als eine vererbbare Charakter- und Triebbesonderheit in der Struktur des Menschen beschreiben lässt, durch welche es zu Konflikten im Betroffenen selbst sowie mit seinen Mitmenschen kommt. Heute wird die von Asperger beschriebene Form des Autismus als Asperger-Syndrom bezeichnet.
Die bereits beschriebenen Klassifikationsschemata, DSM-IV und ICD-10, rechnen das Asperger-Syndrom, ebenso wie den frühkindlichen Autismus zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert Autismus als tiefgreifende Entwicklungsstörung und weist auf die Schwierigkeit hin, fundierte von halbwissenschaftlichen Informationen zu unterscheiden.
2 Begriffsklärung: Dieses Kapitel erläutert die etymologische Herkunft des Begriffs Autismus und dessen historische Einordnung durch Eugen Bleuler sowie die späteren Differenzierungen durch Kanner und Asperger.
3 Symptomatik - Die internationalen Klassifikationssysteme DSM-IV und ICD-10: Hier werden die zentralen Diagnosekriterien und die Einordnung des Autismus in den internationalen Klassifikationssystemen detailliert dargelegt.
4 Autismusformen – Eine Gegenüberstellung des frühkindlichen Autismus und des Asperger-Syndroms: Dieses Kapitel vergleicht die zwei Hauptformen des Autismus anhand von Aspekten wie Sprachbeginn, Intelligenz und sozialem Verhalten.
5 Abgrenzungen zu anderen Krankheitsbildern: Hier erfolgt eine Abgrenzung des Autismus von ähnlichen Störungsbildern wie der Kindheitsschizophrenie, geistiger Behinderung und dem Hospitalismus.
6 Mögliche Ursachen des Autismus: Das Kapitel räumt mit veralteten Mythen über elterliche Schuld auf und diskutiert aktuelle Forschungsergebnisse, die für biologische Ursachen sprechen.
7 Mögliche Behandlungs- und Therapieformen: Es werden verschiedene therapeutische Ansätze vorgestellt, die das Ziel verfolgen, die Entwicklung des Patienten zu fördern, sowie der Stellenwert der Früherkennung unterstrichen.
8 Abschließende Betrachtung: Das Fazit fasst die Komplexität des Themas zusammen und betont die Notwendigkeit, neben den Patienten auch Angehörige in den therapeutischen Prozess einzubeziehen.
9 Literatur- und Quellenverzeichnis: Dies ist ein Verzeichnis der verwendeten Fachliteratur und Internetquellen.
Schlüsselwörter
Autismus, Asperger-Syndrom, Kanner-Syndrom, Frühkindlicher Autismus, DSM-IV, ICD-10, Wahrnehmungsstörung, Entwicklungsstörung, Früherkennung, Musiktherapie, Neurochemie, Serotonin, Autistische Psychopathie, Sozialverhalten, Tiefgreifende Entwicklungsstörung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit gibt einen wissenschaftlich fundierten Überblick über das Krankheitsbild Autismus, dessen diagnostische Merkmale und die unterschiedlichen Therapieansätze.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition und Klassifikation von Autismus, der Unterscheidung verschiedener Autismusformen, der Ursachenforschung sowie therapeutischen Möglichkeiten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, eine klare und strukturierte Übersicht über das Störungsbild zu schaffen, um die Informationsvielfalt für Laien und Interessierte besser einordnen zu können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Quellenrecherche, die verschiedene klinische Klassifikationssysteme und medizinische Fachpublikationen auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die diagnostische Einordnung nach DSM-IV und ICD-10, den direkten Vergleich zwischen frühkindlichem Autismus und Asperger-Syndrom sowie eine umfassende Betrachtung der Behandlungsansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Autismus, Asperger-Syndrom, Kanner-Syndrom, Frühdiagnostik, biologische Ursachen und tiefgreifende Entwicklungsstörungen.
Wie unterscheidet sich das Asperger-Syndrom vom frühkindlichen Autismus nach Ansicht der Autorin?
Das Asperger-Syndrom zeichnet sich unter anderem durch einen früheren Sprachbeginn, eine normale bis hohe Intelligenz und meist motorische Koordinationsstörungen aus, während der frühkindliche Autismus oft mit geistiger Behinderung und fehlender Sprachentwicklung einhergeht.
Warum wird die elterliche Erziehung als Ursache heute abgelehnt?
Aktuelle klinische Untersuchungen widersprechen der in der Vergangenheit verbreiteten Theorie, dass mangelnde Liebe oder Zuwendung der Eltern Autismus auslösen könnten; die Forschung deutet stattdessen auf biologische Ursachen hin.
Welche Rolle spielt die Musiktherapie in der Behandlung von Autisten?
Sie wird als kommunikationsorientierte Therapieform eingesetzt, um in einer regressiven Phase verschlossene Kommunikationskanäle zu öffnen und das Kind schrittweise in eine soziale Interaktion zu führen.
- Quote paper
- Anna Pfeilsticker (Author), 2007, Autismus - Symptome, mögliche Ursachen und Behandlungsformen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121006